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Insftliitr Kreisblutt.

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Ur. 20.

Donnerstag den 16» Februar

1893.

Erstes Platt.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. Februar 1893.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden hierdurch angewiesen, die Gebäude-Eigenthümer Ihrer Gemeinden rc. in geeigneter Weise auf die anscheinend vielfach in Vergessenheit gerathenen Bestimmungen der noch gültigen Kurhessischen Verordnung vom 19. August 1792, betreffend das Flachsarbeiten bei Licht und des Re- gierungs-Ausschreibens vom 9. April 1817, be­treffend das Flachsdörren am Ofen mit dem Hinzufügen aufmerksam zu machen, daß hier­nach Brandschäden, welche durch Flachsarbeiten bei Licht oder durch Flachsdörren am Ofen ent­standen sind, von der Hessischen Brandversiche- rungs-Anstalt nicht vergütet werden.

J. I. Nr. 895. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Homberg, den 13. Februar 1893.

Königliches Landrathsamt benachrichtige ich er- gebenst, daß unter dem Rindviehbestande des Guts­besitzers Hermann Gombert zu Holzhausen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.

Der Landrath v. Gehren. An Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. J.-Nr. 1230.

Hersfeld, den 15. Februar 1893.

Wird veröffentlicht.

I. 1231. Der Königliche Land rath.

I. V.: Heeg.

Nichtamtliches.

f Die Landwehr.

Am 17. März d. Js. ist der achtzigste Jahres­tag der Errichtung der Landwehr. Freilich hat sie im Laufe der Zeit verschiedene Wandlungen durchzumachen gehabt, und wer über die Bedeutung der Landwehr ein Urtheil abgeben will, sollte immer angeben, welche Periode ihrer organisatori­schen Entwickelung er dabei im Auge habe. Dies ist nun leider in den neueren Erörterungen nicht immer geschehen und daraus siud Mißverständnisse und ganz unnöthige Verstimmungen entstanden. Im Hinblick hierauf, sowie auf die Neuerungen, die in der Stellung dieses Gliedes unserer Landes­vertheidigung nach der Militärvorlage geplant sind, ist eine soeben bei Mittler & Sohn in Berlin erschienene Schrift des Generallieutenants z. D. v. Boguslawski sehr willkommen. Der Verfasser giebt eine kurze Geschichte der Landwehr und unterscheidet dabei vier Perioden:

Zuerst: Die Errichtung der Landwehr 1813 durch die Einreihung der Wehrfähigen von 17 bis 40 Jahren, welche nicht im Heere dienten, und ihre Theilnahme an den Befreiungskriegen. Der Verfasser zeigt, wie die Bildung der Land­wehr im Jahre 1813 aus ungedienten Mann­schaften eine Maßregel der äußersten Noth war, wie diese Landwehr gegenüber dem in Rußland völlig zerrütteten Napoleonischen Heere, obgleich sie nicht überall mit gleicher Begeisterung von der Bevölkerung formirt wurde und obgleich der Mangel an Vorbildung und fester Organisation im Felde üble Folgen hatte, doch vermöge des Zornes gegen die Fremdherrschaft und der Begeisterung

für die Befreiung des Vaterlandes ruhmvollen Antheil an dieser hatte.

Dann: Die Organisation der Landwehr nach den Befreiungskriegen auf ganz anderer Grund­lage, nämlich durch Einreihung der durch die Schule des Heeres gegangenen Soldaten; Theilung in zwei Aufgebote; Bestimmung des 1. Aufgebotes für das Feld, des 2. für den Besatzungsdienst. Diese Organisation hatte ihren Werth nicht in großen Kriegen zu erproben, sonst würde sie schwerlich so lange bestanden haben; denn es hätten sich dann ihre großen, von unserem alten Kaiser Wilhelm klar erkannten Mängel deutlich zeigen müssen.

Drittens: Die Stellung der Landwehr nach der Reorganisation von 1860, wesentlich als Truppen zweiter Linie und theilweise zur Feldverwendung, wie 1870/71 geschah. Verschwinden des II. Auf­gebots. Aus den Betrachtungen des Verfaffers geht hervor, daß die Landwehr sich auch in dem siebenmonatlichen Kriege gegen Frankreich als ein durchaus unentbehrliches, seine Aufgabe vollständig erfüllendes Glied unseres Heeres bewährt hat. Sie diente der Linienarmee sowohl als direkte Verstärkung und Unterstützung als auch als strategischer Rückhalt; sie diente ferner zur Lösung einzelner Kampfaufgaben, wie die Be­lagerung der im Rücken der deutschen Armee eingeschlossenen Festungen, zur Besetzung der er­oberten Landestheile und Sicherung der Etappen- linien. Die Landwehr konnte daher mit be­rechtigtem Selbstbewußtsein auf ihre Thätigkeit im Kriege 1870/71 zurückblicken. Aber wie es auch nach den Freiheitskriegen geschah, fanden Uebertreibungen ihrer Wirksamkeit statt, und höchst merkwürdigerweise geschah dies gerade dort, wo am wenigsten Ursache dazu gewesen wäre. In

Die Tochter des Meeres.

Roman von 81. Nieolo.

(Fortsetzung.)

Sie sehen, daß ich im Ernste spreche", fuhr er fort,denn ich halte Sie für so gut, daß ich entschlossen bin, Ihnen einen bestimmten Vor­schlag zu machen . . . wie ich glaube zu Ihrem Besten. Ich weiß, wir können Ihnen nie ver- ; gelten, daß Sie Ihr Leben für unsere Trissa gewagt haben, aber Sie können uns doch Ge- : legenheit geben, uns so viel als möglich dankbar zu erweisen, indem Sie ihren Wohnort hier bei; uns nehmen, anstatt bei der alten interessirten Dame, die ich gestern kennen lernte. Und um alle Bedenken zu beseitigen, werde ich alle Ihre Ausgaben übernehmen und Ihnen außerdem ein Taschengeld überantworten, das Sie gänzlich un­abhängig macht. Verstehen Sie, was ich meine? Ich will Sie nicht als mein Kind aufnehmen keineswegs es wäre mir nur um Triffais willen eine große Freude, wenn Sie sich glücklich in Ihrer Gesellschaft fühlten, und dem ver­wöhnten Mädchen etwas von Ihrem Muth und Ihrer Sicherheit einflößten."

Cora's Augen füllten sich mit Thränen.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen," hub ße an,aber . . ."

Sprechen Sie sich klar und deutlich aus . . . ich hasse die wenn aber," sagte der alte Herr

eigensinnig.Wollen Sie bei uns bleiben oder nicht?"

Ich bliebe lieber bei Ihnen," erwiderte sie ; und schaute mit ihren großen Augen freundlich zu ihm auf.Suchen Sie mid) nicht zu täuschen ... Sie müssen doch wissen, daß Frau Digby nur sehr ungern eine Fremde in ihre Familie aufnehmen würde."

Und Sie glauben, Sie könnten dann mit mir machen, was Sie wollen?" erwiderre der alte Baron scherzend.

Wenn ich Das dächte, würde ich nicht zu Ihnen kommen," sagte sie ruhig,aber ich würde mich bemühen, Sie mit der größten Sorgfalt zu pflegen."

Sir Fulke überlegte einige Augenblicke. Es lag etwas fo unendlich Verführerisches in einem solchen Bilde. Ein reizendes, geistreiches, liebens­würdiges Mädchen um sich zu haben, das sein Haus aufheiterte und ihm doch keine andere Verantwortung aufbürdete, als genügend für ihre Bedürfnisse zu sorgen . . . Das würde seinen alten Tagen ein neuer Sonnenstrahl sein.

Kind, Sie wissen nicht was Sie verlangen," sagte er dann lachend.Ich bin ein wunder­licher alter Bursche. Seien Sie lieber mit meinen Plänen zufrieden. Kommen Sie in das Haus meiner Nichte, seien Sie einem Mädchen Ihres Alters eine Gesellschafterin und Sie werden sehen, daß es so viel besser ist, und Sie glücklich

sein werden."

Glücklich?" wiederholte sie.Nie! Davon kann bei mir nicht die Rede sein. So lange ich ohne Bande, ohne Liebe in der Welt umherirre, kann ich nicht glücklich sein. Aber Alles Das," fuhr sie rasch fort,kümmert nur mich allein. Wollen Sie mir die Wahrheit sagen? Kennt Frau Digby Ihre Absicht und stimmt sie dersel­ben bei?"

Ich habe ihre volle Zustimmung. Ich will freilich nicht behaupten, daß sie nicht ein klein­wenig eifersüchtig ist," entgegnete der aufrichtige alte Baron,aber Sie werden sich ihre und Trissa's Liebe bald gewinnen."

Cora war unschlüssiger denn je zuvor . . . auch als Lord Faro ihr einst dasselbe Anerbieten machte, hatte sie nicht so gezögert.

Jetzt entschied noch ein anderer Grund mit; jetzt trat auch noch die Frage betreffs ihres persönlichen Interesses und ihrer eigenen Sicher­heit an sie heran, und Stolz und Angst waren in ihrem Innern noch in Streit.

Darf ich erst mit Frau Digby sprechen? Darf ich erst so offen gegen Frau Digby sein, wie gegen Sie, bevor ich als Abhängige Ihr Haus betrete? Ich kann mich ihr nicht auf­drängen lassen . . . mit Ihnen wäre es etwas Anders. Zu Ihnen käme ich gleich und wäre glücklich . . . wenigstens so glücklich, wie ich es sein kann."