wendeten Baracken der Fall war. Mehrere Baracken werden zu einem Kasernement zusammengefaßt mit allen für ein solches erforderlichen Nebenanlagen. Solche Kasernements sind unter günstigen Baubedingungen voraussichtlich innerhalb eines halben Jahres herzustellen und sollen eine voraussichtliche Dauer von 50 Jahren haben.
In der Mittwochssitzung des Reichstage's gelangten wiederum verschiedene Anträge des Centrums und der Conservativen zur Erörterung und theilweisen Erledigung. Zunächst wurden die von letzterer Seite durch den Abgeordneten Ackermann gestellten Anträge berathen, welche verlangen, daß künftig aus der Bezeichnung jedes kaufmännischen oder gewerblichen Geschäfts das Geschlecht und der Name des Inhabers zu ersehen sein soll, und wonach ferner derjenige mit Strafe bedroht werden soll, der nach erkannter Zahlungsunfähigkeit Geschäft auf Credit macht, ohne von feiner Insolvenz dem anderen Theile zuvor Nachricht zu geben. In Verbindung hiermit gelangten die Anträge der Centrumsabgeordneten Gröber und Hitze zur Verhandlung, welche auf Abänderung der Konkursordnung sowie des Erwerbs- und Wirthschaftsgenoffenschaftsgesetzes zielen. Sämmtliche Anträge gingen nach längerer Debatte an eine besondere Kommission. Hierauf folgte die Abstimmung über die schon früher berathenen Anträge Ackermann-Hitze, betr. das Verbot der Waarenabgabe von Consumvereinen an Nichtvereinsmitglieder. Die durch Namensaufruf vorgenommene Abstimmung ergab die Annahme der Anträge mit 171 gegen 92 Stimmen. Schließlich stimmte das Haus noch dem Anträge, des Abgeordneten Rinteln (Centrum), betr. die Verjährung bei Strafverfahren zu. Am Donnerstag nahm der Reichstag die Berathung des Etats des Reichsamtes des Innern wieder auf. I
Die Militairkommisfion des Reichstages hielt am Dienstag und Mittwoch wieder Sitzungen ab, um sich dann am Schlüsse der Mittwochssitzung bis Sonnabend zu vertagen. Es kamen lediglich finanzielle Fragen auf Grund des Berichtes der Unterkommission zur allgemeinen Erörterung, besondere Beschlüsse wurden nicht gefaßt.
Das am Donnerstag in dem Panama- Prozeß verkündete Urtheil lautet auf 5 Jahre Gefängniß und je 3000 Fr. Geldbuße gegen Ferdinand und Charles v. Lesseps, auf; 2 Jahre Gefängniß und je 3000 Fr. Geldbuße gegen Fontäne und Cottu wegen betrügerischer Handlungen und Vertrauensmißbrauchs, gegen Eiffel auf 2 Jahre Gefängniß und 20 000 Fr. wegen Vertrauensmißbrauchs.
Der Emir von Buchara hat Petersburg nach längerem Aufenthalte wieder verlassen, um in seine Heimath zurückzukehren. Es heißt, es sei während der Anwesenheit dieses orientalischen Potentaten in der russischen Hauptstadt beschlossen worden, eine russische Zollgrenze zwischen Buchara und Afghanistan einzurichten. — Der Erbprinz Danilo von Montenegro ist, von Wien kommend, in Petersburg eingetroffen. Man bringt feinen Befuch mit gewissen Ereignissen in Verbindung, die sich in Montenegro vorbereiten sollen.
Zur e g y p t i s ch e n Crisis liegt nichts Neues vor. Zur Zeit reist der Khedive Abbas Pascha in Oberegypten herum, wo er von der Bevölkerung angeblich begeistert empfangen wird.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
Hersfeld, den 10. Februar 1893.
* Legitimationspapiere vonGesellen dürfen wegen Geld- oder anderer Forderungen von den Meistern keinesfalls als Pfand einbehalten werden. In einem Orte bei Erfurt lag kürzlich ein solcher Fall vor. Der Geselle verklagte den Meister, und dieser wurde verurtheilt und mußte für die Zeit, während welcher der Gehilfe mangels der Papiere außer Arbeit war, auch noch den Arbeitslohn zahlen.
* Die vierteljährlichen Apotheker-Ge- Hilfen-Prüfungen in diesem Jahre finden am 28. und 29. März, am 29. und 30. Juni, am 29. und 30. September und am 29. und 30. Dezember in Gaffel statt.
* (Reichsgerichts-Entscheidung.) Nimmt Jemand die Herausforderung eines Anderen in der Weise an, daß er sich dem erwarteten Angriff darbietet, bereit, denselben ab- zuwehren, so ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, dritten Strafsenats, vom 20. Oktober 1892, seine Vertheidigung, soweit sie sich
innerhalb der zur Abwehr erforderlichen Grenzen hielt, als Nothwehr zu erachten; die von ihm hierbei dem Angreifer zugefügte Verletzung ist nicht strafbar.
* (Gartenarbeit im Februar.) Wenn die Witterung es einigermaßen gestattet Sellerie, Radieschen, Kohlrabi in die Mistbeete säen, bei schönem Wetter auch Erbsen, Karotten, Spinat 20. Die Blumenbeete richtet man zur Saat her und bringt Obstkerne in die Erde. Die Baummunden sind auszuschneiden und mit Baummachs zu verkleben.
* Der berühmte Ch o leraforsch e r Pettenkofer ist der Meinung, daß ein rasches Abschwellen der Eismassen, ein turbulent dahin strömendes Hochwasser geeignet wäre, die Flüffe und Bäche mit ihren träge bewahrten Ansteckungsstoffen gründlich zu desinfiziren, von aller üblen Zuthat zu befreien. In rasendem Laufe wirbelten sie dann fort, jene ungezählten Träger und Erreger der furchtbaren Krankheit, und sänken, fern von unseren Gauen, auf den tiefsten Grund des Meeres.
* Hersfeld, 10. Februar. Dem Geschäftsbericht des Vaterländischen Frauen- Vereins zu Cassel für das Jahr 1892 entnehmen wir Folgendes: Das Jahr 1892 war für die Vaterländifchen Frauenvereine im Regierungsbezirk Cassel ein vollständig befriedigendes. Der Verband der Vereine hat durch den Anschluß des neuen Zweigvereins in Zierenberg eine erwünschte Verstärkung erhalten und zählt jetzt 32 Vereine mit 4338 Mitgliedern. Außer in der Pflege von Armen, Kranken und von bedürftigen Wöchnerinnen waren die Vereine in verschiedenster Weise thätig, Arbeitsgelegenheit Armen zu verschaffen, weibliche Handarbeiten zu verwerthen. Die Hausindustrie zu heben, die Pflege von sog. Ziehkindern zu beaufsichtigen. Erstgefallene zu unterstützen, scrophulöse Kinder zur Heilung in Bäder zu schicken, den Schulunterricht, soweit er sich aus das Erlernen von Handarbeiten und Haushaltungs-Kenntnissen bezieht, zu fördern, Näh- und Flickschulen zu unterhalten 20. Für diese Zwecke haben die 32 Vaterländischen Frauen - Vereine des Bezirkes im Berichtsjahre verausgabt 103,418 Mk., wobei die unzählichen Gaben von Lebensmitteln, Essen, Kleidungsstücken 20. nicht mit berechnet sind. Die Vereine beschäftigen 50 berufsmäßige Krankenpflegerinnen, darunter 42 Schwestern vom Rothen Kreuz. In den Näh-, Flick- und Haushaltsschulen der Vereine wurden 530 Schülerinnen, in den Kinderbewahr-Anstalten rund 400 Kinder unterrichtet. Der Bezirksverband hat weiter einen umfassenden Kriegsbereitschaftsplan aufgestellt und stehen den Vereinen im Kriegsfalle über 70 Pflegekräfte, darunter 53 Schwestern vom Rothen Kreuze, welche der Casselcr Verein ausgebildet, zur Verfügung. Es werden von den Vereinen sechs eigene Kriegslazarethe mit 234 Betten unterhalten, vier staatliche Reservelazarethe mit 422 Betten ganz und wenigstens theilweise, namentlich durch Besorgung der Beköstigung, Wäsche 20. 11 Reservelazarethe mit 1515 Betten j an sechs verschiedenen Orten übernommen werden. Und endlich errichten die Frauen-Vereine des | Bezirks noch sechs eigene Genesungsstationen mit 145 Betten. Vorräthe von Verbandsgegenständen und Lazareth-Utensilien sind vorhanden. — Aus der Verbandskasse erhielt im verflossenen Jahre der Verein in Hersfeld für seine Ferien-Colonie 50 Mk. — Der Zweigverein Cassel zählt 901 Mitglieder. Seine sechs Sectionen verausgabten 1892 für ihre Zwecke 73,654,55 Mk. Seine Hauptaufgabe ist die Ausbildung von Krankenpflegerinnen, von welchen er jetzt 42 beschäftigt. — Der Verein in Hersfeld mit 304 Mitgliedern hat in dem dortigen Krankenhause drei seiner Mitglieder zu Helferinnen in der Krankenpflege ausbilden lassen, ein Vorgehen, welches hoffentlich recht große Nachahmung findet. Dieser Verein verausgabte 1600 Mk.
(§) Hersfeld, 10. Februar. Wir hatten gestern Gelegenheit, das im Saale des Kaiser- Restaurants aufgestellte Panorama des Herrn Richter zu besichtigen. Wir wurden auf's Höchste von der Fülle und Schönheit des hier Gebotenen überrascht. Sahen wir doch noch nie solche Bilder, frei von allen verschönerten Zugaben der Phantasie. Wir sahen die Oberammer- gauer Passionsspiele, sowie eine Reise durch Spanien und Portugal in wunderbarer Plastik und einer bis in die weitesten Ferne dringenden Schärfe an unseren Augen vorüberziehen. Da in dieser Woche die Leidensgeschichte Christi in
ergreifender Weise dargestellt ist, so möge doch niemand, besonders die Schüler, den Besuch des Panoramas versäumen.
(:) Hersfeld, 9. Februar. (Schöffengericht.) Der Geschäftsreisende Adam Weißbecker von hier wurde wegen Uebertretung der Polizei-Verordnung, betreffend die Untersuchung des Schlachtviehes in eine Geldstrafe von 3 Mk. ev. 1 Tag Haft genommen. — Wegen groben Unfugs wurden der Fabrikarbeiter Heinrich Heinz und der Schneiderlehrling Adam Weich von hier mit je 3 Tagen Haft bestraft. — Der Maurer Georg Wagner von Kathus wurde wegen Körperverletzung zu 2 Wochen Gefängniß verurtheilt. — Den Fabrikarbeiter Valentin Rudolph von Rohrbach belegte der Gerichtshof wegen Beleidigung mit 2 Wochen Gefängniß.
Cassel, 9. Februar. Gestern starb im hohen Alter von 83 Jahren Herr Bankier Louis Pfeiffer, der Senior der Kasseler Kaufmannschaft, der Begründer der hochangesehenen und weitbekannten nach ihm benannten Bankfirma „Louis Pfeiffer".
Cassel, 8. Februar. Gestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr wurde in der Räucherkammer des Metzgermeisters Draude auf dem Siechenhof ein- gebrochen und aus derselben 6 Schinken, 6 Seiten Speck und mehrere Würste entwendet.
Cassel, 10. Febr. Die Frühjahrsmesse hier beginnt am 13. k. M. und dauert bis zum 21. desselben, Vormittags 10 Uhr.
Bebra, 8. Februar. Ein jäher Tod ereilte am gestrigen Tage einen hier durchreisenden Paffagier erster Klasse — wie man sagt, einen pensionirten General, aus Cottbus —, der in Begleitung seiner Gemahlin nach Italien reisen wollte, um Genesung von einem schweren Lungen- leiden zu suchen. Beim Wiedereinsteigen bekam der Kranke plötzlich einen Blutsturz, dem er bald darauf erlag. Die Leiche wurde einstweilen in einem Lokal des hiesigen Bahnhofs aufbewahrt, um dann am Donnerstag nach ihrem Bestimmungsorte befördert zu werden.
Unhausen (Kreis Eschwege), 8. Febr. Ein hiesiger Arbeiter stürzte vor einigen Tagen auf der Treppe eines Gasthauses, in welches er eingekehrt war, so unglücklich, daß er das Genick brach und in Folge dessen sofort der Tod eintrat.
Beftwich bei Scherfelde, 8. Febr. Der Vorarbeiter L. hatte gestern Abend das Unglück beim Ausfahren einer Locomotive aus dem Maschinen- Hause von derselben erfaßt und an die Wand gedrückt zu werden. Da L. an Schwerhörigkeit litt, so wird angenommen, daß er das Heranfahren der Maschine nicht bemerkt hatte. Die Verletzungen des Verunglückten, welcher in das" Krankenhaus gebracht wurde,-waren derartig schwerer Natur, daß derselbe bald darauf seinen Geist aufgab.
Schmalkalden, 7. Februar. (Fatales Mißgeschick.) In dem Dörfchen L. eines Nachbarkreises hatte sich ein Pärchen auf dem Standesamt einschreiben lassen; wie üblich, wurde der Tag gebührend gefeiert. Der glückliche Bräutigam sprach dann auch wacker dem Bier zu; die Braut aber zog es vor, bei guter Zeit zu verduften. Nachdem der Bräutigam mit nur noch wenigen Gästen zusammensaß, übermannte alle der Schlaf; man legte sich auf Bänke und Stühle. Inzwischen ging die Lampe aus, der Bräutigam tastet umher, endlich findet er etwas „Weiches"; sich hinlegen und zu schnarchen an- fangen, war das Werk eines Augenblicks. Am anderen Morgen, als die Schwiegermutter kommt und Tag machen will, findet sie ihren hoffnungsvollen Schwiegersohn — im Backtrog. Die sich nun abspielende Scene zwischen dem „neugebackenen" Schwiegersohn und der jedenfalls sehr „altbackenen" Schwiegermutter behielt unser Gewährsmann für sich. (Tgbl.)
Frankenberg, 6. Februar. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag verließ eine hier wohnhafte junge Frau, jedenfalls in einem krankhaften Fieberzustande, barfüßig und nothdürftig gekleidet, das Bett und Haus und gerieth hinter den Mühlen in die Fluthen der Eder, wo sie anderen Morgens todt aufgefunden wurde. Die Verstorbene hinterläßt einen Gatten und drei kleine Kinder, wovon das jüngste erst vor 14 Tagen das Licht der Welt erblickte.
Aus der Rhön, 5. Februar. Die Influenza begmnt ihren Einzug bei uns zu halten. Das nasse, ungesunde Wetter der letzten Tage befördert die Ausbreitung derselben.
Weidenhausen, 5. Februar. Vor einigen ^agen trug sich hier ein sehr bedauerlicher Unglücksfall zu. Die Mutter eines dreijährigen