Einzelbild herunterladen
 

Weise erreicht worden ist und Ich Mich zu wärmsten Danke verbunden fühle.

Ich ersuche Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, den 30. Januar 1893.

Wilhelm I. R.

An den Reichskanzler.

sZurnächstenAushebung.j In einer der letzten Sitzungen der Militärkommission ist von dem Vertreter des Kriegsministers angekündigt, daß schon bei der nächsten Aushebung als niedrigstes Militärmaaß 1,54 Meter — bisher 1,57 Meter — angewendet und Dienstpflichtige, die bisher wegen geringer körperlicher Fehler zu den bedingt Tauglichen geschrieben wurden, mit den voll Tauglichen zusammmen loosen sollen. In beiden Beziehungen ist die Aenderung eines Gesetzes nicht erforderlich, beides kann dürch kaiserliche Verordnung geschehen. Im französischen Heere ist das Mindestmaaß 1,54 Meter. Daß die Leistungsfähigkeit eines Mannes nicht allein von der Körperlänge abhängt, weiß jeder; kleine Personen sind oft gewandter und zäher als große. Unter den bedingt Diensttauglichen ist bei sehr Vielen die Leistungsfähigkeit lediglich durch Schönheitsfehler beeinträchtigt. In §. 7 der Heerordnung heißt es ausdrücklich, daß gewisse geringe körperliche Fehler der bedingt Tauglichen die Aushebung zum aktiven Dienst keineswegs ausschließen und als solche sind in einer Anlage dazu aufgeführt z. B. oberflächliche Narben, kleine Geschwülste von gutartigem Charakter, Schielen geringeren Grades, seitliche Hornhaut­flecke, geringes Stammeln, Krümmung der kleinen Finger rc. Solche Leute können den Anforde­rungen des Dienstes, insbesondere auch in den Marschleistungen vollständig genügen.

In der Montagssitzung des Abgeordneten­hauses gelangten die noch restirenden Theile des Etats des Bureaus des Staatsministeriums sowie der Etat des Ministeriums des Innern zur Erledigung.

Dem B u n d e s r a t h e ist der Entwurf einer kaiserlichen Verordnung zugegangen, wonach die ergangenenReichsgesetze über gesundheits- poliz etliche Angelegenheiten vom 1. April d. I. ab auch auf der Jnfel Helgo­land in Kraft treten sollen.

Der russische Großfürst-Thron- folget ist von seiner Reise nach Berlin Montag Vormittag wieder in Petersburg eingetroffen.

Aus B r e s l a u wird gemeldet, daß der Präsident des Herrenhauses Herzog. von Ratibor am Montag Abend verschieden ist.

In N i e t l e b e n kommen noch immer ver­einzelte neue Cholerafälle vor, doch er­scheint die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Seuche in dortiger Gegend nunmehr als beseitigt.

Das englische Parlament ist am Dienstag mittels Thronrede eröffnet worden.

Die egyptische Krisis weist insofern eine Abschwächung auf, als die Befürchtung einer bewaffneten Erhebung der Egypter gegen

heit zu beantworten.

„Kennen Sie Herrn Dakins?" hub diese an.

„Nein, gar nicht," lautete die Antwort.

„So waren sie wohl seiner Obhut anvertraut?" ! sprach die Dame weiter, und ihr Blick fiel auf den eleganten Stoff und Schnitt von Cora's Kleid.

„Nein ... er war auf der Fahrt sehr gütig gegen mich und schickte mich dann hierher," war die offenherzige Antwort.

„Und Sie haben keine Freunde . . . keine Verwandten in London? Weshalb sind Sie hier­her gekommen?" fragte Miß Minchin.

„Ich kenne hier Niemanden- Ich will hier eine Stellung suchen."

„Welcher Art?"

„Gleichviel ... ich bin zu Allem bereit, was ich leisten kann."

„Können Sie in irgend etwas unterrichten?" fragte die Dame zweifelnd.

„O doch! Ich bin erst vor mehreren Monaten aus Deutschland gekommen. Da ich eine gute Erziehung genossen habe, kann ich in der deutschen Sprache und Musik unterrichten," erwiderte Cora schnell.

Miß Minchin's Augen leuchteten auf, aber sie behielt ihr förmliches Wesen bei als sie erwiderte:

„Bei Ihrer Jugend wird sich schwer irgend eine Beschäftigung finden lassen, besonders ohne Empfehlung. Sie machen doch jedenfalls keine großen Ansprüche?"

ihre englischen Herren zunächst wieder geschwunden ist. Die Umtriebe seitens der anti-englischen Partei in Egypten gegen die Engländer sollen indessen im Geheimen fortdauern, so daß es be­greiflich erscheint, wenn man in London die Dinge am Nil im Auge scharf behält. Dem neuen egyptischen Premierminister May Pascha wurde vom Sultan der Osmanw-Orden I. Klasse mit Diamanten verliehen.

t Krieg mit zwei Fronten.

III.

„Ich malte schwarz, doch dichtern Flor — Zög ich dem Bilde lieber vor." Ist das Alles etwa unmöglich, ist es auch nur im mindesten unwahr­scheinlich für den Fall, daß der vorausgefetzte Krieg mit zwei Fronten losbricht? Und selbst wenn wir im Kampfe mit Frankreich allein das Erbe unserer Väter noch einmal erwerben müßten, um es in Ruhe zu besitzen, so war doch schon nach dem Zeugniß Moltkes vor 14 Jahren nicht mehr daran zu denken, daß wir so wie 1870/71 in der Lage wären, mit überlegenen Kräften nach Frankreich einzudringen und den Krieg dem eigenen Lande fern zu halten. Das Verhältniß hat sich seitdem noch mehr zu unseren Ungunsten verändert, und wenn wir nicht schleunige Vorsorge zur Verstärkung und Verbesserung unserer Wehrmacht, namentlich auch gegen die von allen militärischen Sachverständigen beklagten Mängel unserer Mobilmachung, treffen, so wird in dem Zukunftskriege das französische Heer wahrscheinlich mindestens ebenso schnell und stärker und in besserem Zustande auf dem Plane sein, als das deutsche.

Aber mit solchen Beweismitteln, so heißt es, kann man ja jede, auch die größte Mehrforde­rung begründen, kann man die Militärlast in's Ungemessene steigern wollen. Dagegen ist erstens in allen Dingen ein natürliches Maß, und das natürliche Maß unserer Wehrkraft haben wir noch nicht erreicht, fo lange nicht alle kriegstaug- lichen Männer bei den Fahnen ihre Zeit dienen. Zweitens müssen wir doch wenigstens einem der möglichen Zukunftsgegner vollständig gewachsen und überlegen fein. Deßhalb, weil wir es nicht allen gegenüber fein können, das im Rahmen unserer natürlichen Kraft Geforderte verweigern wollen, käme fast auf dasselbe hinaus, als wenn Jemand einem im weiten Felde Verschmachtenden den Trunk aus seiner Flasche versagen wollte, bloß weil er doch den großen Durst nicht ganz zu stillen vermöchte.

Wer sich aber etwa auf die Ueberlegenheit unserer Führung im Kriege beruft, der hält sich an eine unmeßbare Kraft und fetzt voraus, daß wir stets so glücklich sein müßten, die genialsten Führer zu haben, d. h. er huldigt der von Moltke verspotteten Idee vom dummen Feinde. Auch ist es wohl zu beherzigen, daß die Kraft der Führer, wie Saxonicus in der kleinen Schrift: „Die Um­bildung des Heeres zum zweiten Mal das Schick­sal Deutschlands" sagt, mit niederziehenden Ge­

„Ich muß zufrieden fein mit dem, was man mir giebt," erwiderte Cora.

„Ich glaube nicht, daß Ihnen für den An­fang Jemand mehr als Wohnung und freie Kost bieten wird . . . mehr würde auch ich Ihnen nicht geben können."

„Sie mögen recht haben," sagte Cora. „Ich verstehe dergleichen Dinge nicht."

Die Stirn der Schulvorsteherin erhellte sich.

„Wenn ich selbst Sie beschäftigen wollte, würden Sie es mir danken?" fragte sie dann freundlich.

„Ich würde Ihnen unendlich dankbar sein!" versetzte Cora.

„Und Sie würden mit Wohnung, Kost und einem kleinen Gehalte zufrieden sein?"

„Ich muß so viel haben, um mich kleiden zu können . . . mehr verlange ich für den Anfang nicht," sagte Cora.

„Gewiß! Das müssen Sie erhalten! . . . Aber mehr als zwölf Pfund jährlich kann ich unmöglich geben."

„Und was habe ich dafür zu thun?" fragte Cora ruhig.

„Sie sagen, daß Sie in der deutschen Sprache unterrichten können, aber das ist natürlich nicht genug . . . Sie werden in einer Klasse auch den Unterricht im Englischen übernehmen und sich im Allgemeinen nützlich machen, zum Beispiel mit den Kindern spazieren gehen, was nöthig ist und mir oft lästig wird," setzte sie rasch hinzu, als

wichten beschwert wird, wenn ihr die physischen Hilfsmittel, wie einst dem großen Punier Hanni- bal von seinen schwachmüthigen und kleinlichen Landsleuten, willkürlich beschränkt werden.

Wir Deutschen wollen uns niemals bange sein lassen, tapfer und mit Gottvertrauen werden wir uns unter allen Umständen für unsere Ehre, unsern Heerd, unsere einige Stammes- und Staatsgemeinschaft schlagen. Aber wir dürfen auch nicht in Fragen, in denen es sich schließlich um die Existenz des Vaterlandes handelt, die gutmüthigen deutschen Michel sein, die für sich die günstigsten Umstände voraussetzen und das versäumen, was, zur rechten Zeit gethan, das Reich einig, stark und angesehen im Rathe der Völker zu erhalten vermag.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 1. Februar 1893.

*(DiehagelreichstenTagedesJahres 18 9 1 in Preußen.) Als Tage, an denen innerhalb des preußischen Staates im Jahre 1891 Hagelwetter von ungewöhnlicher Heftigkeit und Ausdehnung beobachtet wurden, sind der 9. und 30. Juni, sowie der 1. und 2. Juli zu verzeichnen, da der während derselben verursachte Schaden auf 2021342, 3620874, 26976927 und 4283287 Mark geschätzt wurde. Der für den 1. Juli nachgewiefene Hagelschaden war der höchste bis­her an einem Tage ermittelte und traf besonders schwer die Regierungsbezirke Hildesheim und Hannover mit zusammen 13 838 194 Mark, ferner die Regierungsbezirke Münster, Magdeburg und Düsseldorf mit 3 992 691 bezw. 2 388147 und 2161 644 Mark. Von den Kreisen, deren Ernteertrag an den bezeichneten Tagen durch Hagelwetter empfindlich beeinträchtigt wurde, sind in erster Linie Springe, Hildesheim (Land), Peine, Hameln und Waarendorf mit einem Gesammtschaden von 14574189 Mark anzu- sühren. Nicht weniger als 56 Kreise erlitten an diesen Tagen einen Hagelschaden von je über 100000 Mark. Wie verheerend das am 1. Juli 1891 niedergegangene Hagelwetter einzelne Erhebungsbezirke heimsuchte, mag dem Umstände entnommen werden, daß elf derselben (9 Land­gemeinden und die beiden Städte Eldagsen und Hameln) an diesem Tage einen Hagelschaden von 300 000 bis 600 000 Mark erlitten.

* Vom 1. Januar an sind die Diäten der Ge- rfi ch t s a s s e s s o r e n für ihre Thätigkeit als Hilfs­arbeiter und als Vertreter etwa verhinderter richterlicher Beamten von 180 auf 200 Mark monatlich erhöht worden.

* Die neueste Mode sind, wie aus Paris gemeldet wird, DamenhüteausAluminium. Das Patentbureau Lüders in Görlitz soll bereits das Patent für Deutschland erhalten haben. Welch reizende Perspektive eröffnet sich für unsere Damen. Die unmodern gewordenen Hüte wandern des Umschmelzens wegen einfach ins „alte Alu­minium" anstatt in die Rumpelkammer. Als kommende Frühjahrsmode würde ein Aluminium-

fühlte sie, daß die Liste ihrer Anforderungen etwas ungebührlich lang sei.

Doch Cora hatte ein ziemlich richtiges Urtheil über derartige Dinge im Leben, und sie fühlte bei Miß Minchins Worten eine gewisse Ver­achtung, die sich fast in ihrem Tone verrieth, als sie das Anerbieten annahm.

„Ich glaube, Sie zu verstehen, Madame," er­widerte sie stolz „Sie haben vollständig recht, für etwas, dessen Werth Sie noch nicht kennen, die niedrigste Summe zu geben. Dieselben Gründe veranlassen mich vielleicht, die Stelle anzunehmen."

„Mein Gott, wie Sie reden!" versetzte Miß Minchin. „Ich kann Ihnen versichern, daß Hunderte froh über eine solche Aussicht wären, besonders wenn sie wie Sie ohne alle und jede Empfehlung sind."

„Ich habe Ihnen ja gesagt, daß ich zufrieden bin," antwortete Cora.

„Gut denn! So wollen wir Sie prüfen, sprach Miß Minchin heiterer. Sie werden nicht so lange unterrichten — von neun bis eins und dann wieder von drei bis fünf — inzwischen unternehmen Sie vielleicht einen kleinen Spazier- gaug und am Abend können Sie die Bücher der Kinder corrigiren."

Cora neigte den Kopf.

(Fortsetzung folgt.)