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Herssel-tr Krkisdlatt.

Mit wöchentlicher Gratis-VeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 10. Dienstag den 24. Januar 1893.

Amtliches.

Königliche Regierung.

Caffel, den 13. Januar 1893.

Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 29. September 1890, A. III. 6398, ersuche ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst, die dort ungeord­neten Mittheilungen an dieThüringer Zeitung" über den Ausbruch von Thierseuchen fortan zu Unterlasten, da die Zeitung die unentgeltliche Ver­öffentlichung nicht mehr vornehmen will. Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel. An den Königlichen Landrath, Herrn Freiherrn von Schleinitz, Hochwohlgeboren Hersfeld.

I. A. III. Nr. 192.

* *

Hersfeld, den 20. Januar 1893.

Wird den Herrn Ortsvorständen des Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 3. October 1890 Nr. 9201 Kreisblatt Nr. 118 zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

I. 298. Der Königliche Landrath. -

_________________I. V.: Heeg._______

Der Herr Minister des Innern hat durch Erlaß vom 27sten v. M II. 16131 dem geschäftsführenden Ausschuß für den Luxus­pferdemarkt zu Schneidemühl die Erlaubniß er­theilt, im Laufe des nächsten Jahres eine öffent­liche Verloosung von Wagen, Pferden, Reit- und Fahrgeräthen rc. zu verunstalten und die in Aus­sicht genommenen 100 000 Loose zu je 1 Mark im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. Indem ich dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich die Polizeibehörden den Ver­trieb der Loose im diesseitigen Regierungsbezirk nicht zu beanstanden.

Cassel am 7. Januar 1893.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. P a w e l.

Die Tochter des Meeres.

Roman von A. Nicolo.

(Fortsetzung.)

Lady Emily richtete sich mit stolzer Miene auf, aber sie hatte nicht den Muth, sich in einem Wortkampf mit ihrem ihr unverständlichen Bruder einzulaffen, und mürrisch begab sie sich in ihr Zimmer, in dem Netta sie erwartete.

Tante Emily, mir ist es ganz unmöglich, hier in diesem düstern Gefängniß zu bleiben!" nef ihr das Mädchen entrüstet entgegen,und wenn Onkel Treville meint, mich auf so schänd- lrche Weise behandeln zu dürfen, so kann ich ;hm sagen, daß er sehr im Irrthume ist. Lieber laufe ich davon!"

Beruhige Dich, Netta! Du weißt, es ist ja nur für kurze Zeit. In tiefer Trauer müßtest Du doch jetzt überall in völliger Abgeschlossenheit leben, und Netta, wenn Du klug und gehorsam bfft, kann sich Dein Vermögen, wenn der Graf itlrbt, nahezu verdoppeln."

Netta gab keine Antwort. Sie war außer sich ^or Aerger und wollte nichts von ihrer Tante ^rostesworten hören.

Glücklicherweise machte das Eintreten der Dienerin dem Zwiegespräch ein Ende, und die Toüettevorbereitungen für das Mittagsessen lullten den Zorn, der in Netta's Brust kochte.

Gefunden: ein Geldbeutel mit Inhalt. Mel­dung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.

Nichtamtliches.

t Krieg mit zwei Fronten.

I.

Der Reichskanzler hat sich kürzlich in dem Heeresausschuß des Reichstags eingehend über die militärische und politische Lage ausgesprochen, die uns nöthigt, unsere Heeresmacht zu verstärken und unsere militärische Organisation zu verbessern, wenn wir in etwaigen Kriegsstürmen der Zukunft mit Erfolg unseren Mann stehen wollen. Kann auch die auswärtige Politik Deutschlands einen Krieg mit zwei Fronten nicht für eine gegebene Nothwendigkeit oder für wahrscheinlicher erachten, als er in den letzten Jahren war, so reicht doch schon die einfache Möglichkeit hin, um uns Alles, was in unseren Kräften steht, für eine starke und gute Rüstung thun zu lassen.

In Frankreich haben Regierung und Parteien alle ihre Streitigkeiten, alle ihre Bestrebungen dem einen großen Gedanken untergeordnet, durch die äußerste militärische Kraftanstrengung die alte politische Machtstellung in Europa wieder zu erobern und an dem Sieger von 1870/71 Vergeltung zu üben. Nicht davon sprechen und immer daran denken dies Wort Gambetta's ist bis auf diesen Tag mit bewunderungswürdiger Geduld befolgt worden. Alle die Vortheile, die uns 1870/71 den Sieg verschafften, rasche und planmäßige Mobilmachung, feste Organisation der Reservetruppen, Trefflichkeit der Artillerie rc. hat sich Frankreich inzwischen angeeignet, und in absehbarer Zeit muß es nach dem gegenwärtigen

Und als sie in den Salon trat, erschien ihre schlanke Gestalt in dem schwarzen Krepkleid so unmuthig, und das Haar war so geschmackvoll in künstliche Flechten arrangirt, daß sie in der That eine Erscheinung war, wie sie sich ein jugendlicher Liebhaber, ein schwärmerischer Künstler- oder Maler wünschen konnte.

Aber Graf Treville's Auge glitt weniger mit bewunderndem als mit kritischem Blick über des jungen Mädchens Gestalt hin.

..Es ist schade darum, daß so viele Mühe an einem blinden Onkel verschwendet wird," sagte er spöttisch . . .an Deinen Onkel, der wenig­stens blind für solche Künste ist, wie Du sie entfaltest . . . aber merke wohl, Netta: nicht blind für andere Dinge!" fuhr er ernst fort. Und laß Dir ein für alle Mal sagen, daß Du jede Freiheit und jedes Vergnügen, das mein Haus und Park Dir bieten kann, genießen darfst, daß ich Dir aber verbiete, denselben ohne Deine Tante oder mich zu verlaffen. Ebenso verbiete ich, daß ohne meine besondere Erlaubniß irgend ein Gast meinen Grund und Boden betrete. Das soll kein Vorwurf noch Mißtrauen gegen Dich sein, Emily," setzte er, sich seiner Schwester zu­wendend hinzu,aber nach dem was geschehen ist, muß ich auf strenger Befolgung meiner Be­fehle bestehen."

Stande der Dinge uns auch in der Zahl der Feldtruppen überlegen sein, wie es uns schon in der Zahl der Bataillone und Batterien (um 70 und 46), der Friedensstärke (um 25 000 Mann), der jährlichen Rekrutenzahl (um mindestens 30 000) überlegen ist. Frankreich wird von Niemand be­droht, am wenigsten von demgesättigten" Deutschland; seine kriegerischen Anstrengungen können als einzigen verständlichen Zweck nur die Revanche haben, und es wird sie zu nehmen suchen, sobald es überzeugt ist, entweder besser gerüstet zu sein als wir oder mit einem starken Bundesgenossen in den Kampf zu ziehen. Jene Ueberzeugung wird um so eher eintreten, je länger wir mit der Verstärkung unserer Wehrmacht zögern, und was den Bundesgenoffen betrifft, so glaubt ihn Frankreich in Rußland zu besitzen.

Der Kaiser von Rußland ist gewiß von ehr­licher Friedensliebe beseelt. Allein trotz der Dienste, welche die deu^che Diplomatie Rußland auf dem Berliner Kongreß geleistet hat, und trotz des offenkundig friedlichen Charakters unseres Bündnisses mit Oesterreich-Ungarn, ringt doch seit dem Abschlüsse deffelben eine deutschfeindliche Stimmung in Rußland immermehr nach der Herrschaft. Der panslavistische Drang glaubt sich in allerlei berechtigten oder unberechtigten Aspirationen durch Deutschland gehemmt, und es ist schon so weit gekommen, daß ein vielge- lesenes russisches Blatt den Ausspruch thun konnte, der Weg nach Konstantinopel führe durch das Brandenburger Thor. Soweit die pansla­vistische Presse der Ausdruck der öffentlichen Mei­nung in Rußland ist, besteht dort auch ohne geschriebenen Vertrag das innigste Einvernehmen mit der französischen Republik und insbesondere den Revancheaposteln, das begierig des Zeitpunkts harrt, um sich gegen Deutschland und den ver­haßten Dreibund zu bethätigen. Ob die ruhigen

XXIX.

Ich hoffe, Sie haben mir meine späte An­kunft und die Verzögerung des Mittagseffens vergeben, Lady Marian," sagte der Herzog von Dunbar, während er der jungen Erbin in das Gartenzimmer folgte, das nach der besonderen Angabe des Mädchens eingerichtet worden war.

Ist es ein so furchtbares Verbrechen, daß Sie deshalb eine besondere Entschuldigung für nöthig halten?" entgegnete Lady Marian mit einem Anflug von Muthwillen, der ihr seit längerer Zeit fremd gewesen war.

Die Stimmung Mariaus schien in der That während der letzten Stunden einen seltsamen Wechsel erfahren zu haben. Entweder auö Höf­lichkeit oder aus Aerger oder irgend einer andern weiblichen Empfindung war Lady Marian in ihrem Wesen wie in ihrer Toilette außerge­wöhnlich blendend und anziehend, und, wie ihr Vater gehofft hatte, ihr hoher Gast war offenbar sehr entzückt von dem stolzen Mädchen, das zu gewinnen er herangekommen war.

Er war während der Saison in London öfter mit ihr zusammengetroffen, und hatte sie sich als passende Braut ausgewählt, ungefähr wie er sich ein Bild oder eine Statue für seine Gallerie ausgesucht hätte. Vorerst aber wollte er sie noch als Wirthin in ihrem eigenen Hause fern von