zum 1. Februar d. J. zur Rekrutiruugs- I Stammrolle zu melden, und dabei die über | ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Militairverhältniß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im lausenden Monate folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen:
„Jeder Militairpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bei dem Ortsvorstande zur Rekrutirungs-Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militairpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nach- / theile."
Die sodann genau nach der Jnstruction des Herrn Ober-Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) auszu- stellenden Rekrutirungs-Stammrollen pro 1873 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekrutirungs- Stammrollen der Jahre 1871 und 1 8 7 2 bis spätestens zum 5. Februar b. I. unter der Bezeichnung Militaria einzureichen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände rc. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtigen, welche in das militairpflichtige Alter eintreten bezw. eingetreten sind, und ihrer activen Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des §. 93 pos. 2 der Wehrordnung vom 22. November 1888 sich bei der Ersatz-Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Schließlich spreche ich noch die bestimmte Erwartung aus, daß die vorbezeichneten Stammrollen sauber aufgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig aus gefüllt werden; auch muß, wenn z. B. ein Militairpflichtiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist. — Ferner muß bei jedem einzelnen Militairpflichtigen in der dazu bestimmten Rubrik durch Eintragung der Worte: „ja" oder „nein" angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle angemeldet hat oder nicht. Ist letzteres der Fall, so ist ebenfalls anzuzeigen, ob Bestrafung desselben erfolgt ist oder nicht und eventuell weshalb nicht.
J. II. Nr. 31. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 17. Januar 1893.
Nach meiner Verfügung vom 2. October 1889 Nr. 9114 (im Kreisblatt Nr. 119) müssen alle Gesucke um Gestattung öffentlicher Tanzmusiken zunächst schriftlich bei dem zuständigen Herrn Pfarrer angebracht werden.
Zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten, welche durch verspätete Gesuche entstehen können, wird hierdurch bestimmt, daß alle derartigen Gesuche fortan wenigstens 8 Tage zuvor bei dem betreffenden Herrn Pfarrer eingereicht werden müssen.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises erhalten hierdurch die Auflage, die Wirthe ihrer Gemeinden hiervon in Kenntniß zu setzen und dafür zu sorgen, daß in Zukunft danach verfahren wird.
I. .1. Nr. 229. Der Königliche Landrath. ____I. V.: Heeg.
Hersfeld, den 20. Januar 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit der Einreichung der nach den nachstehenden Verfügungen zu erstattenden Berichte im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 25. d. Mts. erinnert bei Meidung von 3 Mk. Strafe.
1. Verfügung vom 5. Juli 1882 Nr. 8773, im Kreisblatt Nr. 53, die Führung einer Ver
zeichnisses über die Pflichtseuerwehr betreffend. 2. Verfügung vom 9. Februar 1884 Nr. 1721, im Kreisblatt Nr. 20, die Revision der Feuerstätten betreffend.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg.
Politische Nachrichten.
Berlin, 19. Januar.
Se. Majestät der Kaiser verblieb auch während der gestrigen Nachmittagsstunden in seinem Arbeitszimmer und erledigte Regierungsangelegenheiten. Zur Abendtafel, welche um 7'/, Uhr im königl. Schlosse stattfand, hatten von den Majestäten außer dem Prinzen Christian zu Schleswig-Holstein und dem englischen Oberst Gordon, auch der Major v. Schwartzkoppen, kommandirt zur kaiserlich deutschen Botschaft in Paris, welcher sich darauf auch vor seiner Abreise nach Paris bei Sr. Majestät abmeldete, Einladung erhalten. — Während der heutigen Vormittagsstunden arbeitete der erlauchte Monarch zunächst allein, empfing alsdann um 93/4 Uhr den Minister des königlichen Hauses und nahm den Vortrag des Chefs des Militairkabinets entgegen. Später hatte der Generallieutenant Goltz, Generalinspekteur des Ingenieur- und Pionierkorps und der Festungen, nebst dem Staatssekretair des Reichs- Marineamts, Vizeadmiral Hollmann, zu gemeinsamem Vortrage die Ehre des Empfanges. — Am Nachmittage um 1 Uhr ertheilte Se. Majestät dem Professor Reinhold Vegas eine Audienz.
Wie aus Kopenhagen gemeldet wird, ist des andauernden Frostwetters wegen dort jedwede Schifffahrt gehemmt und dürfte hierdurch auch Se. Majestät der König von Dänemark gehindert werden, die beabsichtigte Reise nach Berlin zur Theilnahme an den Vermählungsfeierlichkeiten zu unternehmen.
Das Rekrutenkontingent soll nach der Militärvorlage um 60 000 Mann jährlich verstärkt werden. Nach einer auf die Anfrage des Abgeordneten Richter erfolgten amtlichen Mittheilung an die Militärkommission wird nach den Angaben der Freis. Ztg. beabsichtigt, diese 60 000 Mann wie folgt auf die einzelnen Waffengattungen zu vertheilen: Kavallerie 250 Köpfe, Infanterie 40 700, Jäger 1080, fahrende Feldartillerie 8 500, Fußartillerie 3 240, Pioniere 2 400, Eisenbahntruppen und Lustschiffer 1050, Train zu dreijähriger Dienstzeit 750, zu halbjähriger Dienstzeit 80, Oekonomiehandwerker 1950.
Die Regierung hat dem Heeresausschuß weiteres Zahlenmaterial mitgetheilt. Danach betrug die Stärke des dritten Jahrgangs bei den Fußtruppen am allgemeinen Entlassungstage 1892 für das gesummte deutsche Heer 57 362 Mann. Davon entfallen auf die Infanterie 44702, auf die fahrende Feldartillerie 8415, auf die Fußartillerie 1994, auf die Pioniere 1284, die Eisenbahntruppe 452, die Luftschiffer &■ und den Train 507.
In der Budgetkommission des Reichstages beschäftigte man sich mehrere Tage lediglich mit dem umfangreichen Postetat, wobei namentlich das Vorgehen der Reichspostverwaltung gegen den Postassistenten-Verein lebhafte Debatten veranlaßte.
Das preußische Abgeordnetenhaus erörterte am Dienstag und Mittwoch den Etat in erster Lesung, welche in üblicher Weise vielfach auch andere Gebiete berührte. Die zweitägige Debatte endete mit Ueberweisung einer Anzahl Nummern an die verstärkte Budgetkommission.
Der Streik im Saar gebiet ist mit dem bedingungslosen Wiederanfahren auch der letzten bisher noch ausständig gewesenen Bergleute beendigt; im westfälischen Kohlenrevier streiken noch einige tausend Mann, aber völlig aussichtslos.
Fast aus dem gesammten europäischen C o n t i n e n t liegen Klage-Meldungen über den ungewöhnlich strengen Frost vor. Derselbe hat schon zahlreiche Menschenleben gefordert und außerdem namentlich in den Verkehrsverhältnissen die empfindlichsten Störungen verursacht. Hoffentlich hat dies frostige Regime nun am längsten gedauert.
Dem Kaiserlichen Gesundheitsamte ist gemeldet, daß in Hamburg vom 17. bis 18. Januar Mittags drei Choleraerkrankungen vorgekommen sind.
Die Pariser Stimmungsberichte über den Panama-Scandal künden eine entscheidende politische Folge als unmittelbar be
vorstehend an, nämlich die Kammerauflösung. Es heißt, Präsident Carnot sei fest entschlossen, nach Beendigung des gerichtlichen Panama-Prozesses gegen Karl v. Lesseps und Genossen, der dicht vor seinem Ausgange steht, das Cabinet Ribot mit der Auflösung des jetzigen Parlaments zu beauftragen. Sollte das Staatsoberhaupt Frankreichs diesen gewichtigen Entschluß in bei That ausführen, dann würden vermuthlich die noch schwebenden Einzelheiten der Panama-Affaire in der voraussichtlich sehr lebhaft einsetzenden Wahlbewegung alsbald verschwinden, was gerade kein Schaden wäre. Inzwischen hat sich das Cabinet Ribot durch die Ausweisung mehrerer fremden Zeitungscorrespondenten aus Paris und überhaupt Frankreich eine offenbare Blöße gegeben. Denn es müßten alsdann mindestens ein paar Dutzend Pariser Journalisten eingesteckt werden, da gerade in den Pariser Zeitungen von einheimischen Federn die sensationellsten Gerüchte betreffs des Panama-Scandals zuerst gebracht worden sind.
In N e w - N o r k ist R. B. H e y e s, Präsident von Nordamerika vom März 1877 bis März 1881, im Alter von 70 Jahren gestorben. Hayes hat sich in seiner Amtsführung als ein entschiedener Feind der in der Staatsverwaltung der Union so bemerkbar gewordenen Corruption gezeigt
Aus Provinz und Nachbargebiet.
Hersseld, den 20. Januar 1893.
* (Zur S e l b st e in s ch ä tz u n g.) Es ist vielfach die irrige Ansicht verbreitet, daß es der Abgabe der Steuererklärung für 1893/94 gleichkomme, wenn der Steuerpflichtige, anstatt das Steuererklärungsformular ziffermäßig auszufüllen, einfach sich auf die vorjährige Steuererklärung bezieht. Dies ist indeß nicht zulässig, es hat vielmehr jeder zur Abgabe der Steuererklärung in Folge öffentlicher oder besonderer Aufforderung Verpflichtete, das Formular sorgfältig auszu- füllen, auch wenn keine oder nur unwesentliche Veränderungen in seinen Einkommensverhältnissen gegen das Vorjahr eingetreten sind. Steuererklärungen, welche entgegen dieser Verordnung unvollständig ausgefüllt sind, gelten als nicht abgegeben und ziehen den in § 30 des Einkommensteuergesetzes angedrohten Rechtsnachtheil nach sich.
):( Hersfeld, 20. Januar. Bei dem hiesigen Standesamt kamen in 1892 57 Eheschließungen zur Anzeige. Die Zahl der Geburten belief sich auf überhaupt 262 und zwar 143 männlich und 119 weiblich. Hiervon waren 251 ehelich und 11 unehelich. Lebendgeborene 250 und Todtge- burten 12. — Es starken im Ganzen 220 Personen und zwar 128 männliche und 92 weibliche. Unter einem Jahre starken 53 Kinder, hiervon 50 eheliche und 3 uneheliche.
Im Alter von 1—10 Jahren starken 31 Personen „ „ „ 10-20 „ „ 18 „ „ „ „ 20-30 „ „ 11 „ „ „ „ 30-40 „ „ 12 „ 40 50 „ ,, 14 ,, „ „ „ 50 60 ,, ,, 24 „
„ „ „ 60-70 „ „ 32 „
„ „ „ 70—80 „ und darüber starken
25 Personen. 214 Personen starken des natürlichen Todes, 5 durch Unglücksfälle und 1 durch Selbstmord.
(:) Hersfeld, 19. Januar. (Schöffengericht.) Der Tagelöhner Friedrich Stiehl von hier wurde wegen Körperverletzung mit 10 Tagen Gefängniß und wegen Sachbeschädigung mit 1 Woche Gefängniß bestraft. — Wegen Körperverletzung erhielt der Dienstknecht Ernst Roll von Rothensee eine Geldstrafe von 3 Mk, ev. 1 Tag Gefängniß. — Der Fruchthändler S. Löwenberg hier hatte aus einer Reise für seine 11jährige Tochter nur Vi Fahrkarte gelöst; er wurde deshalb in eine Geldstrafe von 30 Mk. ev. 2 Tage Gefängniß genommen. — Außerdem wurden 3 Personen wegen Forstdiebstahls mit je 1 Mk. ev. 1 Tag Gefängniß bestraft.
Hersfeld, 20. Januar. (Alters- und Invalidenrente.) Nach den im Reichs- Versicherungsamt angefertigten Zusammenstellungen, betrug am 31. Dezember. 1892 die Zahl der seit dem Inkrafttreten des JnvaliditätS- und AltersversicherungSgesetzeS erhobenen Ansprüche auf Bewilligung von Altersrente bei den 31 Versicherungsanstalten und den 9 vorhandenen Kasseneinrichtungen 224 630. Von diesen wurden 175 874 Rentenansprüche anerkannt und 39 922 zurückgewiesen, 4192 blieben unerledigt, während
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