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In sämmtlichen Listen sind die für die laufende Nr. bestimmten Spalten nicht auszufüllen.

I. 239. Der Königliche Landrath

J. V.: Heeg.

Berlin, den 8. Juli 1882.

Warnung.

In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor, Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloosc, für Preise anqeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch da­durch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinn-Abzüge für sich ausbedingen.

Die Antheischeine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und aus Gewinn- zahlung.

Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von LooSantheilschein- Verkäufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine auSgeben, als der Umfang ihres LoosebesitzeS erlaubt, oder endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.

Zur Unterscheidung der Loosanthcilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren UmschriftKön. Pr. Gen.- Lotterie-Direkt." und die gedruckte UnterschriftKönigl. Preuß General-Lotterie-Direktion" tragen.

Zur Unterscheidung zwischen den sich alsLotterie-Ein­nehmer" benennenden und ihr Geschäft alsLotterie Einnahme" oderLotterie-Komtor" bezeichnenden Privat-Verkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein alsKönigliche Lotterie-Einnahmen" oder Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.

A. 1318. Königliche General-Lotterie-Direktion.

Dammas. Lilienthal.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 16, Januar. In der heutigen (22.) Plenar­sitzung des Reichstages trat derselbe in die erste Be­rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des Gesetze« über die Besteuerung des Branntweins vom 24. Juni 1887, ein. Ctaatssekretair des Reichs-Schatzamts Fihr. v. Maltzahn, welcher die Debatte einleitete, trat zunächst der Auffassung seiner neulichen Rede entgegen, als ob er eine neue große Steuerreform in AuSsicht genommen hätte. Die gegen­wärtigen Steueivorlagen und ganz besonders die jetzt zur Verhandlung stehende Branntweinsteuervorlage hätten lediglich die Bedeutung eines erhöhten finanziellen Erträgnisses, welches aber auch den Bedürfnissen des Reiches für die nächstkommende Zeit genügen werde. Der Herr Schatzsekretair begründete da­rauf die Details der jetzigen Vorlage. Abg. Siegle kündigte für die Kommissionsberathung bczw. die zweite Lesung Anträge bezüglich Abänderungen der Bestimmungen über die Bevor­zugungen der Großbrennerei und der Herabsetzung des Kon, tingentS an. Die süddeutschen kleinen Brennereien würden durch da« Branntweinstcuergesetz übrigens zu sehr benachtheiligt. Abg, Dr. Witte betonte, daß seine Vorhersagungen über das Branntweinsteuergesetz von 1887 eingetroffen seien, und daß die Vorlage nicht geeignet sei, die betreffenden Schäden zu be­seitigen. Wenn die Regierung wirklich neue Steuern auf= legen müsse, sollte zunächst die Steuerdifferenz zwischen 50 und 70 Mark beseitigt werden. Die Herren Brenner sollten sich doch nicht täuschen; sie tanzten auf einem Vulkan! (Heiter­keit.) Die von ihnen an das Branntweinsteuergesetz geknüpften Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. Sei doch die Lage der Brenner trotz der Liebesgabe von 40 Millionen eine recht ungünstige. So lange man nicht zu einer reinen Konsum- steuer übergehe, werde man im Lande nicht Ruhe und im Brennereigewerbe keine Stetigkeit bekommen. Bayerischer Finanzminister Frhr. v. Riedel nahm darauf das Wort, um zunächst ausführlich darzulegen, daß die verbündeten Regie­rungen bei jeder Branntweinsteuer-Vorlage vor Allem das volkswirihschaftliche Interesse berücksichtigen müßten, und dann, daß die behauptete Liebesgabe von 40 Millionen den Groß- brennern in Wirklichkeit gar nicht zu Gute komme. Die Differenz in der Besteuerung habe vielmehr nur die Be­deutung, der Ueberproduktion zu steuern, und sie komme nur den kleinen und mittleren Brennereien zu Gute.

Berlin, 17. Januar. Im Verlaufe der heutigen Sitzung des Reichstages betonte Abg Dr. Barth bei Fortsetzung der ersten Berathung der Branntweinsteuervorlage schließlich, daß es endlich an der Zeit sei, das allgemeine Interesse an Stelle des der Spiritusindustriellen zu setzen. Der bayerische Finanzminister Dr. von Riedel widerlegte die Angriffe des Vorredners, welche dieser gegen feine Au«, führungen gerichtet hatte, unter gespannter Aufmerksamkeit des Hauses in eindrucksvoller Weise, um schließlich wiederholt zu betonen, daß von einerLiebesgabe" bei dem Branntwein- steuergesetz thatsächlich nicht die Rede sein könne. Abg. Fürst Hatzfeldt führte dagegen aus, daß der Nutzen der Kontingen- tirung nicht der Landwirthschaft zugefallen sei. Im Interesse der ersteren erachtet er deshalb auch verschiedene Aenderungen de« Gesetzes von 1887 für nothwendig. Im klebrigen hält der Redner al« den besten gesetzgeberischen Akt auf diesem Gebiet die Einführung der Fabrikatsteuer. Die Einführung derselben würde gerade den Zustand herbeiführen, welcher der Landwirthschaft am nützlichsten sei. Abg. Dr. Höfsel hält die höhere Besteuerung des Tabacks bezw. da« Tabacksmonopol für die beste Einnahmequelle, während die neue Branntwein- steuervorlage viele kleine Existenzen schädigen und beunruhigen werde. Abg. v. Kardorfs bestreitet, daß die Branntweinsteuer die Bedeutung einer Liebesgabe habe. Abg. von Staudy (deutschkons.) verwahrt die Großbrenner gegen den Empfang einer auf Grund des Brarrntweinsteuergeietzes gewährten Liebe-gabe, hält aber die Spannung von 20 Mk. für noth­wendig, um dem Brennereibetriebe überhaupt die Existenz zu ermöglichen Darauf wurde die Vorlage der Militairkom- mission überwiesen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 17. Januar.

Am Montag Vormittag arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst von 9'/.^ Uhr ab mit dem Chef des Civilkabinets und nahm darauf von 103/4 Uhr ab die Vorträge des kommandirenden Admirals sowie des Staatssekretairs des Reichs- Marineamts und des Chefs des Marinekabinets entgegen. Während den Nachmittagsstunden ver­blieb Se. Majestät in seinem Arbeitszimmer und erledigte Regierungsangelegenheiten. Am Abend um 63/4 Uhr hatte der rumänische Minister des Aeußeren Lahovary, im Beisein des Staats­sekretairs des Aeußern Frhr. Marschall von Bieberstein, die Ehre, von dem Monarchen in Audienz empfangen zu werden. Am heutigen Morgen arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst allein und darauf mit dem Chef des Militair- kabinets. Mittags begab sich Se. Majestät nach dem Rittersaal, um daselbst die kapitelfähigen Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler zur Aufnahme mehrerer Mitglieder um sich zu versammeln und nach dem Aufnahme-Akte im Kapitelsaal ein Kapitel abzuhalten. Nach be­endetem Kapitel kehrte Se. Majestät in feine Gemächer zurück und empfing darauf den Kom­mandeur der 1. Garde-Infanteriedivision, General­lieutenant v. Holleben, und einige andere Offi­ziere zur Entgegennahme persönlicher Meldungen.

Die Gemahlin des Prinzen Friedrich August von Sachsen, dereinstigen Thron­folgers auf dem sächsischen Throne, ist in der Nacht zum 16. d. Mts. von einem Prinzen ent­bunden worden. Es ist dadurch die weitere Erb­folge des Königshauses für das Königreich Sachsen gesichert.

Die Militärkommission des Reichstages setzte am Montag die Generaldebatte über die ihr überwiesenen Vorlagen fort; dieselbe dürfte vor­aussichtlich am Mittwoch zum Abschluß gelangen.

Ueber den Bergarbeiter streik verlautet: Im Gelsenkirchener Revier kann der Ausstand als beendet angesehen werden; am Montag ist daselbst Alles angefahren. Die Zahl der Aus­ständigen im Dortmunder Oberbergamtsbezirk ist auf 8500 Mann gesunken. Im Saar­revier 'sind nunmehr noch 2900 Bergarbeiter ausständig.

Am Freitag hielt der nationalliberale Verein in Mannheim seine Jahresversammlung ab, bei welcher Gelegenheit der Vorsitzende desselben, Bankpräsident Eckart, seine Ansicht über die Militairvorlage unter allgemeiner Zu­stimmung der Vereinsmitglieder dahin aussprach, das zur Sicherung des Vaterlandes Erforderliche müsse bedingungslos bewilligt und unter allen Umständen ein Konflikt vermieden werden.

Amtlicher Nachweisung zufolge sind im Etats­jahr 1891 92 bei der D o m a i n e n v e r w a l - tung 455321,217 Hektar an Flächenabgängen, bei der Forstverwaltung 106 646,395 Hektar an Flächenzugängen zu verzeichnen gewesen.

Amtlicher Nachweisung zufolge sind in der Zeit vom 1. Oktober bis Ende Dezember 1892 an Branntwein 981 353 Hektoliter gegen 847 483 Hektoliter im gleichen Zeitraum des Vorjahres hergestellt. Davon sind 606 091 Hektoliter gegen 589 573 Hektoliter nach Entrichtung der Ver­brauchsabgabe in den freien Verkehr übergeführt worden. Am Schluß des Rechnungsmonats ver­blieb in den Lagern und Reinigungsanstalten unter steuerlicher Kontrolle ein Bestand von 413 760 Hektoliter.

Der neue deutsche Botschafter in Petersburg, General v. Werder, ist seitens des Zaren und seiner Gemahlin in ungemein gnädiger Weise empfangen worden. In Petersburger politischen Kreisen wird dieser ausgezeichnete Empfang sehr bemerkt.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 18. Januar 1893.

* (Warnung.) In deutschen Zeitungen er­scheinen seit einiger Zeit Ankündigungen, in denen eine englische FirmaThe International Mercantile Society 245 City Road London E. C., als deren Präsident sich C. E. Smith und als deren Sekretär Bruno Seller unter­zeichnet für die Firma Schulberg, Beyer u. Co., die angebliche Besitzerin der deutschen Ausstellungs­Trinkhallen in Chicago, für die Dauer der Chi- cagoer Ausstellung achtzig Kellnerinnen sowie auch Kommis anzuwerben vorgiebt. Personen, die | sich auf diese Ankündigungen hin an die ge­

dachte Firma wenden, werden zur vorherigen Einzahlung einer Vermittelungsgebühr von 8 Schill. oder von höheren Beträgen aufgefordert. Nach dem Eingang der geforderten Beträge pflegt die Firma dann, wie aus verschiedenen darüber geführten Klagen hervorgeht, den Schriftwechsel abzubrechen. Da die in London über das Treiben dieser Firma eingezogenen Erkundigungen ergeben haben, daß sie mit der diesjährigen Ausstellung in Chicago in keiner Verbindung steht, so kann den erwähnten Ankündigungen gegenüber nur zur größten Vorsicht gerathen werden.

* Die preuß isch e St a ats l ott erie soll um 30000 Loose vermehrt werden. Jedoch wird die erste der beiden in das Etatsjahr 1893/94 entfallenden Lotterieen, die 188., noch nach dem jetzt geltenden Spielplan, also ohne Vermehrung der Loose gezogen werden, und die letztere erst für die 189. Lotterie eintreten. Der Ueberschuß der Lotterieverwaltung erhöht sich auf diese Weise im nächsten Etatsjahr noch nicht um den vollen Betrag, der aus der Loosevermehrung zu erwarten steht, sondern nur um 890 600 M, nämlich von 8 090 300 M., wie sie der laufende Etat vorsieht, auf 8 980 900 M., die für 1893/94 in Ansatz gebracht sind.

* Ungewöhnlich hohe Luftdruck­werthe zeichnen in besonderer Weise den Beginn des Jahres aus. In den ersten Januar­tagen konnte man in den Wetterkarten eine durch Lappland und Finnland gezogene Linie gleichen Barometerstandes verfolgen, welche mit der nur selten vorkommenden Ziffer 785 bezeichnet war. Am 3. hatte sich dieselbe sogar auf 790 Milli­meter erhöht; der Mittelpunkt des Hochdruck­gebiets befand sich aber immer außerhalb des Rahmens der Wetterkarte in der Gegend des Weißen Meeres, wo am 2. Januar zu Archengelsk 794, am 4. zu Kargopol an der Onega 795 Millimeter Luftdruck beobachtet wurde. Ein barometrisches Maximum von solcher Höhe, ist in solchen Gegenden eine um so ungewohntere Erscheinung, als gerade im Winter die Depressio­nen sehr häufig das nördlichste Europa zu durch­ziehen pflegen. Durch eine solche wurde denn auch vom 7. Januar an unser Maximum südost- wärts nach dem Inneren von Rußland zurück­getrieben und ist nach Ueberschreitung des Ural­gebirges seit einigen Tagen im mittleren Sibirien angelangt. Hier, wo die hohen Barometermaxima im Winter zu Haufe sind, hat es sich noch mehr verstärkt. Im Laufe des 12. Januar stieg das Barometer zu Jrkutsk über 800 Millimeter und schwang sich am Morgen des 13., also am russi­schen Neujahrstage zu der Höhe von 806 Milli­metern auf. Soweit überhaupt Barometerab- lesungen vorliegen, ist ein derartig hoher Stand auf der ganzen Erde noch niemals überschritten und erst ein einziges Mal zuvor, nämlich am 16 Dezember 1877, in Semipalatinsk erreicht worden. Daß winterlicher hoher Druck und Winterkälte miteinander verschwistert sind, hat auch das gegenwärtige Beispiel aufs neue be­wiesen. Denn in Archangelsk sank die Tempe­ratur bei bei dem höchsten Barometerstände auf 37 Grad C., und in Jrkutsk führte sich das neue Jahr sogar mit 43 Grad C. Kälte ein, 20 Celsiusgraden mehr, als dort um diese Zeit durch­schnittlich zu herrschen pflegen, mit einer Kälte also, bei welcher die bei uns gebräuchlichen Thermometer ihren Dienst versagen würden, da das Quecksilber in ihnen schon bei mehreren Graden vorher erstarrt wäre. Aber auch nach dem Verschwinden des Maximums aus Nord­europa hat die unter seiner Herrschaft entstandene Kälte daselbst nicht ausgehört. Dieselbe lockt jetzt ihrerseits neue, wenn auch bisher dem ersten an Höhe nicht gleichkommende Maxima herbei und verwehrt besonders den ozeanischen Depres­sionen, welche in anderen Wintern so häufig bei uns gelinde Witterung herbeizuführen pflegen, den Eintritt in das europäische Festland. So oft derselbe in letzter Zeit aber doch einem Minimum geglückt war, trieb es nach vorüber­gehender Milderung des Frostes immer wieder hoher Luftdruck mit kalten Nordostwinden davon.

* (Wechselstempelmarke n.) Die hellvio­letten Wechselstempelmarken mit ziegelrothem Ueberdruck des Steuerbetrages sowie die Wechsel- Vordruckblätter mit hellviolettem Stempel treten demnächst außer Gültigkeit und dürfen von den Postanstalten nicht mehr vertrieben werden.

* Dem Steueraufseher Schick zu Niederaula ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.

Hersfeld, 18. Januar. Am 20. b. Mts. läuft die Frist ab, in welcher die Steuererklä-