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Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 3. Sonnabend den ?. Januar 1893.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 6. Januar 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung der nachstehenden Verfügungen noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. b. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
1. Verfügung vom 18. Dezember 1878 Nr. 12674, im Kreisblatt Nr. 102, die Unterbringung verwahrloster Kinder betreffend.
2. Verfügung vom 1. März 1881 Nr. 2605, im Kreisblatt Nr. 19, die in Pflege befindlichen Kinder unter sechs Jahren betreffend.
3. Verfügung vom 27. März 1887 Nr. 3412, im Kreisblatt Nr. 39, Bißverletzungen an Menschen durch tollwuthkranke Thiere betreffend.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Zugelaufen: ein Dachshund. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Beiers- hausen.
Aekanntmachung.
Die Erhebung der Branbsteuer für das Jahr 1893 — 18 Pf. von je 100 Mk. Umlagekapital — sowie der am 2. d. Mts. fällig gewesenen Lanbeskreditkasten - Zinsen findet in den
(Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nicolo.
(Fortsetzung.)
„Ich werde Ihnen gehorchen!" erwiderte er. „Ich bin es Ihnen, meiner Retterin, schuldig. Sagen Sie mir nur, was Sie wünschen, und ich gehorche sofort!"
„Sehen Sie hier!" sprach sie und zog ein Bündel hervor. „Sie müssen diese Kleider anziehen, ich komme zurück, sobald ich selbst eine Verkleidung angelegt habe."
Und eilig verließ sie das Zinimer.
Schon nach wenigen Minuten kehrte sie zurück. Aber welch' eine Wandlung war in der kurzen Zeit mit ihr vorgegangen! Sie hatte ihr einfaches Kleid mit einem kostbaren Gewand vertauscht, das an vergangene Tage erinnerte. Die lange _ Schleppe, das zurückgekämmte Haar, die enganschließende Taille ließ ihre schöne Gestalt auf das Vortheilhafteste hervortreten, und die kurzen Aermel mit der langen Spitzenfalbel zeigten die weißen, feingeformten Arme in ihrer ganzen Schönheit. Nie hatte sie so anmutig unb nie so aristokratisch ausgesehen, wie in diesem Augenblick. Und sie selbst konnte sich eines Lächelns nicht enthalten, und doch bewunderte sie im Geheimen die Gestalt, die sie in der halboffenen Nische vor sich sah. Aus Lord
auf den Brandsteuerzetteln angegebenen Terminen statt.
Die Brandsteuerzettel werden den Herren ; Bürgermeistern in den nächsten Tagen übersandt ’ werden.
Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Geschäftslokal der unterzeichneten Renterei während der Zeit vom
}6» Januar bis einschl.
23. ^6ruar d. J*
nur Mittwochs und Sonnabends geöffnet i ist, an allen übrigen Tagen dagegen geschloffen bleibt.
Hersfeld, den 6. Januar 1893.
Modische KodesAeoterei:
Fafold.
Nichtamtliches.
Assten für die Ariegsmacht in Frankreich und Deutschland.
Nach den Etats für 1891/92 betrugen, wie in dem konservativen Handbuch berechnet ist, die ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben für Armee und Flotte in Deutschland 561 Millionen Mark, in Frankreich 885 Millionen Mark. Auf den Kopf der Bevölkerung kamen in Deutschland 11,52 Mark, in Frankreich dagegen 23,14 Mark. Nicht berücksichtigt sind hierbei die Militär- und Marinepersonen, die im deutschen Etat für 1892/93 66 Millionen Mark ausmachen und zum Theil, mit 25 Millionen
Belfort, dem stolzen Edelmann, war ein Page ! geworden, wie man ihn auf alten Bildern, im i Gefolge der Damen von Rang findet.
Sein Gesicht sah so jung aus, seine Gestalt erschien in den Pagenkleidern so schlank, und der ganze Ausdruck seines Gesichts war so ein ganz anderer geworden, daß Cora ein Gefühl von Vertrauen überkam, das ihr bisher fremd geblieben war.
„Sind Sie bereit? Wollen Sie mir folgen?" fragte sie. „Sie müssen Ihre Rolle gut spielen. Wenn uns Jemand sieht, hüten Sie sich, Furcht zu zeigen."
Er stimmte ihr schweigend bei und sie bereitete sich zum Gehen vor. Cora schob das Feld wieder zu, verschloß die Thür hinter sich, steckte den Schlüssel in die Tasche und ging ihm mit langsam abgemessenem Schritt anscheinend ohne die geringste Angst voran. Lord Belfort folgte ihr in geringer Entfernung.
Das erste Zimmer und den Corridor legten sie ungestört zurück. Aber Cora wußte, daß eine Wache unten am Fuße der Treppe stand.
Sie blieb einen Augenblick stehen, flößte ihrem Begleiter durch ein Lächeln neuen Muth ein, und dann ging sie mit noch langsamerem Schritt wie bisher weiter.
Sie wußte wohl, daß diese Vorsicht nothwendig war.
Allerdings schien der wachhabende Polizist
Mark, aus Einnahmen des Reichsinvalidenfonds gedeckt.sind.
Nach dem Zahlenmaterial, das der Militärkommission des Reichstages zugegangen ist, entfallen auf den Kopf der Bevölkerung an Kosten für die gesammte Kriegsmacht jährlich in Deutschland 13,20 Mark, in Frankreich 21,93 Mark. Ist die Rechnung auch etwas ungünstiger als die des konservativen Handbuchs für die Etats von 1891 92, fo übertrifft doch die französische Militärlast die Deutsche noch um zwei Drittel. Von freisinniger Seite ist an der Rechnung herumgemäkelt worden. Es wird getadelt, daß die Kosten der Flotte mit berücksichtigt seien, obgleich die französische Flotte drei Landesgrenzen, die deutsche nur eine zu decken habe. Ein recht schwacher Einwand, der sofort hinfällig wird, wenn man bedenkt, daß Frankreich dafür vermöge seiner geographischen Lage auch nur an einer Seite mit dem Landheer gerüstet zu sein braucht, wir dagegen an mindestens zwei Grenzen zu Lande gerüstet sein müssen. Im Kriege entscheidet die gesammte Kriegsmacht, die zu Wasser ebenso gut wie die zu Lande. Von derselben Seite verlangt man ferner, daß die Zinsen aus der französischen Kriegsentschädigung, soweit diese zu Heereszwecken verwendet wurde, und die Zinsen des ebenfalls aus der Militärentschädigung gebildeten Reichsinvalidenfonds mit berechnet werden sollen. Allein diese Zinsen belasten doch ! den deutschen Steuerzahler nicht, und der Vergleich steht darauf, welche finanziellen Lasten der deutsche Steuerzahler gegenüber dem französischen zu tragen habe.
Es bleibt also dabei, daß in Frankreich 21,93 Mark, in Deutschland nur 13,20 Mark auf den Kopf der Bevölkerung an finanziellen Lasten für
unten an der Treppe zu schlummern, aber Cora wagte doch nicht, dieser Wahrnehmung zu trauen. Statt sich leise an ihm vorüber zu schleichen, behielt sie ihren sichern, ruhigen Schritt bei, und ging so an dem Schlafenden vorüber, daß sie ihren Gefährten möglichst mit der bauschigen Schleppe deckte.
Die List gelang ihr.
Der Mann schlug rechtzeitig die Augen auf, um noch die seltsame Erscheinung schweigend die Stufen hinabschweben zu sehen. Es entschlüpfte ihm ein Schrei, der glücklicherweise zu leise war, um seine Kameraden zu wecken. Aber im nächsten Augenblick besann er sich eines Anderen.
„Was kümmert es mich, wenn die Geister der Verstorbenen bei Nacht herumwandeln?" dachte er. „Ich habe ihnen nichts zu Leide gethan, da werden sie mich auch in Ruhe lassen."
Und er wollte wieder schlafen. Aber der ein Mal unterbrochene Schlaf wollte nicht wiederkehren, und schließlich faßte er Muth, um zu thun, was er für seine Pflicht hielt. Er ging nach den Zimmern, die unter seiner besondern Obhut standen, und versuchte die Thür, deren Bewachung den Beamten besonders empfohlen war, zu öffnen.
Sie war verschlossen. Da wandte er sich rasch der Thür auf der andern Seite zu; dieselbe gab sofort seinem Drucke nach, und er trat in das Zimmer, in welchem das Porträt, welches Cora