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Die JnsertionSflkbühren betrafen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. R'klamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Auftragen entsprechender Rabatt.

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnement-prei« vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg exd. Postausschlag.

Htlsskl-kl IrdsHott

Mit wöchentlicher Gratis-VettageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Dienstag den 3. Januar

1893

AMMllK-IMWg.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllnstrirtes Sonlltagsblatt" für das I. Quartal 1893 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- der Expedition angenommen.

mtlichrs.

Hersfeld, den 30. Dezember 1892.

Die Herren Bürgermeister des Steuerkassen- bezirks Hersfeld werden ersucht, die Geldrenten für früher in natura bezogenes Besoldungsholz pro 1893 in den ersten Tagen des Monats Januar k. I., spätestens aber bis zum 8., hier in Empfang zu nehmen. Quittungen werden hier verabreicht.

Königliche Steuerkasse. Hecker, Rentmeister.

Gefunden: eine Laterne. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Röhrigshof.

Nichtamtliches.

Deutschland im Jahre

1892.

Die Jahresabschnitte bieten nicht nur die er­wünschte Gelegenheit, die Erinnerung an die Er­

Flachdruck verboten.)

Die Tochter des Meeres.

Roman von A. Nicole».

(Fortsetzung.)

Und wer waren Jene," fragte Cora,die diese seltsamen Kleider trugen? Waren es Freunde dieses Hauses?"

Vielleicht," antwortete Frau Aston, während sie einen andern Schränk öffnete.Ich selbst hing diese Kleider hierher, um sie vor den Blicken jedes menschlichen Wesens zu verbergen, dem schon ihr Anblick eine Qual wäre."

Wollen Sie mir wenigstens das Hauptsäch­lichste der Begebenheit mittheilen?" fragte Cora gespannt.Ich verlange keine Namen, keine Einzelheiten ... ich möchte nur etwas hören, wonach ich mein Verhalten richten kann. Sie können mir vertrauen," fügte sie mit stolzer, fast gebieterischer Stimme hinzu.Kein Wort davon soll je über meine Lippen kommen!"

Es kann ja auch nichts Unrechtes weiter da­ran sein, wenn ich keine Namen nenne, und wenn Sie gegen Niemand davon sprechen," ent- gegnete Frau Aston.Die ganze Geschichte ist sehr einfach. Es fand hier im Hause der Bid- dulphs ein Ball statt, zu welchem die junge Dame, die Sie hier auf dem Bilde sehen, dieses Kleid tragen wollte, und ihr Geliebter, oder vielmehr

eignisse der jüngsten Vergangenheit wieder auf- zufrischen, sondern auch den Vortheil, dadurch zu einem festeren Standpunkt in der Beurtheilung der Verhältnisse der Gegenwart und der Auf­gaben der Zukunft zu gelangen. Erst kürzlich noch wurde im Reichstage die nicht zu beftreitende Thatfache erwähnt, daß sich allerhand Mißtrauen, Unzufriedenheit, Mißstimmung und Zaghaftigkeit der Gemüther bemächtigt hat. Wie wenig diese Stimmung in den wirklichen Verhältnissen be­gründet ist, wird Einem so recht klar, wenn man die Ereignisse des letzten Jahres an sich vorüber­ziehen läßt.

Deutschland ist in dem verwichenen Jahr in keine diplomatische Verwickelung hineingezogen worden, ja die Verhältnisse in Europa sind im Allgemeinen derartige gewesen, daß dergleichen Verwickelungen überhaupt nicht aufgetaucht sind. Nicht nur das Schwergewicht des Dreibundes hat sich stark genug erwiesen, um den Gedanken der Erhaltung des Friedens allgemeinere Aner­kennung zu verschaffen, sondern auch in den außerhalb des Dreibundes stehenden Völkern ist mehr und mehr das Bedürfniß nach einer ruhigen friedlichen Entwicklung zur Geltung gekommen. Die mannigfachen persönlichen Begegnungen, die unser Kaiser mit gekrönten Häuptern auch in dem vergangenen ce Hatte, haben nicht nur hiervon Zeugniß abgelegt, sondern sie haben die Befestigung der friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen gefördert. Am dritten Pfingstfeier- tage stattete unserem Kaiser der Kaiser von Ruß­land mit dem Thronfolger einen Besuch in Kiel ab; als Echo dieser Begegnung schrieb ein ange­sehenes russisches Blatt:Man ist des nervösen Lebens in der äußeren Politik satt; es ist Zeit für jeden Staat, sich mit der eigenen Selbstent­wicklung zu beschäftigen." Kurz vorher hatten die beiden Königinnen von Holland unserem

der Nebenbuhler ihres Geliebten sann auf ein Costüm, das ihm gestattete, ihr den ganzen Abend nahe zu fein. Und er wählte den Anzug eines Pagen, und rasirte sich den Bart weg, um jünger auszusehen. Sie sahen beide reizend aus und amüsirten sich vortrefflich in der verhäugniß- vollen Nacht. Aber das Ende davon war Blut­vergießen, Elend und Zwietracht. Sie wurden für immer von einander gerissen, und diese Kleider sind die einzige Erinnerung an die letzte Stunde, die sie mit einander verbrachten."

Cora nahm ein seltsames Interesse an der Erzählung.

Und Sie wollen, daß ich und Lord Belfort diese Unglück verheißenden Kleider tragen sollen?" fragte sie.Gut! Es sei! Wenn sie einst den Tod verursachten, sollen sie jetzt ein Leben retten. Habe ich nicht Recht, Frau Aston?" sagte sie ruhig, während sie das Atlasgewand aufnahm und es mit einer gewissen Ehrfurcht betrachtete.

Gewiß!" erwiderte diese.Und ich will froh sein, wenn Alles wieder aus dem Hause und aus der Nähe meiner lieben jungen Herrin ist, damit sie ihn vergißt und Alles was mit ihm in Verbindung ist."

Sie wird ihn wohl kaum jemals wiedersehen," antwortete Cora verächtlich,wenn sie ihrer Liebe nicht so treu bleibt, daß sie in Noth und Elend fest zu ihm hält .... Also über diese

Kaiserpaar im Neuen Palais einen Besuch ab­gestattet, der in der deutschen wie in der hollän­dischen Preffe einen freudigen Wiederhall hervor- rief. Am 20. Juni traf das italienische Königs­paar mit dem Auswärtigen Minister Brin auf mehrere Tage zum Besuch ihrer Majestäten im Neuen Palais ein und legte somit ein neues Zeugniß von den längst bewährten Gesinnungen ab, die Italien in seiner auswärtigen Politik als Glied des nur friedlichen Zielen dienenden Dreibunds beherrschen. Der abermalige Besuch unseres Kaisers in England im August, der Be­such in Wien im Oktober bestätigen die unver­änderten Freundschaftsbeziehungen. Bei Eröff­nung der Delegationen bekundete Kaiser Franz Joseph:Das Zusammengehen mit den uns ver­bündeten Reichen bewährt auch fortan feine Heil bringende, Frieden erhaltende Wirkung: Das Ruhebedürfniß der Völker und die Sorge um ihr materielles Wohl üben unverkennbar einen mäßigenden Einfluß auf die internationalen Ver­hältnisse aus." An diesen Beziehungen haben auch die in Italien und England eingetretenen Ministerwechsel nichts geändert. Nirgends hat Deutschland über eine Erkaltung und Verschlechte­rung seiner Beziehungen zu klagen, und wenn auf der anderen Seite von französischen Blättern jedweder kleine Anlaß ausgebeutet wurde, um einen Fortschritt in dem von ihnen erstrebten Gedanken einer Alliance mit Rußland zu be­haupten, so kann doch ein nüchterner Beobachter darüber nicht im Unklaren sein, daß sich nichts zu unseren Ungunsten verändert hat.

Die günstige politische Lage hat sich für Deutschland noch dadurch gebessert, daß es mit Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien und der Schweiz aus zwölf Jahre Handelsverträge abge­schloffen hat, welche nicht nur unserer Industrie allmählich von Nutzen, sondern auch der Stärkung

Sachen kann ich nach Belieben verfügen? . . . Hören Sie mich an, Frau Aston! Ich will Sie nicht weiter in meine Pläne einweihen, damit Sie mit gutem Gewissen sagen können, Sie wüßten nichts von der Flucht, aber wenn Sie irgend eine Nachricht über die seltsamen Er­scheinungen in diesen Räumen verbreiten könnten, so wäre mir das eine große Hilfe; es würde mir einen Weg bahnen, das Haus sicherer ver­lassen zu können. Sagten Sie mir nicht, daß Wachen rings um das Haus und auch am Ein­gang zu diesem Flügel stehen?"

Frau Aston nickte.

Gut! So weiß ich, wovor ich mich zu hüten habe. Geben Sie mir nur eine Idee, wie ich am Besten aus dem Hause komme, und das klebrige überlassen Sie dann mir."

Nun," sagte sie, als die Haushälterin ihr die gewünschte Auskunft gegeben hatte,werde ich noch ein Mal zu Lady Marian gehen, um mich noch genau nach ihren Wünschen zu er­kundigen, und dann verlasse ich für immer diese Gegend, in der mir nur Kummer und Schmerz beschieden war."

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Marian, was soll diese unglückselige Geschichte bedeuten?" sagte der Graf Marston heftig, als