Ludwig Düchner (S. 21), geboren den 29. März 1824 zu Darmstadt, studierte zu Gießen, Straß- burg, Würzburg und Wien Medizin, habilitierte sich 1854 an der Tübinger Universität unb veröffentlichte bald darauf seine bekannte, in wohl alle europäischen Sprachen übersetzte Schrift: „Kraft und Stoff", deutsch bisher in fünfzehn Auflagen erschienen. Als dieses Werk zum erstenmal in die Oeffentlichkeit trat, hatten eben Molcschotts „Kreislauf des Lebens" und mehrere Werke Karl Vogts Anlaß zu einem heftigen Federkrieg gegeben; alles war für oder wider die materialistische Weltanschauung und der Titel des Büchnerschen Buches, das für letztere ■cintrat, wurde zum Schlagwort beider Parteien. Gegner nannten die Materialisten „Kraftstoffe!" und diese erwiderten gleich höflich; Karl Vogts „Köhlerglaube und Wiffenschaft" gab da den Ton an. Sehr ernst faßte man die Sache auf, die Behörden mengten sich durch Bücherverbote in den Streit, Büchner niußtc seine Stellung in Tübingen aufgeben und zur ärztlichen Praxis nach Darmstadt zuruck- kehren. Heutzutage mag es uns wohl einigermaßen Wunder nehmen.
daß die Veröffentlichung
derartiger Schriften die Gebildeten von damals in
solche Aufregung versetzen konnte, da doch jeder von der Schule her wissen mußte, daß die materialistische Weltanschauung so alt ist, wie das Sinnen und Grübeln des Menschen über Ursprung, Verlauf und Zweck all' und jeden Seins überhaupt, daß Philosophen unter den Römern, Griechen und Franzosen der ersten Revolutionszeit ihre moralischen oder, wenn man will, unmoralischen Systeme auf Grund derselben ausbauten. Die schriftstellerische Thätigkeit Büchners außer obigem umfaßt folgende Werke: „Die Darwinsche Theorie von der Entstehung und Umwandlung der Lebewelt," „Physiologische Bilder," „Natur und Wissenschaft," „Der Mensch und seine Stellung in der Natur," „Natur und Geist," „Das Alter des Menschengeschlechts," „Aus dem Geistesleben der Tiere," „Licht und Leben," „Liebe und Siebesleben in der Tierwelt," „Die Macht der Vererbung," „Der Fortschritt in Natur und Geschichte," „Natur und Wiffenschaft," „Thatsacken und Theorien aus dem naturwissenschaftlichen Leben der Gegenwart," „Ueber religiöse und wissenschaftliche Weltanschauung," „Fremdes und Eignes aus dem geistigen Leben der Gegenwart," „Das goldene Zeitalter oder das Leben vor der Geschichte."
Die Lebensdauer der Tiere ist bekanntlich sehr verschieden. Kamele leben bis an fünfzig, Pferde bisweilen über dreißig, Ochsen über zwanzig, Schafe acht oder neun, Hunde vierzehn bis fünf« zehn Jahre. Elefanten sollen dreihundert Jahre leben; man hat erwachsene Tiere gefangen, welche in der Gefangenschaft noch einhundertunddreißig Jahre verbrachten. Walfische sollen gar vierhundert Jahre alt werden. Schildkröten werden
sehr alt; es ist historisch beglaubigt, daß eine solche, von gewissem Silier, 1633 eingcfangcn wurde und 1753 noch lebte. Der'Adler und der Schwan werden an hundert Jahre alt. Auch Fische erreichen ein hohes Alter, Karpfen bis gegen zweihundert, Forellen bis fünfzig Jahre. Der schweizer Naturforscher Geßner erzählt von einem Hecht, welcher 1497 gefangen wurde und einen Ring trug, aus dessen Inschrift hervorging, baß er vor 267 Jahren einmal in Menschenhände geraten war. Dagegen sterben gewisse Insekten nach wenigen Stunden schon.
Naiv. Herr: ,Sind Sie musikalisch, mein Fräulein?" Dame: „Ich selbst nicht, aber wein Pho- tographic-Albnm ist es in hohem Grade!"
Der Zeit entsprechend.
In Sachsen.
Herr (Fremder): „O, mein Fräulein, fühlen Sie an dem Pochen meiner Herzens, welch' unendliche Freude mir die Ber- leihung dieser Ordens durch Ihre zarte Hand bereitet."
Dame: „Sie haben aber merklich recht, et puppört Sie schre."
Kaufmann (im Kleiderladen): „Nehmen Sie von diesem Stoff noch einige Stücke, ein Anzug davon hält, solange man lebt." Schneidermeister: „In dieser epidemiegesegneten Zeit können Sie wahrhaftig recht haben."
Wortspiel - Rätsel.
Aus Deinem Tisch, in Mägdlein? Hai- Halt Blumen ich in bunter Haft;
ES mißt sich da, wo ich entbrann Der Armer oder Geistes Kraft.
Der größte bin ich meiner Art, Mein Schmuck dar Haupt der Schönen ziert- Der frohe Kreis zum Tanz sich paart, Bon meinen Weisen hold verführt.
Schach-Aufgabe v. Sofie Schett, Untcr-Waltcrsdorf.
Schwarz.
a b c d e f g h Weis*. (6 + 5 = 11)
Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt.
Arebswort-Distichon.
Einst hat beherrscht er dar All; sein Name von rückwärts gelesen
Mahnt, daß der Sterbliche jetzt Länder und Meere vereint.
Dreisilbige Scharade.
Zur Deckung vor der Feinde Scharen Mit meiner ersten wohl bewehrt Bor Zeiten meine letzten waren, De» Ganzen Titel wenig ehrt.
(Auflösungen folgen in nächster Nummer.)
Türkische Romantik. Der bekannte französische Reisende Jaubert wurde aus seiner Reise im Orient von dem Pascha von Baljafid aller seiner Habe beraubt und gefangen gesetzt, mit der Absicht, ihn ermorden zu lassen. Seine Befreiung geschah unter folgenden Umständen: Den Gefangenen Jaubert besuchte öfter eine Tochter des Paschas und unterhielt sich, wie Pyramus und Thisbc durch die Wand, mit ihm durch die schwere Fallthür. Das naive Mädchen kam eines schönen Morgens und fragte: „Lebst Du noch, Gianr s Christ)?" — „Ja, meine Liebe!" — Du kannst mir einen großen Gefallen thun, Giaur." — „Und der wäre?" — „Wenn Du meinem Vater sagtest, daß er mich mit Hassan verbände!" — Aber was werden meine Worte bei Deinem Vater gelten?" — „Sehr viel, alles!" — „Wie so das?" — „Jedem gläubigen Musel- manu sind die Worte eines Sterbenden heilig."
— „So! Nun, ich werde mit Deinem lieben Vater sprechen." — „Ach, Du bist der liebenswürdigste der Giaurs! Ich eile, Hassan die srohc Botschaft mitzuteilen, er wird Dich segnen." — Jaubert forderte nun den Pascha auf, seine Tochter dem Hassan zu geben, und setzte den Tyrannen durch diese Bitte in die grausame Verlegenheit, entweder Jaubert leben zu lassen und dadurch seinen Worten die Heiligkeit und Verbindlichkeit zu entziehen, indem er aufhörte, ein Sterbender zu fein, oder ihn zu töten und zugleich seine Tochter einer Mißheirat zu opfern. Unter diesem Schwanken ergriff ihn die Pest, Hassan heiratete seine Tochter und das junge glückliche Paar eilte, den freundlichen Gianr aus seinem Elende zu erlösen.
Uns der höheren Södttcrfdmlc. Doktor X. ist ein neuer Lehrer und trotzdem der Herr noch jung ist, hat er dennoch nicht das Glück gehabt, den jungen Damen der Oberklasse zu gefallen, und es war daher beschlossen, ihm das zu zeigen. Als der Doktor tags darauf in das Schulzimmcr tritt, muß er zu seinem Erstaunen wahrnehmen, daß nur die eine Hälfte seiner Schülerinnen sich erhebt, während die andre ruhig sitzen bleibt. Anfangs wußte der junge Mann nicht recht, was er nun zu thun habe, dann aber war er bat' gefaßt und sagte lächelnd: „Mir kann es gleich giltig sein, meine Damen, ob Sie mich durch auf- stehen ehren oder lieber sitzen bleiben, nur sollte ich meinen, daß sich zu letzterem noch später für Sie Gelegenheit finden dürfte."
Jung und Ult. Eine unbeliebte ältliche Dame bemerkte beim ersten Geläute einer neuen Glocke, daß sie zu hell töne und nicht tief genug brumme. Darauf sagte ihr Gatte zu ihr. „Laß das nur gut sein, die Glocke ist noch jung, wenn sie einmal so alt ist wie Du, dann wird sie schon brummen!" Zwischenaktsgespräch. A.: „Nun, Herr B., waren Sie denn auch vorigen Freitag hier im Theater zur Benefizvorstellung von Fräulein N ?" B.: „Leider nicht." A.: „Oh, da haben Sie wirk- lich viel versäumt; Fräulein N. mürbe derartig mit Sträußen und Kränzen überhäuft, daß sie schließlich nur noch durch die Blume sprechen konnte."
Auflösungen aus voriger Nummer:
der Krebsmort-Rätsels: Lese, Esel; des Versteck-Rätsels: Emil Rittershaus; der viersilbigen Scharade: Katzenmusik; de» Buchstaben-Rätsels: Körper, Köper.
Nachdruck aus dem Inhalt d. 8L verboten. ___Gesetz Dom 11, VL 70._________________
Redigier! von SB- »«ermann, Berlin. Gedruckt und herausgegeben von 9' eilig A Fahrinholtz, Berlin S. 42, Prinzeustr. 80.