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Das Gefängnis zu Galvesten (Seite 9). Es ist ein Zeichen unsrer humangesinnten Zeit, neben den Kunstbauwerken, die kirchlichen, wissenschaft- lichen und dergleichen Zwecken gewidmet sind, auch die Gefängnisse als solche entstehen zu sehen. Selbst Amerika, das in vielen Fällen gewohnt ist, kurzen Prozeß mit seinen Verbrechern zu machen, ist nicht zurückgeblieben. Unser Bild veranschaulicht einen solchen Gc- siudelpalast, welchen die freie Re­publik Amerika ihren Strolchen erbaut hat, um diesen die zuer- kanute Strafzeit möglichst milde verfließen zu lassen. Galvcston in Texas, auf einer Insel vor der Galvestoubai belegen, ist Sitz eines katholischen Bischofs und Universitätsstadt. Das Gefängnis mit seinen großen Ncbcubautcn ist im stande, vielen hundert Personen zu glei­cher Zeit Unterkunft zu gewäh­ren, und die mangelnde Ver­bindung mit dem Lande erleich­tert die Beaufsichtigung der Verurteilten.

Kamine!-Körner.

Eine besondere Merkwür- biafcit Gibraltars ist die Michaelshöhle; die Na­tursäulen, welche das zerrissene Felsendach tragen, streifen bei dem ungewissen Licht der Fackeln ans Magische. Kein Mensch hat je die Tiefe dieser mächtigen Höhle ergründet; nur der englische Ge­neral £ §ara ließ sich au Stricken hinab, fand aber keinen Grund und hinterlegte da, wo er hingekommen, einen wertvollen Degen als Ver­mächtnis für seinen Nachfolger, der sich jedoch bisher noch nicht gefunden. Eine uralte Ueber­lieferung bezeichnet von dieser Höhle aus eine unterirdische Verbindung mit Afrika, und läßt die zahlreichen Affen des Gibraltarfelsens, die oft wie verschwunden scheinen, auf diesem Wege nach Apis Hügel auf die Spitze von Ceuta auswandern.

Der Putenbraten, namentlich sofern er sich als gefüllt barbietet, bildet bekanntlich eines der be­liebtesten Tafelgerichte. Bis zum Jahre 1500 war indes von diesem Hochgenuß für Feinschmecker nichts bekannt. Erst int Jahre 1525 wird von Gonzalo di Oviedo berichtet, daß es in Mexiko Pfanen gäbe, die von den in Europa bekannten verschieden, auch größer und schöner seien; sie würden leicht zahm, auch von Christen gezogen und in andre Teile Amerikas verschickt. Er hielt also den Truthahn für einen Pfau, deshalb auch der Name Gallopavo lPfauhuhn), welchen ihm Lo­pez de Homara 1553 beilegte. Nach Europa wanderte das Truthuhn im Jahre 1553 ein. 1557 waren sie noch so selten und kostbar, daß der Magistrat von Venedig in einer Verordnung zur Einschränkung des Aufwands bestimmte, auf welche Tafeln „Indianische Hühner", wie mau die Truthühner damals nannte, kommen durften. Dreizehn Jahre später erschien ein Kochbuch von Scappi, dem Koch Pius VI., worin sich die Zu- bereitung des Truthuhns befand. In England kommen „junge Truthühner" bei festlichen Schmau­sen zum erstenmal 1555 vor, Deutschland dagegen kannte das Truthuhn, wie Herresbach und Colerus berichten, bereits 1530. Frankreich aber, das Land der feinen Küche, kannte den Leckerbissen erst von 1530 ab. Dafür bildet der Absatz fetter Puten heute einen der Haupterwerbszweige der franzö­sischen Städte Periguenx, Limoge, Cabors, wo bekanntlich auch die Trüffeln in großartigem Maß- jtabe gezogen werden. Nach sogenanntem „Trüffel- puten" lechzt der Engländer schon wochenlang vor dem Treikönigstage.

Elettrische Leichenverbrennung. Eine neue Art der Leichenverbrennung, die an Schnelligkeit

und Sauberkeit der Ausführung die sonst übliche bei weitem übertreffen soll, ist jüngst in Philadel­phia kingcfnhrt. Die in ein Grabtuch eingcwickrltr Leiche wird auf eine Backsteiuplatte gelegt. Am Kopfe und au den Füßen der Leiche werden zwei Kupferplatten befestigt, welche die beiden elektrischen Pole einer Dynamomaschine bilden. Dann läßt man den elektrischen Strom durch den Körper gehen, der gewissermaßen die Rolle der Kohle in einer elektrischen Lampe spielt. In kürzester Zeit ist die Verbrennung vollzogen.

Mirabeau hörte einst sagen: Die despotischen Staaten sind ruhig! — und entgegnete: „Die Leichname sind es auch."

Ltrcck-Figur.

Die Sache scheint mir allgemach Zu ändern leicht zu sein. Die obern Reihen mauerst Du Bis aus die Mitte wieder zu, So bleibt Dir dieser Platz allein Und Du hast dort nur —^ — o.

Wortspielrätsel.

Wenn klein geschrieben

Er er thut, Gerat' es gut.

Wenn grob geschrieben Sie er ist, Man bald e» liest.

(Auflösungen feigen in nächster Nummer).

Gefichtshant-Verscksnernngsmittel. Das beste, billigste und wirksamste Mittel bleiben tägliche kalte Waschungen des ganzen Körpers, wenn möglich mit Brause. Nach dem Waschen Abrei­bung mit einem grobkörnigen Handtuch. Magere und nervöse Personen, Bleichsüchtige und Blut­arme waschen sich am besten abends vor dem Schlafengehen, kräftigere früh gleich nach dem Aussteheu, nur im Winter im gehegten Zimmer. Man vermeide streng, gleich nach dem Waschen an die Luft zu gehen oder reibe, wenn dies un­vermeidlich, oder wenn man schon au ausgespruu- geuer Haut leidet, Lippen, Gesicht und Hände mit etwas Provencer-Oel oder Cold-Cream Beson­ders schädlich für die Haut ist die Frühjahrsluft; man schützt am besten das Gesicht durch recht breitkämpige Hüte und leichte helle Schleier, niemals schwarze, welche die Souueust ahlen ein- saugen und ihre Einwirkung auf die Haut nur verschlimmern. Erhitzungen und darauf fol­gende Erkältungen, zu festes Schnüren, stark erregende Ge­tränke sind Feinde einer schönen Gesichtsfarbe. Um gebräunte Gesichtshaut, dunkle oder un­reine Gesichtshaut für festliche Gelegenheit weiß zn machen, nehme man Rosenwasser, tröpfle so viel Benzoctinktur hinein, bis die Flüssigkeit milchig ist und wasche damit mittels eines weichen Schwämmchcns Gesicht und Hals.

Ein Mißverständnis. Der ehemalige französische Minister Cremieux erhielt eines Tages in seinem Arbeitszimmer den Besuch eines jungen Marquis.

Auf dem Kamin stand eine Kopie der „Venus von Milo". Der junge Herr gewährte sie und fragte: „Was ist denn das für ein reizendes Bildwerk?" „Ah, Herr Graf, kennen Sie die Venus von Milo nicht?" „Richtig, richtig! Natürlich kenne ich sie." Einige Tage später traf der junge Edelmann mit Milaud, dem damaligen Redakteur der „Presse", späterem Gründer des „Petit Journal", zusammen. „Ich mache Ihnen mein Kompliment, lieber Mi­laud," redete er ihn an; „ich habe da kürzlich bei dem Herrn Minister Cremieux Ihre „Venus" ge­sehen, alle Achtung! Sie ist reizend."

Uns der Sternwarte. Observator (einer vornehmen Gesellschaft einen Vortrag über Astro­nomie haltend): „Wenn Sie jetzt gefälligst nach­einander durch das Fernrohr sehen, so werden Sie den Saturn mit seinen beiden Ringen be­merken." Backfisch: „War denn Saturn zweimal verheiratet?"

IMMllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW

Auflösung

der dreisilbigen Scharade in der ersten Nummer dieses Quartals:

Feldmarschsll (Feld Marsch HU).

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Dreisilbige Lcharade.

Der ersten beiden schattig Grün, Gemischt mit duft'gem GciKbiattblüh'n, Geschasien ist zu sel'gem Kosen; Wie müßte schön das dritte sein, Wenn in die ersten sich hinein Noch schmiegten moosumsponnene Rosen. Dort tränt* ich jubelnd goldnen Wein, Wie er im Ganzen wächst am Rhein.

(Auflösung folgt in nächster Nummer).

S

Auflösungen ans voriger Nummer:

des Krebsmorträtsels: Ecke; de» ZahIen-Buchstabenrätsclr: Ra­kete, Trieft, Laban, Aster, Jsabella, Juterlake», Turteltaube, Usbeken, Bilsenkraut; der Buchstabenrätsel»: Kunst, Gunst, Dunst.

Nachdruck au» dem Inhalt d. Bl. verboten.

_________________Gesetz vom 11./VI. 70.__________________

Redigiert von W. Herrmann, Berlin.

Gedruckt und herausgegeben von

Stet«! * »adreuhol», Berlin 8. 42, Prinzeustr. M-