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Htlsfel-kl Kleisblitt.
___ Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „IllukrirLes NnLerhaltnugsöla^.
Nr. 148. Donnerstag den 15. Dezembn 1892.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 12. Dezember 1892.
Die Schulstelle zu Widdershausen wird in Folge Versetzung deS bisherigen Inhabers vom 1. Januar 1893 ab vacant.
Bewerber um dieselbe wollen ihre MeldungS- gesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen innerhalb 14 Tagen au den unterzeichneten Landrath oder den Königlichen Lokalschulinspector Herrn Pfarrer K r a v f in Obersuhl einreichen.
Der Königliche Schulvorstand von Widdershausen.
Namens desselben:
Freiherr von Schletnitz, Landrath.
Gießen, den 9. Dezember 1892.
Betr. Anzeige gegen Fr. Manuschwytat, Dienst- knecht in Steinfurt, wegen BrandstiftüH.
Wir benachrichtigen Sie ergebenst, daß der unterm 8. dieses Monats erlassene Steckbrief durch Verhaftung des Rubrikaten seine Erledigung gefunden hat.
Großh. Staatsanwaltschaft.
An Königl. Landrathsamt Hersfeld. J.2279/92.
* * *
Hersfeld, den 12. Dezember 1892.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 10. d. Mts. I. I. Nr. 8482 im Kreisblatt Nr. 147, zur Kennt
nißnahme mttgethetlt. t
I. 8517. Der Königliche Landrath
I. V.: Heeg.
Die sogen. „Judenfiinten" waren zum Gegenstand einer Interpellation im Reichstage gemacht worden, die am Montage zur Verhandlung kam. Es stand nach dem Ausgange des Prozesse» Ahlwardt fest, daß das Ergebniß der Interpellation nur eine Befestigung des Vertrauens in unser Jnfanteriegewehr sein konnte. E« sollte nochmals von den zuständigsten Stellen aus die völlige Grundlosigkeit der Beschuldigungen gegen die von der Löwe scheu Fabrik au« dem Lausmateriale der Staatswerkstätten gefertigten Gewehre constatirt werden. Der Reichskanzler Graf Capnvi sprach sich unter dem lebhaften Beifalle des Hauses u. A. wie folgt au«: , ,
„Das Gewehr der deutschen Armee ist im Modell und m der Ausführung ein durchaus gutes und entspricht allen An- forderungen, welche die moderne Kriegskunst an eine Hand- seuerwafje zu stellen hat. Da« gilt im ganzen Umfang auch von den Löwe'schen Gewehren. Der Gedanke, die Löwe scheu Gewehre zurückzugeben oder nicht mehr bei ihm zu bestellen, ist der Staate- und Reichsverwaltung noch nicht gekommen. Wenn heutzutage über eine neue Waffe Beunruhigung entsteht, wenn irgendwelche Mißstände sich herausstellen, so werden die Klagen in weitere Kreise getragen als früher. Da» liegt aber weniger an der Waffe als an den veränderten Zeltverhältnisfen. Ich habe den Uebergang von den Pcrcussion«gcwchren zum Zündnadelgewehr mitgemacht. Ich erinnere mich der Angriffe, die damals gegen das Zündnadelgewehr gemacht wurden. ^>e waren viel heftiger al« die heutigen Angriffe. Aber es Me damals die öffentliche Meinung; wa« gesagt wurde, °l eb in OsfizierSkeisen, in denen damals sogar Witzblätter «schienen, die da« neue Gewehr verspotteten. Ich darf an das Urtheil eine« erfahrenen Kriegsmarine«. deS Generals bfopold von Gerlach erinnern, der in feinen Memoiren sagt.
Zündnadelgewehr ist ein Unglück für die Armee, eS wird gedankenlos eingeführt und gedankenlos angewendet. So dachten damals Hunderte und Tausende von Offizieren. Wenn "n solches Gewehr in die Hände von Landwehrtruppen kommt, zum ersten Male dergleichen in die Finger bekommt, so " selbstverständlich, daß die Gewehre eine Menge Beschädi
gungen erleiden. Es ist ausgesprochen, daß durch einen horrenden Vertrauensbruch Schriftstücke des Artilleriedepot« Wesel in die Oeffentlichkeit gekommen sind, das ist ein kleiner, ganz gemeiner Diebstahl, nichts mehr oder weniger, denn die Schriftstücke sind durchaus nicht als geheime bezeichnet oder behandelt worden. Sie haben offen in der Mappe des Zeug-Offiziers zu Wefel gelegen, sind herausgenommen und in den Prozeß gebracht worden. Wenn zu einer Uebung Gewehre herausgegeben werden, so ist es eine Erfahrung nicht von heute und von gestern, daß nachher viel zu bemängeln ist. Ich habe selbst bei der Mobilmachung 1850 die Gewehre für das Regiment Franz in Empfang genommen und zurückgegeben; es ist ebensoviel ausgestellt worden wie jetzt. Jedes Artillerie-Depot hat das Interesse, daS Gewehr im vollkommensten Zustande ziirückzubekommen, vollkommener, als eS die Gewehre ausgegeben hat. Die empfangende Truppe hat Eile; da wird nicht viel nachgesehen. Wenn daS Depot die Waffe zurückniinmt, da läßt eS sich Zeit und betrachtet sie mit der Lupe, und jeder kleine Fehler wird bemängelt und muß ausgebessert werden. Im Kriege würde der weitaus größte Theil ruhig weitergebraucht worden sein. Es ist letzthin vor Gericht der Versuch gemacht worden, die Militärverwaltung in einer unverantwortlichen und gewissenlosen Weise zu verleumden. Ich kann das al« Anhänger des deutschen Heeres und als Vertreter der auswärtigen Politik des deutschen Reichs nur auf dar, schärfste brandmarken."
Auch der sächsische Kriegsminister v. d. Planitz trat den krassen Unwahrheiten, die über die Erfahrungen sächsischer Truppentheile verbreitet worden waren, entschieden entgegen und wies überzeugend und zahlenmäßig nach, daß die Löwe'schen Gewehre mit denen der Staatsfabriken ganz gleichwerthig seien.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 13. Dezember. In der heutigen (14.) Plenarsitzung des Reichstages erhielt bei Fortsetzung der ersten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Friedenspräsenz- stärke deS deutschen Heeres, zunächst der sächsische Bundesbevollmächtigte, Kriegsminister Generallieutenant Edler von der Planitz daS Wort. Derselbe erklärte, daß ihm nicht bekannt sei, daß irgend eine der verbündeten Regierungen gegen die Vorlage Opposition zu machen geneigt sei. Abg. Frhr. von Stumm-Halberg trat den von verschiedenen Seiten gegen die Vorlage erhobenen Bedenken entgegen und führte aus, daß auch die Resolution Windthorst der Annahme derselben nicht entgegenstehen würden. Bezüglich der Landwehrleute käme e« nicht darauf an, ob sie militärisch miiiderwerthig, sondern darauf, daß sie wirthschastlich so gewichtig, daß sie militärisch geschont werden müßten. Die Militärverwaltung sei übrigens besser in der Lage, das wirkliche Bedürfniß der Reform zu erkennen, als der einzelne Abgeordnete. Die Vorlage fei auch finanziell immer noch viel billiger, als ein verlorener Krieg! Wenn man die Vorlage ablchne, würden wir bald den Feind im Lande haben. Zur Schaffung der nöthigen Mehreinnahmen des Reichs wünscht er allerdings statt der Biersteuer eine andere Einnahmequelle. Im vollen Vertrauen auf die Sachkenntniß der Militairverwaltung, aber gleichzeitig im Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit der Nation stimme er an« voller Ueberzeugung der Vorlage zu. — Abg. Dr. von Bennigsen ging auf die Vorgeschichte der Vorlage und die beunruhigenden Erörterungen über die Mehrbelastung der Steuerobjeete ein, welche zur Erzielung der nöthigen Mehreinnahme in Frage kämen. Darüber wäre die große Bedeutung und der Kern der Vorlage selbst in den Hintergrund getreten. Es wäre richtiger gewesen, um die inneren Vorzüge der Vorlage zur richtigen Erkenntniß zu bringen, nicht nach und nach mit deren Inhalt hervorzutreten, sondern mit einem Schlage die bedeutsame Vorlage selbst nebst Begründung und dem ModuS der Deckungsmittel der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. In ihrem ganzen Umfange würden allerdings auch seine Freunde die Vorlage nicht bewilligen können; e« frage sich besonders, ob sich daS nöthige große JnstrnktionSpersonal sofort finden werde. Was über die Erhöhung und Aenderung der Formation in der Kommission von Seiten der KriegSverwaltung des Näheren gesagt werden würde, bleibe allerdings abzuwarten, aber soviel könne er doch schon heute sagen, daß ihm von militärischer Seite erhebliche Bedenken wegen der Möglichkeit ausgesprochen worden, für die vierten Bataillone daS nöthige JnstrnktionSpersonal zu finden. Jedenfalls dürften die vierten Bataillone keinen min- derwerthigen militärischen Charakter erhalten. Besonderen Werth legten seine Freunde ferner darauf, daß die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegt werde. Einer Verstärkung unserer Rüstung bedürften wir nicht, um neuen militärischen Ruhm zu erwerben, wohl aber zur Sicherung unserer Grenzen.
Daß die heutige Regierung die Autorität nicht genieße und nicht genießen könne, wie diejenige der 70 er Jahre, liege in der Natur der Verhältnisse. Gewiß könnten wir uns der treuen Unterstützung unserer Bundesgenossen versichert halten, aber in dem bevorstehenden Ew fcheidungSkampfe würde der Schwerpunkt doch nur bei uns selbst liegen müssen. Abgesehen allenfalls von den Socialdemokraten, würde jede Partei des Hause« sich der vollen Verantwortlichkeit bewußt sein, welche sie dieser Vorlage gegenüber habe. Manche Klagen über die Zustände in Deutschland möchten berechtigt sein, aber dieselben seien, Alles in Allem, doch besser als in irgend einem anderen Lande. Deshalb werde der Reichstag den wesentlichen Theil der Vorlage bewilligen müssen, aber ebenso würden auch die verbündeten Regierungen Entgegenkommen zeigen und Verständigung suchen müssen. Redner warnte vor einer etwaigen Auflösung des Reichstags und vor jedem Konflikt, der dem Reiche zum Verderben gereichen müsse. Er hoffe, daß nach einigen Monaten vollkommene« Einverständniß über die Vorlage erreicht sein werde. Das Ausland möge sich überzeugt halten, daß die Volksvertretung mit der Reichsregierung zusammen stehe zur Vertheidigung und Wohlfahrt des Vaterlandes. (Beifall). Reichskanzler Graf v. Caprivi dankte dem Vorredner für seine patriotischen Worte und den beiden Vorrednern dafür, daß sie die Vorlage in dem richtigen nationalen Hintergrund beleuchtet. Der He:r Reichskanzler ging dann auf Einzelheiten ein und theilrc namentlich Näheres über die Versuche mit, welche mit der Durchführung der zweijährigen Dienstzeit gemacht werden. Dem Einwand gegenüber, daß e» uns an Offizieren und Unteroffizieren mangele, um die Vermehrung der Armee durchzuführen, sei allerdings zuzugeben, daß wir zur Zeit da« nöthige Personal nicht hätten, aber mit Sicherheit könnten wir darauf rechnen, daß es binnen Kurzem weder an den nöthigen Offizieren noch Unteroffizieren fehlen werde. Daß die jetzt vorgeschlagene Reform mit einem Male durchgesührt werden falle, fei aus militairifchen und Politischen Gründen gerechtfertigt. Ganz besondere Bedeutung käme der Vorlage in Bezug auf die Mobilmachung zu. Sieben Achtel unserer Armee seien bei einer Mobilmachung reine Neuformationen. Die Zersetzung der Truppentheile im MobilmachungSfalle sei sehr bedenklich, der abgeholfen werden müsse. Der Herr Reichskanzler legte dann deS Näheren Zweck und Bedeutung der vierten Bataillone dar. Abg. Bebel glaubt aus der Rede des Abg. v, Bennigsen schließen zu sollen, daß ein Kompromiß mit der Regierung zu Stande kommen werde. Auch der Rede des Abg. Frhr. v. Huene glaubt er entnehmen zu können, daß man sich wohl wegen der Hälfte der Regierungsvorlage verständigen werden, um die andere Hälfte späterer Zeit vorzubehalten. Ueber die gute politische Lage des Reiches, im Innern wie nach außen, theilt er, wie da« nicht befremden kann, die Ansicht des Abg. v Bennigsen nicht; auch heute betont er, daß das angebliche Grundübel unserer Lage in der Annexion von Elsaß-Lothringen liege. Seitdem wären die militärischen Rüstungen in« Immense gestiegen.
Uotitische Nachrichten.
Berlin, 13. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchst- welcher sich gestern Abend von Barby zur Jagd nach NeugatterSleben begeben hatte, wird heute Abend, nach Beendigung der Jagden und nach dem Diner um 5 Uhr im Schlöffe, NeugatterSleben wieder verlassen und Abends 8 Uhr mittels Sond-rzuges über Dcewitz, Wannsee und PotSdam die Rückreise nach dem Neuen Palais antreten. Die Ankunft Sr. Majestät auf der Station Wildpark soll heute Abend 10‘/2 Uhr erfolgen. — Am Donnerstag Nachmittag 4 Uhr gedenkt Se. Majestät der Kaiser vom hiesigen Lehrter Bahnhöfe aus sich nach Letzlingen zu begeben, um an den beiden nächsten Tagen daselbst größ-re Hosjigdeu abzuhalten. Die Rückkehr Sr. Majestät nach dem Neuen Palais wird am Sonnabend Abend gegen 11 Uhr erwartet.
Die Meldung, es sei ein Gesetzentwurf, betreffend Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen über den UnterstützungSwohnsitz, thatsächlich in Vorbereitung, darf insofern als zutreffend bezeichnet werden, als seit geraumer Zeit Er» h-düngen stattfinden und daS einschlägige