— Berlin, 23. November. (Nngetrener Briefträger.) Seit einiger Zeit find mehrfach Briefe, die Checks enthielten, abhanden gekommen. Gestern wurde die Frau des Briefträgers W. augebalten, als sie einen auf 117 Mark lautenden Check bei der deutschen Bank zur Einlösung präseutirte. Es ist festgestellt, daß ihr Ehemann seit länger als zwei Jahren gewöhnliche Briefe, die er zu fortiren hatte, geöffnet und ihnen nach und nach neunzehn Checks, über zusammen etwa 10,000 Mark entnommen hat. Die Unterschriften wurden gefälscht und die Papiere bei Banken versilbert. Mit dem Gelde hat die Frau ein Posamentiergeschäft eingerichtet.
— DasStreikfieberhat auch die Knaben der Schule von Broken Hill in Wetzaustralien, wo kürzlich ein Aufstand der Bergleute stattfand, ergriffen. Auf einen Schlag verließ die ganze Knabeoschaar die Schule und nahm den Weg ins Feld, wo sie ein Streikkomitee wählten und ein Manifest abfaßten. Das ging alles so schnell und programmmäßig vor sich, als ob die Knaben alte Streiker gewesen wären. Ihre Forderungen waren: weniger Geometrie, weniger Algebra, weniger Prügel und mehr Ferien. Der Direktor der Schule scheint gerade nicht dagewescu zu sein, als der Auszug der Jugend erfolgte. Ebenso schnell und energisch aber handelte er, als er in die Schule kam. Zuerst bekam das Komitee den Rohrstock tüchtig zu fühlen. Das wirkte Wunder. Fünfzehn Minuten später war der Streik beendigt.
— S t. Petersburg. Hier bildet gegenwärtig das Stadtgespräch die Ermordung des Kosakenofstziers Jlovaisky durch den Kosakenoffizier Scherebkow. Zwischen den beiden jungen Leuten hätte in Folge einer Liebesaffaire ein Zweikamvf stattfindeu sollen. Scherebkow sachte jedoch den Jlovaisky im Speisesaale der Kaserne auf und gab ohne jede Auseinandersetzung drei Revolverschüffe auf denselben ab, welche den unmittelbaren Tod des Offiziers zur Folge hatten.
— (Ueber den unter den littauischen Bauern noch herrschenden Aberglauben) theilen die .Kow. Gab. Wed." folgende Thatsache aus dem Städtchen Mjan mit. Sobald sich ein Mensch erhängt, so muß ihm nach dem unter den littauischen Baueru herrschenden Aberglauben der Kopf abgeschlagen werden, da der Todte sonst umhergehen und weder seine Verwandten noch Nachbarn in Ruhe lassen wird. Vor Kurzem erhängte sich in dem bevachbarteu Dorfe Ssemenischka die 50 Jahre alte Bäuerin Gaigolas und wurde am dritten Tage nach dem Selbstmord- vom Sohne und einem Nachbar in der Nähe des Dorfes auf- gefunden Der örtliche PoLzeipristaw besichtigte deu Leichnam und ordnete die Bestattung an. Der Leichnam wurde von Kirchhof zu Kirchhof geführt, doch nirgends angenommen in der Furcht, daß die Todte die Lebenden nickt in Ruhe lassen
würde. Endlich entschloß mau sich, die Todte auf dem Dorfs-Kirchhofe zu beerdigen, doch vorher derselben, damit sie niemand belästigen könne, den Kopf vom Rumpfe zu trennen. Es versammelte sich bei der Beerdigung das ganze Dorf, alt und jung, doch fand sich in der großen Menge kein Einziger, der so verwegen gewesen wäre, der Leiche den Kopf vom Rumpfe zu trennen. Da erinnerte man sich dessen, daß im benachbarten Dorfe Wescheikt ein alter verabschiedeter Soldat D. lebe, welcher für eine geringe Vergütung dazu bereit sein würde. Gesagt, gethan! Man wandte sich an diesen mit der Bitte, als tapferer alter Krieger der Leiche den Kopf abzuschlagen. „Ach, ihr Feiglinge" meinte der alte Krieger, „was findet ihr Furchtbares daran, einer Leiche, und noch dazu einem alten Weibe, den Kopf abzuschlagen, ich habe im Kriege zehn und mehr Feinden den Kopf abgesäbelt und dies hier ist nur eine Kleinigkeit dagegen!" Uad für einen Rubel vollführte D. die Leichenschändung.
i — (Eine höchst eigenthümliche Gebe chttgk eitspfl e g e.) Der Gerichtshof in Saratow verurtheilte vor einigen Tagen fünf Bauern aus dem Dorfe Andrews!« zum Verluste der bürgerlichen und politischen Rechte und zu einem Jahr Aufenthalt in den Strafkompagnien nebst den üblichen Nebeustrafen, als da sind: ein Fasttag in jeder Woche und monatlich 50 Hiebe mit der Knute, weil die Aermsten den Starosta (Schulzen) ihres Dorfes beschuldigt haben sollen, das Auftreten der Cholera in Andrewska geheim gehalten zu haben. Aber die unerhörte Ungerechtigkeit besteht etwa nicht in dem ungewöhnlich strengen Urtheil, sondern darin, daß der Vorsteher der Amtmanuschaft ruhig zugab, daß er persönlich die Verurteilten nicht für die Schuldigen halte; er habe sie nur aus dem einfachen Grunde ange« zeigt, weil man dock schließlich irgendjemand habe anzeigen müssen. Nach Schluß der Gerichtsverhandlung warfen sich die Angeklagten auf die Knieen und baten um Barmherzigkeit und Gnade, sie seien schon genug dadurch bestraft, daß man sie fälschlich eines Vergehens bezichtigt und in der Voruntersuchung mit Hilfe der neun- schwänzigen Katze „Geständnisse" aus ihnen gepreßt habe. „Die Katze war sehr gut", antwortete lachend der Präsident; aber die richtige Knutenzeit wird für Euch erst jetzt beginnen." Nach diesen Worten ließ er die unschuldig Ver- uriheilten abtühren.
— Chicago. Ein Deutscher, Namens Hermann Ziegler, erschoß seine Schwiegereltern und v-rwundete seine Frau, sowie einen Polizisten. Ein Volkshaufe sammelte sich an und versuchte den Mörder zu lynchen, aber der Polizei gelang es, ihn ins Gewahrsam zu bringen.
— Eine lustige Geschichte circulirt jetzt in Berliner Postkreisen: Ein Kaufmann aus
Stettin bestellte sich bei dem Händler K. in der Königstraße ein Paar lebende Kaninchen. Lebende Kaninchen befördert aber die Post nicht; der Absender verfiel auf die geniale Idee, die Kaninchen zu — chloroformieren! Gedacht, gethan. Die Thiere werden chloroformiert, die Dosis ist genau berechnet, sie wird die Kaninchen bis nach Austragen der Post leblos erhalten. Aber der Zug verspätet sich, die Packstücke werden verifiziert und in die Packkammer gethan, um morgens expediert zu werden. So kommt nun anderen Tags der Packknecht in die Kammer und suckt noch „Packet 108, zwei Kaninchen", aber das Packet ist nicht zu finden. Die Fenster sind vergittert die Thür unverletzt, das Ver- schwinden ist unerklärlich. Das ganze Personal tritt zusammen und stellt wiederholt fest, daß die Kaninchen daaewesen. Der Packknecht sieht noch einmal die Ecken nach — plötzlich schießt ein Kaninchen an dem Packer vorbei und zur Thür hinaus. Während er noch bestürzt dastebt, läuft aber schon das zweite Kaninchen, die Nr. 108 breit und deutlich auf dem Rücken tragend, an ihm vorbei und dem ersten nach. Das ist zuviel selbst für die Nerven eines Packers — die gespenstischen Thtercheu haben ihn überwältigt — er ist nahe am Zusammeustukeu. Zum Glück erscheint nach kurzer Zeit der besorgt gewordene Adressat, und aus Frage und Gegenfrage kommt das Geheimniß zu Tage. Die chloroformierten Kaninchen sind eiugefangen und dem Besitzer übergeben worden.
— Kainit, ein V erti! gu ngs w ittel der Disteln. Einzelne Stellen des nach Ab- erntung des Hafers für Wickengemenge bestimmten Feldes wurden, nach dem Berichte des Dr. I. Heisig in Gleiwitz im „Landwirth", um damit die zahlreich vorhandenen Disteln zu unterdrücken, besonders stark mit Kaiuit bestreut. Als nun etwa 6—8 Wochen später die Ackerfurche folgte, waren dort, wo starke Katnitdünguug gegeben war, die Wurzeln der Disteln sehr dünn und deren Köpfe kümmerlich, während an den anderen Stellen des Ackers dieselben üppig gediehen. Der nächste Sommer bestätigte, daß da, wo viel Kaiuit gestreut war, fast keine, wo wenig Kainit hingekommen war, viele Disteln vorhanden waren. Bei der Ernte war der erstere Fleck völlig distel- frei, während unmittelbar daneben die Disteln sehr schöne Wickengemenge überwucherten.
Weizen (ä 100 Kilogr.) 15 M. - Pf. bis 15 M. 20 Pf. (Durchschnittspreis 15 M. 15 Pf.) Roggen (ä 100 Kilogr.) 13 M 70 Pf. bis 14 M. 25 Pf. (Durchschnittspreis 13 M. 98 Pf.) Hafer (ä 100 Kilogr.) 13 Mk. 65 Pf. bis 14 M. 25 Pf. (Durchschnittspreis 14M-60 Pf. Gerste (ä 100 Kilogr.) - Mk. - Pf. bis — M. — Pf. Durchschnittspreis - M. — Pf.)
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