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Nr. 138. Dienstag den 22. November M
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Amtliches.
Königliche Regierung.
Cassel, den 31. Oktober 1892.
Bei Prüfung der Reisekosten - Liquidationen haben stch Fälle ergeben, in denen die Untersuchungen behufs Feststellung deS Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in einer Gemeinde zu einer Zeit von den Ortspolizeibehörden verau- laßt bezw. von den Kreisthierärzteu vorgenommen worden waren, wo nach der Lage der Verhält- Nisse die Seuche noch gar nicht erloschen d. h. nach dem letzten Erkrankungsfall die Frist von 14 Tagen nicht verstrichen sein konnte.
Um derartigen Vorkommnissen und der damit verbundenen, zu frühzeitigen Aufhebung der Schutzmaßregeln, welcher Umstand sicher nicht wenig zur Verbreitung der Seuche beiträgt, vorzubeugen, übersende ich Ew. Wohlgeboren anliegend For- mulare mit dem Ersuchen, bet Feststellung des Seuchenausbruchs sofort die entsprechenden Ein- tragungen zu machen und die Formulare alsdann dem Ortspolizei-Verwalter mit dem Ersuchen zu übergeben, bezüglich der weiteren SeuchevauS- brüche der letzten Erkrankungssälle u. s. w. gleichfalls das Erforderliche einzutragen.
(Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nicolo.
(Fortsetzung)
Rupert konnte die letzten Worte nicht hören, denn ein Geräusch in seiner Nähe zwang ihn, sich zurückzuziehen, und als er sich wieder heran- wagte, waren die Beiden vom Fenster weggetreten. Ruperts Augen suchten forschend in dem Zimmer umher, aber weder Cora noch ihr Begleiter waren zu sehen.
Seine erhitzte Phantasie malte sich die möglichen Ursachen ihres Verschwinden« aus.
Vielleicht flüsterte ihr der Verhaßte im Schatten des Gartenzimmers, hinter schweren Gardinen, von üppigen Blumen umgeben, zärtliche Worte inS Ohr?
Der Gedanke machte Rupert fast wahnsinnig, und der junge Mann knirschte mit den Zähnen und floh dann den Ort, als ob ein Feind ihn verfolge . . . weit, weit fort von ihr, deren treues Herz den Glanz, der sie umgab, und die Schmeicheleien, die ihr in's Ohr geflüstert wurden, hiugegeben hätte für einen Blick, ein Wort von Dem, den sie mit so wahrer und ernster Liebe liebte, wie sie eines jeden Mädchens Herz nur ein Mal empfindet.
»Wo ist Cora?" fragte Lord Faro, alS der Walzer zu Ende war und seine Tochter einen Augenblick in der Nähe stand.
Nachdem die Frist von 14 Tagen nach dem letzten Erkrankungsfall im Orte verstrichen und nachdem die gründliche Reinigung der von den seucheukraukev Thieren benutzten Räumlichkeiten bezw. deren Desinfection nach der Anordnung des beamteten Thierarztes geschehen ist, hat der Ortspolizei-Verwalter die Aufzeichnungen dem Ersuchen an den KreiSthierarzt, das Erlöschen der Seuche festzustellen, beizufügen.
Dabei ist unter der Rubrik Bemerkungen an- zuführen, daß die Steinigung und Desinfection vorschriftsmäßig stattaefunden hat.
Bei Vorlage der Liquidation sind die Aufzeichnungen der polizeilichen Aufforderung zur Feststellung der Seuche beizufügen.
Ich Uebrigen mache ich Ew. Wohlgeboren die genauste Befolgung der Vorschriften meiner Ver- fügnug vom 21. Oktober v. I. nochmals zur be- sonderen Pflicht.
Au die Königlichen Kreisthierärzte außer Cafsel.
Abschrift lasse ich Euer Hochwoblgeboreu mit dem Ersuchen ergebenst Zugehiv, die Nachgeordneten Polizeibehörden mit entsprechender Anweisung zu versehen.
Der RegierungS Präsident Rothe. An die Königlichen Lavdräthe deS Regierungsbezirks. I. A. III. Nr. 8806.
* * *
HerSfeld, den 18. November 1892.
Wird den Herren Ortspolizet-Berwaltern deS Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 8033. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleivitz.
Gefunden: eine Ktuderhose und ein Kinderjäckchen. Meldung deS EtgenthümerS bet dem OrtSvorstand zu Sorga.
»Jch weiß es wirklich nicht, Popa," sagte Netta in sehr ärgerlichem Ton, der ihren Worten widersprach. „Sie tanzte, glaube ich, mit Lord Belfort. Ich finde eS wirklich sehr gut von ihm, daß er so herablaffend ist."
Ihr Vater erwiderte nichts, und wenn Netta den plötzlichen Ausdruck deS AergerS gesehen hätte, würde sie geglaubt haben, es sei nur seine Mißbilligung, einer so überflüssigen Aufmerksam- feit gegen die unbedeutende Fremde.
Aber Lord Faro wartete nur, bis die Gäste wieder zu tanzen anfingen, um sich halb unbemerkt auS dem Salon zu entfernen und einige Zimmer zu durchschretten, bis er ein kleines Zimmer erreichte, das wenig benutzt, eigentlich nur zu großen Gesellschaften wie diese geöffnet wurde.
Sein Schritt wurde rascher und seine Augen lebhafter, je weiter er sein erfolgloses Suchen fortsetzte.
I Und alS er endlich die halboffene Thür des Zimmers erreicht hatte und die von ihm Gesuchten darin entdeckte, blieb er einen Moment stehen, um seine Ruhe wieder zu gewinnen und den Ausbruch deS Zorns zu unterdrücken.
Ja, da waren sie, Cora und Lord Belfort, und des letzteren Stimme erklang in dem Augenblick im Tone ernsten Interesses.
„ES ist unmöglich," waren die ersten Worte, die Lord Faro'S Ohr Vernehmen konnte. „Alles an Ihnen widerspricht einer solchen Idee. Sie
Aus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 18. November. In der heutigen (3.) Plenarsitzung trat das Abgeordnetenhaus in die 1. Berathung der Steuerresormgesetz e s ein. — Finanzminister Dr. Miguel erklärte, die Vorlagen seien die getreue Erfüllung der von der Regierung gemachten Zusagen. Die Reform solle keine Mehreinnahmen bringen, aber auch keine Mindereinnahmen. Die Verminderung der Bodenbetastung und die Erleichterung der Communen seien die Hauptgesichtspunkte für die Reform. Werde dieselbe nicht in dem gegenwärtigen dafür geeignetsten Moment durchgeführt, so schiebe man sie aus ganz unabsehbare Zeit hinaus. Da« Nebeneinanderbestehen von Personal- und Realsteuern im Staate führe zu unerträglichen Härten; deshalb sollen die Realsteuern aus dem Staatssteuer- system ausgeschieden und an den Platz gestellt werden, an den sie gehören, in die Gemeinden. Da« Steuerprogramm sei eher urbanisch als agrarisch. Er sei erstaunt gewesen, meinem Berliner freisinnigen Wahlflugblatt zu lesen: e« müsse dafür gesorgt werden, daß Berlin nicht zu viel Vermögenssteuer bezahle. Berlin habe doch keine Ursache, sich darüber zu beklagen, daß hier so viele reiche Leute wohnen. Die Vermögenssteuer solle nur Ersatz für den Einnahmeau«fall durch den Verzicht auf die Realsteuern bieten, soweit dieser Ersatz nicht durch den Mehrertrag der Einkommensteuer und die Aufhebung der lex Huene geschaffen sei. Sie entspreche der ausgleichenden Gerechtigkeit, welche eine schärfere Heranziehung des fundirten Besitzes gegenüber dem unzundirlen Einkommen erfordere. Wisse man einen besseren Weg, dieser Forderung zu entsprechen, so lehne er denselben nicht ab. Die Unterscheidung zwischen fundirten und unfundirten Einkommen sei aber technisch nicht durchführbar und eine Erbschaftssteuer würde der Forderung nur unvollkommen entsprechen. Die lex Huene s« nur ein Provisorium gewesen, dessen Aufhebung heute nur von Vortheil sein werde. Die Uebelstände drängten zur Abhülfe, und da sei es richtiger, das Reformwerk in einem großen Zuge zum Abschluß zu bringen. Er sehe der Entscheidung des Hauses mit Vertrauen entgegen. (Lebhafter Beifall.) — Abg. Rickert! (dfr.) bekämpfte die Vorlagen, die eine colossale Mehrbelastung in Gestalt der Reform brächten. Von einer Erfüllung der dem Hause gemachten Zusagen könne keine Rede sein. Die Bismarck'sche Steuerreform sei auch immer mit der auSgleichenden Gerechtigkeit begründet worden; sie habe eine ungemessene Erhöhung der indirekten Steuern und eine kaum nennenswerthe Verminderung der direkten Steuern gebracht. Bei solchen Erfahrungen müsse durch eine Quotisirung dafür gesorgt werden, daß nicht mehr Steuern erhoben werden können, als zur Deckung des Aus-
sind kein Mädchen aus dem Volke, Cora, auch wenn sie im Meere gefunden und von Leuten auS dem Volks erzogen wurde». In jeder Linie Ihres Gesichtes und Ihren Formen, in jedem Wort, in jedem Ton liegt feine Bildung und eine edle Herkunft. Nein, eS ist zwecklos, daS als Vorwand zu benutzen. Sie sind eine vom Himmel begnadete Dame, und stehen als solche hoch über unS einfachen Sterblichen," fuhr er lächelnd fort, als sie mit vorwurfsvollem Ernst den Kopf schüttelte.
„Für Sie, Mylord, mag ja meine duukele Herkunft keinen Unterschied bedeuten," entgegnete sie mit stolzer Miene, die ihr jeder Zeit zu Gebote stand. „Miß Netta'S Ansichten würde» aber in der Beziehung sehr abweichend von den Ihren sein, und alS die mir Ueberlegene, alS meine Herrin, muß ich mich natürlich nach ihre» Wünschen richten."
„Ihnen überlegen? Worin? hub der junge Lord heftig an, als Lord Faro plötzlich vor ihm stand.
„Entschuldigen Sie, Lord Belfort, aber eS würde sich nicht mit meiner Ehre vertragen, wollte ich auf so schmeichelhafte Urtheile über meine Tochter hören, so leichtfertig Sie auch über Dergleichen denken möaen," sagte er mit strengem, finsteren Blick, der Cora biS in's Tiefiuuertze
»Soll ich DaS alS eine Beleidigung ausehen?" versetzte der junge Edelmann hitzig. „Dann, Lord