Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Herssel-er Kreisbllitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^Illukrirtes AuLerSattnugsölE.
Nr. 128. Sonnabend den 29. Oktober 1892.
Erstes Matt.
JüonKU'Miiliiiiii»l.
Bestellungen auf das Hersfelder KretstUatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungs-Blatt" pro November und Dezember werden von alle» Kaiserlichen Postanstalten, Laudbriefträgeru und von der Expedition angenommen.
Amtliches. Einladung.
Zu der am Donnerstag den 3 November Vormittags 10 Uhr im Hotel „zum Stern" abzuhaltenden amtlichen
Herbst Conferen;
des Bezirks Hersfeld I werden die Herrn Lokal- schulinspectoren und Herren Lehrer hierdurch ergeben# eingeladen.
Hersfeld, am 27. Oktober 1892.
Der Kreisschulinspector: Hosb ach, Pfarrer.
# Die Einweihung der Schloßkirche in Wittenberg.
Am 31. Oktober, an dem Reformationstage versammeln sich auf Einladung unseres Kaisers mit ihm die evangelischen Fürsten Deutschlands, sowie Vertreter der Könige von Schweden und Dänemark, in der alten Lutherstadt Wittenberg
(Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nicoto.
(Fortsetzung.)
„Cora, dieser Herr wünscht mit Dir zu sprechen. Höre ihn ruhig an und antworte ihm aufrichtig und vertrauensvoll. JS gebe Dir die Freiheit, ganz nach Deinem Willen zu entscheiden, nur laß Dir sagen, daß Dir eine solche Wahl nicht zum zweiten Male geboten werden wird."
Cora's große Augen wanderten voll Erstaunen und mit einer Art trotzigen Stolzes von Einem zum Andern, aber ehe sie Zeit hatte zu sprechen, war Frau Falkner auS dem Zimmer verschwunden, und der Fremde stand allein vor dem unschlüssigen Mädchen.
„Verzeihung, mein Fräulein!" sagte er mit einer Höflichkeit, zu der er sich der Anmuth und Schönheit dieses einfachen Mädchens gegenüber gezwungen fühlte. „Ich muß Sie bitten, Ihrer Mutter Befehl zu folgen und ruhig anzuhören, waS ich Ihnen zu sagen habe . . . ohne Ungeduld oder Leidenschaft."
Auf das schöne Gesicht trat ein drohender Ausdruck des Aergers.
„Wer sagte Ihnen, daß ich leidenschaftlich sei?" erwiderte sie rasch. „Und wie können Sie wagen, mich als Fremder zurechtzuweisen?"
„Sie selbst sagten mir, baß Sie leidenschaftlich
zur Einweihung der neu wiederhergestellten Schloßkirche, an deren Thür au demselben Tage vor 375 Jahren der deutsche Reformator seine 95 Thesen angeschlagen hat.
Dieses Festes darf sich die ganze evangelische Christenheit freuen, nicht in dem Sinne einer Kampfesstellung gegen Rom, sondern in dem Gefühl der Dankbarkeit für die Erhaltung des Gutes, das ihr der Wittenberger Mönch erstritten, erkämpft, geschenkt hat. „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht" — dieses Wort darf und soll der Leitstern aller evangelischen Christen sein, ohne daß sie deshalb Streit und Fehde mit der anderen christlichen Kirche beginnen; sie sollen vielmehr — und dürfen es gesrost thun — hiermit dem Beispiele unseres Kaisers folgend, ein offenes, von Dank gegen Gott erfülltes Bekenntniß oblegen.
Die Wittenberger Schloßkirche war, seitdem das Land an die preußische Krone gefallen war (1815), lebhafter Gegenstand der Fürsorge der Hohenzollern. Bald nach der Besitzergreifung wurden die Beschädigungen, welche die Kirche in dem Kriege von 1813 erlitten hatte, wieder ausgebessert, doch wurde der ausgebrannte Thurm in die Defenstonskaserne einverleibt. Im Jahre 1817 bet dem 300jährigen Jubelfeste der Reformation konnte die Kirche in Gegenwart des Königs Friedrich Wilhelm III. neu geweiht werden. Eine abermalige und vollständige Erneuerung des Gotteshauses war schon seit langen Jahren im Plane, als Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nachmalige Kaiser Friedrich, im Jahre 1882 dem Werke seine Theilnahme zu- wandte und es durch seinen persönlichen Einfluß zu fördern wußte. Der Umbau begann am 24. Juli 1885, nachdem Kaiser Wilhelm I. die Entwürfe genehmigt hatte. Es handelte sich hierbei eigentlich um einen Neubau der Kirche, aber unter Beibehaltung der alten Umfassungsmauern und Wiederhinzufügung deS alten ThurmS. Während sich das Aeuß-re an die alten Formen anlehnt,
seien," versetzte er lächelnd, „und was meine § und Rupert's HauS verlassen," sagte er. „Hören Zurechtweisung anbelangt, so ist sie eine Bitte - — -
und kein Vorwurf. Ich bin überzeugt, daß sie Vernunft und Gefühl besitzen, und mein Wunsch ist, daß Sie von Beiden Gebrauch machen möchten."
„Fahren Sie fort," sprach sie und stampfte ungeduldig mit dem Fuße. „Ich will mich weder beleidigen, noch mich schelten lassen. Rupert weiß Das und thut es nie."
„Auch ich will bemüht sein, Sie nicht zu ärgern/' antwortete Faro in leicht gereiztem Tone, „und wenn Sie Rupert von Nutzen sein wollen, so hören Sie mich an und handeln Sie wie ein stolzes großmüthiges Mädchen, wofür ich Sie halte. Frau Falkner hat mir gesagt, daß er Sie aus großem Jammer und Elend rettete, dieser Rupert . . . wollen nun auch Sie Ihrerseits ihm einen Dienst leisten?"
„Ja, ja, von ganzem Herzen gern!" rief sie. „Er ist mein einziger Freund, der einzige, der mich jemals liebte ... der gute, edle Rupert!"
„Und könnten Sie ein kleines momentanes Vergnügen opfern? Könnten Sie um feinet- willen einen kleinen Schmerz ertragen?" fragte Faro und beobachtete den Wechsel auf dem seltsam beredten Gesicht des jungen Mädchens.
„Ja," entgegnete sie kurz. „Sie würden mich nicht fragen, wenn Sie mich kennten."
„Dann werden Sie auf meinen Vorschlag ein« gehen . . . dann werden Sie mit mir kommen
ist das Innere in Stil und Ausstattung zu einem wahren Tempel der Reformation geworden.
Vor den Hanptpfeilern des mittleren Schiffs stehen die überlebensgroßen Statuen Luther- und Melauchthons und von sieben ihrer Mitkämpfer. 52 Wappen und Sinnsprüche derjenigen deutschen Fürsten, Grafen uud Ritter, die bis zum Jahre 1540 thätige Förderer der Reformation waren, schmücken die Emporen, 22 bronzene Reliefportraits anderer Fürsten, Künstlern und Humanisten zieren die Pfeilerverbindungen; in 8 bemalten Fenstern sind die Wappen von 198 Städten, die sich der Reformation zuwandten, avgeordnet; unter dem Mittelfenster des ChorS, welches die Kreuzigung darstellt, ist eine Gedenktafel mit den Hauptdaten der Geschichte der Kirche angebracht, von denen wir hervorbeben: 1517 — Thesen deS D. Martin Luther; 1817 — Wiederherstellung unter König Friedrich Wilhelm III.; 1885—1892 Umbau unter Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich III., Kaiser Wtl- Helm II. Ein Kaiserstuhl und ein Fürstengestühl, in Eichenholz geschnitzt, haben seitlich vor dem Altar ihre Aufstellung gefunden. Das Fürstengestühl enthält auf jeder Seite elf Plätze. Der Altar, aus Sand- und Kalkstein gemeißelt, zeigt in der Mittelöffnung den Heiland zwischen Petrus und Paulus.
Sieben Jahre hat der Umbau gedauert, und jetzt soll das Gotteshaus in einer dem Refor- wationsgedenken würdigen Gestalt seiner Bestimmung übergeben werden durch Kaiser Wilhelm selbst, der mit den evangelischen Fürsten als Bekenner des Glaubens durch die Pforte ein« ziehen wird, welche die 95 Thesen in Bronze darstellt. Die evangelischen Christen werden diesen Festzug mit treuem Gedenken begleiten: denn es handelt sich dabei auch um ein Bekenntniß zu dem Gedanken der Reformation, der in dem Neu- und Umbau durch künstlerisches Schaffen eine würdige Stätte gefunden hat, welche die Thaten der Reforwationsgeschichte den lebenden
Sie wich an, Cora, und versuchen Sie ruhig zu bleiben, denn was ich Ihnen zu sagen habe, bringt Sie vielleicht in Aufregung und Hitze. Ich bin reich und ein englischer Lord, bin der jüngste Sohn des Grafen Treville, dessen Titel mein älterer Bruder trägt, während ich den Titel Lord Faro ererbte. Ich habe eine einzige Tochter, die ein wenig jünger ist als Sie, und es liegt mir ganz besonders am Herzen, sie glücklich und ihrer Stellung und dem Vermögen, daS sie einst erwartet, würdtg zu erziehen. Ich möchte Sie als Gesellschafterin meiner Tochter mit mir nehmen und verspreche Ihnen für Ihre Zukunft sorgen zu wollen, wenn meine Tochter Ihrer Dienste nicht mehr bedarf. Wollen Sie darauf eingehen?" „Als Dienerin?" fragte Cora mit einem stolzen Blick.
„O nein, durchaus nicht!" erwiderte er. „Vielmehr als Gesellschafterin meiner Tochter und als Tbetlnehmerin an ihren Studien, sofern dieselben paffend für Sie sind und Ihnen in Ihrem spätern Leben von Nutzen sein können."
Sie schüttelte entschlossen den Kopf.
»Nein, ich werde nicht mitkommen!" rief sie. „Rupert würde mich vermissen, und nicht damit einverstanden sein."
„Dann lieben Sie ihn nicht!" sprach er rasch.
Sie antwortete nicht, aber eS leuchtete in ihrem schönen Gesicht auf, und dann spielte ein Lächeln