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Stärke der einzelnen Jahrgänge. Derjenige Staat, der in den einzelnen Jahrgängen die Ueberlegev- Heil der Zahl besitzt, kann mit einem Verhältniß- mäßig jungen Heere in den entscheidenden Kampf eintreten. Der Gegner muß auf erheblich ältere Jahrgänge zurückareifen. In dieser Lage befinden wir unS gegenwärtig. Die geplante Heeresver- tzärkong kommt in erster Linie der Infanterie, der Reib« und Fußartillerie zu Gute. Die übrigen Waffen sind nur soweit betheiliat, als ei ihre kriegerische Verwendung und Ausbildung fordert. Von der Neuschaffung höherer Stellen soll thun- lichst abgesehen werden. Die Verstärkung der Infanterie soll durch Errichtung vierter Bataillone bewirkt werden, denen wesentlich die Ausbildung sämmtlicher Diensttauglichen zufällt. Damit soll zugleich die Durchführung der verkürzten Dienst- zeit ermöglicht werden. Bei der Kavallerie ist daS Bedürfniß nach Stämmen für Reservefor- wationen unabweisbar hervorgetreten; dem soll in beschränktem Maße Rechnung getragen werden. Die ziffermäßige Ueberlegenheit der französischen Feldartillerie muß auch hier berücksichtigt werden. Die Verstärkung der Fußartillerie ist gemäß den veränderten Aufgaben, welche dieser Waffe zu- foU-n werden, in AuSsicht genommen.

Wie ein weiteres Telegramm deSWolffischen Bureaus" meldet, theilt dieKöln. Ztg." ferner mit, daß in der Begründung zur Milttairvorlage die einmaligen Ausgaben mit 66 800 000 Mark aoaefftzt find; davon entfallen 61 Millionen auf 1893/94, der Rest wird für später gefordert. Die fortlaufenden Ausgaben beziffern sich auf 64 Millionen, davon werden als erste Rate 56400 000 Mk. gefordert, der Rest im Laufe der Jahre beansprucht werden. Die Etatsvermehrung umfaßt 2138 Offiziere, 234 Militärärzte, 209 Büchsenmacher und Waff nmeister, 23 Roßärzte, 1 Sattler, 11857 Unteroffiziere, 72037 Gemeine, 6130 Dienstpferde.

DerReichS-Anz." schreibt: DieKölnische Zeitung" veröffentlicht, wie aus telegroph'schen Mittheilungen hervorgeht, den Text der Mili- t a i r v o r l a g e und der Begründung derselben. Da die Milttairvorlage dem BundeSrath alS geheim zugegaugen ist und deren Veröffentlichung im gegenwärtigen Stadium d. h. vor ihrer Durchberothung im Bundesrath von der Re­gierung nicht beabsichtigt war, so kann die Kölnische Zeitung nur auf unrechtmäßige Weise von der Vorlage Kenntniß erhalten bab-n.

In der am Montag stattgefundeuen Eröffnung?- sitznng bei Colonialrathes gelangten die Etats für Kamerun, Togo und Südwestafrika zur eingehenden Berathung. Die nächste Sitzung wurde auf den 27. d. M. festgesetzt.

Freiherr v. Zehmev seit langen Jahren Präsident der ersten sächsischen Kammer, ist in der Nacht zum 24 d. M. gestorben. Ja dem Verstorbenen verliert die conservitive Partei in Sachsen eines ihrer hervorragendsten Mitglieder, daS allzeit mit hingehendstem Eifer für die con« fervat ve Sache gewirkt hat.

Sie serbische Regierung ist von dem PeterS» bürget Cabinet zur Rückgabe der Million Rubel aufgefordert worden, welche Rußland den Serben seinerz-it in Gestalt von Kriepsmani'iou geliehen

hat. Die Russen scheinen ungeheuer nöthig Geld zu brauchen.

China ist schon wieder von einer furchtbaren Elementarkataftropbe betroffen worden. Der Gelbe Fluß überfluthete einen 150 englische Meilen langen und 30 Meilen breiten Landstrich; 50,000 Menschen sollen hierbei umS Leben ge­kommen sein. Die Verheerung durch die Ueber« schwemmung wird alS so groß bezeichnet, daß eine Million Menschen verhungern würden, falls die Regierung ihnen bis zum Frühjahr nicht die nöthigsten Lebensmittel liefere.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

H e r s f e l d, den 26. Oktober 1892.

* Wie auS Cassel verlautet, wird in der zweiten Hälfte deS Monats November der Provinzial- landtag für Hessen-Nassau und anschließend au diesen der Kommuuallandt a g deS Reg-Bez. Cassel in Cassel zusammentreten.

* Nach dem Runderlaß vom 20. Juni d. J. erfolgt die Auszahlung derUnterstützuugev für dieFamilien der zuFriedevs- übungeneinberufenen Mannschaften durch die KreiSkaffsn. Hierunter sind nicht die Königlichen KreiSkassen, sondern die KreiS- Kommunalkassenzu verstehen, da nach § 4 bei hierbei zur Anwendung kommenden Gesetzes vom 28. Februar 1888 die Kasse bei Lieferungs- Verbandes d. h. bei KreiseS zur Gewährung der erforderlichen Vorschüsse verpflichtet ist.

* Nachdem das Gesetz über die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamten- stellen in der Verwaltung derKommuval - verbände mit Militärbeamten mit dem 1 Ok­tober in Kraft getreten ist, hat der Minister bei Innern ausführliche Weisungen ertheilt, in denen namentlich der KreiS der den Militäranwärterv vorbehalteuen Stellen bei Näheren umschrieben wird. Ausschließlich mit Milttäranwärtern zu besetzen sind die Stellen im Kavzletdtenst und sämmtliche Stellen, deren Obliegenheiten im Wesentlichen in mechanischen Dienstleistungen be» stehen. Mindestens zur Hälfte find mit Militär­anwärter zu besetzen die Stellen der Subaltern- beomten im Bureaudienst.

* Dem Förster a. D. Tromm zu Beste im Kreise Fritzlar. bisher zu Marbach im Kreise Fulda, rst das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

* Dem BuudeSrath ist ein Gesetzentwurf über die Abzahlungsgeschäfte, sowie ein Entwurf betreffend Ergänzung der Bestimmungen über den Wucher zugegangen.

* PreußischeMillionäregiebt ei nach den amtlichen Mittheilungen über die Ergeboifle bei neuen SteuergesetzeS nicht ganz 10,000, näm­lich 8445, wenn man annimmt, daß ein versteuertes E'nkommen von 36,000 Mark einem Vermögen von 1 MWon entspricht. Früher kannte man nur 4284 solcher reicher Leute; ihre Zahl hat sich also verdoppelt. Die Proletarier unter den Millionären, die Markmillionäre, betragen 6665, die Thalermillionäre 1780 (früher 915).Richtige" Mill onäre, das heißt solchen, die nicht bloß ihr Vermögen, sondern ihr Einkommen nach Millionen rechnen, gab -8 früher 13, j tzt dagegen sind es 35. Dr-von haben 23 ein E »kommen von 900 000 Mark

biS 1/, Millionen, 8 ein Einkommen von 1'/, bis 3 Millionen und 4 ein Einkommen von 3 bis 7 Millionen. Der höchste unter diesen letzteren Steuerzahlern hat 19,000 Mark täglich oder 792 Mark stündlich (auch während der Schlafenszeit) zu verzehren.

Her-feld, 26. Oktbr. Die Kurhessische L a n d e s s y n o d e hat den Kirchengesetz-Entwurs betreffend die Aufhebung der Stolge­bühren für Trauungen, Aufg ebote und Taufen, angenommen.

* Her-feld- 26. Oktober. Der Central- Vorstand des Evangelischen Bandes ersucht uns um Aufnahme folgender Bekannt­machung:Der Landeshauptmann der Provinz Sachsen, GrafvonWintzingerode-Boden- st ein, ist zu der von des Kaisers und Königs Majestät befohlenen Einweihuna der erneuerten Schloßkirche zu Wittenberg am 31. Oktober d. I. zugleich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vorstandes bei Evangelischen Bundes und mit ihm der Schriftführer bei BundeS, Konsistorial- rath D. Leuschver, durch daS Allerhöchst be­auftragte Festkomitee eingeladeu worden. Die Gesammthfit unseres Bundes und wohl auch wetteren Kreisen wird eS zu lebhafter Genug- tbuung gereichen, den Evangelischen Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Jutereffen bei der bevorstehenden Feier, deren Bedeutung wir in einer Festnuwmer unserer Kirchlichen Korrespondenz gewürdigt haben, offiziell vertreten zu seheu."

HerSfeld, 26. Oktober. Ja der vorgestrigen Ziehung der preußischen Klassenlotterie fiel ein Haupt-Gewinn von 300,000 Mark auf Nr. 155,413.

Fulda, 23. Oktober. Ein frecher Einbruchs- diebstahl wurde gestern Abend zwischen 7 und 9 Uhr in der Privatwohnung bei MetzgermeisterS und Gasthofbesitzers Herrn Adam KrämerZum Löwen" am Schweinemarkt hier auSgeführt. Der jedenfalls genügend lokalkundige und mit den Hausgewohnheiten wohl vertraute Dieb schlich sich während der Abendessenszeit in daS erststöckig gelegene Wohnzimmer bei Krämer, sprengte durch Eiuzwängen eines Meißels in die klaffende Spalte den altersschwachen, verschlossenen Secretär, nahm die vorgefundene Baarschaft von mehr als 2000 Mark, goldene Uhren nebst Ketten, sowie alle den Kindern bei festlichen Gelegenheiten gewid­meten Werthsachen an sich und drückte dann den Verschluß wieder zu, so daß der Bestohlene erst heute Morgen den Verlust gewahrte. Sein Schaden durch diesen verbrecherischen Vorgang wird von ihm selbst auf ca. 3000 Mark geschätzt. Die Polizei ist in vollster Thätigkeit auf der Suche nach dem Diebe.

Eaffel, 24. Oktober. Der GenSdarm auS Roth uditmolo, welcher dienstlich in Kirchditmold gestern anwesend gewesen war, hielt Nachts gegen 12 Uhr vor dem Orte einen Wagen an, welcher nach Cassel Kirmeßzäste gefahren hatte und ohne Laterne zurückkehrte. Der G-'nsdarm wollte den Wagen aufhalten, als die. Pferde rasch anzogen. Der Beamte kam unter den Wagen und wurde überfahren. Er erlitt eine schwere Verletzung am Kopf und mußte heute in das Garnisonlaza- reth ausgenommen werden. Der Wagen ist später

oder gelesen, deren Namen nicht selten von französischen und englischen Zeitungen gebracht werden."

Ja, ich erinnere mich bei Namens," ant­wortete sie hastig,und zwar um so leichter als ich in meinen jungen Jahren in einer Familie Haushälterin war, die m-t dem Grafen b.kauut war. Ich entsinne wich sogar, ihn einmal im Hause gesehen zu haben. Und jetzt bemerke ich auch, das Sie ihm nicht unähnlich sind, obgleich er wohl Ihr Vater oder gar ihr Großvater hat sein können "

Gat! Gut! DaS thut wenig zur Sache, wenn ei Ihnen nur genügt, daß ich Derjenige bin, als der ich mich Ihnen j tzt vorstelle: Ich bin der jüngste Sohn dieses älteren Grafen und der Bruder bti jetzigen. Und der Grund, weshalb ich Ihnen meinen Stammbaum avsetuanderfitze," fuhr er mit halb spöttischem Lächeln fort,ist, um Ihnen zu beweisen, deß auch ich im Stande bin, dem Versprechen nackzukommen, das iL Ihnen geben will für eine Gunst, die ich mir jetzt von Ihnen erbitten werde."

Bon mir, wein Herr?" rief Frau Falkner und riß die Augen weit auf.WaS kann eine arme Frau wie ich für einen so hohen Herrn wie Sie thun? Sie spotten meiner."

Jedenfalls haben Sie mir heute Schutz ge­währt," entgegnete er lachend.Aber ich habe ein viel wichtigeres Anliegen. Sie sollen mir ihren unbändigen räthselhaften Schützling, die .v wilde Cora, überlassen."

Frau Falkner wurde duukelroth.

Nein, mein Herr! Nein! Ich habe vielleicht etwas zu aufrichtig über das Kind gesprochen, aber so schlecht bin ich doch nicht . . . und. . . und . . . ich hoffe, daß Sie kein Wort weiter darüber reden, sonst so leid ei mir thäte könnte ich mich v rgtss-n und . . ."

Holt, meine liebe Frau Falkner!" unterbrach er sie mit halb gutmüthigem, halb spöttischem Lächeln.Ich bin ein älterer Mann und habe eine Tochter, die höchstens ein Jahr jünger ist als Ihr Pflegling. Ich wollte Ihnen den Vor­schlag machen, daß ich Cora als eine Art Ge­sellschafterin meiner Tochter unter meine Obhut nehmen will. Was sagen Sie zu diesem Plan?" fuhr er fort mit bangerer Erwartung ali er um des Erfolges willen ferner verrieth

Frau Falkner saß stumm vor Verwunderung mit offenem Munde da.

Sie wollen Cora mit sich nehmen? . . . Sie wird Ihnen nicht folgen!" brächte sie endlich hervor.

Würden Sie Ihre Einwilligung geben, wenn ich Cora's Einwilligung erhielte?" fragte er ruhig.

Nun, ei ist hart, sehr hart ... und doch . . . Sie sehen, hier ist wenig AuSsicht auf eine glück­liche Zukunft für sie. Aber WaS wird Rupert dazu sagen, wenn er heimkehrt und Cora nicht mehr fiadet . . . vielleicht will er dann auS Aerger von Adele gar nichts mehr w ssen . . . aber freilich . . . Cora wird auch mit jedem Jahre hübscher ... Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich thun soll," fuhr sie verzweifelnd fort.

Woll n Sie eS von des .Mädchens eigenem Entschluß abhängen lassen und darf ich allein und offtn mit ihr reden?" fragte er rasch.

Nun, Sie mögen es versuchen, aber ich glaube nicht, daß sie mitgehen wird . . . nein, nein, nicht für alles Geld! Doch, ein Versuch kann nicht schaden. Wenn sie Lust dazu hätte, wäre ei vielleicht zu ihrem eigenen Besten."

Meine Zeit ist gemessm. Wollen Sie so gut sein, sie gleich hereinzurufen und mir zu erlauben, daß ich die Sache gleich zum AuStrag bringe?"

Frau Falkner erhob sich so schnell, ali ei ihr Rheumatismus zuließ, und rief nach der Küche:

Cora! Cora! Komm' ein Mal her! Aber schnell! Ich brauche Dich!"

Darauf entstand eine momentane Pause, ali ob daS Mädchen zögerte, dem Rufe zu folgen.

Faro wartete geduldig.

Cora, Kind, wo bist Du? WaS treibst Du?" rief Frau Falkner nochmals.

Endlich hörte man daS Rauschen eines KleideS langsam näher kommen, und in der nächsten Minute stand Cora'S schlanke Gestalt in der Thür.

(Fortsetzung folgt.)

Parts, 24. Oktober. Im Saale Favtö fand anläßlich eines Meetings für die Streikenden in Carmaux eine furchtbare Prügelei zwischen Anarchisten und Sozialisten statt, wobei sieben Persouen schwer verwundet wurden. Den Anlaß gab daS von einem Soztaltsteu ausgesprochene WortVaterland."