Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnemmtepreir vierteljKhrlich 1 Mark 40 Ps». exol.

Bostaufschla«.

Die Jistertivn-zebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Thelle 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Anfträaen entsprechender Rabatt.

Htlsstl-er Kreisdiiltt.

Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^ILukrirtes AuterhEungsölatt-.

Nr. 124.

Donnerstag den 20. Oktober

1892.

Amtliches.

Hersfeld, den 14. Oktober 1892.

Den Herren Ortsvorständeu werden in den nächsten Tagen die Entscheidungen der BerufnugS- kommission auf die diesjährigen Einkommensteuer- Berufungen zugehen. Sofern durch die Ent­scheidungen eine Aenderung des veranlagten Steuersatzes herbrigeführt wird, ist die Ein­kommensteuer -Rolle zu berichtigen und sind hierauf unverzüglich die Schreiben den betreffen­den Steuerpflichtigen, verschlossen und mit Adresse versehen, auszvhändigen.

Der Tag der Behändigung ist mir bis zum 24. d. Mts. auznzeigen.

Im Uebrigen ist außerdem alSbald bezüglich der durch die bewilligten Ermäßigungen in Ab­gang zu bringenden Differcnzbeträge das Nöthige in der Kontrole zu wahren. Zur Begründung der Abgänge ist in Spalte 11 der Letzteren die Entscheidung nach Datum rc. auzugeden. Der Einreichung von Kontrol-Allszügen über diese Abgänge bedarf es nicht.

I. 7225. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 14. Oktober 1892.

Der Ackermann Daniel Paul zu Kathus ist als Bürgermeister dieser Gemeinde auf die Dauer von 8 Jahren gewählt und als solcher eidlich verpflichtet worden.

J. A. 1821. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

HerSfeld, den 19. Oktober 1892.

Für die am 20. Oktober 1873 zu Kleba ge- boreue Anna Catharina Elisabeth E u l e r ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Aus- Wanderung nach Amerika nachgesucht worden.

J. I. 7334. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

(Nachdruck verboten.)

Die Fügung.

Historische Erzählung von B. Barth.

(Fortsetzung.)

Tief drückte mich diese Familienschande nieder und meine Seelenpein wurde noch durch die Wahrnehmung vermehrt, daß sich meine Kameraden seitdem langsam von mir zurückzuziehen begannen. Sie mochten vermuthlich mit dem Sohne eines Betrügers außerdienstlich nichts mehr zu thun haben, vielleicht glaubten sie auch, daß ich um die verdammenSwerthen Manipulationen meines Vaters gewußt, wohl gar einen Theil von dem Sündengelde erhalten habe genug, ich war durch die Handlungsweise meines Erzeugers ein gesellschaftlich Vervehmter geworden und der Gram hierüber fraß mir am Herzen."

Der Erzähler hielt einen Moment tuue, leerte hastig das vor ihm stehende Glas Wein und fuhr fort:

»Ich fühlte, daß ich diesen Zustand nicht lange mehr würde ertragen können und da ich noch zu sehr am Leben hänge, um einen Selbstmord zu begehen, so entschloß ich mich endlich, zu drsertireu, so schwer mir dieser Entschluß auch wurde. Vor vier Tagen habe ich ihn auSgeführt, unbemerkt von den österreichischen Posten überschritt ich vor- gestern bet Novi die türkische Grenze, aber nur, um alsbald einer Schaar Baschi-BozukS in die Hände zu fallen. Die uniformitten Banditen

Zur Abhaltung der diesjährigen

Herbst-Lehrerkonferenz werden die Herren Lokalschuliuspektoren und Herren Lehrer des hiesigen BezirkS auf Montag den 24. d. MtS. zur gewohnten Zeit nach Weidenhatu ergebenstund freundlichst etugeladen. Phillppsthal, den 17. Oktober 1892.

Die Kreisschulinspektion Hersfeld II.

Bekanntmachung.

Am 15. Oktober wird in dem zum Landbestell- bezirke des Kaiserlichen Postamts in Hersfeld gehörigen Orte R e t l o 8 eine Posthülfstelle er­öffnet, deren Verwaltung dem Bürgermeister K l o m p übertragen ist.

Caffel, den 10. Oktober 1892.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor. Frank.

Wolitische Wachrichte«.

Setlin, 18. DWit.

Am heutigen Geburtstage weiland Kaiser Fried­richs III. begab sich Se. Majestät der Kaiser nach dem Mausoleum in der Friedenskirche zu Potsdam, um daselbst au der Ruhestätte deS Heimgegangenen Monarchen eigenhändig einen Kranz niederzulegen. Hierauf kam Ss. Majestät nach Berlin. Im hiesigen königlichen Schlöffe nahm Allerhöchstderfelde zahlreiche militairische Meldungen entgegen und empfing darauf den Ober­bürgermeister der Stadt Berlin, Zelle. Hierauf fand im Rittersaal? des Schlosses die feierliche Nagelung der dem zweiten Bataillon des Infan­terie-Regiments von Göbeu (2. rheinisches) Nr. 28 verliehenen Fahne im Beisein der hier anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, sowie der im Garde-Korps dienenden und zur Zeit bei ihren Truppentheilen anwesenden Prinzen aus regieren, den deutschen Häusern, des allerhöchsten Haupt­

nahmen mir Alles ab, was ich an Geld und Geldeswerth besaß, entrissen mir sogar mein Seitengewehr und trieben mich dann unter Schimpf- worten und Schlägen" der junge Mann ballte bei dieser Erinnerung unwillkürlich die Faust »fort. Wenn ich nicht baun und wann einen mitleidigen BauerSmauu angetroffen hätte, der mir ein Stück Maisbrod oder einen Topf Milch um Gotteslohn verabreichte, so wäre ich wohl auf dem weiteren Marsch kvon Novi nach Banja- luka vor Hunger liegen geblieben."

Der Erzähler schwieg jetzt und Majunka frug nun seinen Gast:

»Und was haltet Ihr in Banjaluka vor, als Ihr an meinem Hause vorüberkamt? Vielleicht wolltet Ihr Euch beim Gouverneur Refat Pascha melden, der weiter unten in seinem schönen Palaste restvirt?"

Michael LataS nickte, der Bosniake sagte jedoch, bedächtig sein Haupt hin- und herwiegend:

»Wohl, dies dachte ich mir schon, aber ich möchte Euch rathen, Freund, es Euch noch ein­mal zu überlegen, ob Ihr wirklich in die Dienste des Padischah treten wollt, vielleicht giebt es für Euch hierzulande doch noch eine bessere Be­schäftigung, alS diejenige, in der schmutzigen Uni­form der MoslimS. Seht," fuhr Majunka fort, indem er das kluge, männlich schöne Gesicht seines SafteS mit offenbarem Wohlwollen musterte, »ich bin Kaufmann und handele hauptsächlich mit feineren Tuchen, die ich in'S Land der Weiß­

quartiers, der General- und Flügeladjatanten, des Reichskanzlers, Kriegsministers und der resp. Vorgesetzten nebst einer Deputation des Regiments in feierlichster Weise statt. Nach der Fahnen- Nagelung erfolgte alsdann im Kapitelsaale die feierliche Weihe der Fahne durch den Hosprediger D. Frommel. Nach beendeter Feierlichkeit kehrte Se. Majestät der Kaiser in seine Gemächer zurück. Gegen halb 11 Uhr begab sich der Monarch vom Schlöffe aus zur Besichtigung der Dom-JuterimS- kirche nach dem Schlöffe Monbijou. Nachdem fuhr Se. Majestät in einer 4späuuigeu Hofegui- Page nebst Spitzreitern und von einer ESkadron des 1. Garde-Dragoner-RegimeutS eskortirt, zur feierlichen Grundsteinlegung der Kaiser Friedrich- Gedächtnißkirche nach dem Festplatze auf der Thiergartenwiese. Nach Beendigung der Feier­lichkeiten begab sich der Kaiser zu Wageu nach Charlottenburg und verweilte dort einige Zeit im Mausoleum. Hierauf erfolgte die Weiterfahrt nach Spandau, woselbst in Gegenwart des Mo­narchen die fMiG- Enthüllung des Kaiser Friedrich - Denkmals stattfand. Nach beendeter Feierlichkeit entsprach Se. Majestät der Kaiser einer Einladung des Offizierkorps des 4. Garde- Regiments z. F. zum Diner nach dem Offizier- Kasino.

Die Taufe der jüngstgeboreuen Prinzessin Tochter der Kaiserlichen Majestäten wird am kommenden Sonnabend, den 22. d. M., um 5 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam stattfinden. Au den feierlichen Taufakt schließt sich eine Galatafel.

Se. Majestät der K a i s e r erschien am Dienstag früh 8V2 Uhr in der Friedenskirche bei Pots­dam und legte dort im Mausoleum am Sarge Kaiser Friedrich'- einen prachtvollen Kranz nieder, welcher zur einen Hälfte aus französischen Veilchen, zur anderen aus Tuberosen gewunden war. Auf dem PalaiS der Kaiserin Friedrich webte von früh Morgens die Purpurstandarte der Königin von

röcke, aber auch noch weiterhin, vertreibe. Schon lange sehne ich mich nach einer männlichen Kraft zu meiner Unterstützung und diese glaube ich in Euch, mein Freund, gefunden zu haben. Wir kennen uns ja erst seit dieser Stunde, aber eS lebt etwas in Euren Zügen, das mich seltsam zu Euch hinzieht, deshalb möge Euch meine Rede nicht sonderbar dünken. Ihr werdet Euch unter meiner Anleitung die nöthigen kaufmännischen Vorkenntnisse leicht aneignen und dann werden wir ja weiter sehen. Doch sagt, sind Euch fremde Idiome geläufig?"

»Ihr habt selbst gehört," entgegnete Latas, »daß ich mich tu der Sprache dieses Landes ganz gut auSzudrücken vermag, obwohl ich von Geburt ein Croate bin. Daneben beherrsche ich aber vollständig das Deutsche, spreche und verstehe Französisch und Italienisch und habe auch einige Kenntnisse in der Sprache der Osmanlt. Aber ich muß Euch gestehen Herr, daß ich leider nicht die geringste Lust zum Kaufmannsstande in mir fühle und ich muß daher Euer Verbieten mit herzlichem Danke für Eure Güte ablehnen."

Lächelnd erwiderte indessen der Kaufmann:

»Nur nicht so schnell, junger Freund, morgen ist auch noch ein Tag und da könnt Ihr mir dann definitiv Eueru Entschluß sagen. Jetzt aber möchte ich Euch rathen, der Ruhe zu pflegen, Ihr habt sie augenscheinlich sehr nöthig."

Latas erhob keinen weiteren Widerspruch, da er sich durch die Anstrengungen und Entbehrungen