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sich zu verabschieden und, nach Aufhebung der Tafel, mit den Herren seiner Begleitung am Abend gegen 9 Uhr Wien zu verlassen, um die Rückreise nach PotSdam anzutreten. In Pols- dam wird Se. Majestät mittelst SonderzugeS morgen Mittag zurückerwartet. Definitive Bestimmungen über die Rückreise von Wien nach Berlin find jedoch bis zur Stunde noch nicht hierher gelangt.

Das Befinden Ihrer Majestät der K a i s e r i n, sowie der neugeborenen Prinzessin ist das oller- erfreulichste. Wiederholt schon hatte Ihre Ma- jestät in der Mittagszeit bei warmer, schöner Witterung kurze Spazierfahrten im geschlossenen Wagen in den daS MarmorpalaiS umgebenden Parkanlagen unternommen, welche Allerhöchst- derselben ganz vorzüglich bekommen sind.

Am Donnerstag hat eine Sitzung des B u n d e 8 - rathS stattgefnuden. Bor derselben waren die AuSschüffe für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und für Eisenbahnen, Post und Telegraphie zusammengetreten. Auch das Staatsministerium hat am Donnerstag Vormittag unter dem Vorfitz des Grafen zu Euleuburg eine Sitzung gehalten.

Nach einer der »Pol. Korr.' aus Berlin zugehenden Meldung befinden sich unter den in der nächsten RetchstagSsessiou einzubringenden Vorlagen das Allswanderungsgesetz, sowie ein Entwurf, betreffend die Einheitszeit. Beide Gesetzentwürfe find vom Bundesrath bereits vor der Vertagung durchberathen und genehmigt worden.

Se. Majestät der Kaiser bat am Dienstag in Schöabrunn dem Ministerpräsidenten Grafen Taoffe die Jnfignieu deS schwarzen Ad- lerordeus überreicht.

Fast sämmtliche Wiener Blätter veröffent­lichen auch gestern sehr sympathische Artikel an­läßlich der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm und heben besonders die hohe politische Bedeutung der alljährlichen Be­gegnung beider Kaiser für das mitteleuropäische Büudniß hervor. DasFremdeublatt', beide »Tagblatt', dieDeutsche Zeitung" und das »Vaterland" heben unter Betonung der beson­ders schmeichelhaften Form die Ueberreichung der Jnfignieu deS Schwarzen Adlerordens an den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe hervor, sowie die politische Bedeutung der Thatsache. DieN. Fr. Pr." äußert sich in einem Artikel, welcher die Bedeutung des diesmaligen Besuches des Deutschen Kaisers in Wien bespricht, u. A. folgendermaßen:

Obgleich Kaiser Wilhelm den völlig privaten Charakter seiner Besuches dadurch zu dokumentiren sucht, daß er seine diplomatische Kanzlei zu Hause gelassen, so dürfe man doch die Tragweite dieses Besuches nicht unterschötzen; derselbe zeige aufs Neue, wie dauernd eng geknüpft die Freundschaft beider Kaiser sei. Niemand, der nichts Böse» im Schilde sühre, brauche sich durch den Besuch beunruhigt zu fühlen, aber Alle, welche den Frieden wünschen, dürften mit Vertrauen und Zuversicht auf beide Kaiser blicken, deren freundschaftliche« Beisammensein nur eine Bürgschaft der Gemeinsamkeit und der Bundestreue zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutsch­land sei.

Verschiedene Blätter haben bezweifelt, ob ein so starkes Rekrutenkontingent, wie in der Militärvorlage in Aussicht genommen wäre, ausgehoben werden könne, ohne dabei auf »Krüppel und Untaugliche' zurückzugreifen. Ein Berliner demokratischer Blatt hat sogar sehr drastisch zu schildern gewußt, wie sich eine aus solchem minder« werthigen Meuscheumaterial rekruttrte Truppe ausnehmen werde. Diesen Zweifeln gegenüber werden in der Münchener »Allgem. Big." die Zahlen wiedergegeben, welche die Uebersicht der Ergebnisse des Heeres -Ergänzung?- geschäftS, die dem Reichstag zuletzt zuge- ganaen ist (vom Oktober 1891 für das Jahr 1890), hierüber enthält. In den Listen wurden im ganzen 1476 466 Personen im Alter von 20 Jahren und darüber geführt. Davon waren un- ermittelt 42324, ohne Entschuldigung ausgeblieben 114581, anderwärts gestellungspflichtia geworden 368 297, wurden zurückgestellt 521 626, ausge­schlossen 1236, ausgemustert 30 680, ausgehoben 182 836, traten freiwillig ein 12 666, während zum Landsturm ersten Aufgebots 110170, zur Ersatzreserve 85 363 kamen und 5916 überzählig blieben. Im Jahre 1891 sind 197310 dem Land­sturm ersten Aufgebots und der Ersatzreserve überwiesen und 172515 auSgehobeu worden.

Dem am Mittwoch zu Ehren der österreichisch- ungarischen Distanzreiter in der Kaserne des Kaiser Franz Garde-Grenadier-RegtS. Vrraustal- teten kameradschaftlichen Zusammen- sein wohnte auch Reichskanzler Graf Caprivi als alter Osfifier des Regiments bei. Derselbe brächte ein Hoch auf den Kaiser Franz Joseph auS. Er sei als junger Offizier in der Liebe und Verehrung zu Kaiser Franz Joseph alS Chef des Regiments groß geworden, und in seiner gegenwärtigen Stellung, da er die Verhältnisse

klarer und richtiger zu beurtheilen in der Lage sei als damals, sei diese Liebe und Verehrung noch befestigt worden, Oberst von Kotz antwortete alS Vertreter der österr.-ungarischen Offiziere mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser.

Die Einfuhr von Z u ck e r in den freien Ver­kehr betrug im Monat September: bei raffinirtem Zucker (100 Kilogr. netto) 291, bei Rohzucker 71, im gleichen Zeitraum deS Vorjahres 2301 und 2104. Die Ausfuhr aus dem freien Verkehr im September dieses JahreS bet Zucker der Klasse a 152 507, der Klaffe b 142186, der Klasse c 2485 (100 Kilogr.) im gleichen Zeitraum des Vorjahres 182 629 118 342 und 2001.

Die Cholera in Hamburg kann nunmehr als Epidemie für erloschen erklärt werden. Doch kommen täglich noch immer bis zwanzig Erkran­kungen sowie ein paar Todesfälle an Cholera vor und wird wohl erst der Eintritt von Frost- witterung der Cholera völlig den Garaus machen. Aus dem übrigen Reiche werden neue Cholerafälle nur noch ganz vereinzelt gemeldet.

Die abgelaufene Woche barg mit dem 12. Oktober einen weltgeschichtlichen Ertnneruugs- tag in sich, denn am vergangenen Mittwoch waren vier Jahrhunderte verflossen, daß Christoph Columbus die Bahama-Jusel Guan ahani entdeckte und hiermit der Menschheit eine ganz neue Welt schenkte. Die Entdeckung Ame­rikas aber hat den Entwickelungsgang der Mensch­heit nach den verschiedensten Seiten hin in ge­waltigster, im Großen und Ganzen höchst segens- voller Weise beeinflußt, so daß man auf Erden gewiß noch in fernsten Zeiten des Urhebers dieser Großthat dankbar gedeuken wird. Specielle Fest- lichkeiten anläßlich des Jubiläums vom 12. Ok­tober haben tu diesen Tagen auf spanischer Erde, in Huelva, vnd auf amerikanischem Boden, in New-Iork, stattgefnuden, und nahmen sie dort wie hier einen glänzenden Verlauf.

In China find die Christenversolgungen er­neut im Gange. Zu Kteng-Aong (Prov. Tukten) griff die Bevölkerung die Häuser der englischen Misstonaire an und bräunte das Haus des Missto- noirs Philipps nieder. Chinesische Beamte retteten Philipps und dessen Frau.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

H e r s f e l d, den 14. Oktober 1892.

* In Folge einer vom Centralverein der deutschen Lederindustrie an den BundeSrath gerichteten Vorstellung hatte daS Reichs Eisen- babnamt Erhebungen darüber veranstaltet, ob während der Wintermonate die Beförderung frischer, ungesalzener Häute in loser Verpackung und nicht bloß, wie auch die neue Betrtebsvrduung für die Eisenbahnen Deutschlands es vorschreibt, in festen, dichtverschloffenen Kisten, Fässern n. s. w. gestattet werden köaue. Gelegent­lich dieser Erhebungen hat sich die bayrische Regierung bereit erklärt, im kommenden Winter in dem der Betriebsordnung nicht unterworfenen Lokalverkehr der bayrischen Eisenbahnen Versuche mit der losen Verpackung veranstalten zu wollen. Von dem AuSfall dieser Versuche hat eS daS ReichS- Eisenbahnamt abhängig gemacht, ob «8 die Ein­führung der Neuerung empfehlen werde.

* Amtlicher Nachweifung zufolge sind in den deutschen Münzstätten im Monat September an R e i ch S w ü n z e n nur Nickel- und Küpfermünzen, uud zwar von den ersten für 205 642,20 M. Zwanzig. Pfennigstücke und von den letzteren für 64669,95 Mark Einpfennigstücke geprägt worden.

* Die Durchschnitt Spreise der wich­tigsten LebenSmittel betrugen im Sep­tember gegenüber den in Klammern beigefügten Preisen des August für tausend Kilogramm Weizen 159 (172) Mark, Roggen 144 (146) Mark, Gerste 143 (147) Mark, Hafer 142 (148) Mark, Kocherbseu 244 (253) Mark, Speisebohnen 256 (263) Mark, Linsen 457 (460) Mark, Eßkartoffeln 48,4 (57,8) Mark, Richtstroh 44,1 (43,7) Mark, Heu 64,4 (60,9) Mark; für ein Kilogramm Rind­fleisch 1,30 (1,30) Mark, Schweinefleisch 1,40 (141) Mark, Kalbfleisch 1,25 (1,25) Mark, Hammelfleisch 1,25 (1.26) Mark, geräucherter inländischer Speck 1,72 (1,71) Mark, Eßbutter 2,42 (2,26) Mark; für ein Kilo Weizenmehl 0,31 (0,32) Mark, Roagenmehl 0,29 (0,30) Mark, Javareis 0 54 (0,54) Mark, mittl. roher Java­kaff; 2,84 (2,83) Mark, gelb. gebt. '.Javakaffee 3,69 (3,67) Mark, inländisches Schweineschmalz 1,64 (1.68) Mark; für ein Schock Eier 3,43 Mark.

* Amtlicher Nachweifung zufolge hat die Ein­nahme an W e ch s e l st e m p e l st e u e r für das erste Halbjahr deS laufenden EtatSjahreS 3 901590,60 Mark oder 172 569,70 Mark weniger als im gleichen Zeitraume des Vorjahres betragen.

* (Personalveränderungen.) Er­nannt die Referendare vom Hof und H-ukel zu Gertchtsaffessoren, der Kanzltst Völker zum Regt- strator, der Bureaubeamte Morell zum Sekre-

tariatSassisteuten bei der LaudeSdirektion, der Postkassirer SchüSltng in Bebra zum Post, direktor, die OberpostdirektionSsekretäre Schütz in Fulda und Selchow in Marburg a. L. zu Postkassirern, der Militärauwärter Wilhelm Schwtegk zum Strommeister mit dem Wohnsitz in Hann. Münden. Pensionirt: der Post­meister Bönning in Hofgeismar. Versetzt: der Postmeister Veerhoff von Kirchhain (Bez. Cassel) nach HofgeiSmar, der Postsekretair Simon von Eisenach nach Kirchhain (Bez. Casiel), die Post­verwalter Gundlach vonFriedewald nach Schlierbach (bei WächterSbach), Traut von Schlierbach nach Großauheim.

(:) Hersfeld, 13. Oktober. (Schöffen- gertcht.) Der Tagelöhner Peter Lieb er­mann von Friedlos wurde wegen DiebstahlS mit 3 Tagen Gefängniß bestraft. Wegen gemein­schaftlicher Körperverletzung wurden die Tage- löbnerAdam und Jakob Henning zuHeeneSzu je 4 Wochen Gefängniß verurtheilt. Die Ehefrau Georg Matbeis von Reckerode erhielt wegen Diebstahls 2 Wochen Gefängniß. Der Schreinergeselle Heinrich R i e s 1r von WipperS- Hain erhielt 3 Tage Haft, weil er zur Jagd aus­gerüstet auf fremdem Jagdgebiet betroffen worden war, außerdem wurde derselbe noch wegen Wieder- standes mit 2 Monaten Gefängniß bestraft. Wegen Unterschlagung bedachte der Gerichtshof den Dienstknecht Johann H ä r d e r von Hünfeld mit einer vierwöchigen Gefängnißstrafe. Wegen Uebertretung des 8 3 der Polizei-Verordnung vom 30. März 1887 wurde der Dienstknecht Heinrich Strack voa Unterweisenboru tu eine Geldbuße von 1 Mk. ev. 1 Tag Haft genommen.

Schlächter«, 12. Oktbr. Vorgestern begann dahier die zweite (praktische) Lehrerprüfung. Die schriftlichen Themen lauteten: 1. Beurtheilung deS Salzmann'schen Ausspruches: »Von allen Fehlern und Untugenden des Zöglings muß der Erzieher den Grund zunächst in sich selbst suchen.' 2. »Was verdankt Preußen dem Könige Friedrich Wilhelm I.?' (Oberstufe.) 3.An selbster- wählten Beispielen zu zeigen, wie die biblischen Geschichten nach ihrem religiös-sittlichen Inhalte für Geist und Gemüth der Kinder fruchtbar zu machen find."

Eafiel, 13. Oktober. In einem Steinbruch waren zwei Leute behufs Sprengung von Bruch­steinen mit dem Legen und Anzüuden einer Zünd­schnur beschäftigt. Nach einer halben Stunde wollte einer derselben Nachsehen, als der Schuß plötzlich losging und ihm die halbe Kinnlade wegriß. Der Schwerverletzte wurde nach de« Rothen Kreuz" übergeführt. Ein Zimmer­lehrling hatte daS Unglück, von dem Dach eines Neubaues zu stürzen, und brach beide Arme. Ein Arbeiter ausNiederzwehren war gestern Nach­mittag mit Pflücken von Aepfeln in einem Garten vor dem KöuigSthor beschäftigt, als plötzlich die Leiter abrutschte und er herabstürzte, wobei er einen Arm- und Schlüsselbeinbruch erlitt.

Lasset, 12. Oktober. Ein hiesiger Schreiner- meister hatte gestern daS Unglück, mit der linken Hand in die Holzschneidemaschine zu gerathen, wodurch ihm die sämmtlichen Finger förmlich abgesägt wurden.

Lei«efelde, 11. Oktober. Aus dem Kreise WorbiS wird folgender Witz berichtet: Vor eini­gen Tagen kommt ein fremder Reisender nach B. und kehrt in der Wirths chaft deS Herrn R. ein, um zu rasten und sich zu stärken. Im Laufe der Unterhaltung äußert der Wirth, die Stuben- fliegen seien dieses Jahr doch gar zu zahlreich und belästigend.Da kann ich Wandel schaffen," meinte der Fremde.Wenn mir zwei GlaS Bier frei gegeben werden, so nehme ich sie alle mit, wenn ich fortgehe." Der Wirth ist froh, die Peinigerinnen loS zu werden und verabreicht dos Bier. Bald nachher macht sich der Fremde reisefertig, greift nach Hut und Stock und ist im Begriffe sich zu entfernen.Und die Fliegen?" fragt der Wirth.Na fangen Sie sie mal ein und packen Sie sie mir zusammen, ich nehme sie schon mit!" war die verblüffende Antwort deS fremden FliegenbändtgerS. Kein Mensch im Dorfe hätte geglaubt, daß unser sonst so wackere Wirth auf so einen schlechten Witz hercinfiele.

Gttdensberg, 12. Oktober. Ein recht be­dauerlicher Unglück-fall hat sich heute hier zu- getragen. Durch einen Fehltritt stürzte der hiesige Einwohner M. vom Boden seiner Scheuer in die Tiefe. Er erlitt in Folge dessen einen Armbruch und schwere innere Verletzungen.

Möttchehof, 10. Oktbr. Seit längerer Zeit ist am Bahnhof Mönchehof tu der Nähe der Oppermann'schen Gastwirthschaft ein ganz weißer Sperling zu beobachten. Derselbe hält sich bei einer großen Schaar Sperlinge auf, welche den ganzen Tag die Höfe und umliegenden Felder durchschweifen.

Arolsen, 11. Oktbr. Ja einem Anfälle von