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Hersskl-tl Kreisblitt.

Mit «öchmtlicher Kratir-Meilagr ^Mustrirte, AntervaltungsSlatt".

Nr. 117. Dienstag den 4. Oktober 1882.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustriitcs tlntcrhallmigs-Blatt" pro IV Quartal werden von allen Kaiser- lichen Postanstalten, Laudbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 1. Oktober 1892.

Mit Rücksicht auf den lebhafteren Geschäfts­verkehr vor dem Lullusfeste ist den hiesigen Geschäftsleuten diesseits gestattet worden, an den beiden Sonntagen, den 9. und 16. d. Mts die Läden bis Abends 7 Uhr offen zu halten.

I. 6581. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. Oktober 1892.

Da die Anstellung der Schlachtviehbeschauer lediglich in Ausführung einer allgemeinen Poltzei- Vorschrift erfolgt ist, ohne daß die Schlachtvieh- beschauer selbst einen erheblichen Vortheil davon haben, bestimme ich hierdurch, daß die durch die Jnstruirung und Prüfung derselben sowie durch die Beschaffung der zur Bezeichnung deS besichtigten Schlachtviehes und Fleisches zu be­nutzenden vorgeschriebeven Stempel entstandenen Kosten auf die betreffenden Gemeinde-Kassen übernommen werden.

Die Stempel nebst Zubehör (Aufbewahrnugs- kästen) sind in das Gemeinde-Inventar ein- zutragen.

A. Nr. 1738, Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Des Hotdbauers Mustkantin.

Eine Dorfgeschichte von Reinhold Scheffel.

(Fortsetzung.)

AlS der Goldbauer am Spätabende heimkehrte, lag der Hof in stiller Ruhe, der Hausvater schloß bedächtig die feste Eichenthür, die nun nicht allein ihn, sein Weib, sein Hab und Gut schützen sollte, die er nun auS freiem Willen, wie es sein edles Herz verlangte, einem verlassenen Mädchen aufaethan.

WaS der Goldbauer unternommen, wird er auch zu Ende führen, die Lies hat eine Heimath, sie hat einen Vater.

XVI.

Die LieS.

Die Leute auf dem Hofe, welche zweifelnd die Köpfe schüttelten, ob das Stadtfräulein auch etwaS taugen werde, überzeugten sich gar bald, daß der Goldbauer diesmal wie in allem seinen Scharfblick bewährt, ein gute» Urtheil abgegeben hatte. Die neue Dirne war vom frühen Morgen an eifrig in der Wirthschaft beschäftigt, sie hatte Hühuerhof, Milchkeller und Wäschekammer über­nommen, welche vorher die Haustochter besorgte.

Auch in anderer Hinsicht zeigte sich die Lies als ein wahrer Segen für das HauS. Die junge Wegscheidbäuerin, die nun bald zum zweiten

Hersfeld, den 27. September 1892.

Der Bürgermeister Heinrich K l o m p zu Reilos ist als Sachverständiger zur amtlichen Unter­suchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den Gemeindebezirk Reilos widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.

In Verhinderungsfällen hat sich derselbe mit dem Trichinenbeschauer Wilhelm Kehre 8 zu Friedlos gegenseitig zu vertreten.

I. I. Nr. 6481. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. Oktober 1892,

Der Bierbrauer Bernhard Münscher, ge­boren am 3. Juli 1869 dahier, hat um Erthet- lung eines Reisepasses behufs einer Reise nach Amerika nachgesucht.

J. I. 6875. Der Königliche Laudrath Freiherr von Schleinitz.

Folitische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser erfreute sich wäh­rend seines JagdausflugS nach Rominten bisher unausgesetzt des allervortrefflichsten Wohlseins. Nach der Rückkehr von den täglich in den Morgen­stunden abgehaltenen Pürschjagden. in der Romin- teuer Haide erledigte der erlauchte Monarch im Jagdhause zu Rominten während der Vormittags­stunden täglich die laufenden Regterungsangelegen- heiten und nahm die regelmäßigen Vorträae entgegen. Ueber die Abreise Sr. Majestät vom Jagdhause Rominten und über die ferneren Reisedisposttionen Allerhöchstdesselben nach Huber­tasstock, nach Weimar und von dort zurück nach Porsdam rc. sind auch bis zur gegenwärtigen Stunde endgültige Bestimmungen noch nicht ge­troffen worden. Wie verlautet, dürfte Se. Maje­stät der Kaiser erst am 9. d. Mts. Abends zu etwa eintägigem Aufenthalt wieder im Marmor- palais bei Potsdam eintreffen.

Ihre Majestät die Kaiserin erfreut sich

Male Mutter werden sollte, überließ ihren Erst­geborenen großmüthig der Pflege ihrer Eltern und da war es nun die Lies, die unverdrossen den ganzen Tag über sich mit dem Kleinen be­faßte, der ihr auf Schritt und Tritt, die Kleider­falte im dicken Händchen, folgte.

In kurzer Zeit verschwand der geisterhaft bleiche Teint de8 Mädchens, um der gesunden Jugendfarbe zu weichen.

Der Goldbauer hatte, wenn eS Dringendes zu schaffen gab, seine LieS zuweilen beauftragt, für ihn Briefe und Rechnungen zu schreiben; stets von Herzen froh, über irgend eine Gelegenheit sich nützlich zu machen, hatte das Mädchen nun dies Geschäft ganz in die eigene Leitung ge­nommen.

Erst nach und nach ward die Goldbäuerin der neuen tzausgenosstu freundlich gesinnt. Wenn ihr auch der Muth fehlte, dem festen Willen deS Hausvaters zu widersprechen, war sie doch nicht im Stande, sich damit einverstanden zu erklären.

Die Goldbänerin dachte:

Gewiß ist, daß der Fräulein wegen mein Bub in die Fremd' gemußt, und daß er jetzt so weit weg ist, wie sich gar nicht denken läßt. Seine Brief' haben a balb's Dutzend Marken aufge- pickt, bis wir sie kriegen. Und wann heut' oder morgen bet uns wer stirbt und wann der Hof in Feuer aufgeht, mein Bub' käm' auf die Nach­richt nimmer zur rechten Zeit nach HauS, darüber

ununterbrochen deS allerbesten Wohlseins und bringt nunmehr seit einigen Tagen den größten Theil der Tagesstunden im Zimmer zu. Auch der Gesundheitszustand der neugeborenen Prin­zessin ist andauernd der allergünstigste gewesen.

Aus WilhelmShaven, 1. Oktober,meldet W. T. B.-: Ihre königliche Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Heinrich sind heute früh 6 Uhr in Begleitung deS Hof­marschalls Freiherr« v. Seckendorff an Bord des »Kaiseradler- nach England in See gegangen.

DaS von Prof. Kopf auS Rom geschaffene Denkmal, welches die Stadt Baden-Baden der bochseligen Kaiserin Augusta widmet, wurde am Freitag als am Geburtstage weiland Ihrer Majestät unter zahlreicher Betheiligung der Be­hörden und des Publikums feierlich enthüllt. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden hatten den Ober-Hofmeister der Großherzogin, Frhrn. v. EdelSheim, mit ihrer Vertretung betraut. Im Namen des Staatsministeriums wohnte der Ministerpräsident Dr. Turban der Feier bei. Ober-Bürgermeister Gönner hielt die Festrede. Prinz Hermann von Sachsen-Weimar sprach im Namen des großherzoglich Weimarischen HauseS und legte einen Kranz am Denkmal nieder.

Der Bundesrath tritt am 8. Oktober zu­sammen.

Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist nach amtlichen Quellen eine Uebersicht über den Stand und die Bedeutung des Landstraßen- b a n es in Preußen entworfen und den Provinzial- verwaltungen zur Kenntnißnahme mitgetheilt wor­den. Nach derselben betrug die gesammte Länge der Provinzial-, Kreis-, Guts- und Gemeinde-, sowie der Privatchauffeen in den preußischen Provinzen am 1. Januar 1876 64 977 Kilom. und stieg bis zum 1. April 1891 auf 86 526 Kilom. Mit dem 1. Januar 1876 erfolgte die Ueberweisung der Staatschanffeen auf die Pro- vinzial- bszw. Kommunalverbäude, und unter dem Einflüsse der Provinzialverwaltungen vermehrten

I läßt sich nicht streiten.

Als endlich dem sanften, liebenswürdigen Mädchen gelang, die zürnende Bäuerin zu bekehren, zeigte sich bei derselben die echte Frauennatur, und sie sprang mit ihrer Meinung ganz urplötzlich inS Entgegengesetzte. Sie ward nicht müde zu brummen, ihre mißbilligenden Bemerkungen zu machen über die Gewaltthätigkeit ihres ManneS, der als von einer Dirne die Rede war, die so brav, bei der Arbeit so flink sei, den Versprach nicht gelitten hat. Selbstverständlich durfte bei diesen Reden der HauSvater nicht anwesend sein.

Unter den verschiedenen Ursachen, die eS dahin- gebracht, daß die Goldbäuertu die LieS jetzt so fest ins Herz geschloffen, wollen wir auch diese nennen, daß, während es bei den Dieustleuteu am Hofe gang und gebe war, nur den Gold- bauern als Befehlshaber anznerkenneu, die LieS keinen Augenblick lang vergaß, waS der Frau vom Hause gebühre und bei großen und kleinen Au- läffen herkam, um die Erlaubnis, die Meinung der Bäuerin etuzn holen.

Dann aber war sie auch stets ohne Murren bereit, den Wünschen der Mutter zu genügen, welche jeden Brief ihres Sohnes unzählige Male vorgelesen haben wollte. Die LieS verrichtete auch getreulich die Aufträge der Goldbäuertu, indem sie in ihrem Namen dem Sohne schrieb, er möge nur recht auf sich achten, in der Hitze nicht trinken, nichts Ungewohntes essen, fremden