das Leben des zurückgebliebenen unglücklichen Mitschülers für alle Zeit ein düsterer Schatten gebreitet sein muß. Gleichzeitig ist aber auch festzustellen, daß Schüler, die, sei es iu der Schule oder beim Turnen und Spielen, auf der Badeanstalt oder auf gemeinsamen Ausflügen, kurz wo die Schule für eine angemessene Beaufsichtigung verantwortlich ist, im Besitze von gefährlichen Waffen, insbesondere von Pistolen und Revolvern, betroffen werden, mindestens mit der Androhung der Verweisung von der Anstalt, im Wiederholungsfälle aber unnachsichtlich mit Verweisung zu bestrafen find.
* Die Zeit der Sternschnuppen beginnt wieder, wer fich dafür interesstrt, kann jetzt bei klarem nächtlichen Himmel die Feuerperlen durch die Luft fahren sehen. Im November fallen die Sternschnuppen am zahlreichsten.
Her-feld, 30. September. Der „ReichSau- zeiger" schreibt: Der im kaiserlichen Gesundheitsamt errichteten Choleracommisstou gehen fortdauernd Anfragen zu, ob und welche Gefahren im Hinblick auf die Verbreitung der Cholera aus dem Verkehr mit Nahrungsmitteln und anderen Handelsartikeln zu befürchten sind. Um die Interessenten allgemein von der Auf- fassavg dieser Commission zu unterrichten, zu welcher unsere erfahrensten Fachmänner gehören, und um beruhigend zu wirken, erscheint es zweck- mäßig, einige Grundsätze, nach welchen bisher den Fragestellern Bescheid ertheilt worden ist, zu veröffentlichen. Was Fische und andere im Wasser lebende, dem menschlichen Genusse dienende Thiere betrifft, so ist der Genuß gut durchgekochter oder durchgebratener Fische, Krebse u. dergl. Völlig ungefährlich. Seefische, Heringe, Bücklinge, Flundern find in gleicher Weise. auch im gesalzenen oder geräucherten Zustande, ein unverdächtiges Nahrungsmittel. Die gegen Butter und Weichkäse aus verseuchten Gegenden ge- richteten Einfuhrverbote find hauptsächlich durch die Möglichkeit begründet, daß diese Lebensmittel mit einem hinsichtlich der Cholera verdächtigen Wasser gewaschen und in unsauberen Gefäßen oder mit unreinen Händen bearbeitet sein können. Wo nach Herkunft und Bereitungsart der Lebens- miltel ein solcher Verdacht ausgeschlossen ist, liegt ein Grund, diese zu meiden, nicht vor. Der Genuß von Milch aus verseuchten Orten ist nur in gekochtem Zustande zu empfehlen. Was Cigarren und Tabak betrifft, so sind sie wie alle Waareo, welche in trockenem Zustande versandt werden, an fich nicht geeignet, den Krankheitserreger von Ort zu Ort zu verschleppen. Auch Futtermittel für das Vieh, welche durch Aus- pressen öliger Massen (von Palmenkernen, Baum- wollsaat und dergleichen) gewonnen sind, ferner künstliche Düngemittel find als solche unverdächtige Waaren anzusehen. Aeugstliche Personen können beim Empfang der Waaren deren Um- hüllung (Kisten, Fässer 2C.) mit Kalkmilch oder Carbolsäurelösung desinficiren. Ist auch der Inhalt beschmutzt, so ist größere Vorsicht erforderlich.
Her-feld, 30. September. Für dieses Jahr soll ein milder Winter zu erwarten sein. Man hat nämlich beobachtet, daß das Haidekraut iu diesem Sommer nur wenig geblüht hat, und bis jetzt soll regelmäßig in diesem Fall der folgende Winter mild gewesen sein.
Gaffel, 28. September. Herr Fuhrwerksbe- fitzer Hede hat durch einen unglücklichen Sturz vom Wagen einen jähen Tod gefunden. Auf dem Wege nach Niedervellmar verlor er gestern Abend auf dem Wagen das Gleichgewicht und fiel so unglücklich herab, daß er einen Bruch des Rückenwirbels erlitt, in Folge dessen er heute Morgen verstarb.
Gafiel, 28. Septbr. (Strafkammer I.) Wegen Bestechungsversuches hatte sich zu verantworten der Landwirth Heinrich B. auS Untergeis. B. und sein Sohn August waren am 25. April d. I. mit ihrem Wagen, auf dem ste Holz nach dem Bahnhof zu Hersfeld gefahren hatten, zwischen dem Clausthor und dem Frauenthor auf einen verbotenen Weg, der als solcher durch Waruuugs- tafeln ausgezeichnet ist, gerathen. Hier wurden sie von zwei Feldhütern betreten, von welchen der Eine den das mit 4 Stück Rindvieh bespannte Geschirr leitenden Sohn des Angeklagten stillzu- halten aufforderte, während der andere Feldhüter ihn bedeutete, nur weiter zu fahren, er kenne ihn. Jetzt kam der Angeklagte, der hinter dem Wagen Herschritt, hinzu und redete die Feldhüter mit den Worten an: „Macht keine Dummheiten, wir wollen ein paar Schoppen Bier trinken!" Diese Anrede hatten die Feldhüter, wie sie auch heute bekunden, so verstanden, daß der Angeklagte sie durch dieselbe habe bestimmen wollen, keine Anzeige gegen ihn beziehungsweise seinen Sohn wegen des Befahrens eines für Fuhrwerke verbotenen Weges zu erstatten. Der Angeklagte wollte dies
zwar nicht zugeben, konnte aber für seine Be-1 merkung keine genügende Erklärung geben, welche eine andere Annahme zugelassen hätte. Der Gerichtshof verhängte über den nicht vorbestraften Angeklagten eine Geldbuße von 5 Mark, subsidiär einen Tag Gefängniß. (A. Z.)
Beiseförth, 28. September. War schon die Roggen- und Weizen-Ernte hier eine vorzügliche, — hat doch der Roggen hier größtentheils einen zwölf- bis fünfzehnfältigen und der Weizen einen fünfzehn- bis zwanzigfachen Ertrag geliefert — so ist die Kartoffel-Ernte geradezu eine ausge- zeichnete. Hier und in den Nachbarorten giebt es eine solche Menge der schönsten und gesündesten Kartoffeln, daß allgemeine Verwunderung und die größte Freude herrscht. Freilich gehen die Preise deshalb gewaltig zurück! Der Centner ist von 2'/, Mark auf l‘/2 Mark, ja man spricht sogar auf 1 Mark, gesunken.
Marburg, 27. September. Für den zum Direktor des k. Gymnasiums zu Weilburg ernannten Herrn Dr. Paulus hat das k. Provin- zial - Schulkollegium zu Cassel den bisherigen Oberlehrer Herrn Dr. Adolf Lange zu Weil- durg an das hiesige Gymnasium berufen.
Homburg v. d. H., 27. September. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ist mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Margarethe heute Abend 9 Uhr über Basel nach Como ab- gereist.
WieSbade«, 26. September. Gestern Nachmittag um 5'/^ Uhr spielten in der Küferwerkstätte der Kronenbrauerei der 12 Jahre alte Sohn des Dirsktors der Brauerei und der 12 Jahre alte Neffe des Wirthes der Brauerei, Namens August Brodeugeyer, genannt Becker. Dabei kam den Knaben eine in der Werkstätte aufbewahrte, geladene Flinte in die Hände. Plötzlich entlud sich die Flinte und August Brodeugeyer sank tödtlich getroffen auf den Fußboden und starb bald daraufß
Arolsen, 28- Septbr. Heute Mittag brach hier Feuer in dem Hintergebäude einer Bäckerei aus. Das Gebäude bräunte nieder und das Wohnhaus wurde stark beschädigt.
Vermischtes.
— E i 8 l e b e n, 29. Septbr. Aus dem der Mansfelder Gewerkschaft gehörigen „Ernstschachte" wurden gestern durch niedergehendes Gestein vier Bergleute getödtet.
— Auf dem Güterbahuhofe zu Halle a. S. sind dem Hilfsweicheusteller Schmidt von einem Güterzug der Caffeler Strecke beide Beine abgefahren worden.
— H a l l e a. S., 27. Sept. Vier jugendliche Ausreißer, Schüler, Söhne anständiger hiesiger Eltern, sind Sonntag Nacht in Nordhausen in dem Augenblick festgenommen worden, als sie mit dem Zuge von Halle nach Cassel dort eintrafen. Die Festnahme geschah in Folge einer von hier nach Nordhausen an die dortige Polizeibehörde gesandten Depesche. Bei den Burschen fanden sich vor 180 Mk. baares Geld, eine Anzahl Schußwaffen nebst Munition, eine Anzahl Dolch- und Taschenmesser u. s. w. Sie gestanden auch sofort zu. ihren Eltern Geldbeträge, zusammen 250 Mk., gestohlen zu haben, um nach Amerika zu reifen und dort ein ungebundenes Leben zu führen. Das Lesen von Judtanergeschichten scheint den Burschen die Köpfe verdreht zu haben. Sie befinden sich bereits wieder hier.
— Wie der „Kölnischen Ztg." auS Tarnowitz gemeldet wird, hat der Kaiser bei dem siebenten Söhne des Bergmanns Paul Kuproz die Pathen- stelle übernommen.
— Vor dem Berliner Landgericht begann am 27. d. M. der Prozeß gegen den Bankier Hugo Löwy wegen Effekten Unterschlagung in 29 Fällen, Betrugs in 4 Fällen, unordentlicher Geschäfts- führung u. s. w. Löwy hat in Wien Bankerott gemacht, wurde aber tu Paris wegen Vertrauensbruch verfolgt und trieb dann seit März 1891 in Berlin sein Wesen, wo er ein Hauptgeschäft und vier Filialen eröffnete. In wenig mehr als 10 Monaten verbrauchte er für seinen Privatbedarf ca. 64000 Mark, doch behauptet er, sehr einfach gelebt zu haben. Als am 29. Dezember v. J. — er ist 10 Monate in Untersuchungshaft — der Konkurs über ihn heretubrach, ergab sich eine Unterbilance von 376 500 Mark.
— Berlin, 28. Septbr. (Stimmungswechsel.) Ja der Weißenburgerstraße hält ein Möbelwagen. Ein kleiner Junge steht bet dem Pferde und füttert es mit Brot. Schmunzelnd sieht der Fuhrmann zu. „Det ts brav," wendet er sich an den kleinen Pferdefreund, „det Du so' ne Liebe zu die Thiere hast. Sieh nur, wie ’t dem Braunen schmeckt. Aber siebt Dich denn Deine Mutter immer so mächttje Stullen?" — „Nee," antwortet der Kleine, „die is ja nich von
meine Mutter." — „Wo haste se denn her?" — „Nu, die hat da uff' m Wagen j e l e j e n." — Zornig stürzt der Fuhrmann auf den Knaben los: „I, denn is det ja meine FrühstückS- stulle — Du entfamichter Bengel Du . . ." Der arme Barsche, der schon in so zarter Jugend den jähen Wechsel menschlicher Gunst an sich erfahren sollte, ergriff schreiend die Flucht.
— L ü b b e n, 25. September. Der Pächter der Jagd in Mölken, ein Grundbesitzer W., stieß nach einer im Freundeskreise abgebaltenen Jagdmahlzeit mit dem Laufe seines Gewehres aus Versehen gegen die Thür; daS Gewehr entlud sich und W. wurde durch eine Kugel so unglücklich getroffen, daß er nach wenigen Minuten verschied.
— S t e i u a u, 28. September. In der vergangenen Nacht zerstörte in dem benachbarten Dauer eine Feuersbrunst die Dyrsche Besitzung; zwei Personen, die Frau deS Besitzers und deren Schwester, sind verbrannt.
— Petersburg. Wie aus Rostow am Don gemeldet wird, wurde in der Nacht zum Montag aus der Station Konokowo der Wladi- kawkas-Eiseubabn ein noch Rostow durchpasstreuder Zug von einer 15 Mann starken bewaffneten Bande Überfällen und beraubt. Nachdem die Räuber das StatiouS- und Zugpersonal überwältigt hatten, warfen sie sich auf den im Zuge befindlichen Kaffeuboten der Eisenbahn, verwundeten denselben tödtlich und raubten ihm etwa 5000 Rubel. Der Kaffenbote erlag bald darauf seinen Wunden. In dem Kampfe, welcher sich entspann, wurden auch der zweite Maschinist und ein Techniker der Bahn verwundet.
— C a g l i a r i. Das Pfarrhaus von EScala- piano bet Lanusei wurde in der Nacht vom 17, zum 18. September von Räubern Überfällen. Der Pfarrer, Don Francesco Zedda, stand in dem Gerüche, große Reichthümer zu besitzen In der erwähnten Nacht fand sich vor seinem Hause eine etwa 30 Mann starke Bande bewaffneter Kerle ein, die drohend Einlaß verlangten. Als sich der Pfarrer dessen weigerte, schlugen sie die Thür in Trümmern, bemächtigten sich deS Pfarrers und seiner Magd Rosa Agus und durchsuchten dann daS HauS nach den vermeintlichen Schätzen Don Zedda'S. Da sie aber an baarem Gelde wenig vorfanden, so unterwarfen sie den Pfarrer und seine Magd einer grausamen Tortur. Nachdem die Räuber zwei Stunden lang wie die Wilden in der Pfarrwohnung gehaust und in ihr Alles kurz und klein geschlagen hatten, mußten sie endlich mit verhältuißmäß'g geringer Beute abziehen. Die Dorfbewohner hatten wohl versucht, ihrem Pfarrer Hülfe zu bringen, waren aber von den Räubern mit Flintenschüssen empfangen worden. Der öffentliche Ausrufer des Dorfes, Raimondo Pala, erhielt eine Kugel in die Brust, die ihn sofort niederwarf. Am anderen Tage starb auch an den Folgen der erlittenen Mißhandlungen die Magd des Pfarrers, während Doa Z-dda selber auf den Tod daratederlieat.
— Montecarlo. Ein amerikanisches Ehe» paar, das an her hiesigen Spielbank seit dem Monat August 300 000 Doll. verlor, erschoß sich am 19. September auf der Terrasse des Spielhauses. Es ist dies seit dem 1. September der fünfte Selbstmord.
— N e w - A o r k, 28. Sept. Der Dampfer „Normannia" ist heute nach Southampton abge- gangen. Die „Rhaetia" ist deute aus der Qua- rantaine entlassen worden. Unter den aus der Swtuburne-Jusel in Beobachtung befindlichen Reisenden find keine neuen Erkrankungen vorgekommen. Die Patienten find auf dem Wege der Besserung.
— (Der weiße Spatz als Retter eines L a n d w i r t h e 8.) Rudolf Oeser erzählte in den „Hessischen Dorfgeschichten", wie einem armen verschuldeten Laudwirthe geholfen wurde. Ein strebsamer Nachbar nahm sich deS armen Schluckers an und sagte zu ihm: „Nachbar, Ihr habt eben kein Glück, bis Ihr den Glücksvogel, den weißen Spatz, gesehen habt. Den seltenen Vogel kann man aber nur vor Sonnenaufgang sehen, weil er sich vor den grauen Sperlingen fürchten und flüchten muß." Meister Schmalhans befolgte den wohlgemeinten Rath. Jeden Morgen sah er sich scharf um im Hofe, im Garten, auf dem Acker. Den weißen Spatz entdeckte er nicht, wohl aber manches Unordentliches in der Wirthschaft. Schließlich wurde ihm das Frühaufstehen zur Gewohnheit und zum Segen
Kruchtpreise.
Weizen (ä 100 Kilogr.) 16 M. — Pf. bis 16 M. 45 Pf. (Durchschnittspreis 16 M. 23 Pf.) Roggen (ä 100 Kilogr.) 14 M. 20 Pf. bis 15 M. - Pf. (Durchschnittspreis 14 M. 65 Pf ) Hafer (ä 100 Kilogr.) 14 Mk. 20 Pf. »» 14 M. 60 Pf. (Durchschnittspreis 14 M. 40 Pf-