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Hersseldtk Kreistliltt.
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Nr. 111. Dienstag den 20. September 1892.
DNMck-FMiW.
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Die Expedition.
UMische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser traf am Sonntag früh 8 Uhr in Homburg ein und wurde auf dem Bahnhöfe von der Kaiserin Friedrich und den Prinzessinnen Victoria und Margarethe von Preußen, sowie dem Prinzen Friedrich Carl von Hessen empfangen und nach dem Schlosse geleitet. Ja den Straßen der festlich geschmückten und reich beflaggten Stadt bildeten die Hamburger Vereine und die der Umgegend Spalier. Die Bevölkerung begrüßte Se. Majestät mit begeisterten Zurufen.
Das am Sonnabend in Potsdam ausgegebene Bulletin über das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin lautet:
»DaS Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin ist ein dauernd gutes, ebenso daS der neugeborenen Prinzessin.
Marmorpalais, 17. September.
Dr. Olshauseu. Dr. Z u n ck e r."
t Se. Majestät der Kaiser bat in den letzten Togen wiederholt den Reichskanzler und den Kriegsminister zu Besprechungen empfangen, die wie angenommen wird, sich auf dieMilttair - Vorlage bezogen haben. In den Blättern wird diese fortgesetzt zum Gegenstand von Erörterungen gemacht, obwohl über ihren Inhalt bisher zuverlässige Mittheilungen nicht in die Oeffentlichkeit gebracht worden sind. Namentlich die freisinnige Presse ist außerordentlich fruchtbar in Darlegungen über das dem Reichstage für die kommende Session in Aussicht gestellte Werk, wobei sie wie üblich nach dem Recept verfährt: »ich kenne die Vorlage nicht, aber ich mißbillige sie". Unseren Lesern können wir nur rathen, sich weder unmittelbar von jenen Zeitungen, noch mittelbar von solchen, die ihre Weisheit aus jenen Blättern geschöpft haben, beeinflussen zu lassen, sondern Kopf und Herz kühl zu halten, damit sie unbefangen an die Beurtheilung der Vorlage Herangehen können, wenn ihr Jahalt in wirklich zuverlässiger Weise bekannt wird. Dies soll durch eine von der Regierung selbst veranlaßte Kundgebung geschehen, die voraussichtlich nicht lange mehr auf sich warten lassen wird. — Neben dieser Vorlage wird die Aufmerksamkeit von der preußischen Steuerreform in Anspruch genommen. Wie wir hören, werden hierüber drei Vorlagen dem Landtage zugehen: die eine spricht den Verzicht des Staates auf die Realsteuern (Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer) sowie die Verminderung beziehungsweise Aenderung der Berg- werksteuer zu Gunsten der Gemeinden und die
Aufhebung des sog. Gesetzes Hueue aus, durch welches aus den Erträgen der landwirthschaft- lichen Steuern den Kreisen Ueberweisungen gemacht worden siad, und aus welches diese Angesichts der großen Zuwendungen durch die Ueberlaffung der Realsteuern verzichten können und müssen; die zweite Vorlage betrifft die Einführung einer Vermögenssteuer als Ergänzung zur Einkommensteuer; die dritte Vorlage behandelt die Regelung des Commuualfteuerwesens. Die drei Vorlagen hängen auf das engste zusammen und ergänzen sich gegenseitig, um daS Ziel des Abschlusses der Steuerreform zu erreichen. Ueber dieses Ziel hat sich in einem soeben veröffentlichten Erlaß vom 12. August, der eine Antwort auf eine Eingabe der Ober-Bürgermeister mehrerer rheinischen Städte in Sachen der Steuerreform ist, der Finanzminister ausgesprochen und darin betont, daß der Staat durch den Verzicht auf die Realsteuern den Gemeinden neue Steuer quellen eröffnen will, über welche sie nach Maßgabe ihre» jeweiligen Bedarfs nud nach den sich auS dem Wesen nnb den Aufgaben der Gemeinden ergebenden Gesichtspunkten selbständig zu verfügen haben: Hauptzweck der Reform ist eS, die bedenkliche bisherige Verkettung der StaatS und Gemeindefinanzen im Wesentlichen zu beseitigen und die communalen Selbstverwaltungen zu stärken.
Iu verschiedenen Blättern wurde neuerdings die Nachricht verbreitet, daß Se. Majestät der Kaiser und König gelegentlich einer Unter- redung mit dem Pianofortefabrikavteu Steiuway aus New-Iork geäußert habe, ein Besuch der Ausstellung in Chicago Allerhöchstihrer- seitS sei nicht unmöglich. Diese Nachricht ist, wie der „R.- und Sr.-A." erklärt, unrichtig; Se. Majestät haben im Gegentheil zu Mr. Steiuway gesagt, ein Besuch der Ausstellung in Chicago sei für Allerhöchstdieselben nicht wohl möglich.
DieLaudarmenverbäude Preußens sind gegenwärtig bemüht, Abkommen mit geeigneten
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Des Holdöauers Wustkantin-
Eine Dorfgeschichte von Reinhold Scheffel.
(Fortsetzung.)
Ging er jedoch zur Kirche oder auf das Amt, kamen ein langer, dunkelgrüner Rock, ein Filzhut mit breiter Krempe, eine große silberne Uhr mit Kette, an welcher ein Petschaft hing, ein mächtiger Stock mit Hirschhornkrücke an die Reihe.
Der Goldbauer liebte seine achtzehnjährige Tochter besser als den einzigen Sohn; nichts als ob dieser träge oder leichtfertig gewesen, gauz im Gegentheil erschien er dem Vater viel zu melan- cholisch, zog sich nach vollbrachtem Tagewerk in seine Bodenkammer zurück und nahm keinen Antheil au den Vergnügen anderer Burschen.
Der Goldbauer stand im hohen Ansehen in der Gemeinde. Stets fand man ihn bereit, wenn ein kleiner Häusler aus Wucherhänden Beistand iu der Noth empfangen sollte; galt es den Ehe- bund armer braver Leute zu schließen, da holte der Goldbauer aus der berühmten Truhe einen so großen Vorschuß hervor, daß der neue Hausstand einen Acker und Geräthe besorgen konnte,
Was für die Herren in großen Städten Klub- Kaffeehaus, das war im Orte daS Gemeinde- Wirthshaus. Auch der Goldbauer pflegte zuweilen dort ein GlaS Wein zu trinken, der Hauptanziehungspunkt für ihn war der Doktor, sein
intimster Freund aus der ersten Studienzeit.
Der Doktor war gleich dem Goldbauer zum alten Manne geworden, aber einsam und unver- heirathet geblieben. Ein Fräulein aus der großen Stadt konnte er hier nicht einbürgern, zu einer Verbindung mit einem Bauernmädchen sich nicht entschießen, dock an einem ruhigen Platze im Familienkreise für seine wenigen freien Stunden mangelte eS dem guten Arzte nie, dafür hatten die Sorgfalt, die Licbe, die er seit Jahrzehnten an Kranken und Leidenden bewiesen, reichlich gesorgt.
III.
Ein Bittgesuch.
AlS der Goldbauer eines Abends in die rauch- erfüllte Wirthsstube trat, kam ihm der Doktor rasch entgegen, zog ihn an der Hand abseits in eine Ecke und sagte resolut:
.Hans, heut' hab' ich ein großes Anliegen an dick."
Der Goldbauer nickte zustimmend; es war seinem Stolze ganz angenehm, wenn andere an ihn ein Begehren stellten. Der Doktor fuhr fort:
.Weißt Hans, nicht ein jeder wird mit einem Silberlöffel im Munde geboren, ich zum Beispiel war als Student ein recht armer Schlucker, hatte nichts zu beißen, nichts zu brechen. JnS Kollegium ging ick mit durchlöcherten Stiefeln, hörte ich einen Patienten über Appetitlosigkeit klagen, beneidete ich ihn von Herzen.
.Als der Hunger am größten", fuhr der Doktor iu seiner Erzählung fort, »mein Zimmer am höchsten, nämlich am Dachboden war, sagte mir die Hausbesorgerin eines Morgens, der Regierung?- rath, welcher den ganzen ersten Stock bewohne, wolle mich sprechen. Bescheiden klopfte ich dort an, der Muth, die Klingel zu ziehen, fehlte mir. Der Herr empfing mich sehr freundlich, sagte, er habe von meinem Fleiße gehört, bei ihm gebe eS eine Menge Schreibereien, ich könne für einige Stunden täglich Beschäftigung finden, und dafür die Mittagskost nebst einem kleinen Gehalte be- kommen. Jetzt war die schlimmste Noth vorüber. Dank meinem gütigen Beschützer konnte ich mit freiem Sinne meine Studien vollenden. Dann kam ich durch deine Vermittelung hierher, wo ich mein sicheres Auskommen finde. Bet den Leuten in der Stadt hat sich daS Blatt gewendet. Der Regierungsrath heirathete iu feinen alten Tagen 1 ein blutjunges Fräulein und sein sehr bedeutendes Einkommen genügte nicht für den großen Aufwand der luxuriösen Haushaltung. Vor ungefähr einem Jahre ist er plötzlich gestorben, die Hinter- l^ssenschast bestand aus Schulden. Ich habe die Familie seither nach Kräften unterstützt und häufig besucht, die Witwe wohnt mit ihrer Tochter in einem engen, dumpfen Zimmer, sie ist krank und niedergedrückt. Die arme Frau trägt den Keim des Todes in sich, uud ich bin überzeugt, daß einzig ein Landaufenthalt ihr Leben noch ein wenig zu verlängern im Stande ist. Ich kann ihr