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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Die Ins ertton-gebühren betragen für den Raum einer SpaltzeLe 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg^ Reklamen die Zeile 20 Pfg.

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Herssel-tl Kleisblitt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^Jllukrirkes AuteröaktungsKlatt".__________

Rr. 106. Donncrstiig den 8. September 18927

Amtliches.

Beim Auftreten der Cholera oder von Cholera verdächtigen Erkrankungen ist eS von größter Wichtigkeit, möglichst bald durch bakteriologische Untersuchungen Sicherheit über die Natur der Krankheit herbeizuführen, und ist von mir ange­ordnet worden, daß durch zuverlässige geeignete medizinische Sachverständige diese Untersuchung mit thunlichster Beschleunigung, wenn möglich an Ort und Stelle ausgeführt wird.

ES ist nöthig, daß zu diesen Untersuchungen geringe Quantitäten von den Stuhlentlee- ru n g e n der Kranken entnommen werden, während es im Uebrigen für die Beschränkung und Jsolirung der Krankheit von größter Bedeutung ist, gerade diese Stuhlentleerungen, wie überhaupt die Aus­wurfstoffe von an Cholera Erkrankten gründlich zu deSioficiren und zu vernichten. Siehe die Warnung in der diesseitigen Bekanntmachung vom 30. Juli d. I. (Amtsblatt S. 189/90).

Es wird daher hierdurch verboten, daß selbst die kleinsten Mengen dieser Entleerungen von anderen oder an andere als von den oder an die dazu berufenen Personen zu Uutersuchungszwecken, wenn auch lediglich im wissenschaftlichen Interesse, versandt werden, da ein Trausport von Cholera­keimen so vollständig als nur irgend möglich ver­mieden werden muß und nur dann statthaft er­scheint, wenn durch diejenigen Personen, zwischen denen er erfolgt, jede Gefahr dabei ausgeschlossen wird und die Feststellung der Natur der Unter- svchuugSgegenstäude nothwendig und ohne den Transport nicht angängig ist.

Das Verbot erstreckt sich auch auf die Versen­dung von Cholerakultnren zu bloßen Studieu-Zwecken an Aerzte (die nicht an hygie­nischen oder medizinischen UuiverfltätS-Jnstituten angestellt sind), sowie an Privatlaboratorien, Apotheken oder andere Ntchtärzte.

ES wird dies mit dem Bemerken bekannt ge­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Eine Hekamentsktausel.

Novelle von E. Rudorff.

(Fortsetzung.)

Der Graf erbat sich von Anna eine rosa Schleife, welche sie vorgesteckt hatte, ließ seinen Siegelring in der Mitte derselben befestigen und schlug dann mit zwei kleinen Stiften die Oesen der Schleife in einen Baumstamm. Daraus trat er dreißig Schritte zurück, zielte, drückte ab und die Kugel war durch den Ring in das Holz gedrungen.

Ein allgemeiner AuSruf des Erstaunens folgte diesem Meisterschüsse. Der Graf nahm die Schleife ab, steckte sie ein wenig höher und begab sich auf seinen früheren Platz.

»Gestatten Sie, meine Herren, daß ich noch eine Probe ablege," sagte er, »denn dieser Schuß könnte auch einem glücklichen Zufall zugeschrieben werden."

Ebenso sicher als das erste Mal erreichte die Kugel dar ihr gesteckte Ziel.

»Sollte er sich nun ereignen," fuhr der Graf kaltblütig fort, »daß Jemand eine der Frauen zu beleidigen wagte, deren natürlicher Beschützer ich bin, so würde ich ihn fordern laffen. Auf der Fraueuehre darf nicht der leiseste Makel ruhen und wer sich gegen ein schutzloses Weib vergißt, hat die härteste Strafe verdient. Ohne

macht, daß Zuwiderhandlungen gegen dieses Ver­bot der Bestrafung nach §. 327 deS ReichSstraf- gesetzbuches unterliegen.

Castel, am 30. August 1892.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

Die neoesten vom Deutschen Reiche mit den Bundesregierungen vereinbarten Maßregeln gegen die Cholera nach den Beschlüssen der Cholera- Kommission vom 27. und 28. v. Mts. werden als Sonderabdruck aus den .Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts" von der Verlags- buchhandlung von Julius Springer in Ber­lin N. Monbijouplatz 3 zu folgenden Preisen vor- räthig gehalten:

das einzelne Exemplar 10 Pf., bei portofreier Zusendung 15 Pf., 50 Exemplare 4,50 Mark, 100 Exemplare 8 Mark, 1000 Exemplare 70 Mark.

Ich empfehle diesen Abdruck dringend den Polizeibehörden des Bezirks zur alsbaldigen An­schaffung.

Cassel, am 3. September 1892.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: ».Pawel.

Folitische Nachrichten.

Se. Majestät der K a i s e r, der am Montag früh von den Flottenübungen bei Swiuemüade wohlbehalten im Marmorpalais bei Potsdam eingetroffen war, nahm am selben Tage den Vor- trag des Reichskanzlers, des Staatssekretärs deS Innern und des preußischen Kriegsministers ent­gegen. Nach der »Nordd. Allg. Ztg." soll der AnSfall der Kaisermanöver beim 8. und 16. Armee­korps (Koblenz und Metz) an Allerhöchster Stelle beschlossen worden sein. Auch aus Wien wird der Ausfall der großen Schlußmanöver in Uagarn und Böhmen gemeldet.

Eine von zuständiger Seite ausgehende Ver­öffentlichung des wesentlichen Inhalts der M t l i -

Gewtsseusskrupel würde ich"----

»O, mein Gott, Du würdest ihn tödteu!" fiel Anna ihm in das Wort.

»Nein, liebe Anna, ich würde mir nie erlauben, in die Pläne der Gottheit einzugreifen, welche allein über Leben und Tod zu bestimmen hat. Doch würde ich ihm den rechten Arm zerschmettern, um ihm ein stets fühlbares Denkzeichen an sein schmachvolles Handeln zu geben.* Der Graf schien vom Sprechen erschöpft zu sein und ver­ließ mit Anna die Gesellschaft, welche sich noch längere Zeit mit dem eben Gehörten beschäftigte.

»Dieser Graf ist ein sonderbarer Charakter und ich möchte wohl missen, ob er feine Frau sehr liebt," sagte der Rittmeister von Wertheim zu dem Baron von Plauitz.

»Jedenfalls, lieber Wertheim, rathe ich Dir die Untersuchung über diesen delikaten Punkt und Deine Bewunderung für diese klassische Schönheit nicht auffällig zu machen, da Dein rechter Arm bei Deiner Carriere mir sehr nöthig erscheint," eutgegnete der Baron.

Die Gräfin Elisabeth von Degenfeld war eine höchst reizende junge Frau, welche von ihrem Gatten angebetet wurde. Schalkhaft und voll anmnthiger Coguetterie übte sie fortdauernd die liebenswürdigsten Neckereien gegen ihn, und wußte seine Zärtlichkeit stets auf's Neue zu entflammen. Die junge Frau hegte den lebhaften Wunsch mit Anna recht innig zu verkehren, dieser war ein näherer Umgang mit der schönen Frau jedoch nicht

t ä r v o r l a g e, die für den Bundesrath vorbe- reitet ist und wahrscheinlich noch im bevorstehenden Winter im Reichstag erscheinen wird, ist für die Zeit um den 1. Oktober d. J. in Aussicht ge­nommen. Einstweilen verlautete, daß in der Vor­lage die Stärke des FriedensheereS auf fünf Jahre festgestellt werden, also an die Stelle des Septenuats ein Quinquennat treten soll. Bereits am 16. Mai 1890 bezeichnete der Reichskanzler von Caprivi im Reichstage die fünfjährige Fest­stellung der Präsenzstärke aus praktischen Gründen unter der Voraussetzung als aunehmbar, daß der Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht durchgeführt werde; wir würden dann fünfjährige Wahl­perioden, fünfjährige VolkSzählungSperioden und dementsprechend auch fünfjährige Feststellung der Präsenzstärke haben.

Die »Nordd. Allg. Ztg." schreibt unterm 6. d. M. Folgendes: «In der Morgennummer haben wir melden können, daß beim 8. und 16. Armeekorps die Kaisermanöver iu diesem Jahre auSfallen. So sehr vom militairischen Standpunkt aus eS bedauert werden kann, daß ein solcher Entschluß gefaßt werden mußte, so selbstverständlich werden sich Jedermann die Erwägungen aufuöthigeu, welche zu diesem Schritte geführt haben. In der Armee ist bis auf die vereinzelten Erkrankungen in Abtheilungen des 85. Regiments, für deren Jsolirung im Lockstedter Lager sofort Sorge ge­tragen wurde, das Auftreten der Cholera bisher nirgends koustatirt worden. Nichtsdestoweniger erschien es unmöglich, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß durch das unvermeidliche Zu- sammeuströmeu großer Menschenmengen zu den Manövern und Revueen ungünstige Gesundheit?» Verhältnisse in der Bevölkerung erzeugt würden. Hierzu trat die Erwägung, daß auch bet den Truppen selbst die strenge Ueberwachung der als nothwendig erkannten Gesundbeitsregeln auf Mär­schen und in den Quartieren keinesfalls in vollem Umfange durchgeführt werden könnte. Und wenn

wünscheuswerth. Denn sie mußte fürchten, daß obwohl der Graf ihr stets die zarteste Auf­merksamkeit erwies der Abstand in ihrem beiderseitigen Verhalten zu dem deS Degenfeld'« scheu Ehepaares, dem Auge der Gräfin kaum entgehen könne. Als Elisabeth einmal Anna in deren Wohnung begleitete, fanden ste Anna'S Gemach mit den herrlichsten Blumen geschmückt. Anna, welche Blumen außerordentlich liebte, beugte sich zu den köstlichen Pflanzen herab, um sie besser beschauen und ihren Duft etuschlürfeu S können. Auch Elisabeth versicherte niemals

öacre Blumen gesehen zu haben.

»Aus welchem Garten haben Sie diese Blu­men?" fragte Anna ihr Mädchen.

»Der Herr Graf hat sie aus dem Treibhause in Liudenruh kommen lasten und soeben auSge- packt," lautete die Antwort.

»Da erscheint gerade dieser Phönix von einem Ehemann," rief Elisabeth, welche an daS Fenster getreten war,? »ich will ihm ein Zeichen geben, damit er seinen Dank sich einkassire!" Sie winkte dem Grafen, nahm schnell eine duukelrothe Rose aus einer GlaSschale und befestigte sie in Anna'S Haar.

»Habe ich nicht Recht, daß kein Gesicht sich mehr dazu eignet, durch Blumen verschönt zu werden, alS dieses? Und besonders, wenn es in Freude und Entzücken erstrahlt, wie eben jetzt!" rief sie dem eintretenden Grafen zu, indem sie auf die erröthende Anna wieS.