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Htlssel-er IrcisbUtt.
Mit wöcheuLlicher KrüLLs-AeilÄge ^IlluKrirLes AnLeröalLurrgsSlE.
Nr. 105.
Dienstag den 6. September
1892.
Amtliches.
Ministerium bei Innern.
Berlin, den 27. galt 1892.
ES ist bei unS in Anregung gebracht worden, zur Erleichterung deS Geschäftsganges und Ver- Minderung deS Schreibwerks bei den Standesämtern, statt der Grburtsregister-AuSzüge, welche in Ersatz-Angelegenheiten z. B. für den freiwilligen Eintritt in das Heer, in daS Cadetten- korps, in eine Unteroffizierschule oder für dergleichen milttairische Zwecke auf Antrag den Betheiligten gebührenfrei auSzustellen sind, ver- einfachte Bescheinigungen über standesamtlich registrirte GeburtSfälle etozoführeu.
Nach näherer Erwägung haben wir im Einver- ständniffe mit dem Herrn StaatSsekretair des Reichs-Justiz-AmtS und dem Herru Kriegsminister beschlossen, jener Anregung Folge zu geben und die Standesbeamten zu ermächtigen, in den vorerwähnten Fällen das tu einem Exemplar beige- fügte Formular in Anwendung zu bringen.
Euer Excellenz ersuchen wir ganz ergebenst, hiervon gefälligst die Standesbeamten in Kenntniß zu setzen.
Der Minister Der Justizminister.
des Innern. In dessen Vertretung: gez. Herrfurtb. gez. Rede Pflugstaedt. An den Königlichen Ober-Präsidenten Herrn Magdeburg Excellenz zu Caffel. M. d. J. I. A. 6142. Just. M. I. 3757.
Löffel, den 8. August 1892.
Abschrift nebst Abschrift der Anlage lasse ich Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen weiteren Ver- aulassuno ergebenst zugehen.
Der Ober-Prästdent. J. V.: gez. Boten.
An den Königlichen RegierungS - Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren hier. Nr. 4925.
* * * Lasset, den 19. August 1892.
Abschrift hiervon nebst Abschrift des anliegenden
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Eine Hekautentsklausel.
Novelle
von
E. R u d o r f f.
(Fortsetzung.)
Sich ehrerbietig verneigend, verließ Leonhard daS Gemach.
»Liebe Freundin," wendete der Graf sich an Anna, »ich glaube, daß L onhord geplaudert hat."
»Lehre mich gut sein, deuMenschen Hülfe leisten auf die rechte Art!" sagte Anna, des Grafen Hand ergreifend.
»Du bedarfst keiner Anleitung dazu, Dein Herz, liebe Anna, ist der sicherste Führer. In jedem Menschen, wenn er nicht völlig verstockt ist, findet sich noch ein lichter Fleck, ein Punkt der Empfänglichkeit für daS Gute. Bet diesem muß man ihn fassen und ihn zu heben suchen, daß der Lichtpunkt sich erweitere und die Finsterniß allmählich verdränge. Und hast Du nicht in den alten indischen Spruchdichtern gelesen:
»Wohlwollen, Geben, Hilfreichsein wie mit dem Worte mit der That,
Bon Herzensgrund ohn' Unterlaß, daS ist deS Guten stete Pflicht."
Mein Vater pflegte, wenn Jemand schlecht ge- baudelt hatte, zu sagen: »Wir müssen versuchen ihn M bessern, er ist schwach und ihm standen
Formulares wird zur gefälligen Kenntnißnahme und Benachrichtigung der Standesbeamten mitgetheilt. Die neueu Formulare werden in der hiesigen WaisenhauSbuchdrnckerei zum Verkauf vorräthig gehalten.
Der RegierungS-Präsident. J. V.: v. Pawel. An die Königlichen Herren Laudräthe, die Herren Oberbürgermeister hier, in Hanau, Fulda und Marburg sowie die Herrn Bürgermeister der übrigen Städte des Regierungsbezirks. A. 1.8708.
Herrfeld, den 3. September 1892.
Wird den Herren Standesbeamten deS hiesigen Kreises mit dem Auheimgcbev zur Kenntniß gebracht, von der besagten Erleichterung Gebrauch zu machen und sich deshalb mit entsprechender Anzahl Formulare deS nachstehend abgedruckten Musters zu versehen.
I. A. 1606. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Geburtsschein.
Nur gültig in Angelegenheiten des Heeresersatzes.
Vor- und Zunamen:.........
Geburtstag und Ort: ......... Vor« u. Zunamen, sowie Stand deS VaterS: . . Vor- und Zunamen der Mutter:..... (Ort) ...... (Datum) .....
Der Standesbeamte.
(Siegel.) (Unterschrift.)
HerSfeld, den 1. September 1892.
Der Ackermann Wiegand Ruppel zu Ktrch- heim ist als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den 2. Schaubezirk daselbst (von HauS Nr. 55 ab) widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
J. I. 6130. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schleinitz.
HerSfeld, den 3. September 1892.
Diejenigen Herren Ortsvorstäude, welche not
nicht so viele Hülfsmittel zu Gebot als uns; erweiset ihm Gutes so oft ihr es nur vermöge:."
WaS Leouhard betrifft, so habe ich für ihn wenig g-lhau, das eines Rühmens werth wäre. Ich griff ein, wo in der besten Gesetzgebung stets Lücken bleiben müssen. Eine Strafe konnte ihm nicht erspart werden, nur durfte dadurch nicht sein ganzes Lebensglück in Trümmer fallen. Ich gab ihm waS er bedurfte: die Gewißheit, daß er die Achtung und Liebe seiner Mitmenschen nicht verloren habe, und die Aussicht auf eine ehrenvolle Zukunft. Zwar mußte ich eine beträchtliche Summe für ihn aufwenden, allein wenn ich seine seltene Befähigung in Anschlag bringe und bedenke, daß er fein Lebenlang in Treue mir dienen wird, so habe ich — nach der Anschauungsweise gewöhnlicher Menschen sogar klug gehandelt."
Wie sehr zürnte Anna im Stillen dem Kammerdiener des Grafen, der einen Brief aus der Residenz seinem Herrn übergab und dadurch diesem Gespräch ein Ende machte.
V.
Au einem mondhellen Abend langten die Reisenden in München an, und der Graf führte Anna noch durch die Hauptstraßen und über die freien Plätze, um ihre Aufmerksamkeit auf die edeln Proportionen vieler Gebäude zu'lenken, welche in der zauberischen Beleuchtung vollständig zur Geltung kamen.
der Erledigung meiner Verfügung vom 16. August d. Js. g I. 5155, im KreiSblatt Nr. 97, die über die Haushaltsverhältuisse und daS Stimm- und Wahlrecht in den Laudgemetuden aufzustelleoden Nachweisungen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist biS zum 8. d. MtS. erinnert.
J. I. 5155. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Die unter dem Rindvieh deS Ackermanns Johannes V o l l m e r zu Oberueurode auSge- brocheue Maul- und Klauenseuche ist erloschen. Lautenhausen, den 4. September 1892.
Der Bürgermeister MalkomeS.
Gefunden: Ein Portemonnaie enthaltend Geld und Biermarken. Meldung deS EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu tzeenes.
Wotitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser ist am Freitag Mittag um 12*/8 Uhr, vom Manöverfeld kommend, in P y r i tz wieder eingetroffen; er fuhr die Front deS am Bahnhöfe ausgestellten KriegervereinS und der Schützengilde entlang und unterhielt sich längere Zeit auf daS Huldvollste mit dem Präst- deuten des KriegervereinS Professor Blusendorf. Um 12 Uhr 50 Min. reiste Se. Majestät über Stargard nach Swinemünde ab. Bei der Kritik auf dem Manöverfelde sprach der Kaiser gegenüber dem kommandirenden General v. Meerscheidt- Hüllessem feine vollste Zufriedenheit über die Haltung aller Truppen des GardekorpS sowie seine Freude darüber auS, am Sedantage bet denselben verweilt zu haben. Nachmittags passirte der Monarch auf der Durchfahrt nach Swinemünde den Bahnhof in Stettin ohne Aufenthalt. Die Ankunft im Hafen von Swinemünde erfolgte um 41/2 Uhr. Am Ufer bildeten die Schulen und Vereine Spalier. Die Mannschaften der im
Tage voll entzückender Aufregung folgten nun, in welchen Anna von ihrem geistvollen Führer geleitet, sich in dem magischen Kreise der Kunst bewegte, jener holden Zauberin, die unS aus dem sinnlichen Dasein tu eine ewig heitere, überirdische Welt versetzt. Erst als der Graf sie genügend Dorbereitet glaubte, betrat er mit Anna die Räume der Glyvthothek, und ließ sie die Götterbilder eines SkopaS, Phidias und Praxiteles schauen. Auf jedes tiefere Gemüth übt daS vollkommen Schöne zuerst einen überwältigenden Eindruck, der jede andere Empfindung zurückdrängt. Nur indem man nochmals und immer wieder zu jenen herrlichen Gebilden tritt, gewinnt man die Freiheit des Geistes, welche das ruhige in sich Auf- nehmen und auf sich Eiuwirkru lassen zu einer seligen Freude macht.
»Nicht wahr," rief der Graf, alS Anna — Thränen frommer Begeisterung im Auge, dankend zu ihm aufsah, »die Alten hatten Recht, wenn sie faulen, es sei ein Unglück zu sterben, ohne den Olympischen Jupiter erblickt zu haben?'
Als sie in dem Götter- und Trojanischen Saal verweilten mit den berühmten Fresken von Cornelius — den König Ludwig stets den Paulus unter den Malern nannte — erzählte der Graf, daß der König wenige Wochen nach seinem Regierungsantritt zu dem dort arbeitenben Künstler getreten sei und ihm den Civil-Berdienst- orden überreicht habe, »DteS ist der erste Orden,