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Rr. 98. Sonnabend den 20. August 1892.
Erstes BIM
Amlliches.
Zugelaufen: Ein weißer Spitzhund. Mel- dung des EigeuthümerS bet dem OrtSvorstand zu Kleba.
Wolitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser verlieh am Mitt« wo» dem Füsilier-Bataillon deS 3. Garderegiments zu Fuß eine neue Fabne. Der Verleihung im Lustgarten ging die Nagelung im Rittersaale vorauf, wobei der Kaiser einen Nagel für sich, einen solchen für die Kaiserin und je einen für die sechs Söhne festschlug. Der Feier wohnten die Prinzen, die Generalität und eine Abordnung deS Regiments bei. Der Kaiser trug die Uniform des Regiments mit dem Bande des Schwarzen AdlerordeuS. Der Nagelung folgte die Weihe im Capitelsaal durch den Militär - Oberpfarrer Fromme! im Beisein deS katholischen FeldpropsteS Aßmann. Die Uebergabe erfolgte im Lustgarten mit einer Ansprache deS Kaisers, in welcher der- selbe auf den Ehrentag deS Regiments, den 18. August 1870, hinwieS und die Erwartung auS- sprach, daß das Bataillon auch unter der neuen Fahne seine Schuldigkeit thue und, falls dieselbe einmal vor dem Feinde entrollt werden müsse, mit ihr siegreich und mit Ehren bedeckt zurückkehren werde. Der Regimentskommandeur Oberst von BiSmarck dankte und brächte ein dreimaliges Hurrah auf den Kaiser auS. Ein Parademarsch beschloß die Feier. Der Kaiser ritt hierauf zur Kaserne deS Regiments, um an einem Frühstück deS Offiziercorps Theil zu nehmen.
Am Donnerstag Vormittag um 8 Ubr kam
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Eine Hekamentsktauset.
Novelle von E. Rudorff. (Fortsetzung.)
Au Blumen und Gräsern funkelten Thoutropfen gleich einer Kette leuchtender Diamanten, in der balsamisch weichen Lust spielte ein Heer leichtbeschwingter Insekten und von allen Zweigen ertönte der Vögel froher Jubelchor. Anna blickte auf zum Frühlingsleben um ste her: .O, mein Gott, warum fühle ich mich so vereinsamt, so unglücklich in dieser zauberisch schönen Welt,- murmelte sie unwillkürlich vor sich hin. WehmuthS- voll gedachte Anna der entschwundenen Jahre, mit Ernst der kommenden Zeiten.
Während daS Mädchen Fernes und Nahes in ihrem Geiste aneinander reihte, schallten kräftige Tritte im Gartensaahe, und ein junger Mann von straffer Haltung, in der kleidsamen Tracht eines Artillerieoffiziers, trat in die Thür, welche nach dem Garten führte. Niemand konnte wohl in sein blühendes Antlitz sehen, ohne einen angenehmen Eindruck zu empfangen, denn Offenheit und HerzenSgüte sprachen sich darin aus. Wie Jemand, der gewohnt ist, ein Terrain zu rekognos- ztreu, blickte der junge Mann zuerst nach dem Stande der Sonue, dann forschend in den Laub- gang rechts, betrachtete endlich prüfend daS Erdreich, und über seine Züge flog mit einem freudigen
Se. Majestät der K a i s e r, begleitet von den Flügeladjatanten Dom Dienst, von Potsdam mittelst ExtrazugeS nach Berlin, verließ bei Bude 4 der Potsdamer Bahn bei Schöneberg den Eisenbahutrain, bestieg daselbst mit seiner Begleitung die an der Königlichen Empfangshalle bereitgehaltenen Reitpferde und begaben sich direkt von dort nach dem Tempelhofer Felde, um daselbst von 9 Uhr ab die große Herbstparade über daS Gardekorps abzuhalten. — Nach dem Schloß der Parade kam Se. Majestät an der Spitze der Leibkompagnie deS 1. GarderegimentS z. F. vom Paradefelde durch die Bellalliancestraße zur Stadt und die Friedrichstraße und Unter den Linden entlang nach dem Königlichen Schloß, woselbst Allerhöchstderselbe alSdann noch längere Zeit verweilte und später mit seiner Begleitung daS FrühstückSmahl einnahm. — Am Nachmittage kehrte Se. Majestät wieder mit seiner Umgebung nach Potsdam und dem Marmorpalais zurück. — Am Nachmittage um 6 Uhr fand sodann im Neuen PalaiS das herkömmliche große Parade- diner statt, zu welchem etwa 280 Einladungen ergangen waren.
Die gestrige Heerschau der Garde, welche wie alljährlich die Periode der größeren Herbst- Übungen einleitet, fiel diesmal auf einen in doppelter Beziehung denkwürdigen und hoch gehaltenen Ecinnerungstag, dem sich das nationale Empfinden in lebhafter Weise zuwendet. Am 18. August erfochten die gestern in glänzendem Waffeuschmuck vor dem Allerhöchsten Kriegsherrn paradireuden Regimenter der Garde in der Schlacht bei Gravelotte einen glänzenden Sieg, durch welchen der erste Abschnitt des Krieges von 1870/71 erfolgreich zum Abschluß gebracht wurde, und der eine Bürgschaft dafür bot, daß das Ringen, zu welchem Deutschlands vereinte Wehrmacht auSgezogen war, nicht ohne herrlichen SiegeSpreis bleiben werde. Strategisch war es
Lächeln und leichten Kopfnicken so unverkennbar der Ausdruck: .Gefunden!- als ob er daS Wort ausgesprochen hätte.
Der junge Offizier legte die Mütze und Reitgerte auf einen Stuhl im Saale und folgte der Svur des zierlichen Fußes in dem sauber geharkten Gange, die ihm verrathen hatte, was er suchte. Bald stand er hinter Anna, legte leise seine Hand auf ihre Schulter und sagte: .Wer bin ich, erkennst Du mich, liebe Anna?•
Ueberrascht stand das junge Mädchen auf, trat einen Schritt zurück, sah in das treuherzige Gesicht des Fragenden und erwiderte: .Better Otto — Du und bier?-
.Ja, liebste Anna, und ganz glücklich- — hier sank der freudige Ton des Sprechenden beim Hinblick auf die Trauerkleidung deS Mädchens — .Dich wiederzusehen.-
,Otto, wie ein Wunder erscheint eS mir, daß in dem Augenblick, in welchem ich meinte, Niemand bedürfe, Niemand gebückte meiner, Du zu mir trittst. Versprich mir, daß Da mein Freund, mein Bruder, für Rath und Stütze bleiben willst für alle Zeit.-
.DaS verspreche ich Dir, meine geliebte Anna, nimm meine Hand darauf!- und der junge Mauu drückte fest die ihm dargebotene feine Hand, wie er es bet einem treuen Kameraden gethan haben würde. .Doch nun, mein liebes Mühmchen,- fuhr Otto nach einer kleinen Pause fort, .gönne mir einen Platz neben Dir — denn ich bin todtmüde — und laß Dir erzählen, wie ich hierher
daS Gelingen der großen Rechtsschwenkung- durch die der eiserne Ring um Metz gelegt und die zum Abmarsch bereiten HeereStheile des Marschalls Bazaine in diesen Platz hineingeworfen und endgültig dort etugeschlossen wurden. AlS die Dunkelheit am Abend deS Achtzehnten dem Kampf auf allen Theilen deS Schlachtfeldes ein Ende gemacht hatte, stand daS deutsche Heer mit dem größeren Theil in der Stellung, auS welcher der Gegner vertrieben worden war. ES galt nun« mehr als unzweifelhaft, daß eine große Armee und ein Hauptbollwerk deS Feindes für ihn verloren waren. Das Centrum und der rechte Flügel des Gegners waren vollstästdig geschlagen, nur der linke Flügel hatte sich in der von Natur festen Posttion behauptet. Die Schlacht wurde so zum Ausgangspunkt jenes großen Siegeslaufes, welcher von der Mosel zur Seine und Loire führte, und aus Dessen Lorbeeren die herrlichsten Früchte auch auf anderen Gebieten heranreiften.
Aus S t o ck h o l m, 16. August, schreibt man der „Nordd. Alla. Ztg.-: .Wie hier verlautet, wird Se. Majestät der Deutsche Kaiser nach der Jagd ja Wester-Götland nicht Stockholm besuchen, sondern sogleich nach Gothenburg zurückkehren. An der Jagd nehmen außer dem Könige, dem Kaiser und dem Kronprinzen der Erbgroß- Herzog von Luxemburg und der der Königin nahe verwandte Fürst von Wied Theil; außerdem sind etwa 30 Mitglieder des Königlichen JagdklubS dazu eingeladen. Der erste Hof-Jägermeister af Peterseus reist schon den 2. September nach dem Jagdrevier, um die Vorbereitungsmaßregeln zu treffen. Der Elchstamm soll auf Halleberg jetzt so stark sein. daß das Fällen von 50 Thieren durch die Jagd für eine paffende Aussonderung erachtet wird. Der Kronprinz will den 5. September in Gothenburg eintreffen, um den Kaiser Wilhelm daselbst zu empfangen.-
Die »Münchener Neuesten Nachrichten- schreiben
gelangt bin.-
Als Beide sich niedergesetzt hatten, berichtete Der junge Mann: .Unser Regiment wurde zu einer Uebung nach Wogeuau komwandtrt und wir langten nach einem anstrengenden Marsche vorgestern Abend dort an. In der letzten Woche hatten sich jedoch bedenkliche KrankheitSerschei- nnngen in der nahen Stadt gezeigt, und man beschloß die Truppen in die zwei Meilen weiter gelegenen Ortschaften etozvquartiere». So gab es keinen Ruhetag und unsere Kompagnie map schirte nach Hüttenfeld, das anderthalb Stunden von hier entfernt liegt. Ich hörte, daß Du unter der Obhut einer alten Dame noch auf der Villa verweilest uud beschloß Dich ungesäumt aufzu- suchen. Beim Tagesgrauen erhob ich mich, besorgte die dringendsten Dienstgeschäfte, und mein wackerer Brauner brächte — trotz aller gehabten Strapazen — mich zu so früher Stunde hierher. Von Deiner Dueuna — bei der ich mich meldete — erhielt ich die Erlaubniß Dich im Garten aufzusuchen und au» Deinem Monde zu hören, wie eS seit unserer Trennung Dir ergangen ist.”
In rascher Folge theilten nun Anna und Otto sich ihre Erlebnisse mit und berührten sprungweise, bald die nächste Vergangeuheit, bald jeue schönen Herbsttage, in welche» ste vor acht Jahren von einander geschieden waren.
Sie standen Beide ohue nähere Verwandte da. Sowie Anna den Vater und die Mutter verloren — die Großeltera waren schon früher heimgegangen — so war auch Otto'S Mutter, die Der»