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Htlsseldtl Kreisbliltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageItlugrirtes Iluterhaltuugsölatt".

Nr. 83. Soonaimd den 16. Juli 18927

Erstes Matt.

Amtliches.

Im Gehöfte des Oekouomen Schmidt dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Stärklos, den 14. Juli 1892.

Der Bürgermeister Hartwig.

Ehescheidungen in Frankreich, j Preußen und den Bereinigten Staaten von Amerika.

In Frankreich wurde erst durch daS Gesetz vom 27. Juli 1884 die Ehescheidung beträchtlich er­leichtert, während vorher im Allgemeinen nur . die Trennung von Tisch und Bett zulässig war, welche die Ehe nicht auflöst und deshalb auch die Wiederverheirathung eines in dieser Weise getrennten Ehegatten bei LcLzeiteu des anderen Gatten auSschließt. Nach dem Inkrafttreten deS neuen EhescheiduugS-Gesetzes wurden in deu letzten fünf Monaten deS Jahres 1884 und dem nächstfolgenden Jahre 5884 Ehen gerichtlich gelöst. Diese außerordentlich hohe Zahl von Ehescheidungen konnte nicht überraschen und zu­nächst eben so wenig zu dem Rückschlüsse be. reSttgev, daß die durch daS Gesetz vom 27. Juli 1884 erleichterte Auflösung bestehender Ehen die Zahl der thatsächlich zusammenlebenden Ehe- paare vermindere; denn man durfte voraussetzen, daß zunächst eine beträchtliche Zahl solcher in Zerwürfuiß lebender Ehepaare, bei denen die Trennung von Tisch und Bett bereits früher erfolgt war, nunmehr die Ehescheidung nachsuchen würde. DieS ist auch tatsächlich geschehen, und im nächsten Jahre (1886) war die Zahl der

Scheidungen (2949) erheblich niedriger. Seitdem : ist dieselbe jedoch beständig gewachsen (bis auf 5 457 im Jahre 1890) und man wird hiernach doch wohl anuehmeu dürfen, daß die Erleichterung der Ehelösung der Erhaltung der bestehenden Ehen nicht förderlich ist oder die Zahl der vor­eilig geschlossenen, wirthschaftlich nicht haltbaren Ebeu vermehrt hat.

Im preußischen Staate (mit den unter preußi­scher Verwaltung stehenden Fürstenthümern Waldeck und Pyrmont) liegen seit 1880 Nach­richten über die Zahl der durch rechtskräftig ge­wordene Urtheile gelösten Ehen vor. Im ersten Beobachtungsjahre ist die Aufnahme sehr unvoll­ständig gewesen und ihr Ergebniß deswegen statistisch nicht zu verwerthen. Die folgenden Jahre zeigen eine allerdings unter Berücksichtigung des gleichzeitigen Anwachsens der Bevölkerung nicht sehr erhebliche Zunahme der Ehescheidungen, und zwar von 2329 im Jahre 1881 auf 3 907 im Jahre 1890.

In den Vereinigten Staaten von Amerika kommen Ehescheiduugcu ^hr viel häufiger als in Frankreich und Preußen vor. Ihre Zahl wuchs von 1867-1886 von 9 937 auf 25 535.

Ein richtigeres Bild der Häufigkeit der Ehe­scheidungen, als deren Vergleichung mit der jeweiligen VolkSzahl, liefert die Vergleichung mit der Zahl der stehenden Ehen. Für Frank­reich und Preußen ist diese Zahl auS deu Ergeb­nissen der Volkszählung bekannt, während der amerikanische Census, welcher, wie die Religion, so auch den Familienstand der ortSanwesenden Bevölkerung nicht erfragt, hierüber keine Aus­kunft giebt. Indeß hat der Commissioner of Labor in seinem Berichte die Zahl der stehenden Ehen für die Jahre 1870 und 1880 geschätzt, und daS Ergebniß dieser Schätzung dürfte in Ermangelung zuverlässigerer Nachrichten für die Berechnung von Verhältnißzahlen brauchbar sein.

Auf je 100000 stehende Ehen entfielen nach den Mittheilungen der Stat. Corr. durchschnittlich in Frankreich im Jahre 1885 57, 1886 36, 1887 46, 1888 61, 1889 62 und 1890 71 Ehescheidungen. In den Vereinigten Staateu von Amerika wurden im Durchschnitte jährlich von derselben Zahl stehender Eben während des Jahrzehntes 186776 164 und während 187786 218 Ehen geschieden. In Preußen mit Waldeck fanden auf je 100000 stehende Ehen im Jahre 1881 50, 1882 49, 1883 76, 1884 81, 1885 82, 1886 79, 1887 82, 1888 88, 1889 80 und 1890 77 Ehescheidungen statt. Ja den Vereinigten Staaten von Amerika sind demnach in jüngster Zeit Ehescheidungen ungefähr dreimal so häufig wie in Preußen und Frankreich vorgekommen; in Preußen waren sie etwas häufiger als in Frankreich, waS sich auS der verschiedenen Vertheiluug der Bevölkerung beider Länder nach dem Religiousbekeuutuiste erklärt. Ja den protestantischen Kantonen der Schweiz kommen ebenfalls Ehescheidungen häufiger vor als in den katholischen Kautoneu.

In Frankreich beirr v m Jahre 1888 Je Ehescheidungen bereits 19,8 Promille der Zahl der in den demselben Jahre vorgekommenen Ehe­schließungen; sie sind am häufigsten in den durch die geringe eheliche Fruchtbarkeit ihrer Bevölke- rang besonnten LandeStheileu. In Preußen und Waldeck entfielen im Jahre 1890 auf je 1000 Eheschließungen 15,9 Scheidungen.

politische Nachrichten.

Von der NordlandSreise deS Kaisers wird gemeldet: L y n g e n, 13. Juli. S. M. Schiff Kaiseradler* ist gestern Nachmittag um 3 Uhr von KarlSö angekommen und hat ebendaselbst Anker geworfen. Um 5 Uhr begab sich Sr. Majestät der Kaiser an Land und erstieg die höchste Spitze der Insel, von wo bei prächtigem

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hag von S. Mus.

Historische Erzählung von Ernst von Waldow.

(Fortsetzung.)

III. Kapitel.

Der Hochzeitsabend.

Verrauscht waren die Festkläuge unb der laute L Jubel deS HochzeitSfesteS, daß mit großem Glänze gefeiert worden war, und Bojamonte Tiepolo hatte sein junges Gemahl auS dem Vaterhause i in reich geschmückter Gondel heimgeleitet, unter daS eigene Dach.

Wenn Frau Äenedetta gewähnt, daß der Ge­liebte ihrer Tochter Bianca diese verlassen habe, weil eine neue Liebe sein Herz bewegt, dann irrte sie, Bojamonte liebte die schöne stolze Audriana nicht, die auch ihrerseits kein Hehl daraus machte, daß sie nur auf Befehl ihres VaterS, dem Freier die Hand gereicht. Die hingebende, selbstlose Liebe deS armen Mädchens war weit eher nach dem Sinne des stolzen MauneS gewesen, der mit i seinen ehrgeizigen Plänen beschäftigt, im Weib i überhaupt nur ein Spielzeug erblickte für müßige Stunden.

/ Ein solches Spielzeug wirft man allerdings ' dann zur Seite, wenn es sich um die Erreichung ernster Lebensaufgaben handelt so hatte Boja- moute gethan, doch er war nicht ohne Bedauern

geschehen. Besonders als die vertraute Amme ihm den Mißerfolg ihrer Sendung berichtet.

Am liebsten wäre er sogleich zu Bianca geeilt, von deren Erkrankung er jetzt erst etwas vernahm doch, wenn e8 wahr, daß ihr Geist gestört sei auS Kummer über die Treunuug von ihm dann war es nur noch schlimmer, wenn er durch seinen Anblick die kaum verharschten Wunden wieder aufriß. Lag es doch nicht in seiner Macht, der Kranken Seelenleid in Freude zu wandeln, denn selbst wenn er eS jetzt noch gewollt, würde ein Zurücktreten von der projektirten Verbindung mit der Familie Quirint nur schweres Unheil zur Folge gehabt und seine Hoffnungen auf die Dogenkrone völlig vernichtet haben.

Bojamonte aber war nicht der Mann feige zu zögern, wenn es kein Zurück mehr gab für ihn, seine Gewohnheit war im Gegentheil muthig vor­wärts zu schreiten. DieS hatte er denn auch ge­than, ohne noch den Versuch einer Annäherung zu machen, ja ohne weiter nach dem Schicksal der armen Bianca zu forschen. Nur jetzt, in dem Augenblick, wo er den ersten Schritt gethan zu der künftigen Größe, wo Audriana sein Weib war und deS mächtigen Marco Quirini Einfluß ihm hinfort gesichert war, trat wieder das Bild des verlaffenen Mädchens in seiner ganzen rüh­renden Schönheit vor ihn hin und erpreßte ihm einen schmerzlichen Seufzer.

Doch er faßte sich gewaltsam, bot seiner Ge­mahlin die Hand und führte sie in das Prunk­gemach deS Hauses.

Voll edler Würde in Miene und Haltung schritt Audriana neben ihrem Gatten her. Die Schleppe des goldgestickten, weißen Brokat-Ge- wandes glitt rauschend über die Blumen deS dichten orientalischen Teppichs dahin. Der Blick der jungen Frau streifte gleichgültig die prächtige Einrichtung deS saalartigen Gemaches, die a fresco Malereien des Plafonds, die Setdeu- topeten der Wände, die wiederum durch Gemälde von Meisterhand bedeckt waren, die kostbaren muranesischen Spiegel und Laster, den hohen Marmorkamin, den große Girandolen aus ver­goldetem Erz zierten, die zierliche Schnitzerei der seltenen Holzmöbel.

Bojamonte geleitete die Gattin zu einem Sessel, besten hohe Lehne das reich vergoldete Wappen der Tiepolo zierte, und sprach:

Wollet Euch die Huldigungen meiner Leute gefallen lasten, Madonna, sie kommen von Mestre her und bringen die Früchte, so ihr Fleiß dem kargen Boden abgewonnev.*

Auf ein Glockenzeichen öffnete sich die Thür und tu malerischer Tracht traten eine Anzahl Mädchen und Burschen in den Saal, in reich verzierten Körben Blumen und Früchte tragend.

Die Sprecherin, eine hübsche, dralle Dirue, das volle schwarze Haar durch silberne Zitier- nadeln geziert, trat schüchtern näher und ermuthigt durch das gütige Lächeln, welches der Herrin Mund umspielte, reichte sie ein Körbchen dar, in welchem, von Blumen umgeben, zwei schnee­weiße Täubcheu saßen.