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«ei größeren «nfträgm entfprechender Rabatt,
Kersseliiel Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^Illustrirtes Nuterhaktungsölatt".
Nr. 79. Donnerstag dm 7. Juli 1892.
AlMMb-MhW.
Bestellungen auf das Hersselder Kreistilatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtcs Unter-altungs-Blatt" pro III. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalte», Landbriefträger» und von der Expedition augevommeu.
Amtliches.
Gaffel, den 4. Juli 1892.
Königliches Landratbsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er- gebeast zu benachrichtigen, daß der ZwangSzögling Wilhelm Kehm aus Steiuau inzwischen sich frei» willig gestellt und vorläufig bei dem Müller Kaiser — Hennemühle — zu NiedetbeiSheim unterge» bracht ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 27. Juni d. Js. II. Nr. 3480 alS erledigt hierdurch zurückziehe.
Der LandeS-Dtrektor.
An Königliches LaudrathSamt zu Herrfeld. J. II. Nr. 3614.
* * *
Hersfeld, den 5. Juli 1892.
Wird den Herren Ortspoltzeiverwaltern und der Königlichen Gendarmerie des KreiseS mit Bezug auf das AuSschreiben vom 29. Juni 1892 I. 4286 (KreiSbl. Nr. 77) mitgetheilt. I. 4424. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Das Passiren der Werrabrücke bei HeimboldS« hause» mit Fuhrwerk ist vorläufig untersagt. Heimboldshausen, den 4. Juli 1892.
Der Bürgermeister Brandenstein.
Berlin, 8. Juli 1882.
W st t tt U U 0.
In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Comtor, Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Collekte bezeichnet find und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Collekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassenlotterie und Antheilscheine auf solche Loose oft unter Benennung als Antheilloose für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr wdit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinn-Abzüge für sich ausbedingen.
Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Gewinnzahlung.
Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von LooSantheilschein- Berkäufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem fie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen, oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine ausgeben, als der Umfang ihres Loosebesitzes erlaubt, oder endlich, indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stet» einen Stempel mit der inneren Umschrift „Kön. Pr. Gen. Lotterie-Direct." und die gedruckte Unterschrift „Königl. Preuß. Gencral-Lotterie-Direktwu" tragen.
Zur Unterscheidung zwischen den sich als „Lotterie-Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie-Einnahme" oder .Lotterie-Comtor" bezeichnenden Privat-Ver- käufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie- Einnehmern anderseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lotterie-Einnahmen" oder „Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.
Königliche General-Lotterie-Direcsion.
A. 1318. DammaS. Lilie nthal.
Folitische Nachrichten.
Von der Reise Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: Drontheim, 4. Juli. Sr. Majestät Schiffe »Kaiseradler" und .Siegfried", welche Bergen gestern bei Regenwetter verlassen hatten, sind bei klarem Wetter und Sonneuschein heute Abend 7 Uhr in Drontheim eingetroffen. Kurz vor Drontheim war die Jacht .Elsahn" mit den erbgroßherzoglich oldendurgischen Herr
schaften au Bord in Sicht gekommen, welche von Romsdalen ebenfalls nach Drontheim fuhr. Dieselbe wurde mit dreimaligem Hurrah begrüßt.
Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen zu Euleuburg faud am Dienstag eine Sitzung des StaatsministeriumS statt. In derselben, an welcher auch der Reichskanzler Graf C a p r t v i Theil nahm, soll, wie verlautet, über die Frage einer in Berlin zu veraustalteuden Weltausstellung verhandelt sein.
Wie die .Nordd. Allg. Ztg." erfährt, hat der König von Italien aus Anlaß seines jüngsten Besuches in Deutschland der kaiserlichen Regierung 12000 FrancS zur Verthetlnng an die Armen der Stadt PotSdam, sowie die Polizeibeamten in Potsdam und Berlin über- wiesen.
Die Zunahme des sog. Postbankvertehrs d. t. Postanweisungen, Postnachnahmen und Post» aufträge (Umsatz gegen 6000 Millionen Mark jährlich), mehr aber noch die Betheiligung der Reichspost bei Ausführung der Reichs-Ver» sicheruugsgesetze, Hapeu namhafte Erschwerungen im Kaffendienst der Postanstalten zur Folge gehabt. Eine ordnungsmäßige Bewältigung ist fernerhin nur bei erheblicher Vereinfachung der Formen iu diesem Betriebszweige möglich, wobei auf der andern Seite aber leicht die Sicherheit gefährdet werden könnte. Um die bezüglichen Reformen zu berathen, ist um die Mitte vorigen Monats im Reichspostamt eine Commission zusammeu- getreten, zu welcher eine größere Anzahl höherer Postbeamten aus allen Theilen des Reichspost» gebietS nach Berlin berufen ist. Die Arbeiten derselben sind eifrigst gefördert worden und näher» sich dem Abschluß. Ueber die wünschenSwertheu und ausführbaren Verbesserungen ist Einver» ständuiß erzielt. Die Mitglieder der Kommission, welche sich in den nächsten Tagen zur Rückreise in die Heimath von Berlin verabschieden werden, waren am Mittwoch von Herrn v. Stephan zu einem geselligen Abend im Garten deS Central»
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Der Hag von S. Mus.
Historische Erzählung von
Ernst von Waldow.
(Fortsetzung.)
.Ihr klagt um den Verlust Eurer Waare," - sprach einer der Verschworenen, ein weißhaariger GretS — ,o, wäre es nur daS, waS ich zu be» trauern hätte! Zwei hoffnungsvolle Söhne raubte mir der unheilvolle Krieg gegen die Genueser! Meine Söhne fielen in der Unglück» lichen Schlacht von Latazzo — wo die Republik so viele Opfer zu beklagen hatte."
.Ha", warf Bojamoute ein, „fiel doch auch Marco Basegio, unser Anführer, auch büßten wir 25 Galeeren ein — doch dies war nur ein Vorspiel. - Der Tag von Curzola wird ewig ein Trauertag für unS bleiben!"
»Seht her, edle Herren" rief sich erhebend, ein finsterblickender Mann und den sammtenen Mantel zurückschlagend, entblößte er seinen verstümmelten rechten Arm. »Seht, die Hand ließ ich bei Curzola im fernen Dalmatien, wo Lamba Doria uns geschlagen. Mit 95 Galeeren rückten wir j zur Schlacht aus — und nur wenige Schiffe
t kehrten heim, die Trauerkunde zu bringen; stech
und verstümmelt gerieth ich in schwere Gefangen» - schaft und mußte er erleben, daß mein bester
Freund, der edle Andreas Dandolo, unser Feldherr, den mau gleichfalls gefangen genommen, sich, verzweifelnd an seinem Geschick, tödtete!"
.Solch' unverdientes Unglück, wie es uns getroffen, die wir löwenmuthig stritten, hat allein die schlechte Oberleitung der Republik, hat Peter Gradenigo zu verantworten!"
.Ihn treffe die Strafe! Unheil sei sein Theil! Wenn nicht bald gehandelt wird, so geht die Republik völlig zu Grunde, zu lange schon lastet der Krieg mit Ferrara, des Papstes Baun auf uns. Man fordert unser Gut und unser Blut, um beide? zu vergeuden in kindischem Trotz und eitlem Spiel! Mehr denn einmal hat Pietro Gradenigo sein Leben verwirkt!"
So klang eS durcheinander in heftiger Rede und mehr noch als die Worte zeugte der Ton, mit dem dieselben gesprochen wurden, von Haß und Ingrimm.
Inzwischen hatte Marco Quirini mit Bojamoute Tiepolo halblaut Rede und Antwort getauscht und sich erhebend, sprach er mit einer gewissen Feierlichkeit:
.Vieledle Herren, Ihr habt offen Eurer Gesinnung Ausdruck gegeben; deß freue ich mich, den» wenn wir einig sind und eifrig Verbündete werben, dann wird und muß eS uns gelingen, der guten Sache zum Siege zu verhelfen und den Verderber der Republik, den Feind deS Vaterlandes zu stürzen! Doch vergesset eins
nicht — jedweder Körper bedarf eines Hauptes" — Ein tumultuarischer Lärm unterbrach den Sprecher. Alle Nobili erhoben sich mit dem ein« stimmigen Rufe:
»Marco Quirini — er sei das Haupt!"
Ein Leuchten ging über die blaffen, edlen Züge deS alten Mannes, doch schnell gefaßt erwiderte er: .Wohl, ich nehme diese Wahl an, doch da ich das Haupt bin, bedarf ich zuvörderst eines wehr» haften Armes — dieser Arm sei der deS Bojamoute Tiepolo!"
.Bojamouto — Bojamonto Tiepolo!" klang es durch den düsteren Raum, und Marco Quirini fuhr fort:
.Von edlem Stamme und mir verwandt, wird bald ein Band mir Bojamoute, deu Liebling deS Volkes, noch näher verbinden — ehe der Mond zweimal gewechselt, wird er mein Eidam, denn Andriana, meine Tochter, ist ihm zum Gemahl bestimmt."
In dem allgemeinen Jubel, der nun entstand, verklang ein leiser Schreckensruf ungehört. Marco Donato war eS, der ihn ausgestoßeu, und sich jetzt erblassend an eine der feuchten Säulen lehnte, die daS Gewölbe trugen. Nur mühsam rang er nach Fassung, ihm war, als würde er irgend einem höllischen Gaukelspiel zur Beute.
Die schwarzen Gestalten, beleuchtet vom grellen Fackelschein, schienen in wildem Reigen ihn zu umwirbelu — fest stand in ihrer Mitte nur