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und sie sich in Sicherheit bringen möchten. Der Sultan von Dschagga, der vor Jahren einige seiner Leute mit dem Reisenden Eblers nach Berlin geschickt hatte, ist gestorben. Ob danach Wirren im Dschaggalande ausgebrochen sind, und was etwa die Ursache eines kriegerischen Ein- schreitend Bülows sein konnte, weiß man noch nicht. Es mag aber dran erinnert sein, daß die im Innern angestellten Truppenführer und Beamten von dem Gouverueuer v. Soden an­gewiesen sind, Kämpfe gegen die Eingeborenen thunlichst zu vermeiden. Chef V. Bülow soll nun eine Niederlage erlitten, die Kanone, die er mit führte, verloren, und die Station Kilimaudscharo, sowie dann auch das Fort Marauga geräumt haben. Die Nachricht komme aus Taveta, einem Orte auf englischem Gebiete hart au der Grenz- linie, wo Verwundete der deutschen Truppe an- gekommen seien. Nach einem Wolff'schen Tele­gramm aus Zanzibar hat der Kaiserliche Gou­verneur direkte Nachrichten vom Schauplatze des KampfeS noch nicht erhalten, aber sofort für die Entsendung von Verstärkungen Sorge getragen. Hoffentlich erweisen sich die englischen Nachrichten als stark übertrieben. Sie müssen mit großer Vorsicht ausgenommen werden, da eine amtliche Bestätigung von deutscher Seite fehlt und ihre Quelle Gerüchte unter der schwarzen Bevölke­rung sind, die sich in der Regel keineswegs durch Zuverlässigkeit auSzeichneu.

Die ersten Soldaten der Welt" soll Kaiser Alexander von Rußland die Zuaven genannt haben, und zwar in einem Telegramm an die Gesellschaft zur gegenseitigen Unterstützung ehemaliger Soldaten, die in Afrika gedient haben. Die Gesellschaft hielt am 20. Juni ein Bankett in Bordeaux ab, bei der das Telegramm, in dem sich der Zar für die Wünsche der Gesellschaft be­dankt, verlesen wurde.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

H e r s f e l d, den 22. Juni 1892.

* (Wann die Vögel singen.) Ein Jäger, wenn er auch noch so früh in den Wald zieht, hat nicht nöthig eine Uhr mitznnehmen; solche findet er im Walde, vorausgesetzt, daß er die Stimmen seiner gefiederten Freunde genau kennt. Nach der Nachtigall, welche fast die ganze Nacht hindurch schlägt, giebt der Fink das erste Signal, und zwar vor Tagesanbruch V/2 bis 2 Uhr; der Gesang der schwarzköpfigen Grasmücke folgt dann von 2 bis 21/» Uhr; dann schlägt bis 3 Uhr die Wachtel; von 3 bis 3</2 Uhr läßt die rothbauchige Grasmücke ihren melootschen Triller hören; von 3*/2 bis 4 Uhr singt die Schwarz­amsel, von 4j/2 bis 5 Uhr die Meise und von 5 bis 5»L Uhr zirpt der Sperling. Bis 5*/, Uhr läßt sich also die Zeit nach den Stimmen der Vögel ziemlich genau angeben.

* Hersfeld, 20. Juni. Zur Warnung für Auswanderer geben wir folgender New-Iorker Meldung weitere Verbreitung: Der deutsche Rechtsschutzverein in New Aork ist gegen­wärtig mit einem Falle von weißer Sklavenarbeit beschäftigt, der, wenn sich die bis jetzt darüber gemachten Erhebungen be­stätigen, zu den haarsträubendsten seiner Art ge­

hört. Im Dezember v. I. wurden in New-York fünfundzwanzig Deutsche, meist eben eingewanderte Leute, von einem Agenten angeworben, um in den Von Pon Phosphat-Gruben in Colleton (Süd- Carolina) gegen einen Tagelohn von 1,50 Dollar (6 Mk.) zu arbeiten. Nach ihrer Ankunft dort wurden sie von bis an die Zähne bewaffneten Aufsehern untergebracht und am folgenden Morgen zur Arbeit in die Gruben geführt, in denen bereits eine Menge Griechen und Italiener beschäftigt waren. Anstatt des versprochenen Tagelohues er­hielten sie für den Kubikfuß Phosphat 25 Cents vergütet; da es aber selbst dem Kräftigsten und Gewandtesten unter ihnen nicht möglich war, mehr als 3 Kubikfuß täglich zu fördern, so belief sich der Tagesverdienst im besten Falle auf 75 Cents (3 Mark), dabei waren sie genöthigt, ihre Lebens­mittel aus der von einem Kontraktor gehaltenen Kantine zu beziehen und dafür unverschämt hohe Preise zu bezahlen. Ihre Habsel'gkeiteu waren den Leuten nach Ankunft von den Aufsehernzur Aufbewahrung" weggenommen worden. Einige der Leute verlangten diese zurück, wurden aber mit barschen Worten und sogar unter körperlicher Mißhandlung abgewiesen. Sie mußten beständig, auch Sonntags unter bewaffneter Aufsicht arbeiten; mehrere Fluchtversuche, die sie anstellten, waren vergeblich, bis e8 endlich zweien der Leute gelang, sich bei Nacht und Nebel unter Zurücklassung ihrer Habe davonzuschleichen, nach New-York zu gelangen und die Hilfe des deutschen Rechtsschutz- Vereins in Anspruch zu nehmen. Der Gouverneur von Süd-Caroliua hat versprochen, eine genaue amt­liche Untersuchung der Angelegenheit vornehmen zu lassen.

* Hersfeld, 22 Juni. DerReichsanzeiger" meldet:

Des Königs Majestät haben mittels Aller­höchster Ordre vom 3. Juni d. J. die Farben der Provinz Hessen-Nassau wie folgt zu bestimmen geruht:

a) für die Provinz:Roth-Weiß-Blau",

b) für den Bezirksverband Caffel:Roth- Weiß" und

c) für den Bezirksverband Wiesbaden: Blau-Orange"

* Hersfeld, 22. Juni.Johaunisfluth" nennt der Landmann den Regen, der erfahruugs- mäßig stets in jetziger Jahreszeit, bald etwas früher, bald etwas später wie Johanni (24. Juni) eintrifft. Für die Einsaat der kleinen (vierzeiligen) Gerste, das Ausstecken der Kohlrüben, zum Theil des Buchweizens und des Leins, wartet er auf die Johaunisfluth, ebenso beim Umbruch der sonst oft so harten Brache. Zur Schafwäsche kommt dieser Regen ebenfalls bequem, ohne den­selben würden die gewaschenen Schafe auf der Weide und auf der zuweilen recht langen Trift von dort in den Stall wieder bestauben, ein Sprengen des Weges ist oft unausführbar. Dem Gärtner erspart derselbe vieles Begießen. Man sieht also, wie wohlthätig die Johaunisfluth auf dem Lande wirkt.

(:) Hersfeld, 20. Juni. Heute Nachmittag 5 Uhr fand eine kurze Sitzung des ständige» Bürgeransschusses tm Rathhaussaale statt. Der erste Gegenstand der Tagesordnung betraf Nachbewilligung des Verlages zur Anschaffung

von Lernmitteln für die hiesige Freischule zu Ostern dieses Jahres; der Stadtrath hatte die Erhöhung um 65,15 Mk. beschloßen, welches man ebenwohl genehmigte, auch stimmte mau einem Beschlusse desselben zu, wonach die Kosten zur Anschaffung einer neuen Dienstuniform für den Stadtdiener Schmelz bewilligt worden waren. Von der mitgetheilten Rechnung der Feuerwehr vom Jahre 1891 nahm man Kenntniß und geht dieselbe an den Stadtrath wieder zurück. Durch das erfolgte Ableben des Apothekers Herrn Dr. Müller war die Wahl eines Mitgliedes des Vor­standes der gewerblichen Fortbildungsschule noth­wendig geworden. Der Stadtrath hatte an dessen Stelle den Professor Herrn Dr. K l i p p e r t und als weiteres Mitglied den Herrn Rektor Bach- wann gewählt, womit man sich einverstanden erklärte. Hieran sollte sich noch die Wahl eines Stellvertreters des Bürgerausschuß-VorsteherS reihen, allein dieselbe konnte wegen ungenügender Anzahl der erschienenen Mitglieder des außer­ordentlichen Bürgerausschuffes nicht stattfinden und wurde anderweite Sitzung auf morgen Nach­mittag festgesetzt.

(:) Hersfeld, 21. Juni. Als Bürgerausschuß- vorsteher-Stellvertreter wurde heute Nachmittag in der Sitzung des großen Bürgerausschuffes der Kaufmann Herr Jean Möller gewählt.

Caffel, 21. Juni. Die Kaiserlichen Prinzen werden gegen den 8. oder 10. Juli auf Wilhelmshöhe eintreffen. Ueber die Ankunft Ihrer Majestät der Kaiserin ist noch nichts bestimmt. (Tgbl.)

Caffel, 21. Juni. In der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts wurde der Tagelöhner Caspar Salzmauu aus Vollmarshausen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolge (Miß­handlung des eigenen Kindes) zu 1 Jahr Ge­fängniß verurtheilt.

Caffel, 20. Juni. Das unglückliche Mädchen, welches sich am Sonnabend in einem Hause vor dem Holländischen Thore durch Petroleum beim Feueranmachen so schrecklich verbrannte, ist an den Folgen der erhaltenen Verletzungen in vergangener Nacht nach schrecklichen Schmerzen gestorben.

Ziegenhain, 20. Juni. Auch in diesem Jahre hatte sich unsere Salatkirmeß, welche gestern und heute stattfaud, eines recht zahlreichen Besuches zu erfreuen. Schon gegen Mittag deS gestrigen TageS brachten zahlreiche Fuhrwerke eine große Zahl froher Gäste herbei und Nach- mittags füllte sich unser sonst so stilles Städtchen mit den Bewohnern der umliegenden Ortschaften. Verwandte und Bekannte begrüßten sich herzlich und schloffen sich bald zu einer gemüthlichen Ge­sellschaft zusammen. Die buntfarbige Pracht der Schwälmer, Ober- und Niederbeffen rc. bot ein recht belebtes und wechselvolleS Bild. Obwohl man recht viel Staub zu schlucken bekam, wurde doch dem Tanzvergnügen in ausgiebigster Weise gehuldigt, auch das Carouffel war fortwährend stark besetzt. Schaubuden aller Art, Glücks­räder ic. übten auch diesmal ihre Anziehungskraft auf das Publikum aus. Erst am späten Abend lichteten sich die Reihen, während das junge Volk im Rathhaussaale Fortsetzung machte.

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