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Erschein« wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

MonnementSprei« viertelstihrlich 1 Mark 40 M. excl.

Lostanfschla«.

Die ZnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeste 10 Mg im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamm die Zeile 20 Pfg.

Sei größeren «nfirägen entsprechender Rabatt,

Hersstliitl Kreisdiutt.

Mit wöchmllicher Kratts-AeitageIllukrirtes Auterhaltuugsbtatt^.

Nr. 69. Dienstag den 14. Juni 1892.

Amtliches.

HerSfeld, den 4. Juni 1892.

Das diesjährige Ober-Ersatz'G-fchSft für den hiesigen Kreis findet am

Freitag den 24. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an und

Sonnabend den 25. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statk, und zwar gelangen zur Vorstellung:

a. am 24. Juni d. J.

1. die beim diesjährigen Ersatz-Geschäft alS dauernd untauglich bezeichneten Mtlitair- pflichtigen,

2. sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Auf­gebots defiguirten Militairpflichtigen,

3. sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,

4. die zur Disposition der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,

5. die zur Zeit des AuShebungsgeschäftS noch vorläufig beurlaubten Rekruten,

6. die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,

7. die gemäß §. 36 pos. 5 der Heerordnung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,

8. diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist und

9. etwaige Zugänge.

b. am 25. Juni d. J.

sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militatrpflichtige, so­weit sie nach Vorstehendem (a Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung ge­langen.

Die Herren OrtSvorstände der Stadt- und

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Die Marchenerzahlerin.

Von

Helene Pichler.

(Fortsetzung.)

All das schwirrte an WilhelmiuenS Ohren vorüber; die Worte und Töne verflogen ihr in der Ferne, schwollen da aber zu einem mächtigen GlockenrhythmuS an, der plötzlich wieder in ihrem eigenen armen Kopfe mit unbarmherzigen Schlägen gegen die Hirnschale hämmerte.

Mit diesen furchtbaren, brausenden Glocken- tönen im Haupt wanderte sie nun durch S HauS, legte in ihrem Stäbchen die brennende Stirn au die Fensterscheiben und sagte mit irre lächelnden Lippen:Zerbämmert mir nur nicht auch den Liebsten, ihr bösen ©lotsen*; dabei faßten ihre Hände nach dem Blättcheu Papier, dem ersten und einzigen Briefe Gerhards, den sie stets im Mieder bei sich trug. Dann wieder richtete sie die brennenden Augen in die Weite. Der schnee­bedeckte Rehberg leuchtete mit seiner glitzernden Kuppe herüber. Wer doch da im kühlen Schnee liegen könnte, daß dieser schreckliche heiße Schmerz im Kopf aufhörte! Aber der Schnee war ja garnicht mehr weiß, sondern plötzlich roth, blutrotb? Die ganze Welt schien in Blut getaucht? Oh, jetzt wälzten sich die rothen Schnee- berge gar über einander, kamen in wilden Wogen zu Thal gestürzt, näher, näher, immer näher, erfüllten das Thal, den Garten, stiegen bis zum

Landgemeinden, einschließlich der Herren Guts-1 Vorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen,1 die ihnen in Kürze zugehenden Vorladungen den betreffenden Militairpflichtigen alsbald auSzu- händigen und mit denLetzterenindev besagten Terminen pünktlich zu er­scheinen, ihnen auch zu eröffnen, daß die­jenigen, Mlche bet Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder über­haupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 26 bezwse. 66 der Wehrorduung bezeichneten Verluste, sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Rekla­mationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie R klamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz- Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz-Com- Mission zur Entfcheiduug ^org^legt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Ar- beitS« oder Nichtarbeitsfähigkeit es bet Beurtheilung der Reklamation ankommt (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termin mit zu er­scheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamationen nicht stattfinden kann.

Die Herren OrtSvorstände haben das Vor­stehende in ihren Gemeinden wiederholt ver­öffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Ange­hörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen. daß sie mit vollständig reinem Körper

Fenster empor und mit einem dumpfen Stöhnen brach Wilhelmine zusammen.

* . *

Als der Sagbinnter Götz von Finkenhausen mit seinem Prachtbouquet in der Forstmeisterei anlaugte, sprengte eben ein rettender Jäger zur Gartenpforte hinaus auf die Chauflee, welche durch Tannenwälder und Bruch nach Klausthal führt, um von dort den Medizinalrath zu Hülfe zu rufen.

Es wehte überhaupt eine scheußlich unange­nehme Luft in der Forstmeisterei; die gnädige Frau blieb unsichtbar, weil sie in thränenlosem Schmerz am Bette der schwer erkrankten Tochter weilte, und so mußte sich Herr von Finkenhausen damit abfinden, daß für diesmal noch nichts aus der Verlobung werden konnte.

Was ist's denn nur mit gnädigem Fräulein Braut?* fragte er den in tiefster Kümmeruiß in seinem Arbeitskabinet auf- und abschreitenden Forstmeister,ein leichtes Uebelbefinden, he? vielleicht gar von freudiger Erwartung?"

Finster und unwillig schüttelte der alte Aristokrat sein graues Haupt.Ich fürchte," antwortete er dumpf,das wird ein Kampf um Leben und Tod grasstrt nicht der Typhus in der Stadt? O, allmächtiger Gott, Du kannst nicht so grausam sein, mir mein einziges Kind zu nehmen."

Herr von Keilstein ließ seine geballte Hand schwer auf die Tischplatte sinken; aber Junker Götz schien nichts von dem Schmerz dieses störten

und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

Sodann find dieselben noch anzuweisen, die in ihren Händen befindlichen Loosungsschetne mit zur Stelle zu bringen, widrigenfalls der Betrag von 50 Pfg. für die Ausstellung eines Duplikat- ScheineS gezahlt werden muß.

I. II 1349. Der Königliche Laudrath

Freiherr von S ch! e i u t tz.

Faktische Nachrichten.

B e r l i u, 11. Juni. Se. Majestät der K a i s e r kam heute früh 7 Uhr 10 Min. von der Wild­parkstatton aus nach Station Schöneberg, stieg dort zu Pferde und begab sich nach dem Exercier- Platz an der Tempelhofer Chaussee, um das 1. und 2. Garde-Dragoner-Regiment zu besichtigen. Nach beendeter Besichtigung und dem Vorbei­marsch versammelte der Kaiser das Osfizierkorps um sich zur Kritik, nehm einige militärische Meldungen entgegen und lehne darauf au der Spitze deS 2. Garde-Dragover-Regiments zur Regiments Kaserne zurück. Se. Majestät ent­sprach darauf einer Einladung des Offizierkorps des 2. Garde-Dragouer-Regiments zur Frühstücks­tafel nach dem Offizierkastno desselben und ver­blieb daselbst bis Nachmittags gegen halb 2 Uhr. Nach Aufhebung der Tafel kam der Kaiser nach dem hiesigen königlichen Schloß und nahm daselbst noch einige Vorträge entgegen.

Dem Vernehmen nach wird Se. Majestät der Kaiser am 24. d. Mts. Potsdam verlassen und sich zunächst zu mehrtägigem Aufenthalte nach Kiel begeben, um daselbst Flottenbesichtigungen abzuhalten. Am 29. oder 30. d. Mts. tritt Se. Majestät alsdanu voraussichtlich seine diesjährige Nordlandsreise an.

Der KöuigvonSchwedeu wird zum Besuch

Mannes zu empfinden.Was? Sie meinen, Verehrtester? Ei, das wäre! Was? Ty Typhus?"

Und ehe der Forstmeister noch recht antworten konnte, war Herr von Finkenhausen mit drei tiefen Verbeugungen rückwärts zur Thür hinaus gewichen, schleuderte im Vorzimmer das theure Bouquet zornig in Seine Ecke, riß seinen Mantel an sich und verließ so eilig wie möglich dasver­pestete" Haus. Er hörte in seiner Angst nicht einmal das kurze, harte Lachen, welches hinter ihm drein scholl.Also auch das noch!" mur­melte der Forstmeister,die Prüfung ist bitter."

VII.

Also nicht einmal vor einem adeligen Hof zeigte diese niederträchtige Krankheit Respekt? sie würde also wahrscheinlich auch vor der Schwelle eines gewissen Götz von Finkenhausen keinen Halt machen. Da forderte es ja die Selbsterhaltung, daß man diesem durch und durch infizirten Nest möglichst rasch dea Rücken kehrte. Schnell nach Haus, eingepackt, Rechnungen bezahlt, ein Ab- schiedsbriefchen nach der Forstmeisterei geschickt Alles das konnte in einer Stunde erledigt und er selber, Junker Götz, über alle Berge sein.

Ganz so glatt spielte sich dies fix entworfene Programm freilich nicht ab.

Es war Sonntag. Abends vorher hatte er Löhnung gegeben, und die jungen Knappen und Burschen saßen im Wirthshaus zusammen, um einen Theil ihrer schweren Sorgen für kurze Zeit