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Hersstl-tr Kreistlatt.
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Nr. 54. Sonnabend dw 7. Mai 1892.
Erstes Matt.
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Amtliches.
Berlin, den 26. März 1892.
Die über die Beurtheilung der Genießbarkeit und Verwerthung des Fleisches von perlsüchtigen Schlachtvieh erlassenen Bestimmungen vom 15. September 1887 (Min, Bl. f. d. uo. Verw. 204) haben in neuester Zeit wiederum zu irrthümltcher Auffassung Veranlassung gegeben. Wir ordnen deshalb unter Aufhebung dieses Erlasses, sowie der tu den Fachzeitschriften abgedruckten Ver- fügungeu vom 22. Juli 1882 und 27. Juni 1885 und des Erlasses vom 11. Februar 1890 (Min. Bl. f. d. uv. Verw. S. 94) zur Nachachtung für die Bethetligten Folgendes au:
Eine gesundheitSschübliche Beschaffenheit des Fleisches von perlsüchtigen Rindvieh ist der Regel nach dann anzunehmen, wenn daS Fleisch Perlknoten enthält oder daS perlsüchtige Thier, ohne daß sich in seinem Fleisch Perlknoten finden lassen, abgemagert ist.
Dagegen ist daS Fleisch eines perlsüchtigen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Verlorenes Ginck.
Novelle von L. W i l d.
(Fortsetzung.)
Dies machte sie Willnau gegenüber unbefangener und zutraulicher, als gegen ihren Gatten, und auch Wtllnau hatte die kleine, sanfte Frau, die von allen als Kind betrachtet wurde, lieb gewonnen, lieb in einer Weise, alS sei sie seine Schwester. Ein anderes Gefühl konnte sie ihm nicht etuflößen, ihm hatte eS die stolze Engländerin angethan — aber um keinen Preis wollte er dies merken lassen! Der kalte, ruhige Erust der jungen Dame rief sein MauueSbewußtsein wach; er wollte nicht um Liebe flehen, wo er so wenig AuSsicht hatte, erhört zu werden. —
Wtllnaus Eintritt weckte Roland auS seinem düsteren Sinnen; zum ersten Male zwang er sich ihm gegenüber zur Freundlichkeit.
Ein einziges Wort hätte genügt, seinen Verdacht zu entkräften, aber Roland sprach dieses Wort nicht und Willnau hatte keine Ahnung von dem, was in der Seele seines Freundes vorging.
Als die beiden Herren die Treppe herabstiegen, kam ihnen Valentine, die kleine Lucie an der Hand führend, entgegen.
„Wir wollen in den Wald," sagte Roland freundlich, „tu längstens einer Stunde sind wir zurück."
Thieres für genießbar (nicht gesundheitsschädlich) zu halten, wenn daS Thier gut genährt ist und
1) die Perlknoten ausschließlich in einem Organ vorgefunden werden, oder
2) falls zwei oder mehrere Organe daran erkrankt sind, diese Organe in derselben Körperhöhle liegen und mit einander direkt oder durch Lymphgefäße oder durch solche Blutgefäße verbunden sind, welche nicht dem großen Kreislauf, sondern dem Lungen- oder dem Pfortader-Kreislauf angehören.
Da nun in Wirklichkeit eine perlsüchtige Erkrankung der Muskeln äußerst selten vorkommt, da ferner au der Berliner thierärztlichen Hochschule und an mehreren Preußischen Universitäten in großem Maßstabe Jahre lang fortgesetzte Versuche, durch Fütterung mit Muskelfleisch von perlsüchtigen Thieren Tuberkulose bei andereu Thieren zu erzeugen, im Wesentlichen ein negatives Ergebniß gehabt haben, (Gutachten der Wissenschaftlichen Deputation für das Mediziualwesen vom 1. Dezember 1886 EuleubergS Vierteljahr- schrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Savitätswesen Bd. 47 S. 307 ff.), somit eine Uebertragbarkeit der Tuberkulose durch den Genuß selbst mit Perlkooten behafteten Fleisches nicht erwiesen ist so kaun daS Fleisch von gut genährten Thieren, auch wenn eine der unter Ziffer 1 und 2 bezeichneten Erkrankungen vor- liegt, in der Regel nicht als minderwerthig erachtet und der Verkauf desselben nicht unter besondere polizeiliche Aufsicht gestellt werden.
Vom vationalökonomischen Standpunkte ist es wünscheuswerth, derartiges Fleisch, welches einen erheblich höheren Nährwerth, als dasjenige von alten abgetriebenen und mageren rc. Rindern hat, dem freien Verkehr zu überlassen, und zwar um so mehr, als eine gleichmäßige Beurtheilung solchen Fleisches aller Orten mit Rücksicht auf
Valentine wurde blaß; vor wenigen Minuten hatte sie die schöne Eagländerin den Waldweg einschlagen sehen.
Einen Augenblick kämpfte die junge Frau mit sich selbst, aber die erwachende Eifersucht war stärker, als ihre Schüchternheit.
„Wenn es den Herren angenehm ist," sagte sie, „so gehe ich mit Lucie mit."
Sie wagte es nicht, ihren Gatten anzusehen, sondern blickte, gleichsam Hilfe suchend, auf Willnau, der sofort versicherte, die Begleitung der Gnädigen werde ihnen beiden das größte Vergnügen gewähren.
Roland runzelte die Stirn.
„Was würde sie gethan haben, wenn Willnau zu Hause geblieben wäre?" fragte er stch.
Mit aller Macht überwand er das immer mehr steigende Mißtrauen; seiner edel angelegten Natur widerstrebte eS, den heimlichen Beobachter zu spielen; er nahm Lucie bei der Hand und schritt voraus, während Valentine au WillnauS Arm ihm langsam folgte.
Ein unglücklicher Zufall führte ihnen Miß Harrtet in den Weg — Valentine sah ihren eifersüchtigen Verdacht bestätigt. Mit ängstlichem Forschen beobachtete sie ihren Gatten, der nuu neben der jungen Engländerin Herschritt; von allen war diese unstreitig die Unbefangenste.
Valentine hörte nur mit halbem Ohre auf Wtllnaus Geplauder, der, seinerseits die Miß stets tm Auge habend, kaum selbst wußte, was
die zur Zeit nur mangelhafte Fleischschau in vielen Gegenden und bei dem Mangel jeglicher Fleischschau in einem großen Theile deS Landes nicht möglich ist.
Solches Fleisch ist daher in Zukunft dem freien Verkehr zu überlassen; in zweifelhaften Fällen wird die Entscheidung eines approbirten Thierarztes einzuholen sein.
Ob das Fletsch von Perlsüchtige« Vieh für verdorben zu erachten ist und der Verkauf desselben gegen die Vorschrift des § 367 Ziffer 7 deS Strafgesetzbuches oder gegen die Bestimmungen des NahrungSmittelgesetzeS vom 14. Mai 1879 (R. G. Bl. S. 145) verstößt, fällt der richter- lichen Entscheidung anheim.
Der Minister Der Minister für Landwirth-
des Innern, schüft, Domänen und Forsten, gez. Herrsurth. gez. v. Heydeu.
Der Minister der Der Minister für geistlichen, Unterrichts- und Handel uud Gewerbe. Medizinal-Augelegenheiten. In Vertretung:
gez. Boss-. gez. Magdeburg.
An deu Königlichen Regierung» - Prüsideutru Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Gaffel
* * *
Cassel, am 18. April 1892.
Abschrift lasse ich Ew. Hochwohlgeboren mit dem ergebensten Ersuchen zugehen, den Erlaß im Kreisblatt zur Veröffentlichung zu bringen rc.
Der Regierungs-Präsidcnt. Rothe.
An die sämmtlichen Königlichen Laudrüthe deS RegierungS-Bezirks und den Königlichen Polizei- Präsidenten in Cassel. A II 3560.
* * * HerSseld, den 3. Mai 1892.
Wird veröffentlicht.
I 2990. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleivitz.
HerSseld, den 3. Mai 1892.
Im Anschluß an die vorjährigen Arbeiten
er sprach; Roland dagegen trachtete wieder, ein Wort von dem hinter ihm geführten Gespräche zu erhäschen. Die Situation war für die dabei Betheiltgten eine durchaus nicht beuetdenSwerthe; man war schließlich froh, als man nach Hause kam und daS Versteckeuspielen ein Ende nahm.
Roland schloß sich j.tzt häufig in dem Boudoir feiner ersten Frau ein; träumte er von dem verlorenen Glücke, daS zu finden er nimmer hoffen sonnte?
Valentine litt dabei, aber sie verbarg standhaft ihren Schmerz. Eine brennende Neugierde quälte sie, daS Gemach zu sehen, dessen Thür für sie stets verschlossen blieb; immer lockender trat die Versuchung an sie heran; dort lag vielleicht die Lösung deS Räthsels, ob seine Gedanken noch feiner ersten Frau oder der jungen Eagländerin galten.
„Ich muß jenes Gemach sehen, ich muß," sagte sie sich an jedem Morgen, wenn Roland für einige Stunden das Haus verließ, und doch fehlte ihr immer wieder der Muth, dies Wagnis zu unternehmen.
„Heute muß es sein," dachte sie entschlossen, alS Roland daS Haus verließ mit dem Bedeuten, er werde heut etwas länger als sonst auSbleiben.
Als sie sich überzeugt hatte, daß man sie nicht vermiffen würde, schlich sie sich in daS Arbeitszimmer ibres Gatten. Sein bloßer Wunsch hatte genügt, sie nie die Schwelle dieses Gemacher