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Herssel-kk Kreisblutt.

Mit wöchentlicher Kratis-Meilag«Illustrirtes Anterhaltungsklatt-.

Nr. 47. Donnerstag den 21. April 1X92.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. April 1892.

Der Mühlenbesitzer Otto Schönfeld zu KalkobeS ist heute als Bürgermeister dieser Ge­meinde auf die Dauer von 8 Jahren eidlich ver­pflichtet worden.

I. A. 604. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

" Cassel, den 12. April 1892.

Der dem diesseitigen BezirkSverbaude auf Grund des Preuß. GesetzeS vom £ §^ zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bet dem Schuhmacher Friedrich Schmidt zu Spaugenberg in Lehre untergebrachte Johann Friedrich Schleicher aus Gersfeld geboren am 22. August 1876 zu Friemeu ist am 22. März d. Js. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.

Königliches LaudrathSamt ersuche ich ganz er» gebenst, nach dem Zögling umgehend Nach­forschungen gefälligst anstelle«, im BetretungS- falle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Ueberuachtuug ein solches von 4 Mark gewähren werde, dem Herrn Metropolitan Rothfuchs zu Spaugenberg vorführen lasten zu wollen.

Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nach­forschungen bitte ich mich hiervächst gefälligst zu benachrichtigen.

Der LandeS-Direktor.

An das Königliche LaudrathSamt zu HerSfeld. Jr. II. Nr. 2067.

* * * *

HerSfeld, den 16. April 1892.

Wird den Herren OrtSvorstäudeu und der Königlichen Gendarmerie behufs Fahndung nach dem K. Schleicher mitgetheilt.

Die Entlastung der kleinen Einkommen nach dem neuen Steuergesetze.

Ju den Orten, wo in Folge des höheren Er­gebnisses der Veranlagung nach dem neuen Ein- kommensteuergesktze die Zuschläge zu der Kom- munalsteuer herabgesetzt worden sind, tritt die große Entlastung, die das neue Gesetz für die armen und minder wohlhabenden Klassen gebracht hat, besonders deutlich hervor. Nach dem Gesetz wird von den kleinen und mittleren Einkommen ein geringerer Satz erhoben als früher unter der Klaffen- und klasfificirten Einkommensteuer. Diese Entlastung setzt ihre Wirkung fort, wenn nun auch noch die Gemeinde geringere Zuschläge er» hebt. Die Einkommen von mehr als 3000 Mark werden im Allgemeinen das Mehr in den Ge- sammteinkünften für die Staatskasse geliefert haben. Die Sätze für sie sind den früheren gleich und übertreffen diese bei den großen Einkommen. Sinken die Gemeindezuschläge, so wird damit für die schärfer erfaßten hohen Einkommen nur die Mehrbelastung in der StaatSsteuer mehr oder weniger ausgeglichen, während bet den kleineren Einkommen, namentlich den bisher schon richtig eingeschätzten, eine doppelte Entlastung bewirkt ist, weil der niedrigere Satz der Staatssteuer den Maßstab für die Kommunalsteuer bildet.

Berlin hat den Kommunalsteuerzuschlag auf 70 pCt. der Staatseinkommensteuer ermäßigt. Es wurden bisher für ein Einkommen von 9001050 Mark 9 Mark entrichtet. Der neue Steuertarif ermäßigt zunächst diesen Satz von 9

Im Betretuvgsfalle ist dessen Ueberführung nach Spaugenberg gemäß dem obigen Ersuchen alsbald zu veranlassen und vom Geschehenen mir Mittheilung zu machen.

I 2671. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Mark auf 6 Mark. Da nun außerdem von diesen 6 Mark nur 70 PCt. erhoben werden, so zahlen Personen mit einem Einkommen von 900-1050 Mark im Jahre 1892/93 nur 4,20 Mark Kommuualeinkommeusteuer M* q Mark in den Vorjahren. Ebenso ist es bei anen folgenden Einkommenklaffen. Nach einer Berechnung der »Freis.Ztg." zahlen fortan in Berlin Kommunal­steuer Personen: mit 10501200 Mark Ein­kommen statt bisher 12 Mark nur 6,30 Mark, mit 1200-1350 Mark statt 18 Mark nur 8,40 Mark, mit 1350-1500 Mark statt 24 Mark nur 11,20 Mark, mit 1500-1650 Mark statt 30 Mark nur 14,70 Mark, mit 1650-1800 Mark statt 36 Mark nur 18,20 Mark und so fort, so daß die Einkommen bis 3000 Mark in der Kommunalsteuer um rund die Hälfte gegen bisher entlastet sind. Daß das neue Gesetz mit Famtlieu von großer Kinderzahl viel nachsichtiger verfährt und daß auch dieser Umstand bei der Kommunal­steuer entlastend wirkt, sei nur nebenbei bemerkt.

DaS Beisviel Berlins steht natürlich keineswegs . vereinzelt da. Aus vielen Gemeinden ist bereits eine ähnliche Herabsetzung der Zuschläge gemeldet worden, und in dem Maße, wie sich der Mehrer­trag der StaatSsteuer auf die verschiedenen Orte und Bezirke vertheilt, muß ungefähr eine Ent­lastung in den Gemeindezuschlägen eintreten. Durch einen Erlaß des Ministers des Innern und des Finanzministers ist bereits vor längerer Zeit dafür gesorgt worden, daß die Gemeindever­waltungen der hie und da vielleicht vorhandenen Neigung, das günstige Ergebniß der Veranlagung unter Beibehaltung der alten ZuschlagSsätze zur Füllung der Gemeiudekaffen oder zur Befriedigung neuer Ausgabebedürfnisse auszunutzen, nicht uach- geben und so den Zweck einer gerechteren Ver- theilung der Steuerlasten nicht beeinträchtigen dürfen.

[ Wirthschaft, wie vielleicht in untern Ländern »Da kann man die Sklov-N wenigstens ans- lösen," bemerke der Amer'kaner, den Hieb deS WaisenratheS also parwead

Damit war die Unterredung der Beiden beendet.

Durch die Fr-ylaasche Wohnung hörte man die Helle, keifende Stimme der Lehrerfrau zu­sammen mit den ruhigen, zurückweisenden Ant­worten, die ihr Mamsell Rowald gab. Diese war nämlich in Gefolge eines DienstmanneS ge­kommen, um die Sachen der beiden Kinder zurück zu holen. Freytag war zum Waisenrath beschieden worden, um den Beschluß der Behörde wegen Zurücknahme der Kinder zu vernehmen. ES herrschte in der Familie darob eben keine sehr rosige Stimmung. Herr Freytag beflügle den Ausfall in seinen Einnahmen, seiner Gattin überlassend, wie sie nun die Kosten für einen Sommeraufenthalt auf dem Lande aufbringen möge, er fchob ihr die Schuld an dem Beschlusse der Behörde zu, ihrem Geize,. ihrer lieblosen Behandlung der Kinder, und als der Sohn Karl auch dazwischen sprechen wollte, bekam er vom Vater einen KlapS hinter die Ohren, daß er heulend aus dem Zimmer lief und draußen mit Mamsell Rowald zusammenstieß. Vor dieser öffnete nun Frau Freytag die Schleusen ihres Zornes und ihrer Entrüstung über die Uudauk- barkeit, die mau sich »an den Rangen" Herauge- zogen habe, für all' die Liebe und Sorgfalt, die man ihnen erwiesen, und nun habe man auch noch

(Unbefugter Nachdruck verboten.

Arme Kinder!

Von

Georg Horn.

(Schluß.)

»Kurzum", schloß der Oheim, »ich werde All-8 daran sitzen, daß weine Nichte und mein Neffe nicht mehr in dieses Haus zurückkehren.

»DaS sagen Sie jetzt, mein Herr Wimbledon so war ja wohl Ihr Name aber in dem Momente, wo die arme Frau todt war und Noth am Manne, waS mit den Kindern geschehen soll, da hatte sich Niemand gemeldet, um der Behörde die Sorge und Verantwortung abzuuehmen, ganz abgesehen von den Kosten, die ihr dadurch eut» standen sind."

»Ich würde Ihnen sehr verbunden sein, Herr Waiseuratb, wollten Sie mir eine Berechnung derselben übersenden. Den Betrag werde ich umgehend erlegen, da ich keineswegs wünsche, in der Schuld der Behörde zu bleiben. Nur das Eine möchte ich noch bitten, daß Sie FreytagS von meinem Beschlusse in Kenntniß setzen."

»DaS heißt von unserem Beschluffe," entgeguete der Beamte, »ob Ihrem Willen oder Anträge Statt gegeben werden soll. Sie begreifen, daß da gesetzliche Formalitäten zu erfüllen sind Vormundschaft und dergleichen Bet uns zu Lande ist das Alles wohlgefügt und keine wilde

den Skandal von der Behörde, daß man keine Waisenkinder mehr bekomme, ja daß man noch die üble Nachrede in der Stadt davon haben werde. Wenn man allerdings etwas streng gegen die Kinder habe sein müssen, so sei eS nur zu derem Gutem gewesen, um ihrer verwahrlosten Erziehung nachzuhelfen.

Ueber diese Bemerkung kam Mamsell Rowald in Harnisch. Energischer, ja sogar heftiger alS eS sonst ihre Art war, wies sie diese Insinuation zurück. Diese sei auch gegen sie gerichtet, da sie die Freundin der verstorbenen Mutter gewesen und an der Erziehung der Kinder gleichsam einen Antheil gehabt hab?. Wenn Kinder derart maltraitirt würden, wie es in dem Hause geschehen sei, so habe man kein Recht, sich über Undank­barkeit zu beklagen, wenn dem Abhülfe geschehen sei. Kurz, es gab zwischen den beiden Frauen eine Scene, daß der Lärm in die Nachbarschaft drang und diese sich sagte: »Bet FreytagS ist gewiß wieder daS Trilirium loS!"

Der Dienstmann trug Betten und Möbelstücke auS dem Hause und als Mamsell Rowald auS der Hausthür trat, wurde diese hinter ihr heftig in das Schloß geworfeu, so daß die Klingel laut erklang.

»Ich danke für daS Geleite, Frau Freytag," rief diese noch boshaft in die Thür hinein. Von drinnen setzte sich daS Schimpfen fort. An Seite des DienstmannS mit dem Handwagen schritt Mamsell Rowald im Abenddunkel durch die