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Herssel-er Kreishiatt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Aeilage „Illustrirter Auterhaltungsölatt".
Rr. 44. Dienstag den 12. April 1882"
DMMts-KMmg.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustriites Unterhaltungs-Blatt." pro II. Quartal werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlich«.
Hersfeld, den 7. April 1892.
An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Horn zu Solms ist der Schuhmacher Georg Weppler von da als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den Bezirk SolmS mit Hof Engelbach bestellt worden.
I 2494. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinttz.
HerSfeld, den 9. April^lM"
Durch Verfügung des Herrn Ober-Präsidenten zu Casiel vom 6. Februar d. I. Nr. 757 ist zu der von dem Vorstände des Gewerbevereins zu Tann bei Gelegenheit der im Monat Juli d. J. daselbst stattfindeuden Ausstellung gewerblicher Erzeugnisse beabsichtigten Verloosung von Korb- stecht-, Tischler», Sattler-, Tapezirer-, Schuhmacher-, Wagner-, Schmiede- und Klempner- Arbeiten rc. im Gesammtwerthe von mindestens 2700 Mark die Genehmigung ertheilt worden.
Die Zulassung dieser Verloosung erfolgt nach Maßgabe des mit dem GenehmigungSwerk verschenkn AusspiclunksPlaneS unter der Bedingung,
(Unbefugter Nachdruck verboten.
Arme Kinder!
Von
Georg Horn.
(Fortsetzung.)
»Nein Du, Benno — und ich mit Dir, weil ichs nicht anders gewöhnt bin. Ja ich will DirS sagen — ich hab an unsere Mutter gedacht — und Du auch — und unter dem Roseubusch da ist ihr LieblingSpIätzchcu gewesen — da ist sie mit unS gar gern hinaufgegaugen — alle Sonntage, so lang sie nicht krank war — Ach Benno — hör nur —"
„WaS - war, Hilde?"
Den Vogel gerade über unS — Wie schön der singt, gerade wie der nach dem Begräbviß auf dem Baum. Ja — die Seele soll manchmal in so ein Thier schlüpfen können — Wenn der Vogel unsere Mutter wäre - wenn er unS ein Trost- lied sänge! Ach es klingt fast so schön — Geh, Benno — denk' es sei ein Trost! Sei nicht mehr so traurig, Brüderchen!*
»Ein Dieb — ein Dieb!"
ES war wie ein Schrei der Angst, der Verzweiflung, mit dem der Knabe sich von der Bank erhob und auf diese wieder hinwarf — so daß sie laut krachte und Hilde laut ausschrie.
„Wenn daS Vater und Mutter gehört hätten von ihrem Jungen! Ach Gott — ach Gott, Hilde! Was ist denn ein Dieb? Ein schlechter Mensch,
daß nicht mehr als 5000 Loose ä 1 Mark auS- gegeben werden und daß deren Vertrieb auf den Umfang der Kreise GerSfeld, Schlächtern, Hün- feld, Fulda, Gelnhausen, Hanau und HerSfeld beschränkt bleibt.
Die Ortspolizetbehörden erhalten hiervon Kenntniß um darüber zu wachen, daß dem Vertrieb der Loose Hindernisse nicht bereitet werden.
J. I 2503. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
~ HerSfeld, den 11. April 1892,
Für den am 30. August 1874 geborenen Adam Wenzel von Rottertrrode ist um Entlassung aus dem preußischen StaatSverbande behufs Auswanderung nach Amerika nschgesucht worden.
I, 1. 2540. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
In hiesiger Gemeinde ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen.
Harurode, den 11. April 1892.
Der Bürgermeister Wieg and.
Zugelaufen: ein gelber Hund. Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Schenk- lengSfeld.
Politisch« Nachrichten.
Potsdam, 9. April. Um 5 Uhr Nachmittags fand hier heute die feierliche Grundsteinlegung für die Kaserne der Leibschwadron der GardeS du CorpS statt. Der Grundsteinlegung wohnten bet Se. Majestät der Kaiser, Se. Königl. Hoheit Prinz Friedrich Lwpold, der Kriegsminister, sämmtlich direkte Vorgesetzte des Regiments, sämmtliche Kommandeure der hiesigen Garnison, die Offiziere und eine Deputation vom 1. Garderegtment. Se. Majestät der Kaiser richtete an daS Regiment eine Ansprache, in welcher
der eines Andern Eigenthum nimmt."
»Aber gehörte das Bildchen nicht uns: rer Mutter — gehörte es nicht mir und Dir? Ist das ein Verbrechen, daß ich rS an mich genommen hab ? Ganz still, daß eS die Andern nicht merkte« — ganz fix. Ich hätte noch tüchtig lachen können, wie sich die Lumpen, die Trödler fast in die Haare gefahren wären — und hatt'S in der Tasche — „Nimm'S — nimm's!" rief in mir etwas — diese schäbigen, schachrigen Hände dürfen daS Bildchen nicht beschmutzen — ES ist Deiner Mutter Bruder — sie hat immer geweint, wenn sie's ansah — eS ist ein Heiligthum durch unserer Mutter Thränen. Nimm's — denn sie schimpfireu es — Du kannst — darfst ek nehmen — es ist Euer Eigenthum! Und darum — Dieb — Spitzbube! Nein — nein — eS war mein Recht — Was ist denn noch Recht auf dieser Welt? Vielleicht ebenso, wie wenn der liebe Gott unS Kinder auf die Welt kommen läßt, ihnen gute Eltern giebt, und wenn er diese ihnen nimmt und sie — in die Welt hinausstößt, daß sie vor Jammer vergehen möchten! Ist daS Güte? heißt er darum unser Aller Vater — der gütige Gott? Nein — nein — so ist's gerade mit dem Recht bestellt, daS mich einen Dieb nennen will. Ich glaub'S nicht — ich hab mein Recht in mir — Nimm'S — nimm'S! Ich hab recht gethan —*
Wie erschöpft von diesem Protest seiner Innern — seiner bessern Ueberzeugung — der Auflehnung seiner Selbst gegen eine Ordnung der Welt, die sich in dem schwachen Knaben offenbarte, sank
er an die bewährten Grundsätze des Gehorsams und der Treue erinnerte und auf daS Wort zu der Zeit Friedrich des Großen hinwieS: »ES ist nie eine Schlacht verloren zu geben in der nicht daS Regiment der GardeS du CorpS attakirt hat." Hierauf vollzog St. Majestät der Kaiser die drei Hammerschläge. AlSdaun fand Parademarsch des Regiments unter Führung deS Obersten v. Bissing statt. Nach Beendigung der Feier begab sich Se. Majestät der Kaiser zur Theilnahme am Diner nach dem OsfizierSkasino.
Die Königin Victoria von England trifft am 25. April in Darmstadt ein und verbleibt bis Anfang Mai.
Der BundeSrath hat am Freitag bal Gesetz betreffend die Unterstützung von Familien der zu FriedenSübungeu eiuberufenru Mannschaften in der vom Reichstage beschlossenen Fassung einstimmig angenommen. Danach erhalten die Familien der aus der Reserve, Landwehr, der Seewehr, sowie der aus der Ersatzreserve für die zweite oder dritte Uebung eingezogenen Mannschaften vom 1. Juli 1892 ab auf Verlangen Unterstützungen auS öffentlichen Mitteln. Der Anspruch ist ausgeschlossen, wenn der UebuugSpflichtige zu denjenigen ReichS-, Staats- oder Kommuualbeawten gehört, denen in der Zeit der Einberufung zum Militärdienste ihr persönliches Diensteinkommen gewahrt ist. Dagegen werden Unterstützungen nach Maßgabe des Gesetzes auch rücksichtlich solcher FriedenSübungeu gewährt, die ganz oder theil- Weise in der Zeit vom 1. April bis 1. Iu li d. I. stattfiadeu. Die vierwöchige Frist zur Anbringung deS UnterstützungSanspruchS beginnt, wenn die Uebung vor dem 1. Juli beendigt ist, mit diesem Tage. In allen Fällen ist der Anspruch auf Unterstützung bet der Gemeinde- behörde deS OrteS auzubringen, in dem der UnterstützungSberechtigte zur Zeit deS Beginns
dieser auf die morsche Bank zurück. Seine Gedanken malten sich Beider Zukunft auS. — Er sprach dabei mehr mit sich, als mit seiner Schwester — einzelne — abgerissene Sätze — wie diese:
„Die FreytagS - sie — werden mich angeben — zum Waiseurath laufen — mich verklatschen, was für ein schlechter Kerl ich sei — BefferungS- Haus hab ich schon oft von ihr gehört — für ungeratheue Kinder — Ich werde dort hineinge- steckt werden — einen grauen Kittel kriegen — wir werden von einander gerissen — Hilde — nein — «ein Schwesterchen!"
»Wir sind einmal arme Kinder — zum Elend geboren — Wir haben feinen Vater und keine Mutter mehr — waS sollen wir auch in dieser Welt — wie die Verirrten — die AuSgestoßenen — umhergeheu?"
Und er riß bei diesen Worten förmlich die Schwester von ihrem Sitze auf, mit seinen Armen, als wolle er sie zu einem Entschlüsse empor- heben —
„Hilde — wir wollen sterben gehen! —"
DaS Mädchen schauerte zusammen — aber Bruno umklammerte die Schwester fest. Sein Blick drang in sie ein, gebieterisch — „Hörst Du ? — der Vogel singt immer noch — Wenn er unsere Mutter wäre, sie spräche: Kommt zu mir!"
,3a — wir wollen sterben gehen," flüsterte Hilde.------------
Wie bei dem Begräbnis der Mutter der Kinder