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Hersfeliitl Kreisbliitt.
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Ri. 43? Smmdcnd den 9. April IM.
Erstes Blatt.
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AWtliches.
Hersfeld, 'den 6. April 1892.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des KreiseS, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 17. März 1885 Nr. 3077, KreiSblatt Nr. 34, betreffend die Revision der Gemeiudekaffen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12, d. MtS. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
I. A. 565. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n t tz.
Hersfeld, den 6. April 1892.
In Friedewald und Umgegend sind in letzter Zeit mehrfach die Maseru ausgetreten; es wird deshalb die Ministertal-Anweisung, zur Verhütung der Uebertragung ansteckender Krankheiten durch die Schulen, vom 14 Juli 1884 (abgedruckt im KreiSblatt Nr. 105 für 1884) in Erinnerung gebracht und werden die Herrn Lehrer ersucht, dafür zu sorgen, daß die Vorschriften dieser Anweisung genau befolgt werden.
I. I. Nr. 2435. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Arme Kinder!
Von
Georg Horn.
(Fortsetzung.)
„Jst's wahr?' frug dann das Kind mit leuchtendem Blicke. »Wenn auch nicht so schön — wenn ich nur so gut werde!" Es lag etwas in dem Augenaufschlag des Mädchens, das nur ihm eigen war — eine Schelmerei und Herzigkeit, die noch bezwingender wirkte, als sie ihm, daS noch halb Kind, ganz unbewußt war. Das tief Weibliche zeigte sich in ihr in der Unterordnung unter den Willen des BruderS. Sein Wort war ihr Gebot — Was Benno sagte — wollte, darin ergab sie sich blindlings. Wenn er seinem Worte und Willen mit einer raschen Bewegung seiner dunklen Augen einen stärkeren Ausdruck gab — so übte daS gleichsam einen magnetischen Einfluß auf sie. So viel Weibliches in ihr, so viel männlich Entwickeltes in dem Bruder — eine Entschlossenheit — eine Fixigkeit — ein moralisches Gefühl, daS sich bis zur Hartnäckigkeit versteifen konnte.
„Die stecken wieder den ganzen Tag die Köpfe zusammen," sagte Karl Frcytag nach einem Mittagessen zu seiner Mutter. Er meinte Benno und
Gefunden: auf der Landstraße bei Mecklar ein Sack mit Leinsamen. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Mecklar.
Aus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 6. April. In der heutigen (48.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurden der Vertrag zwischen Preußen und Bremen wegen Erweiterung des Bremischen Staatsgebietes nördlich von Bremerhaven vom 14. März 1892, sowie der Gesetzentwurf, betr. Abänderung wegepolizeilicher Vorschriften für die Provinz Schleswig-Holstein, mit Ausnahme des Kreise« Herzogthum Lauenburg, in erster und zweiter Berathung ohne Debatte erledigt. — Der Gesetzentwurf, betreffend die Besetzung der Subaltern- und Unlerbeamtenstellen in der Verwaltung der Kommunalverbände mit Militair- anwärtern, veranlaßte längere Debatte. Abgeordneter Schröder (Pole) findet e« bedenklich, daß die Militairanwärter auch in den Landgemeinden ein bevorzugter AnstellungSrecht haben sollen, beantragt im klebrigen die Ueber Weisung der Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Abg. Barth theilt daS Bedenken de« Vorredners nicht, hat überhaupt keine prinzipiellen Bedenken gegen die Vorlage. Im klebrigen hebt er verschiedene Punkte hervor, welche in der Kommission besondere Beachtung verdienten. Minister des Innern Herrsurth hat seinerseits natürlich nichts geg^rdi' Kommission-beratb-mg. weist aber nach, daß wegen der von den Vorrednern hervor- gehobenen Punkte eine Kommissionsberathung kaum nöthig sein werde, da die angelegten Bedenken entweder durch den Wortlaut des Gesetzes selbst oder durch die Begründung und durch die Verhandlungen des Herrenhauses erledigt seien. Jedenfalls würden sich etwa noch obwaltende Bedenken in der Kommission leicht beseitigen lassen. Abg. Frhr. v. Heeremann betont, daß den Gemeinden, soweit eS irgend möglich sei, freie Bewegung aus diesem Gebiet gelassen werden müsse. Er hält die Einsetzung einer Kommission von 21 Mitgliedern für zweckmäßiger. Abg. Eberhard konstatirt, daß seine konservativen Freunde dem Gesetzentwurf im Allgemeinen freundlich gegenüberstehen. Sie seien aber in diesem Augenblick noch nicht in der Lage, die Tragweite desselben in Bezug auf die Landgemeinden zu übersehen. Deshalb seien auch die Konservativen für die Kommissionsberathung. Abg. Eberth erklärt, daß auch die freisinnige Partei dem Gesetzentwürfe nicht als Gegner gegenübersteht. UebrigenS sei es vollkommen gerecht, daß, wenn die Stadtgemeinden einen Theil ihrer kommunalen Selbstständigkeit preiSgeben müßten, auch die Landgemeinden davon nicht ausgenommen werden. In ähnlichem Sinne spricht sich Abg. Bartmer (nationallib.) au«. Die Vorlage geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern.
Hilde — „die haben ja wohl wieder etwas aus- gefreffen."
Nicht in dieser Aeußerung allein, schon in mancher vorhergehenden kam es deutlich zu Tage, als ob Freytag filiuS auf die Macht eifersüchtig wäre, die Benno über seine Schwester übte. Jedenfalls fürchtete er ihn.
So zart gebaut auch Hilde war, so wenig ward sie von Frau Freytag in Bezug auf häusliche Arbeiten geschont. Es wurde kein Dienstmädchen mehr im Hause gehalten, nur eine Aufwärterin.
„So hört wenigstens der ewige Kravall im Hause auf," hatte Karl zu den Geschwistern gesagt. „Ein schönes Dienstmädchen mag meine Mutter nicht leiden und ein garstiges mein Vater nun schon gar nicht."
DaS verstanden nun die Beiden gar nicht — Hilde frug auch mit verwunderten Augen — „Warum denn?"
„Warum? Was ihr doch für SchafSdämel seid !"
Hilde war gewohnt, in ihrem Kämmerchen vor Schlafengehen selbst ihr Bett zurecht zu machen. Sie begann sich zu entkleiden — dann bürstete sie das Haar und vergrub da? Gesicht in einen großen, nassen Schwamm. Ihren bescheidenen Schlafrock hatte sie auf den Stuhl gelegt — da schien sie sich plötzlich an etwas zu erinnern — hastig und fast erschrocken lief sie zum Schemel,
Berlin, 7. April. In der heutigen (49.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurden die Gesetzentwürse, betr. die Erweiterung des Unternehmen« der Stargard-Güstrower Eisenbahngesellschaft durch den käuflichen Erwerb der Eisenbahn von Glasow nach Berlinchen; betr. die Beseitigung der kirchlichen 'Steuerfreiheit der Angehörigen der Kieler Universität; betr. die evangelische Kirchenversassung in den acht älteren Provinzen der Monarchie; betr. den Vertrag zwischen Preußen und Sternen wegen Erweiterung des bremischen Staatsgebiets nördlich von Bremerhaven vom 14. März 1892; betr. Abänderung wegepolizeilicher Vorschriften »für die Provinz Schlc«wig-Holsteiu, mit Ausnahme de« Kreises Herzogthum Lauenburg, ohne Debatte erledigt. Daraus führte in Verbindung mit der ersten Berathung de« Anträge« Neukirch- Drawe aus Annahme einer Gesetzentwurfs, betreffend eine vorläufige Bestimmung über die Regulirung der gut-herrlichen und bäuerlichen Verhältnisse behufs der Eigenthum-verleihung in Neuvorpommern und Rügen, und des Antrages derselben Abgeordneten auf Annahme einer Gesetzentwurfs, betr. die Regulirung der gut-herrlichen und bäuerlichen Verhältnisse in Neuvorpommern und Rügen, eine Petition des Kossäthen Dankwardt zu Minckwitz und Anderer wegen Einführung des Abschnitts III. des AblösungsgesetzeS vom 2. März 1850 in Neuvorpommern und Rügen zu eingehender Verhandlung. Demnächst kamen Petitionen zur Erledigung, zumeist ohne allgemeine- Interesse.
Nokitische Nachricht«».
Se. Majestät der K a i s e r empfing am Mttt- woch Vormittags 10*/3 Uhr auf dem Stetttuer Bahnhöfe den Großherzog und die Großherzogtu von Mccklenburg-Strelitz, geleitete dieselben tu'S Schloß, wo die Kaiserin sie begrüßte. Mittag- fand eine Frühstück-tafel statt, an welcher auch die Kaiserin Friedrich, die anderen Prinzen und Prinzessinnen, der Staatssekretär Marschall und daS mecklenburgische Gesandtenpaar Oertzro Theil nahmen. Abends erfolgte die Rückfahrt der Hoheiten nach Neustrelitz.
Am Donnerstag Vormittag hatten Ihre Majestäten der Kai s e r und die Kaiserin zunächst wieder eine gemeinsame Spazierfahrt und gelegentlich derselben eine Promenade unternommen. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, konferirte Se. Majestät zunächst mit dem HandelSminister und hierauf
auf dem das Kleidungsstück lag, griff in die Tasche, zog einen Gegenstand heraus und suchte diesen unter dem Kopfkissen zu verbergen. Plötzlich fühlte sie sich umfaßt. Sie glaubte, eS sei ihr Bruder und wollte, sich umwendeud, ihm eben einen KlapS auf seine Hände geben — alS sie in die Augen Karls sah. Diese glänzten wie im Fieber — daS Gesicht war hoch geröthet — er dünkte ihr tu diesem Augenblicke noch häßlicher als sonst.
ES waren nur einzelne — abgebrochene Laute — und ein tiefes Athemholen de- Jungen.
„Geh — geh! Du stehst wie ein Teufel auS — Du frecher Junge — Schäme Dich!"
„Wenn ich Dir gut bin, Hildcheu? Ach sei doch nicht so dumm. Du kannst eS im Hause sehr gut haben — wenn Du nur willst — Mama muß Dir ein neueS Kleid kaufen — sie muß mir Geld geben, damit ich Dich in den C^rkuS führeo kann — und wenn sie unS wieder zweimal deS Sonntags in die Kirche schickt, dann gehen wir dafür zum Conditor — aber mach nur kein so alberneS Gesicht! — Wie eine Katze siehst Du aus! Geh - sei gescheidt — ich will Dir ja nicht- thun —"
„Ich schreie — wenn Du mich nicht in Ruhe läßt — Da — Da — nichtSnütziger — verdorbener Lümmel!"
I „Lümmel! Ha — ha — ha - aber um s»