Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Postaufschlag.
Die Jnsertionogebühren betragen für den Raum einer SpaltzeUe 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zelle 20 Pig.
»W arStzeren NnftrSgrn entsprechender Rabatt.
Itrsftlöti Kreislilitl.
Mit wöchentlicher Kratis-Keilage ^llukirirtes Anterbaltungsklatt".
Nr. 42. Donnerstag den 7. April " 1Xi«L
DMMllls-ZMllllg.
Bestellungen auf das Hersfelder Kretsdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „JllustrirlesUnierhalluiigs-Blalt." pro II. Quartal werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalteu, Landbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, deu 2. April 1892.
Der Kreistag bat für die Kinderbeilanstalt zu Sooden o /W für das Jahr 1892/93 einen Beitrag von 200 Mk. bewilligt, und können in Folge dessen einige arme scrophlllöse Kinder aus dem hiesigen Kreise zu einer Badekur (von längstens 4 Wochen) in genannter Anstalt unentgeltlich ausgenommen und verpflegt werden.
Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, -bie Eltern oder Angehörigen, der einer derartigen Badekur bedürftigen Kinder ihrer Gemeinden hierauf aufmerksam zu machen und etwaige Gesuche, welche bis spätestens den 15. d. MtS. hier eingegangen s e i u müssen zu vermitteln.
Ausgenommen können werden Knaben im Alter von 3—12 und Mädchen im Alter von 3-14 Jahren. Den Gesuchen ist ein ärztliches Attest sowie eine Bescheinigung deS Bürgermeisters über die Bedürftigkeit der Eltern beizufügen.
Der Vorsitzende des KreiSausschusses.
Freiherr Don Schleinitz, Landrath.
I 2370.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) |
Arme Kinder!
Von Georg Horn. (Fortsetzung.)
»Sei still!* mahnte Bevuo wieder und drückte ihre Hand, daß sie fast vor Schmerz aufschrie.
»Niemand mehr?*
»Nein — nein!* rief das Kind.
Die drei Schläge fielen. Der Auktionator lachte zu der Stimme Hildas und sprach den Lehnst fiel einem Trödler zu.
„Verschiedene Schmnckgegeustände, ohne großen Werth! — Die Herrschaften können sie in der Schale, die ich umherreiche, ansehen — daS beste ist ein kleines Daguerreotyp in massiv goldener Fassung. —*
„DaS Bild deS jungen Bruders unserer Mutter. Vor dem — wissen Sie noch, Mamsell Rowald — vor dem weinte sie oft — und darum hatte es unser Vater ganz klein abnehmen und in eine Brosche fassen lassen. Die trug unsere Mutter immer. Sie hatte den Bruder gar lieb,*
„Er war verdorben und gestorben,* sagte Mamsell Rowald für sich.
»Aber unsere Mutter hatte ihn gar lieb, darum konnte er nicht schlecht sein!* brauste der Knabe auf. —
Die Schale ging herum. DaS Bieten auf die
Hersfeld, den 4. April 1892. j
Für den am 12. September 1873 zu Ausbach geborenen Georg Führer ist um Entlastung auS dem preußischen Stoatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. I 2399. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i u itz.
Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers Carl Könecke zu Hof Hählgans ist erloschen.
AllmerShausen, den 5. April 1892.
Der Bürgermeister Niediug.
Mitte Mai und October findet alljährlich in dem mit dem Hessischen Diakonissenhause verbundenen Seminar zur Ausbildung von Klein- kinderlehrerinnen (Kindergärtuerinuen) die Auf- nahme neuer Zöglinge statt. Der CursuS des Seminars ist einjährig.
Die Pension für den CursuS, Unterricht ein- geschloffen, beträgt 330 Mark.
Anfragen sind zu richten:
An den Vorstand des Diakoniffeuhauses bei Coffel. Poststation Weblheideu.
Aus Moltkes Leben.
Von den gesammelten Schriften MoltkeS ist jetzt der erste Band „Zar Lebensgeschtchte* er* schienen (Berlin, Mittler u. Sohn). Er enthält u. A. einen Aufsatz »Trostgedankeu* über das Verhältniß von Körper, Vernunft und Willen, Religion und Moral, den Moltke mehrfach um« arbeitete und dessen Gedanken er noch im hohen Alter zu vertiefen suchte. Ferner enthält der Band Schilderungen des häuslichen Lebens und der Gewohnheiten Moltkes aus der Feder scharfer und liebevoller Beobachter.
Der Feldmarschall war bis an sein Ende ein
Gegenstände begann.-----
„Aber das Beste - die Broche - fehlt ja!* rief eine der Trödlerinnen.
Es erhob sich darob ein lauter Skandal. Einer von den Trödlern beschuldigte den andern, daß der die Schale mit den Sachen zuletzt in der Hand gehabt habe. Aller Haß und verbissener GeschäftSneid kamen zum offenen Ausdruck, eS regnete Schell- und Schimpfworte durcheinander, dazwischen ertönte die Stimme des gerichtlich bestellten Auktionators, daß daS Kleinod um jeden Preis wieder herbeigeschafft werde« müsse. ES sei das werthvollste Stück im ganzen Nachlaß gewesen, jedenfalls an Golbwerth über sechzig Mark.
»Reden Sie keinen Mumpitz,' warf eine Stimme ein, »nicht fünfzehn hätte ich dafür gegeben.'
»Der — der bat'S!* schrie AlleS durcheinander, „sonst würd' er's sicher nicht so genau kennen, der Quinase hat sich nun selbst verrathen!' Alle Blicke gingen, olle Finger deuteten auf einen kleinen, verwachsenen Trödler, dem mit deu Jahren der Rücken krumm geworden war. Der obere Theil seines Körpers war ganz zusammen geschrumpft, dagegen blitzten seine kleinen schwarzen Augen gar hell und pfiffig unter den Augenbrauen hervor. »Sehen Sie nur seine pelzverbrämteu falschen Oogen!* flüsterte die Schiereke ihrer Nachbarin zu. „Der hat's ja in seinem rechten Daumen; ungesehen erräth der's, waS Gold und waS Nickel ist. Ja dem kupfernen Kessel, den er mir neulich auf der Auktion weggekauft hat, —
Frühaufsteher. Sobald er Morgens aus einem tiefen und gesunden Schlaf erwachte, besten er sich auch im höchsten Alter noch erfreute, stand er auf und kleidete sich an. Niemals brauchte er dabei die Hilfe eines Dieners, wie er überhaupt eine fast ängstliche Scheu davor hatte, die Dienste eines anderen Menschen in Anspruch zu nehmen. Auf seine Toilette verwendete er wenig
Sorgfalt. Er besaß nie mehr alS zwei Anzüge und trug sie bis zur äußersten Grenze deS Möglichen. Noch im Jahre 1891 rühmte er sich, einen Sommerpaletot zu besitzen, den er sich habe machen lassen, als er im Jahre 1857 mit dem damaligen Kronprinzen von Preußen nach England gegangen sei, und der noch immer so gut wie neu wäre. Auch vergaß er nie hervorzaheben, daß dieser Paletot seidenes Futter habe, ein LuxuS, den er sich später nie wieder bei einem Kleidungsstück gestattet hat Wenn er in Greif au war oder sich auf Steifen befand, trug er ausnahmslos Civil- kleider, meistens einen schwarzen Gehrock und dunkelgraue Beinkleider.. In den letzten Jahren hatte er sich ein ^a&t aus dickem Wolleustoff angeschafft, da er von jeher empfindlich gegen Kälte war, es aber fast immer unnöthig fand, einen Überrock anzuziehen. Wenn er auf einige Tage zu Verwandten oder Bekannten ging, nahm er nie irgend welch-S Gepäck mit, und auf feinen längeren Reisen enthielt der kleine Koffer, den er dann nothgedrungen mitführen wußte, immer nur das Unentbehrlichste. Er haßte jedes Gepäck als «»nöthigen Ballast und konnte sehr ungehalten werden, wenn seine Begleitung mehr davon „mit- schleppte", alS ihm unbedingt nöthig schien. Mußte er, selbst bei Ausflügen auf einige Tage, einen schwarzen Gesellschaftsanzug haben, um ein Diner, eine Sitzung oder dergleichen mitzumacheu, so reifte er gleich im Frack und ging Tage lang darin umher, immer der Gefahr einer Erkältung ausgesetzt.
' in dem soll er auch bis zum jüngsten Tage in | Oel gesotten werden!*
Gegen Quinase war eine starke Partei, aber er ließ sich durch alles Durcheiaauderredeu und Rufen und halblautes Verdächtigen nicht auS seiner Ruhe bringen. Ganz ruhig sagte er:
„DaS Medaillon stellte den seligen Bruder der seligen Frau Sekretärin vor — Waren wir doch Schulkameraden! Er war ein hübscher Jüngling und ich — viel schöner als jetzt hab ich damals auch nicht auSgeseheu — darum war ich ihm ein so lieber Freund, weil die Leute an mir absehen konnten, wie schmuck er auSsah. Hab's nicht gewußt, daß er seinem Vater, dem Herrn Professor durchging — auf daS große Wasser. Aber am Abend vorher waren wir noch zusammen — Da wurde er gar weich, wie er sonst nicht war — eher barsch — aber an dem Abend war er anders — Friedl — sagte er zu mir — Friedl — Da warst mir ein juter Freund — da» werd ich Dir gedenken — Ja Deiner Todesstunde versprech ich Dir — werd' ich bei Dir sein. Wenn er jetzt nur im Bilde bei mir wäre — ich ihn zu mir gesteckt hätte — würde ich doch meine Todesstunde selbst herbeirufeu. — Nein — so eilig hat» der Quinase nicht. Herr Auktionator — wenn Sie noch irgend einen Verdacht gegen mich haben — ich will mich hier ganz auSziehen lassen.*
Energische Proteste, namentlich der Frauen gegen den Vorschlag — von der andern Lachen. Quinase hatte wieder seine Partie gewonnen.