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Nr. 40. Sonnabend den 2. April 1M.°

Zweites Blatt.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 30. März. In der heutigen Sitzung der Reichs- tages wurde der Gesetzentwurf betreffend den Belagerungs­zustand in den Reichslanden nach der Fassung der Kommission angenommen. Kriegsminister v. Kaltenborn erklärte, daß er zu dieser Fassung seine Zustimmung geben werde, und rühmt die in der Kommission auch von Elsaß-Lothringen bekundete einmnthige Vaterlandsliebe. Abg. Petri (Elsässer) stimmt der Kommission zu und erklärt, daß die Elsaß-Lothringer treu und lest zu Kaiser und Reich hielten, aber keine Ausnahme­gesetze wünschten. Abg. Delle« spricht sich gegen alle Aus­nahmegesetze für die ReichSlanbe auS. Abg. Hickel erklärt, die Socialdemokraten lehnen da« Gesetz deswegen ab, weil eS eben ein Ausnahmegesetz wäre. Der NachtragSetat für die strategischen Eisenbahnen wurde angenommen, nur die Socialdemokraten stimmten dagegen. Die Abgg. Huz, Hahn bitten Baden gegenüber die möglichste Billigkeit walten zu lassen. Der Gesetzentwurf betreffend den Weinverkehr wurde in dritter Lesung unter Ablehnung aller Anträge nach den Beschlüssen in zweiter Lesung mit einer namentlichen Ab- stimmung von 130 gegen 109 Stimmen angenommen. Zum Schluß der Sitzung wird noch der Gesetzentwurf, betreffend die Vergütung des CacaozolleS bei der Ausfuhr in erster und zweiter Lesung angenommen.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 30, März. In der heutigen (43.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurden die Gesetzentwürfe, betr. die äußere Heilighaltung dcr Sonn- und Festtage in den Provin­zen SchleSwig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau, sowie der Gesetzentwurf, betr. die Aufhebung älterer, in der Provinz Hessen-Nassau geltender gesetzlicher Bestimmungen über die Untersuchung des Schlachtviehes und die Ausstellung von ViehzesundhcitSschcinen, in dritter Berathung definitiv erledigt. Auch der Gesetzentwurf, betr. die Entschädigung für an Milz­brand gefallene Thiere, wurde nach einiger Debatte, unter Ablehnung eines AbLnderungSantrageS, nach den Beschlüssen zweiter Lesung definitiv angenommen. Die Gesetzentwürfe, betr. die Abänderung von AmtSgerichtSbezirken und betreffend i die Errichtung eines Amtsgerichts in der Gemeinde Lechenich, wurden in erster und zweiter Berathung erledigt. Da« Haus trat sodann in die Berathung von Petitionen ein. Eine Petition, welche die Gewährung bei Vorzugsrechts an Bau­handwerker für Bauforderungen verlangt, beantragt die Kom­mission der Regierung als Material für die Gesetzgebung zu riberweisen. Nachdem von den Abgg. Dr, Dürre und Fried­berg die Nachtheile einer solchen Forderung dargelegt worden waren, die Abgg. Stöcker (kons.) und Pleß entschieden für die Forderungen der Bauhandwerker eingetreten waren, wurde die Petition auf Antrag des Abg. Goldschmidt in die Justiz- kommission,zurückverwiesen.

Vermischtes.

B e r I i u, 31. März. Der hiesige vereidete FondSmokler Ed. Langenbach ist plötzlich der- schwunden. Heute erhielten 6 biS 8 Firmen i Abschtedsbriefe, in welchen der Makler andeutet, daß er von Berlin fortgehe, um sich in Frankfurt - a. M. das Leben zu nehmen. Der Verschwundene soll Wucherschulden in Höhe von 600 000 Mk. hinterlassen. Die Börse ist nicht betbetliat Die Familie des Verschwundenen wird um so härter von diesem traurigen Fall betroffen, als erst vor Kurzem ein Schwager deS Langenbach, Banquier Sommerfeld, in Firma Friedländer und Sommerfeld zugleich mit seinem Bruder den Tod gesucht.

Görlttz, 29. März. Eiu überaus trauriges Familieudrama hat sich der »Schief. 5tg." zufolge hier abgespielt. Am Mittwoch itttag gab die Frau deS Schuhmachers Friese rem kleinen Töchterchen Schwefelsäure ein, um zu vergiften. DaS Kind scheint die Säure -» icht heruntergeschluckt zu haben, hat sich aber

mit den Händchen dieselbe in die Augen gewischt, | so daß eS jedenfalls daS Augenlicht verlieren wird. Die Frau ist an der Wirkung der von ihr selbst genossenen Säure unter entsetzlichen Qualen gestorben. Vorgestern Nachmittag ent­fernte sich Friese mit seinem Sohn aus seiner Wohnung und miethete sich einen Kahn, mit dem er auf der Reise heromaondelte. Plötzlich legte er seine Uhr und ein Notizbuch, in welches er noch eine Bemerkung geschrieben hatte, in den Kahn, nahm seinen Sohn, warf ihn in das Wasser uud sprang dann selbst nach. Beide sind ertrunken und wird nach ihren Leichen noch gesucht.

W i t t e n b e r g, 31. März. Ein neuer Diogenes, ein Böttch-rmeister in Gräfeu- Haiuchen, machte sich, wie die »Saale-Ztg." be- bertchtet, dieser Tage im schwarzen Anzug, einen hohen, mit schwarzer Feder geschmücktem Hut auf dem Kopfe uud eine brennende Laterne in der Hand, am hellen Tage auf, um tu den Straßen des Städtchens sein Recht zu suchen. Anlaß zu dem seltenen Umzug soll gewesen sein, daß die Frau deS Mannes am Tage vorher vom Schöffengericht wegen HolzdiebstahlS zu drei Tagen Gefängniß verurtheilt worden ist. Sein Recht hat der Mann insofern gefunden, als sein Umgang von der Polizei unterbrochen und er nach Hause gebracht wurde.

F t s ch h a u s e n , 25. März. Ein merk' würdiger Fall religiösen Wahnsinns hat sich, der Elb. Zig." zufolge, in Dulack ereignet. Der Arbeiter Puschke, an welchem schon seit längerem auffallende Merkmale eines gestörten Geistes­zustandes wahrnehmbar waren, wurde kürzlich von seiner Frau vermißt und in dem Stalle in einer Lage aufgefunben, welche keinen Zweifel darüber aufkommen ließ, daß der Unglückliche sich kreuzigen wollte. Er hatte sich flach auf den Bösen niedergelegt, band sich die Füße an den Knöcheln zusammen und trieb mittelst einer Hacke einen langen spitzen Nagel durch dieselben. So­dann breitete er die linke Hand aus und heftete sie mittelst der freigebliebenen Rechten durch einen zweiten gleichen Nagel fest an den Boden. Schon vom Blute überströmt, griff er nach einem an seiner rechten Seite bereit gelegten Messer und brächte sich an der nackten Brust eine ganze Reihe von Schnitt- und Stichwunden bei. Wie lange P. in diesem Zustande gelegen, ist unbekannt; erst Abends, als feine Frau von der Arbeit gekommen war, wurde er von derselben im Stalle bewußtlos aufgefunben.

Freiburg im Breisgau. Bet einer FeuerSbrunst in der Klarastraße, die durch Petroleumentzündung entstanden war, ist eine Familie von acht Personen verbrannt. Ein Kind, welches aus dem Fenster geworfen wurde, ist schwer verwundet.

Die »Eide r', der gesunkene Dampier, wurde am Dienstag, 11 Uhr Vormittags, unter großer Schwierig! it flott und ging, begleitet von vier Dampfern, sogleich nach Southampton ab.

Oldenburg. Die ersten Kiebitzeier werden hier feilgeboten. DieGetreuen von Jever" lassen durch Aufkäufer für jedes Ei eine Mark bezahlen.

Rom, 31. März. Die Nachrichten aus Ober-Italien über daS AuStreten der Flüsse nehmen einen immer bedrohlicheren Charakter au. In Astt sind 200 Häuser bedroht. Die Genietruppen haben in unausgesetzter Thätigkeit bereits 50 Personen in Sicherheit gebracht. Die Eisenbahn von Astt nach Castagniole ist gefährdet.

Zwei Vorstädte von Alleflaudria sind über­schwemmt, auch in der Umgegend von Turin stehen mehrere Ortschaften unter Waffer. Die Eisenbahnverbindung CuneS-Timone ist durch den Sturz einer Erdlavine unterbrochen. Bei Sauteua sind zahlreiche Häuser eingestürzt. «thu- licht Nachrichten treffen anS Este, Modena, Parma, Reggio und Ferraro ein.

PariS, 31 März. DemMatin" wird auS Boston telegraphirt, daß im Hotel Clerk in der Washingtonstraße ein furchtbares Feuer anS- gebrochen sei. 50 Personen sollen umaekommeu sein. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.

London, 29. März. Der Dampfer Holmrook" Don Arbroath nach Rotterdam unter­wegs scheiterte auf Holy JSland. 11 Mann der Besatzung ertranken.

Loudou, 30. März. G'steru Nacht brach in dem Restaurant und CafS Geutve ein großes Feuer auS. Mehrere Bedienten erstickten in ihren Betten. Zwei auS der Schweiz gebürtige Kellner, die aus dem vierten Stockwerk des HauseS auf die Straße spraugen, blieben auf der Stelle todt.

New-York. Ein großes Unglück trug sich am 26. März in den Carnegischen Stahl­werken in Hom-stead Staate Pennsylvanien zu. Ein B-ssemer Converter geri-tb aus dem P vot und ergoß seine glühenden Masten auf die Erde. Vier darunter stebeude Arbeiter wurden von dem Metallstrom begossen und erlitten schwere Ver­letz ragen, Denen sie bald erlagen. Fünf andere wurden von dem flüssigen Stahl bespritzt und trugen schwere Brandwunden davon.

Maudalay, 31. März. »Daily Chrou.' meldet von gestern, eine schreckliche FeuerSbrunst habe fast drei Viertel der Stadt in Asche gelegt. Auch das Telegrophenbureau und die alten Pa­läste seien niedergebrannt. Viele Personen seien in den Flammen umge kommen. Die »Times' meldet, nach einem amtlichen Telegramme wäre die Hälfte der Stadt vollständig zerstört.

Läßt tief blicken. Frau: Daß du deine Rettungsmedaille immer am Rock trägst, finde ich gar nicht bübsch. Mau prahlt doch nicht mit feinen Heldenthaten!' Mann: »Ja, dann dürfte ich doch ouch den Trauring nicht tragen!'

Haus- und Land wirthschaft.

Zur Entfernung deS GlauzeS von getragenen Kammgarnstoffen genügt ein mehr­maliges Bürsten mit einer Auflösung von 25 Gramm Salmiak und 25 Gramm Salz in 50 Gramm Wasser. Auch schon das wiederhotte Ueberwischeu mit Benzin und Nachreiben mit reinen Tüchern läßt den Glanz mehr oder weniger verschwiuden.

(Mittel gegenKalbefieber.) Bzth. Fambach empfiehlt, beim Kalbefieber die vortbeil- hafte andauernde Frottage mit 01. therebintinae durch abwechselnd kalte und heiße Wafferumschläge in der Weise zu unterstützen, daß man nach der Frottage Säcke in kochendes Wasser taucht, auS- winden läßt und so heiß als möglich die Rücken- und Leudenpartie der Länge nach, sowie durch einen quergelegten Sack die Kreuzpartie bedeckt, nach einer Viertelstunde die warmen Säcke ab- nimmt und durch möglichst kalte Säcke ersetzt. Dieses Verfahren wird 12 Stunden lang wiederholt.