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Erscheint wöchentlich drei Mai Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Monnnnentdprei«

vierteljährlich 1 Mark 40 M. «xei.

Postaufschlag.

Die Insertwndgebühren betragen für den Raum einer Sp^tzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

HH größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

fersfditr Kmshlatt.

Mit wöchmtlicher Kratts-MeilageJllustrirtes Auterhaltungsölatt".

Nr. 38.Dienstag den 29. März

1892.

DMiMts-JMmg.

Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Kersfewer KreisMatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage JllustrirtesUntcrhaltllllgs-Blatt."

Wir bitten, daS Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bet Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra­tis-BeilageJllustrirtes Unterhaltungs­blatt- beträgt 1 Mk. 40 Pfg.

Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. April 1892 gratis und franco zu­gesandt.

SMF Inserate finden zweckentsprechende Verbreitung und kostet die viergespalteue Garmond-ZeiU oder deren Raum 10 Pfennig.

Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 28. März 1892.

In den nächsten Tagen gehen den Herren Orts- vorständen des Kreises die Benachrichttgungs- schreiben über die Einkommensteuer-Ver­anlagung für 1892/93 zu. Dieselben sind den Adressaten verschlossen sofort zuzustellen und ist der Tag, an welchem die Zustellung statt- gefunden hat, uvfehlbarbtszuml. April d. J. mir berichtltch anzuzeigen.

Die weiter beifolgende Gemeindesteuer-

l i st e ist v o m 2. A p r i l d. I. ab gemäß §. 75 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes vom 24, Juni 1891 vierzehn Tage laug öffentlich auszu- legen und der Beginn der Auslegung in orts­üblicher Weise bekannt zu machen. Mit dieser Bekanntmachung ist gleichzeitig zu veröffentlichen, daß den Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von nicht mehr als 900 Mk. binnen einer Aus- schlußsrist von vier Wochen, nach Ablauf der Auslegungsfrist, die Berufung zusteht und zwar a) wenn die Veranlagung durch die Worein- schätzungS'Commissiou ohne Beanstandung erfolgt ist, au die Veranlagungs-Commisstou, b) wenn die Festsetzung des Steuersatzes durch die VeranlagungS-Commission stattgefunden hat, an die Berufungscommisston.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Ver- anlagungs-Commission.

Freiherr von Schleinitz, Landrath.

I. I 2236.

Hersfeld, den 24. März 1892.

Diejenigen Herren Ortsoorstänve, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. d. Mts. I. I. Nr. 1137, im KreisblaU Nr. 29, die Be- Händtgung der Benachrichtigungen über die Ge­werbesteuer-Veranlagung pro 1892/93 betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist biS zum 1. April d. Js. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

I. I 1137. Der Königliche Landrath.

In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 22. März 1892,

Am Dienstag den 12 April d. JS. Vormittags 10 Uhr findet im Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt.

Tagesordnung:

1) Prüfung der Verhandlungen über die gemäß

§. 64 und 65 der Kreisordnung vom 7. Juni

1885 im Oktober und November 1891 vorge- nommenen Ergänzungswahlen zum Kreistage und Beschlußfaffung über die Gültigkeit der­selben. (§. 71 der Kreisordnung und §. 2 der Geschäftsordnung.)

2) Prüfung und Feststellung der von dem KreiS- auSschuffe revidirten und von der seitens deS Kreistages in dessen Sitzung am 19. Sep­tember 1891 beauftragten Commission ge­prüften KretSkaffeu-Rechnung pro 1890/91. (§. 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.)

3) Beschlußfaffung über die vorliegenden Unter- stützungsgesuche.

4) Feststellung des KreishaushaltS-EtatS pro 1892/93.

5) Wahl zweier Mitglieder deS KretSauSschuffes an Stelle der gemäß §. 91 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 auSscheidenden Herren Mühlenbefitzer L. Roll zu Bingartesmühle und Bürgermeister Reinhard zu Landers- hausen.

6) Wahl eines ^riSdeputirten an Stelle deS mit dem 1. Juli 1892 auSscheidenden Herrn Bürgermeisters Braun dahier für die Zeit vom 1. Juli 1892 bis dahin 1898. (§. 25 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.)

7) Wahl von je 7 Vertrauensmännern für deu Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und SchenkleugSfeld zur Mitwirkung bei der in 1892 stattfinden« den Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1893. (Gerichtsverfassung?- gesetz §. 40 R.-G.-S. S. 49 de 1877 und Ausführungsgesktz §. 35 G.-S. S. 237 de 1878.)

8) Wahl von Mitgliedern und Stellvertretern der Pferde-MusterungS-Commtsstonen für die 4 Amtsgerichtsbezirke deS hiesigen Kreises gemäß § 13 und 14 deS Pferde-AushebuogS- ReglementS vom 22. Juni 1886 für die Zeit vom 1. April 1892 bis dahin 1898.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Arme Kinder!

Von

Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Dem Knaben trat der Angstschweiß auf die Stirn, schon wollte er aus dem Bette springen und zur Hülfe eilen ward aber wieder beruhigt, alS er von ihr hörte:

Ich unglückliche Frau! Nuu wirft er sich mit dem nassen Paletot und den schmutzigen Stiefeln auf das neue Sopha mit dem Ueberzug das Meter zehn Mark!

Am nächsten Morgen beim Frühstückskaffee saß ein Mann mit vollem etwas geröthetem Gesichte, um dessen Kinn ein leise ergrauender Kcanzbart ging. Er trug einen schmutzigen Schlafrock rauchte eine Cigarre, las die Zeitung und zwinkerte ein wenig über diese hinweg, als Frau Freytag die Kinder es war auch Hilde mit eingetreten ihm vorstellte und zu diesen sagte

DaS ist mein lieber Mann, dem ihr vor Allem zu gehorchen habt."

Carl schlürfte gerade seine große Kaffeetasse aus und lachte über diese ganz laut hinweg

Mama" sagte erDu thust es ja am allerwenigsten"

Aber Carl Du Unart! So etwas

I Deiner Mama zu sagen und vor fremden Kindern!"

Nun wie habt ihr denn zum ersten Mal im neuen Hause geschlafen?* Hilde sagte:Gut, Frau Lehrerin!*' und Beuno, daß er vom Lärm in der Nacht aufgewacht sei.

Das kommt öfters vor daran müßt ihr euch schon gewöhnen, daneben wohnt ein Fuhrherr dessen Kutscher kommen in der Nacht oft spät nach HauS und da giebt's oft Radau. Willst Du noch ein Täßchen, theurer Schatz?* wandte sich Frau Freytag an ihren Mann. Der schob statt aller Antwort die Tasse hin und ließ sich in seiner Lektüre nicht stören.

Carl beklagte sich, daß die Butter auf seiner Semmel nicht dick genug aufgeschmiert sei darauf hin ergriff Hilde daS Messer um sich ebenfalls aus der Butterbüchse etwas aufzustreich en.

Frau Freytag fiel ihr aber in den Arm:

Mein Kind daS geht nicht bei den theuren Butterpreisen und dem Wenigen, waS wir für Euch Beide bekommen. Carl, willst Du sagen, hat auch eine Buttersemmel, aber bet dem armen Jungen ist eS nöthig. Er ist so mager, er muß etwas Fett ansetzen, und die Knochen, die durch die Skropheln bei ihm im Rückstände sind, müssen auch aufgenährt werden darum bekommt er ausnahmsweise Zucker zum Kaffee und ihr nicht. Es wäre schade um eure schönen Zähnchen, die würden nur durch den

Zucker verdorben. Nicht war, Väterchenschatz?* wandte sie sich zu ihrem Manne.

Der Lehrer gab darauf keine Antwort, las weiter und ließ sich von seiner Frau den Paletot und die Stiefel bringen, um sich zur Schule fertig zu machen. Er durfte sich dabei nicht auf daS Sopha setzen, nicht auf einen Fauteutl, Frau Freytag brächte einen Küchenstuhl und dazu ein I altes Teppichstück, das sie dem Stuhle unterlegte, damit der Fußboden nicht beschmutzt würde namentlich der Teppich.

Reinlichkeit, Kinderchen merkt euch macht jedes Haus zu einem Tempel. Bet mir könnte man von der Diele seine Mahlzeit nehmen."

Und dabei hat die Frau Freytag schwarze Finger und der Herr Lehrer schmutzige Man­schetten/ sagte Benno, als die Kinder zur Schule gingen.

Beim Vesper schmeckte Hilde, daß ihr Kaffee süß war. Sie nahm einen Löffel voll von dem ihres Bruders, der war bitter dann goß sie die Hälfte des ihrigen in die Tasse Benuo's

Wer hat aus der Zuckerbüchse genascht?* begann Frau Freytag am Abend eine Untersuchung. Benno und Hilde fühlten sich unschuldig ein Beweis sei, daß sie gar nicht wüßten, wo daS Zuckerbehältniß aufbewahrt sei.

Und doch war Jemand dabei,* behauptete CarlS Mama.Mit Absicht habe ich eine Fliege in die Büchse etugeschloffen und als ich sie öffnete