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Hersselökl Kltishlktt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-KeilageIllnSrirtes NuteröMungsölatt".

Rr. 32. Dienstag den 15. März 1X92.

Amtliches.

Hersfeld, den 14. März 1892.

Die Herren Ortsvorstände, welche mit der Einreichung der Alaffensteuer-Zu- und AbgangS- listen der Stufen 312, sowie der Zugaugslisten der Stufen-1 u. 2 an die Steuerkasse noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist b i 8 zum 18. d. Mts. bei Metdung der Zu» seuduug eines Warteboten erinnert.

1983. Der Königliche Landrath.

Ju Vertretung: __Matthät, Kretssekretär k. A.

In hiesiger Gemeinde ist die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen.

LengerS, den 14. März 1892.

Der Bürgermeister Iäschke.

Die Heberollen der Grund» und Gebäudesteuer des hiesigen Bezirks für das Etatsjahr 1892/93 liegen vom 21. bis einschl. 24. d. Mts. Vor- mittags zur Einsicht der Steuerpflichtigen dahier offen, was die Herren Bürgermeister in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise alsbald ver­öffentlichen wollen.

Friedewald, den 12. März 1892.

Königliche Steuerkafse. Weste.

Die Verschärfung des Strafvollzugs.

Es ist eine hinreichend bekannte Thatsache, daß die Art und Weise, wie eine Strafe vollzogen wird, sehr viel mehr auf den Gesetzesübertreter einwirkt, wie eine meist nur kurze Freiheitsstrafe selbst. Wie heute unsere Gefängnisse und Zucht­häuser eingerichtet sind, enthalten sie für robe Gesellen nicht viel Abschreckendes. Erhalten diese doch dort Unterkommen, Nahrung und Pflege, wie sie die ärmsten Klassen sich in der Freiheit nicht immer verschaffen können. Die Freiheitsstrafe

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Die Gräfin von Saint-Germain.

Erzählung von Paul Victor Wichmann.

Das Meer bietet zu allen Tageszeiten, in allen feinen Bewegungen ein entzückendes Schauspiel für den, der nicht seekrank in seiner Kajüte dahiu- dämmert und wie auf einer Rheinfahrt den Blick nach den Ufern aussendet. Sind diese selbst nur tagelang die blauen Scheiben einer weiten Halb­kugel, immer giebt es einen steten, schönen Wechsel. ES schafft solche Beschäftigung zugleich Geduld, und endlich nahen auch die ersehnten Ufer.

Bald nach der Abfahrt von Key-West, einer großen Stadt in Florida und Schlüssel zu dem herrlichen Golf von Mexiko, scheint Havanah, die Hauptstadt der Insel Cuba, erreicht, und doch sind eS über zehn Stunden Fahrt, welche noch zurückgelegt Werben müssen. Indessen wir ge­waltsam wird man von der unaussprechlichen Schönheit der tropischen Pflanzenwelt an den verschiedenen Küsten fortgerissen, bis man den Anblick von CocoS, Banauen, Orangen, Gnaden und AnanaS hinter sich hat, und das Meer wieder breit und stolz seine Wogen dem Schiff entgegen- sendet. Nun jedoch ist alSbald Morro Castel, die Festung von Havanah, auf einer hohen Felsenstirve gelegen, in der wunderbar klaren Luft schon sichtbar. Ob auch noch Stunden ver­gehen, der Reisende von New-OrleanS schaut nach neuer Schönheit umher, und fällt schließlich einer

wird daher von Leuten mit besonders abge- stuwpftem Ehrgefühl nicht mehr als Strafe empfunden. Deßhalb erscheint eS dringend noth- wendig, für eine bestimmte Sorte von Gesetzes» Übertretern die Freiheitsstrafe dadurch empfind» licher zu machen, daß sie in der Art ihrer Ausführung verschärft wird und daß die Ueber- treter an ihrem körperlichen Zustande nach dem Vollzüge der Strafe eine Wirkung verspüren, welche als »Strafe" wirklich empfunden wird und ihnen warnend in der Erinnerung bleibt.

Der dem Reichstage vorgelegte Entwurf zur Bekämpfung der Unsittlichkeit rc. schlägt für ge­wisse Arten von Vergehen und Verbrechen eine Verschärfung im Strafvollzug vor. ES soll von den Gerichten (unter Berücksichtigung besonderer Umstände) auf hartes Lager auf Brettern (ohne Strohsack und Matratze) und auf Beschränkung der Kost auf Wasser und Brot erkannt werden können. Was diese Verschärfungen selbst anbe- trifft, so sind sie geeignet, die Strafe recht fühl­bar zu machen; dabei kann ihnen nach ärztlichen Erfahrungen eine gesundheitsschädliche Wirkung nicht zuerkannt werden, da bestimmt ist, daß die Verschärfungen jeden dritten Tag in Wegfall kommen, nur am Anfang der Strafzeit eintreten und nicht über sechs Wochen dauern sollen.

Diese Verschärfungen sollen nach dem Entwurf aber nicht nur den Kupplern, Zuhältern und Ver­breitern unzüchtiger Schriften, sondern allen denen gegenüber angewandt werden, deren That von besonderer Robheit und Sitten­los i g k e t t zeugt. Demgemäß sollen der Straf» Verschärfung beispielsweise die zahlreichen Rauf­bolde verfallen, welche auf öffentlicher Straße rohe Schlägereien beginnen, harmlose Spazier­gänger beschimpfen, Frauen wörtlich oder thätlich angreifen, ferner die sogenannten .Messerhelden", sowie diejenigen, welche in der Oeffentlichkeit durch unzüchtige Reden oder Handlungen Aerger­

Zollabfertigung rohrster Art in die Hände, bevor er ein gutes Hotel, angenehm und günstig gelegen, verdrießlich erreicht. Dort herrscht, wie zu New- Orleans, ein Franzose mit englischen Preisen; aber eine deutsche Hausfrau ist überall zu spüren. Ein Beamter trägt den höchst verdächtigen deutschen Paß zum Civil - Gouverneur, und von diesem wandert das Papier weiter zum General-Gouver­neur, wo es glücklicher Weise bleibt, um erst am Tage der Abreise, nach kleiner Sorge und großer Bezahlung zurückgestellt zu werden. Es kommen einem überhaupt in diesem herrlichen Lande recht viel Dinge spanisch oder märchenhaft vor; aber man vergißt sie doch gern in den tausend Wonnen, mit denen die verschwenderische Natur hier die zahlreichen Gärten in der Stadt, die Umgegend, wie fast die ganze Insel überreich ausschmückt.

Die Abende, bester Nächte zu Havanah hatten bald mein ganzes Interesse gewonnen, weil in den Haupt-Tagesstunden nur Schusterbuben und Schneiderlehrlinge zu den Kunden fahren und Nachmittags höchstens CriadaS (Dienstmädchen) mit ihren Pfleglingen, Ntnnos geheißen, erscheinen, um sofort empört aufzuschreien, falls der Fremde eine der zahllosen Bänke am Prado, der Corso- Allee, zu besetzen trachtet. Jedermann besitzt in Havanah eine mehr oder minder prächtige Equipage, uud in diesen meist blumengeschmückten Salons empfangen die eleganten Frauen von der Hauptstadt zwischen neun Uhr Abends und drei Uhr Morgens ihre Freunde und deren Huldigungen.

niß erregen, und andere mehr, auf deren That die Merkmale der besonderen Rohheit und Sitten- losigkeit zutreffen.

Daß dieser Sorte von Gesetzübertretern etwas schärfer zu L-ibe gegangen werden soll, muß mit besonderer Anerkennung begrüßt werden. In neuerer Zeit sind solche Handlungen, die von be­sonderer Rohheit oder S'ttenlostgkeit zeugen, sehr häufig und auffällig hervorgetreten. In den Großstädten sind sie an der Tagesordnung, aber auch in den großen industriellen Bezirken wird lebhaft über die Zunahme der Thaten der Raufbolde und Me^erhelden geklagt, und erst vor Kurzem stellte in Hinblick auf diese Thatsache eine westfälische Zeitung die Forderung auf, daß daS Tragen von Waffen allgemein verboten und von besonderer polizeilicher Erlaubniß abhängig gemacht wird. Ein befferes Mittel der Abhilfe ist aber wohl die am Körper und am Magen fühlbare Strafverschärfung.

Wetter soll der Strafvollzug über den Kreiß dieser mit Zuchthaus oder Gefängniß zu be­strafenden Verbrecher hinaus verschärft und die Verschärfung auch rückfälligen Bettlern, ferner Landstreichern, Arbeitsscheuen, Prostituir» teu, heruntergekommenen Spielern, Trinkern und ähnlichen von ehrlicher Arbeit entwöhnten und meist der Entsittlichung anheimgefallenen Leuten, kurz denen gegenüber angewandt werden, welche zu qualificirter Haft verurtheilt werden; deS Merkmals besonderer Rohheit oder Sittenlosig» kett soll eS hierbei nicht bedürfen. Die Ver­schärfung wird sich auch hier alS eine heilsame Strenge erweisen. Ihr Bedürfniß kann angesichts der Thatsache, daß die bezeichneten Vergehen und Uebertretungen einen großen Umfang angenommen haben, nicht bestritten werden. Der Einwand, daß diese Strafverschärfuuaeu den Grundsätzen der Menschlichkeit nicht entsprechen, wird wohl von Niemandem mehr als stichhaltig befunden

Ein junges, reizendes Ehepaar aus Mexiko, von Geist, Liebenswürdigkeit und Talenten aller Art, hatte sich im Hotel mir zugesellt. Unter der schimmernden Gesellschaft, die sich auf dem Prado allnächtlich bewegte, waren meine Bekannten sehr wohl gelitten. Wir gefielen unS leidlich tu unseren Anschauungen und Gewohnheiten, und bedienten uns daber gemeinschaftlich eines Wagens.

Mein junger Freund, so will ich ihn nennen, war durch seine außerordentliche Schönheit bei allen Damen höchst beliebt. Um so auffälliger erschien eS mir deshalb, daß eine sehr anmutige und seltsam altmodisch prächtig gekleidete Dame, die stets nur an der Seite einer alten häßlichen Mulattin sichtbar wurde, niemals mit dem Gatten redete, dagegen immer einige graziöse Worte für die junge Frau bereit hatte. Ob ich gleich bet meinem mangelhaften Spanisch nicht alles ver­stand, nie Neigung hatte, sehr neugierig zu sein und Reisebekanntschaften zu suchen, f» sah ich doch bald die vorüberfahrende Donna gern und hörte sie gern, waS in der bunten, geputzten Ge­sellschaft vorging, scherzhaft kritisiren. ES war keine gefühllose Deutlichkeit, mit welcher die schöne Seltsame redete, sondern meist sprach feine Empfindung, sogar Innigkeit auS ihrem Wesen. Ich beobachtete nach und nach in der Stille, denn ich konnte wohl bemerken, daß Niemand souft mit dem holden Wesen sprach; ich war zu gewohnt, niemals über Fremde zu fragen, und trotzdem wollten diesmal meine Grundsätze nicht stand-