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Hersskl-el IrrisliUtt
Mit wöchmtlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes AuLerhattungsölatt".
Nr. 24.
Donnerstag den 25. Februar
1892.
DMMilts-FlMmg.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
pro März werden von allen Kaiserlichen Post, anstalten, Laudbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Aus dem Reichstag
Berlin, 23. Februar. In der heutigen (178.) Plenarsitzung des Reichstag«, welche Präsident v. Levetzow um l'/4 Uhr eröffnete, kam der Gesetzentwurf über das Telegraphenwesen des Deutschen Reich« in der zweiten Berathung zur Verhandlung. Der § 1 des Entwurfs lautet nach der
zur -ocrvuuvluiig. 3 «nuuuiiu >«um , richte über öle Ergebnisse des Betriebes der preußischen
Regierungsvorlage: „Das Recht, Telegraphenanlagen herzu- s StaatSbahnen, sowie über die Bauaussührungen und Bestellen und zu betreiben, steht ausschließlich dem Reich zu. Raffungen der Eisenbahnverwaltung während des Zeitraums Unter Telegraphenanlagen sind die Fernsprechanlagen mit be- vom 1. Oktober 1890 bis dahm 1891 durch Kenntnißnahme griffen." Die Kommission beantragt dagegen, dem § 1 sol- j — für erledigt erklärt; zu letzterem Berichte aber folgenden gende Fassung zu geben: „Da« Recht, Telegraphenanlagen Resolutionen: a) die Königlich Staofsregierung aufzufordern, für die Vermittelung von Nachrichten zu errichten und zu den durch die Veräußerung von Grundstücken der Eisenbahnbetreiben, steht an-schlicßlich dem Reich zu. Unter Tele- Verwaltung erzielten Erlö« in Anrechnung auf die offen stehen- graphenanlagen sind die Fernsprechanstalten begriffen." Da- den Kredite für öffentliche Bauten zu verwenden und dem- gegen beantragen die Abgg. Dr. Bar, Dr. Dohrn, Friedlander gemäß unter Kap. 37 de« Etat« der Staatsschuldenverwaltung und Schrader, dein § 1 folgende Fassung zu geben: „Dar aufzunehmen; b) die Königliche StaatSregierung zu ersuchen, Recht, elektrische Leitungen zur Beförderung von Mittheilungen den Verzicht auf den Bau der Bahnstrecke Lauenburg-Schwar- und Gesprächen gegen Bezahlung zu betreiben, steht, vorbe-। jenbeef näher zu erwägen und im Falle der Aufgabe der haltlich der Bestimmung des S 2 a, ausschließlich dem Reiche, Baues die durch Gesetz vom 21. Mai 1883 bewilligten Bau- zu." Dieser letztere Antrag, welcher aus eine Einschränkung ; mittel als erspart nachzuweisen — die Zustimmung ertheilt, des ReichSmonopols hinausgeht, wird vom Abg. Schrader um 3 3 / Uhr war der Etat der Eisenbahnverwaltung er= des Näheren wesentlich au« Zweckmäßigkeitsgründen begründet. - - • ■ ----- ~" ~ - " - ~
Die von den Antragstellern als § 2a beantragte Einschaltung lautet: „Elektrische Leitungen zur Uebermittelung von Erklärungen und Gesprächen gegen Bezahlung können für den auf den Bezirk einer Gemeinde beschränkten Verkehr auch von den Gemeindeverwaltungen betrieben werden." Staatssekretär Dr. v. Stephan protestirt dagegen, daß die verbündeten Regierungen oder die ReichS-Telegraphenverwaltung beabsichtigen, die Privatindustrie zu schädigen. Allerdings werde im § 1 der Anträge v. Bar und Genossen das Regal des Reichs grundsätzlich anerkannt, aber dasselbe werde in den folgenden Paragraphen mehr und mehr eingeschränkt. Er bitte daher
graphenanlagen sind die Fernsprechanstalten begriffen.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Schein trügt.
Eine wahre Geschichte, erzählt von E. v. Waldow.
(Fortsetzung.)
Kehren wir zu unseren Damen zurück. Dir Hofräthin erzählt eben, wie traurig und melancholisch Se. Erlaucht stets ausgesehen hätten, und wie Elsas Anblick allein, einem Sonnenstrahl« gleich, seine Züge verklärt habe.
„Auch die Frau Mutter war eine liebe, herablassende Dame, ich fürchte von ihr keine Einsprache gegen die Verbindung, denn auch sie — von dem Grafen Max verstand sich daS von selbst — versprach mir ihren Besuch, wenn sie nach BreSlau kämen, wo die Gräfin eine kränkliche Verwandte hat, die sie besuchen wollte."
„Schade, daß der Graf nicht gleich mitgereist ist, damit ich ihn hätte kennen lernen können," sprach Marie.
„DaS ging nicht wegen der Kur," entgegnete die Hofräthin.
„Nun, die Kur hätte wohl der Braut nachstehen können," fuhr Marie fort.
Die Hofräthin lächelte verlegen. „Da? verstehst du nicht, Kind. ES ist ja noch nichts erklärt."
Marie blickte sie erstaunt an. „So hat er noch nicht um Elisabeth angehalten?•
Diese erhob sich indigniert. „Kind, waS du aber für ordinäre bürgerliche Ansichten über solche zarte Affären hast — das ist ja wahrhaft ent-
in Uebereinstimmung mit der großen Mehrheit der Kom-1 um 6*/2 Uhr waren Ihre Majestäten der Kaiser Mission, die Anträge d. Bar und G-nosien abzulehnen. Abg. | und die Kaiserin mit dem Prinzen und der 4A A±? Ä w WÄ ÄS ÄteK^^ ^
vom Staate geleitet werden könne, daß also prinzipiell das r®? Erbgroßherzogin von Baden nebst deren Ge-
vom Staate geleitet werden könne, daß also prinzipiell das Regal gerechtfertigt sei, daß aber Vorkehrungen gegen Mißbrauch getroffen werden müßten. Abg. Dr. Hammacher erklärt sich für den Kommissionsbeschluß zn § 1. Der Antrag Schrader würde in der Praxis zu großen Mißbrauchen führen.
Aus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 22. Februar. Im Verlaufe der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben des Etat« der Eisenbahn
Verwaltung dem Anträge der Budgetkommission gemäß unverändert nach den Ansätzen der Vorlage bewilligt. Dabei wurden verschiedene Lokalwünsche au-gesprochen, denen der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen, soweit es sachlich möglich, Berücksichtigung zusagt. Demnächst wurden die Berichte über die Ergebnisse des Betriebes der preußischen
den Verzicht auf den Bau der Bahnstrecke Lauenburg—Schwar-
ledigt. — Nächste Sitzung Donnerstag, 25. Februar, Vormittag« 11 Uhr. xEtat der Bauverwaltung.)
Aolitische Nachrichten.
Berlin , 23. Februar. S e. Majestät der Kaiser unternahm am gestrigen Nach- mittag, nach der Frühstückstafel, in Begleitung des Flügeladjutauten vom Dienst, einen Spazier- ' ritt in die Umgegend von Berlin. — Am Abend
setzlich! In der guten Gesellschaft gelten Blicke und Andeutungen soviel, wie bei euch Ehekontrakte auf Stempelpapter." Damit rauschte sie hinaus und ließ Marie etwas verdutzt zurück. „Ich wünsche, daß sie recht habe möge," sprach diese leise vor sich hin und blickte der stolzen Erscheinung ihrer geistreichen Kousine recht bedenklich nach.
Der verstorbene Bruder der Hofräthin, Rittergutsbesitzer Ernst von Hubenstein, hatte sich durch eigenes Verdienst großen Reichthum und eine unabhängige Stellung tu der Welt erworben. Seine Frau war allerdings vermögend gewesen und er selbst hatte etwas besessen, allein dies war nur ein Grundstein, er baute mit ebenso fleißiger, als geschickter Hand daraus daS stolze Gebäude seines GlückeS auf.
Außer zwei Schwestern, der Hofräthin Harten- berg und der verstorbenen Laudräthin Werner, Mariens Mutter, hatte Herr von Hubenstein noch einen Stiefbruder, einen Sohn seines Vaters aus erster Ehe. Der junge Mann war für die Milttärkarriere bestimmt gewesen, mußte aber wegen einer Hetrath unter seinem Stande den Abschied nehmen und starb einige Jahre danach an der Schwindsucht, seinen einzigen Sohn Lothar der Fürsorge seines Stiefbruders empfehlend, da die Schwestern, besonders die Hofräthin, sich nach der leichtsinnigen Heirath von ihm losgesaat hatten.
Hubenstein, dem das Glück, eigene Kinder zu
folgen zn gemeinsamer Tafel im Schlosse vereint. Nach Aufhebung derselben besuchte Se. Majestät der Kaiser mit den erbgroßherzoglich badischen Herrschaften die Vorstellung im Operuhause. — Am heutigen Vormittage machte Se. Majestät der Kaiser zunächst wieder eine Spazierfahrt nach dem Thiergarten und eine längere Promenade daselbst und begab sich darauf nach der Wohnung des Reichskanzlers Grafen Caprivi, um daselbst dessen Vortrag entgegenzunehmen. Von dort nach dem Schlosse zurückgekehrt, arbeitete der Monarch sodann von 11 Uhr ab mit dem Chef des Mili- tairkabiuets und nahm Mittag? von 123/4 Uhr ab militairische Meldungen entgegen.
Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, vollendete am 23, Februar ihr 89. Lebensjahr. Geboren am 23. Februar 1803 als zweite Tochter König Friedrich Wilhelm's III. und der Königin Luise, hat sie ihre sämmtlichen Geschwister überlebt. Am 25. Mai 1822 vermählte sie sich mit dem
damaligen Erbgroßh 1837 seinem Großm
erzog Paul Friedrich, der
jüafer Friedrich Franz J. in der Regierung folgte, aber schon am 7. März 1842
starb. Sie erfreut sich trotz des hohen Alters einer großen Rüstigkeit und vermochte noch vor kurzer Zeit den Besuch Seiner Majestät des Kaisers entgegen zu nehmen.
Dem Reichstag ist der Entwurf eines Gesetzes gegen den Verrath militärischer Geheimnisse zugegaugen. Vorsätzliche Mittheilung von Schriften, Zeichnungen, Nachrichten, deren Geheimhaltung das Landestuteresse erfordert, wird, wenn die Sicherheit des Reiches gefährdet wird, mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Wer sich solche Gegenstände
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| besitzen, versagt geblieben war, nahm auch den j verwaisten Knaben, nachdem dessen Mutter sich zum zweiten Male verheiratet hatte, an KiudeS- statt an, und erzog ihn zu einem ebenso tüchtigen und edlen Menschen, als geistig hochstehenden Manne.
Als Hubenstein, dem seine edle Gattin schon viele Jahre vorher in das bessere Jenseit? voran- gegangen war, sein Ende nahe fühlte, befand sich sein geliebter Pflegesohn schon lauge auf Steifen in fernen Welttheilen. Obgleich es dem alten Herrn, den viele, und unter diesen besonders seine eigene Schwester, für einen Sonderling, mit bizarren Launen behaftet, hielten, recht schwer ward, von der Erde zu scheiden, ohne daß sein Lothar ihm die letzten Liebesdienste erweisen konnte, suchte er ihm doch durch sein Testament, welches den Neffen zum Universalerben machte, seine väterliche Gesinnung zu beweisen.
Dr die Hofräthin und auch die Laudräthin Werner durch ihre Heirathen sich einer sorgenfreien Existenz erfreuten, erhielten sie nur bedeutende Legate. Ein Kodizill des Testaments indessen bestimmte: daß Lothar von Hubenstein und Elisabeth Hartenberg nicht eher zu einer anderweitigen Verlobung oder Verbindung schreite» durften, ehe sie sich nicht kennen gelernt und erklärt hätten, daß sie feine Neigung für einander empfänden, da der Onkel lebhaft einer Verbindung dieser seiner beiden jungen Verwandten wünschte.