Puttkamer bemerke er, baß nicht daran gedacht werde, die Staffeltarife mit der neuen Ernte aufznheben.
Notitische Nachrichten.
Berlin, 18. Februar. Se. Majestät der Kaiser empfing gestern Nachmittag den Besuch des Fürsten zu Schwarzburg-Soudershausen; später begab sich Se. Majestät in Begleitung des Prinzen Heinrich nach dem Reichskanzlerpalais, um an dem dort stattfindenden parlamentarischen Diner Theil zu nehmen. — Am heutigen Vormit- tag nahm der Kaiser, nachdem er von einer Ausfahrt zurückgekehrt war, Vorträge entgegen. — Um 1 Uhr begab sich der Kaiser anläßlich des heutigen Vermählungstages der erbprinzlich Sachsen - Meiningenschen Herrschaften nach deren Villa im Thiergarten, um ander dort stattfindenden Familienfrühstückstafel theilzu- nehmen. Am späteren Nachmittage gedachte der Kaiser mit den kaiserlichen Prinzen und anderen Mitgliedern der königlichen Familie, sowie zahl- reichen fürstlichen u. a. hochgestellten Persönlichkeiten der Extravorstellung im Cirkus Renz beizuwohnen.
Ihre Majestät die K a i s e r i n ist von ihrer Unpäßlichkeit fast vollständig wieder hergestellt, doch ist Allerhöchstdieselbe immerhin noch genöthigt, sich einige Schonung aufzuerlegen.
Dem Bundesrath sind einige Vorlagen über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendltchenArbeiternzugegangen. Sie beziehen sich zunächst auf die Beschäftigung in Glashütten. Es ist in dieser Beziehung von den Bundesregierungen die Frage geprüft worden, ob die bestehenden Bestimmungen verbeflerunas- würdig erscheinen. Die Prüfung hat zu Bestimmungen geführt, welche die Beschäftigung weiblicher und jugendlicher Arbeiter in Räumen solcher Fabriken, in denen eine außergewöhnlich hohe Wärme herrscht, verbietet, ebenso Schleif- arbeiten für solche Arbeiter ausschließt und ein ärztliches Attest über die Befähigung der in Frage kommenden Arbeitskräfte zur Bedingung macht. Ganz genau ist die Schichtarbeit mit Pausen und die Ruhezeit wie die sonntägliche Beschäftigung geordnet. Ein zweiter Entwurf enthält Bestim- mungen über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern tu Cichorien-Fabriken
Das Kreuzergeschwader hat Befehl erhalten, von Kapstadt nach Dor-es Salaam in See zu gehen.
Dem „Berl. Tgbl." wird aus T a n g a (Ostafrika) gemeldet, daß dort der Kompagnieführer der Schutztruppe Eugen Krenzler am perniziösen Fieber gestorben ist.
Das „Kolonialbl." enthält folgende Mittheilung: „Sendungen an die Expedition Emin Pascha, welche bisher an die Station Bukoba zu etwaiger Weiterbeförderung gerichtet wurden, können von jetzt ab nicht mehr Herbert werden, da der Aufenthalt der Expedition u u - bekannt ist."
Die Retchstagskommisston zur Berathung bei Telegrapbengesetzes hat das Gesetz im Ganzen mit allen gegen 6 Stimmen angenommen.
Ein interuatioaaler Kongreß der Vereine v o m R o t b e n K r e u z soll der,Kczztg/ zufolge im Jah't 1893 zu Rom stattsinden.
Treiben, das die Straße auf und ab wogte. — Das junge Mädchen, einfach aber elegant und geschmackvoll gekleidet, war eine reizende Blondine, der man es ansah, daß sie die Kinderschuhe noch gar nicht lange ausgetreten hatte.
Die großen, blauen Augen blickten noch so heiter und fragend in die Welt, die weiße Stirn hatte noch keine Sorge gefaltet, und um die kcrschrothen Livpm und rosigen Waugengrübchen spielten Schalkheit und kindlicher Muthwille.
Jetzt öffuete sich die Thür und herein rauschte, in hohem Putz, geschmückt mit dem Sonntags- staate, und auf dem schon etwas kahlen Scheitel eine altmodische Blondenhaube mit blauen Atlas- bändern, Frau Johanne, die Wirthschafterin und Beschließerin des Hauses. In den Händen trug sie ein silbernes Tablett, auf dem ein großer Napfkuchen und ein zierliches Myrteustöckchen prangten.
Marie sprang der Eiutreteuden schnell entgegen. „Endlich, Frau Johanne, bist du fertig und stehst auch einmal nach meinen Werken. Sieh die Guirlanden über den Thüren und die Blumen auf Elisas Schreibtisch. Ist das nicht alles sehr schön?"
Die Wirthschafterin setzte erst bedächtig ihre Last auf den schon gedeckten Kaffeetisch nieder, dann beschaute st: alle zum Empfange der heute nach sechswöcheutlicher Abwesenheit aus Bad Teplitz zurückkehrendeu Herrin getroffenen Anstalten, und lobte ihren Liebling Marie nicht wenig über den bewiesenen guten Geschmack.
Die EinfuhrFrankreichSauSDeutsch- l a n d im Jahre 1891 überstieg die im Jahre vorher um 19'/, Millionen Frank, die AuSfuhr Frankreichs nach Deutschland betrug in demselben Jahre 17»/4 Millionen Frank mehr als im Jahre 1890.
General Jamont, Kommandant des 6.franz. Korps, richtete an die Truppen einen Tagesbefehl, worin er mitthetlt, er habe Offizieren, welche trotz des förmlichen Befehls ohne Erlaubniß die Grenze von Elsaß-Lothringen überschritten hätten, 30 Tage Arrest ertheilt.
In Spanien dauert die Agitation unter den Arbeitern, Bauern und Republikanern fort. Ja Cadix wurden wieder sechs Personen verhaftet. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß die Garnisonen in Barcelona, Saragossa und Cadix marschbereit bleiben sollen.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
H e r 8 f e l d , den 19. Februar 1892.
* Dem Verbände der Vater! ändischeu Frauen-Vereine im Regierungs-Be- ztrk Cassel haben sich 1891 drei neue Zweig- Vereine mit zusammen 382 Mitglieder ange- schloffen, zu Gersfeld, Obernkirchen und Carlshafen. Der Verband zählt somit Ht 31 Zweiaveretne mit 4326 Mitgliedern. Für ihre Wohlthätigkeits-Zwecke haben diese Vereine 1891 den Betrag von 114,978.02 M. verwendet, wobei die sehr erheblichen Hülsen an Kleidungsstücken, Lebensmitteln, Essen u. s. W. natürlich nicht berücksichtigt sind. An Geschenken und sonstigen Zuwendungen erhielten alle Vereine 19,818,94 M. Im Dienste der Vereine waren 44 geschulte Krankenpflegerinnen thätig.
* Der deutsche Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke wird seine diesjährige Herbstversammlung in Halle abhalten.
* D er St er b ek asse deSDeutschev KriegerbundeS gehörten nach dem zweiten Geschäftsbericht von den 535 000 Mitgliedern deS Bundes am 31. Dezember 1891 als Mitglieder 8025 Personen mit 2 236 900 Mk. Versicherungs- kapital an, waS einen Durchschnittssatz von Mk. 278,14 für die Person ergiebt. Das Durchschnittsalter beträgt 35 Jahre. Unter den Versicherten befinden sich 2247 Frauen und 69 Wittwen. An die Hinterbliebenen wurden 1891 in 55 Fällen 6800 Mk. Sterbegelder gezahlt. Das verfügbare Vermögen beträgt 84 958 Mk. (gegen 1890 61645 Mk mehr), welche Summe in StaatSpapiereu bei der Reichsbank niedergelegt ist. Bei fernerem Wachsen der Kasse ist die Gewährung von Ge- winuanthetlen an die Mitglieder in Aussicht geuommen.
* Für Restaurationen auf Bahnhöfen gilt die Polizeistunde nicht. Das Landgericht in Stade als Berufungsinstanz hat den Grundsatz aufgestellt, daß eine BahnhofSrestau- ration weder als Schavklokal noch VergnügungSort anzusehen sei, und deshalb der § 362 deS St.-G.-B. keine Anwendung finden könne.
* (Pe r son al v e rä nd erun g e u.) Ernannt : der Pfarrer HerfurtS in Oberhülsa auf erfolgte Präsentation zum Pfarrer in Jestädt.
— Ucherwiesen: der RegterungS -Assessor von M e y e r e n in Fulda dem Königlichen Ober-
Diese hatte sich währenddessen dem Myrteustock genähert und Johanne gefragt, für wen derselbe bestimmt sei.
Lachend erwiderte diese: „Nun für Sie nicht. Sie kleiner „Kiek in die Welt," sondern für Fräulein Liesel; denn daS ist doch so gewiß wie Amen in der Kirche, daß die alS Braut auS Teplitz kommt. So hübsch und so gelehrt wie die ist — da müßte der Herr Vetter ja weder Augen noch Witz haben." —
Etwas kleinlaut entgegnete Marie: „Meinst du? Bücherweisheit nützt auf dem Lande wenig, und auf dem Lande muß sie doch wohnen, wenn sie den Vetter hetrathet; so hat es der selige Datei in seinem Testamente bestimmt."
„Das läßt sich alles arrangiren, Fräulein Mari-, DaS gnädige Fräulein im Salon für die Visiten auS der Stadt — das Vermögen ist ja da — und die Mama in der Küche; jeder au seinem Ort."
Marie senkte den Kopf, ein Schatten von Traurigkeit flog über ihre heiteren Züge. „Wie glücklich ist doch daS Kind, daS noch eine Mutter hat," sprach sie leise.
Johanne näherte sich, und ihre Hand schmeichelnd auf die Schulter deS jungen Mädchens legend, sprach sie herzlich: „Na, laffm Sie's gut sein, Martecheu. Der liebe Herrgott hat's mal so haben wollen. Bedenken Sie nur, wie gut Ihr Papa ist, und die Liesel hat feinen Vater mehr. Ich will auch am nächsten Sonntag die Mutter Gottes bitten — 's ist ja ihre Patronin, daß sie
Präsidium zu Königsberg zur weiteren dienstlichen Verwendung. — Verliehen: die Pfarrstelle zu Sterzhausen dem dazu präsentirten bisherigen Pfarrverweser W a a S. — Niedergelassen: der praktische Arzt Dr. med, Spange ab erg in Spangenberg.
* Der Haupttreffer der Kölner Dom- bau-Lotterie im Betrage von 75,000 Mark ist auf Nr. 265776 gefallen.
* Die Feier des25jährigen Jubiläums des Technikums Mittweida (Sachsen), findet am 19. bis 21. März statt. Die Anstalt kann mit Genugthuung auf das erste Vierteljahrhundert ihres Bestehens zurückblicken, zählt sie doch im laufenden Schuljahre nicht weniger als 1198 Schüler, welche die Abtheilung für Maschtuen-Jugenieure und Elektrotechniker bez. die für Werkmeister besuchen. Unter den Geburtsländern der Schüler bemerken wir: Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Rußland, Schweiz, Großbritannien, Dänemark, Holland, Italien, Rumänien, Schweden, Norwegen, Bulgarien, Serbien, Spanien rc-, aus Asien besonders Java, Ostindien, aus Afrika: Aegypten, Kapland, Orauje- Freistaat, ferner Nord- und Südamerika (Brasilien, Argentinien, Uruguay. Chile, Venezuela). Die Aufnahmen für das nächste Sommerhalbjahr beginnen am 19. April. Aufnahmen in den unentgeltlichen Vorunterricht finden von Mitte Februar bis Ende März jederzeit statt. Programm und Jahresbericht erhält man unentgeltlich von der Direktion des Technikum Mittweida (Sachsen.)
* Die bislang streitige Frage, ob, im Falle der überlebende Wittwer zur anderweiten Ehe schreitet, die Kosten für Feststellung der Masse von dem Activvermögen ohne Abzug oder nach Abzug der Schulden in Gemäßheit des Gesetze« vom 1. Mai 1865 oder nach § 41 des Gesetzes vom 21. Juli 1875 lediglich von dem Kapitalvermögen der Mündel im Bezirk deS vormaligen AppellattouS- gerichts zu Cassel zu berechnen sind, hat daS Königliche Kammergericht unterm 25. Januar 1892 - I. Y 478/91 - also eudgilttg dahin entschieden, daß der Kostenrechnung die zuletzt genannte Bestimmung zu Grunde zu legen ist. Wie groß die Differenz ist, ergiebt sich auS folgendem Beispiel: Nach § 4 deS GesetzrS vom 1. Mai 1865 sind bet 100,000 Mark Activmaffe und 98,000 Mk. Schulden 93 Mk. 50 Pf., nach § 41 des GesetzrS vom 21. Juli 1875 aber nur 6 Mk. und falls keine Schulden vorhanden sind, 25 Mk. an Kosten zu berechnen. (C. A. Z.)
Hersfeld, 19. Februar. Gestern Mittag verschied zu Cassel im 59. Lebensjahre an den Folgen der Influenza der Königliche Amtsgerichts- rath und aufsichtsführende Richter beim dortigen Amtsgericht, Maximilian Theobald. Der Verstorbene fungirte vor seiner Berufung nach Cassel mehrere Jahre als Richter am hiesigen Amtsgericht.
Hüttfeld. Nächsten Sonntag Nachmittag findet im Saale des Frankfurter HofeS hier eine Versammlung der Interessenten deS Eisenbahn- Projekts Hüufeld - Gerstungen resp. Hüufeld- WernShausen statt.
Caffel, 17. Februar. (Strafkammer I.) Zwei auf der Wanderschaft begriffene HaudwerkS- burschen der Maler Peter N. aus Forbach in
Ihnen auch so waS Liebes bescheeren möchte, damit ich auch Ihnen recht bald ein Myrten- bäume! geben kann, ich hab' noch ein gar schmucke« für Sie aufgehoben."
Lächelnd wandte Marie ihr errötheteS Ge- sichtchen ab und wollte eben eine scherzende Antwort geben. In demselben Augenblick wurde die Thür giftig geöffnet und Auguste, daS HauS- mädchen, mit zwei Reisetaschen in der Hand und dem Ausrufe: „Sie kommen!" stürzte in die Stube.
Eilfertig lies Marie nun der Tante und Koufine entgegen und trat bald, einen Arm voll Handtaschen und Schirme rc. tragend, mit den beiden Damen wieder ins Zimmer.
Die verwittwete Hofräthin Hartenberg, geb. v. Hubenstein, war eine große starke Dame, mit hochgeröthetem Antlitz und stolz blinkendem Auge. Die nicht ganz unschönen Züge trugen jedoch einen Stempel von Stolz und Härte, der ihnen etwas Abstoßendes verlieh
Elisabeth, ihre einzige Tochter und ihr vergötterter Liebling, war eine zarte, bleiche, recht aristokratische Erscheinung, mit regelmäßigen, schönen G:sichtSzügen, über welche jetzt eine große Mattigkeit ausgegossen war, und einem über- legenen Lächeln um die schmalen Lippen.
B-ide waren in leichte, graue Reisrstoffe ge- kleidet und trugen große, runde Hüte, Schäfer- büt«, was Eltsa ein sehr sentimentaler, der Hofräthin aber ein entschieden lächerliches Aussehen gab.
(Fortsetzung folgt.)