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Ktrssei-er Breisblatt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Aeilage „Jllustrirtes Anterhaltungsblatt".
Nr. 18. Donnerstag den 11. Februar 1892.
Amtliches.
Hersfeld, den 10. Februar 1892.
Diejenigen Herren OrtSvorstände des Kreises, welche mit der Einreichung der RekrutirungS» Stammrollen pro 1870, 1871 und 1872 nebst den dazu gehörigen GeburtSlisten noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bi-zumlS.d.Mt-. bet Meiduug von 3 Mk. Strafe erinnert.
I. II. Nr. 11. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 8. Februar. Im Verlaufe der heutigen Sitzung der Reichstage« erhielt bei Fortsetzung der Spezialberathuug der beiden Kapitel au« dem Etat der Reichsamts des Innern (Invalidität«- und Altersversicherung, sowie Reichr-Versiche- rungSamt) nach dem Abg. Dr. Hirsch, der schließlich namentlich bedauerte, daß daS UnfallverficherungSgefetz nicht die erhoffte Wirkung betreff« der Unfallverhütungen gehabt habe, Abg. von Helldorf da« Wort. Derselbe betonte, daß auch die Konservativen eine Verbesserung de« Alters- und Invalidität-gesetze« wollten, aber mit Ruhe einem ostentativen Anträge von freisinniger Seite auf Abschaffung de« Gesetze« cntgegcnsähen. Vom Markensystem könnten wir zur Zeit nicht abgehen; eine Kontrolle durch Listen lasse sich nicht an die Stelle setzen. Abg. Möller, der, ebenso wie Abg. Grillenberger am Sonnabend, die Anwesenheit eine« technischen Vertreter« des Reichr- Versicherung«amt vermißt, führt eine Reihe von Punkten an, um die von ihm mitunterzeichnete Resolution, betr. die Aenderung de« Unfallversicherung«gesetze«, zu begründen. Darauf wurde die Berathung abgebrochen, indeß noch der Weltpostvertrag nebst den resp. Uebereinkommen in dritter Berathung ohne Debatte erledigt und in der. Gesammtabstimmung definitiv genehmigr.
Berlin, 9. Februar. In der heutigen gegen ‘/zS Uhr eröffneten (167.) Plenarsitzung der Reichstage« wurde Abg. Gröber an Stelle der aus diesem Amt geschiedenen Abg. Porsch durch Zuruf zum Schriftführer gewählt und sodann die zweite Berathung der Kapitel: „Reich«-Versicherung-amt" und „Alter«- und Invalidität-versicherung" aus dem Etat de« Reich«amt des Innern fortgesetzt, zu denen die Anträge Auer und Müller - Hitze - Frhr. v. Stumm - Hartmann aus Aenderung de« Unfallversicherungr-Gesetze« vorliegen. Abg.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Die Brillante« der Herzogin.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Und nun begann sie, alle dar flimmernde Gestein vor sich auSzubreiten, das mit seinen glühenden Regenbogenfarben ihre Augen blendete. Sie legte die großen ChatonS und BoutonS in richtige Reihenfolge, wählte, verglich und zog die ihr vorliegenden Zeichnungen zu Rath. Hier an 3 Collier die Sternchen und daran die kleinen Perlgehänge. Die großen Poiren machten sich bester am Diadem. Wie schön die Herzogin damit aussehen würde! Daß sie nur ja den LieblingS- schmuck der Fürstin, das große Brillavtherz, an S Halsband hakte und nicht an die Brosche!
Meta hielt den herzförmigen Anhänger in der Hand und betrachtete die wundervollen Steine, die wie kleine Sonnen funkelten. Das Geschmeide, in der Größe einer Zweimarkstücks, war etwas herausgewölbt gearbeitet, die Mitte nahm ein Kreuz von großen Brillanten ein und das Uebrige der Herzform war mit kleineren Steinen dicht belegt, die Rückseite war hohl und leer, mau sah die Steine in ihrer silbernen Fassung. Wohlgefällig hielt die junge Kammerfrau daS Prachtstück empor, um die feurige Gluth der Brillanten am Lichte spielen zu lassen.
Wie der Sturm sich jetzt aufmachte und um
Rösike befürwortete die Errichtung eine« Museum« für Unfallverhütung und erklärte im Namen der Berufsgenossenschaften seine Zustimmung zu dem Antrag Auer, wünschte aber eine Aenderung de« Unfallversicherung-gesetze« auch nach anderen Richtungen, namentlich eine Ausdehnung auf weitere Kreise. Redner bestritt das Vorhandensein einer unfreundlichen Gesinnung der Beruf-genossenschaften gegen die Arbeiter. Die Vorstände der Beruflgenossenschaften dürften sich bei ihren Entscheidungen nicht vom Gefühl leiten lassen; wo sie e« aber thäten, geschehe e« zu Gunsten der Arbeiter. Im Berufung-- und Rekur-versahren würden auch nur sehr wenige Entscheidungen der Bcrus-genossenschasten abgeändert. In Bezug auf die Beurtheilung der Verfahren« bei der Wahl von Beisitzervertretern in Bayern steht er durchaus auf Seite des Abg. Grillenberger, und wünschte wie dieser, um die Wiederholung von Ungesetzlichkeiten zu verhüten, eine Aenderung de« Wahlverfahrcn«, sowie eine Vermehrung der Stellvertreter namentlich für die Arbeiter. Gegenüber den Angriffen de« Abg. Dr. Hirsch nahm er die Bcruf«genossen- schaftm in Schutz und erklärte ihr Vorgehen in Bezug auf Rentenherabfetzungen für genesene Arbeiter für durchau« gerechtfertigt. Die Behauptung, daß sonst da« Prinzip wie die Durchführung de« Alters- und Jnvaliditäl«gesetzc« im Lande auf großen Widerstand stoße, sei durchaus unbegründet
Uokitische Nachrichten.
Berlin, 9. Februar. Während der heutigen Morgenstunden erledigte Se. Majestät der Kai s er zunächst einige RegierungSangelegenheiten, unternahm darauf, in Begleitung deS Flügeladjutanten vom Dienst, eine Spazierfahrt und besuchte gelegentlich derselben das Künstleratelier der MalerS Simulier in der Dörnbergstraße 7, woselbst Aller- Höchstderselbe einige Zeit verweilte. Von dort auS begab sich Se. Majestät zu Fuß durch den Thiergarten nach dem Auswärtigen Amte und kehrte von dort wieder nach dem Schlöffe zurück. Hier arbeitete Allerhöchstderselbe dann von ll1^ Uhr ab mit dem Chef des Militärkabinets, empfing sodann den auS BreSlau hier etnge- troffenen kommandirenden General deS 6. Armeekorps General der Artillerie v. Lewinski I. und nahm darauf noch einige milträrische Meldungen
daS Schloß fauste, es polterte ja ordentlich im Kamin!
MetaS Blick fiel zufällig in den Spiegel ihr gegenüber. Aber was war daS? Trog sie nicht ihr Auge? Eisiger Schrecken krampfte ihr Herz zusammen und lähmte ihre Glieder, da erschienen ja hinter ihr im Kamin, von oben herab nach einer Stütze suchend und immer länger unter dem stuck» erzielten Mantel deS Kamins hervorkommend, die Füße eines Mannes. Jetzt folgte die Gestalt und sprang zur Erde.
Die Entsetzte ließ den Schmuck aus der Hand fallen, wandle sich und sah jetzt versteinert vor Furcht, den Eindringling auf sich zuschreiten.
Es war ein Mensch in Arbeiterkleidung, er trug eine schwarze Maske und schwarze Handschuhe.
Sie sah, gebannt wie in einem bösen Traum, ohne die Fähigkeit zu einer Bewegung oder zu einem Laut wieder zu gewinnen, wie die schwarzbehandschuhte Rechte sich auSstreckte, das Brillant- Herz ergriff, den Riegel von der Thür zur Registratur zurückschob und wie die Gestalt mit rascher Wendung verschwand. Dies alles war das Werk weniger Sekunden.
Als das Schloß zufiel, fand Meta die Kraft einen gellenden Schrei auSzustoßen. Sie stürzte auf die Thür zu, durch welche der Räuber entflohen war, aber ihre zitternden Hände tasteten vergeblich am Schlöffe umher, endlich gelang es ihr, dasselbe zu öffnen. DaS Gemach lag anscheinend leer und fast dunkel da. Ein starker
entgegen. Um lj/* Uhr waren Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich im Schlöffe zur FrühstückStafel vereint.
Im Laufe des kommenden Sommers wird Se. Majestät der K a i s e r, wie der erste Bürgermeister Dr. Baumbach am Montag in der Sitzung des Magistrats von Danzig mitthetlte, die Provinz Westpreußen und Danzig besuchen.
Dem H e r r e n h a u s e ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Entschädigung für au Milzbrand gefallene Thiere, zugegangen.
Die Kommission des Abgeordnetenhauses für das VolkSschulgesetz hielt am Montag ihre erste Sitzung ab. Die Debatte über § 1 nahm den Charakter einer Generaldebatte an. ES sollen 2 Lesungen deS Gesetzentwurfs, zu dem bereits zahlreiche Abäuderungsauträge vorliegcu, stattfiaden. Zum Berichterstatter wurde Abg. Bartels (cons.) destgnirt.
Der CentralauSschuß zur Förderung der Jugend- und BolkSspiele in Deutschland wird am 13.und 14.Februar zu seinen diesjährigen Sitzungen in Berlin zu- sammevtreteu. Im Auftrage desselben veröffentlichen soeben seine beiden Vorsitzenden, Abgeordneter von Schenckendorff-Görlitz und Dr. med. F. A. Schmidt-Bonn, eine umfangreichere Schrift über Jugend- und Volksspiele, die in einer Reihe kurzgefaßter Artikel über Wesen und Ziele, Theorie und Praxis, Geschichte und Literatur dieser Bestrebungen, sowie über Organisation und Arbeitsplan deS CentralausschuffeS eingehende Auskunft ertheilt.
Wie man aus Petersburg meldet, zeigte sich KaiserAlexander den deutschenMtlt- tärabordnungen gegenüber ungemein liebenswürdig. Nach ihrer Verabschiedung im Anitsch- kowpalast sagte der Kaiser bei der nächtliches Gedenkfeier in der FestungSkirche ihnen zum
I Blitzstrahl, vor dem Meta zurückfuhr, erhellte eS | plötzlich, ja es war leer, die Thür nach dem Flur geschlossen.
Der Gedanke, daß sie, wenn sie den Dieb verfolge, viel größere Schätze im Stiche und vielleicht in Gefahr nachlaffe, fuhr Meta durch den Kopf. DaS durfte nicht sein! Oder verbarg sich ihre feige Angst vor dem Räuber hinter dieser Sorge? Gleichviel sie handelte nach ihrem Instinkt, schlug die Thür der Registratur zu, schob den Riegel vor, wollte ans Fenster eilen und um Hilfe rufen, sank aber, unfähig sich auf ihren Füßen zu halten, in den Sessel vor dem Toiletttisch nieder.
Ein Wirbel von Empfindungen bemächtigte sich ihrer. Verwirrung, Furcht, Schrecke» durch- flutheten ihre Seele. WaS sollte sie thun? Wo war der Dieb geblieben? Gab eS eine Möglichkeit, das Kleinod wieder zu erlangen?
Plötzlich sprang sie empor und stürzte auf den Kamin zu. Sie mußte sehen, ob ste sich nicht vor der Wiederholung solchen fürchterlichen Ueber« falls schützen könne. Sie leuchtete empor. Da hing zur Rechten im Eckchen, sich auf einen Haken stützend, eine lange eiserne Stange herab. Meta hob die Stange herunter und zog daran, richtig, über ihr fiel die eiserne Klappe im Rauchfang nieder, sie befestigte die Stange auf einen unteren Haken und war nun sicher, daß der Weg jedem Diebe verlegt sei. O hätte sie doch eher diese Vorsichtsmaßregel angewandt!
Etwas beruhigter kehrte sie zu dem Tische voll