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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Monnementöpret»

vierteljährlich 1 Mark 40 Pf«. excl.

Postaufschlag.

Die Jnsertionögebühren betragen sür den Raum einer Spaltzeilt 10 Psg., im amtlichen Theste 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren «nfträgm entsprechender Rabatt.

Heissel-er Kreisblatl.

{ Mit wöchentlicher Kratis-Meilage ^Illustrirtes Anterhaltungsklatt".__________

Rr. 11. Diellstgg den 26. Januar 1892.

Domltmeck-Mdlliig.

Bestellungen auf das

Aersfewer Kreisblatt mit der wöchentlichen «rattS Beilage ^Alluftrirtes Unterhaltung sblatt für die Monate Fedruar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- trägern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 15. Januar 1892.

Die Fouragelieferung für die Pferde der dahier stationirten berittenen Gendarmen für daS Etats­jahr 1892/93 soll öffentlich verdungen werden.

Termin hierzu habe ich aufDienstag, de» 2. k. Monats BormittazS 11 Uhr in mein GeschäftSlokal anberaumt, wozu LieferungS- lustige mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Bekanntmachung der Bedingungen im Termine erfolgt.

I. I. 469. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i u i tz.

HerSfeld, den 23. Januar 1892.

Für den am 15. Februar 1875 dahier gebo- reneu Schlosser Carl D e r a u ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbaude behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. I. I. 439. Der Königliche Landrath __________________Freiherr von Schletvitz.

Hersfeld, den 19. Januar 1892.

Zwecks der in der 2. Hälfte des Monats Februar d. J. vorzunehmenden Ermittelung des Ernte- e r t r a g e 8 der wichtigeren feldmäßig gebauten

Fruchtarten im Jahre 1891 werde» den Herren | Ortsvorständen des Kreises in den nächsten Tagen je zwei Exemplare des zur Erhebung dienenden Formulars B, sowie ein in der Reposttur auf- zubewahreudes Notizblatt für etwaigen im lau­fenden Jahre vorkommenden Hagelschlag zugehen.

DaS Formular B ist nach dem 1 5. Fe- bruar unter Beachtung der demselben vorge- druckten Anleitung, nöthigen Falles unter Hin­zuziehung von Sachverständigen, sorgfältigst auszufüllen, die auf den Notizblättern für das Jahr 1891 enthaltenen Angaben über den im abgelaufenen Jahre vorgekommenen Hagelschlag sind auf Seite 3 (Anhang) zu übertragen.

BiS spätestens zum 24. Februar d. I S. ist mir sodann ein Exemplar des richtig und deutlich auszufüllenden Formular?, mit Un­terschrift versehen, einzureicheu, während daS an­dere Exemplar in der Reposttur auszubewahren ist.

Besonders weise ich noch darauf hin, daß tu den Formularen selbst, ebenso wie in den Vor­jahren, durch kurze Bemerkungen oder Frage­zeichen auf zweifelhafte Angaben oder sonstige Unregelmäßigkeiten 'der vorjährigen Nachweisung aufmerksam gemacht worden ist.

Die genaueste Beachtung dieser Bemerkungen sowie eine sachgemäße Beantwortung der bezüg­lichen Fragen wird erwartet.

J. I. 331. Der Königliche Laudrath.

In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.

t Das Volksschulgesetz und die Gemeinden.

Die pecuniäre Sicherstellung deS LehrerstaudeS, welche der neue Entwurf des Schulgesetzes beab­sichtigt, ist nur durchführbar, wenn der Staat die politische Gemeinde, welche die Schullasten zu tragen hat, mit staatlichen Mitteln unter- i

stützt und diese in einer Höhe bemißt, welche die Gemeinde in die Lage versetzt, ohne Gefährdung ihrer wirthschaftlichen Leistungsfähigkeit an die Durchführung des Gesetzes heranzutreten. Die Bemessung des zu gewährenden StaatSzuschusseS nach der Leistungsfähigkeit jeder einzelnen Ge­meinde wäre au stch nicht unmöglich, würde aber die Gemeinden von dem discrettonäreu Ermessen der Behörden abhängig machen und ihnen die nicht hoch genug zu schätzende Möglichkeit nehmen, ihren HauShalt auf feststehende und rechtlich be­gründete Ansprüche au die Staatskasse bafireu zu können. Es ist daher daS System, bestimmte Staatszuschüsse an jede einzelne Gemeinde zu zahlen, schon in der Gesetzgebung der letzte» Jahre gewählt worden und hat stch bewährt. Der neue Schulgesetzeutwurf hält au ihm fest, entwickelt es aber in einer Weise, welche eine weitgehende Belastung der Staatskasse nicht scheut, um die Leistungsfähigkeit der Gemeinde» zu stärken. Der Entwurf sieht erheblich größere Staatszuschüsse vor, a.S die bisherigen Gesetze.

Nach dem jetzt noch geltenden Gesetz vom 14. Juni 1888 zahlte der Staat für die Stelle

1. eines alleinstehenden, sowie eines erste» ordentlichen Lehrers 500 Mark nachdem neuenGesetzentwurf 600 Mark.

2. eines zweiten ordentlichen Lehrers 300 Mark nach dem Gesetzentwurf 400 Mark.

Die übrigen Sätze bleiben dieselben, wie bis­her, d. h. es werden für die Stelle jedes audereu ordentlichen Lehrers 300 Mark, einer ordentlichen Lehrerin 150 Mark, eines HülfSlehrerS oder einer HülfSlehrerin 100 Mark bezahlt. Wen» man erwägt, daß das Mindestgehalt eines allein­stehenden oder ersten Lehrers 1000 Mark be- tragen soll, so ergiebt sich, daß die Gemeinden zu demselben nur 400 Mark beizutragen haben würden. Dabei sollen aber auch noch die Be­schränkungen, welche das Gesetz vom 14. Juni 1888 ! in der Verwendung jener StaatSzuschüsse enthält,

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

B. H. G.

Erzählung aus dem Leben einer Seemannes von Hans Nagel von Brawe.

(Fortsetzung und Schluß.)

Nun ja, daher kommen ja wohl die große» weißen Vögel mit den lauge» Beinen geflogen? Aber abgemacht, ich komme mit Dir und nun utchtS für ungut! Hol mich wollte sagen, freue mich unsinnig Dich hier in Schlesien zu finden. Gute Nacht!"

Gute Nacht, alter Freund, bis morgen."

XIII.

Von zwei eleganten Rappen gezogen rollte am folgenden Vormittage der niedergeschlagene Lan­dauer aus der Slawaer Straße am Brückenköpfe vorüber. Ein wohlthuender Sommerwind milderte die Wärme der Augusttages. In lebhafter Unter­haltung saßen die beiden Freunde im Fond des Wagens, wenig verändert in den Mölf Jahren,

?^^^ einzelne graue Fäden sich durch des ,Weinbauern' Rauitz Bart zogen.

Wie bist Da nur auf Deinen Seefahrten an eine schlestsche Gutsbesitzerin gekommen!" fragte dieser eben.

Habe sie mir aus dem Meere gefischt." Unsinn! Hol mich der Teufel!"

Nein, nein, es ist das wörtlich zu nehmenl*

Er erzählte dann von der Rettung, von dem Abschiede und daß er nicht .Anker auf' gegangen, sondern auf der Rhede geblieben sei, bis er endlich das Herz gefunden, der.Erbin eines Häuschens irgendwo in Schlesien' seine Hand und sein Alles

seine schwimmende Heimath avzubieten. In Montevideo war dann die Trauung gewesen und durch Jahre" fuhr er forthat sie die Gefahren und Anstrengungen der Seereisen mit mir getheilt und getrost hätte ich ibr das Besteck und die See­karten überantworten können, so vertraut ist sie mit den Lehren der Navigation und nun haben wir dennoch beide im Biusenlaude den Anker falle» lassen. Erst vor einem Jahre, es war als ich am Rheumatismus litt, hat sie mir gestanden, daß um ihr Häuschen in Schlesien auch noch 3000 Morgen Aecker lägen, daß aber ein See daran stieße, auf dem man segeln könne, und daß daS Häuschen einen Thurm und"

Eben bog der Wagen auS der Dorfstraße von Slawa in den Wasserweg am See entlang.

Sieh, daS ist Laubegast," sagte Lenz auf ein Schloß deutend, welche«, nicht mehr fern, aus herrlichem Parke hervorragte."

Ach, das ist ja großartig! Was ist denn Deine Fran für eine geborene ich meine ab­gesehen von der.Schaumgeborene»', als welche Du sie gefunden?"

Wirst'S am Wappen erkennen über der Haus­thür," lautete die Antwort.

Jetzt fuhr der Wagen durch den Parkweg und hielt bald vor der Rampe des modernen stylvollen Schlosses, über dessen Portale Rauitz erster Blick richtete sich dahin ein Wappenschild prangte, ein Boot enthaltend und dessen Helm mit drei bunten Fähnchen geschmückt war.

DaS Wappen meiner Frau," sagte Lenz lächelnd. Sie hat eS selbst erfunden und auch selbst daS Schloß bauen lassen während unserer atlantische» Fahrten."

Sie waren die Stufen der breiten Freitreppe hinangestiege», als sich die Thür öffnete und eine schlanke Frau in marineblauem HauSauzuge ihnen entgegen trat.

Ich bringe Dir einen Gast, Jte! einen lieben Freund," stellte er Herrn von Ranitz vor, doch wie versteinert blieb dieser stehen.

Jrm Fräulein Steuer, hol mich der Verzeihung, gnädige Frau aber so bin ich noch niemals überrascht worden!"

Da gab eS denn Fragen und Erkundigungen nach Vergangenem und Gegenwärtigem, doch Felix Befehl legte sich dazwischen.

Das alles machen wir nach Tische, beim Kaffee und in Ruhe ab! Zuvor wollen wir sehe», waS die Kombüse liefert, Jte, wir haben Mordshunger."

Unter heiterem Geplauder verging daS Diner. Rauitz erhielt die erforderlichen Aufklärungen über das Wappen und meinte, daS sei hübscher wie daS seine, daS einen Kranich enthielte, den wohl die Störche immer für einen Kollegen hielten