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Rr. S.

Sonnet flog den 21. Januar

1892.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die Interessenten der Ludolph'schen Familien- ; stiftung werden auf die diesseits in dem Amts« 6 blatte der Königlichen Regierung zu Caffel heute erlassene Bekanntmachung, betreffend Anmeldung der Ansprüche an den Zinsengenuß der Stiftung, hierdurch aufmerksam gemacht.

Rotenburg, am 8. Januar 1892.

Der Königliche Landrath: v. Altenbockum.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 18. Januar. In der heutigen (150.) Plenar­sitzung des Reichstages, welche Präsident v. Levetzow um l1 /4 Uhr vor sehr mäßig besetzten Bänken eröffnete, kam der Etat I der Reichspost- und Telegraphenverwaltung für das Etatsjahr I 1892/93 zur Verhandlung. Referent Abg. Dr. Buhl legte I kurz die Gründe dar, welche die Budgetkommission bestimmt i hätten, der Vorlage, betreffs der veranschlagten Einnahmen, wie "bet fortdauernden Ausgaben überall zuzustimmen. Ferner berichtete er über Petitionen und andere Gegenstände von allgemeiner Bedeutung, welche in der Kommission zur ; Erörterung gekommen sind. Abg. Wilisch betont, daß wir ' bezüglich des Telegraphentarifs noch erheblich hinter anderen Staaten zurückstehen, auch hält er dafür, daß in der Post- Verwaltung die Beamten zum Theil zu sehr überlastet würden und daß deshalb mehr Beamte angestellt werden sollten. Abg. Bachem bringt Maßregelungen gegen den Postassistenten- I Verband zur Sprache, der doch lediglich den Zweck verfolge, h die wirthschaftliche Lage dieser Beamten zu verbessern. Ent­weder sei dieser Verband unzulässig, dann müsse er discipli- narisch verboten werden, oder aber derselbe mache sich Miß­griffe schuldig, dann möge man öffentlich mit Gründen vor demselben warnen, oder aber, wenn Beides nicht gutreffe, müßten auch die Maßregelungen gegen die Vorstandsmitglieder durch Versetzungen rc. unterbleiben. Wegen der Sonntags­ruhe der Postbeamten bleibe doch noch Manches zu wünschen übrig. Abg. Dr. LingenS erkennt an, daß von der Central- p Verwaltung das Verlangen nach Sonntagsruhe der Beamten " vollkommen anerkannt und gewürdigt werde. Er müssen nur : auch die unteren Organe noch mehr von demselben durchdrungen werden. Sonntagsruhe, möglichst auch Sonntagsheiligung für die Beamten seien dringend geboten. Abg. Bebel bringt zur

Sprache, daß wie in anderen Ressorts, auch ein großer Theil von Postbeamten Nebengewerbe als Musiker treiben und so den Civilmusikern Konkurrenz machten. Das sei ungehörig, auch der Beamten unwürdig. Diese müßten so gestellt werden, daß sie zu solchem Ueberverdienst nicht zu greifen brauchten. Ein bezügliches allgemeines Verbot sei geboten. Die Sonn, tagsruhe hätten auch seine Freunde für die Beamten stets gefordert, wenn auch nicht aus religiösen Gründen. Direktor im Reichspostamt Dr. Fischer kann nicht anerkennen, daß den Unterbeamten ganz allgemein zu verbieten sei, sich an Musik­aufführungen zu betheiligen. Anders liege die Sache, wenn einzelne Unterbeamte gewerbsmäßig sich an Musikaufführungen betheiligten und dadurch der Dienst Nachtheil erleide.

Folitische Nachrichten.

B e r l i n, 19. Januar. Die gestrigen Morgen­stunden brächte Se. Majestät der Kaiser mit Erledi­gung von Regierungsangelegenheiten im Arbeits­zimmer zu, arbeitete darauf mit dem Chef des Civilkabtnets und nahm von 101/* Uhr ab die regelmäßigen Marine-Vorträge entgegen. Um 12/2 Uhr nahm der Kaiser im Weißen Saal die Vorstellung der demnächst in die Armee ein« tretenden Kadetten entgegen und empfing darauf um 1 Uhr die Präsidien des Herrenhauses und des Hauses der Abgeordnete« in Audienz, welche gleich darauf auch die Ehre hatten, von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen zu werden. Am Nachmittage besuchte Se. Majestät der Kaiser die Hohenzolleru-Gallerie am Lehrter Bahnhöfe. Abends fand im Elisabethsaale des Schlosses eine größere Festlichkeit statt, zu welcher vor« nehmlich diejenigen Ritter, welche Mittags bei der Ordensfeier und bet dem Kapitel betheiligt gewesen, geladen waren. Abends um ll1/2 Uhr ist der Kaiser vom L-Hrter Bahnhöfe aus im allerstrengsteu Inkognito nach Kiel abgereist, um daselbst die Vereidigung der Rekruten vorzu- nehmen. Ueber die Dauer des Aufenthalts des Monarchen in Kiel sind bis zur Stunde definitive Bestimmungen noch nicht getroffen worden.

Nach dem am 16. Januar abgeschlossenen Fraktionsverzeichvißistdte Stärke der Parteien im Abgeordnetenhause gegen« wärtig folgende: Die konservative Partei zählt 125, die Centrumspartei 98, dir nationalliberale 84, die freikonservative 66, die freisinnige Partei 27 und die Polen zählen 14 Mitglieder. Keiner Partei gehören folgende Mitglieder an: V.Below« Saleske, Dr. v. Boetticher, Cremer (Teltow), Freiherr v. Eckardstein, Graf v. Gersdorff, Herr- furth, Johanusen, Kieschke, v. Köller, Lassen, Dr. Lottchius, Dr. Freiherr Lucius v. Ballhausen, v. Moybach, v. Meyer-Arnswalde. Erledigt sind zur Zeit 5 Mandate (3. Osnabrück, 4. Hannover, 2. Berlin, 7. Posen, 8. Posen).

Zum neuen Reichs-AuSwanderungs- g e s e tz schreibt man der «Schles. Ztg.", daß «8 sich hauptsächlich auf die Regelung des Agenten- Wesens beziehen wird, um der erwerbsmäßigen Verleitung zur Auswanderung wirksamer als bis­her eutgegeuzutreten. Die konzesstouirtev Agenten haben fortan gewiss L^gschafteu zu stellen und ihre Geschäftsführung der behördlichen Aufsicht zu unterwerfen. Inwieweit unmittelbare Be­schränkungen der Auswanderung eingeführt werden sollen, scheint noch nicht festzustehen.

Der dem Reichstage zugegangene Gesetzentwurf über die Bekämpfn» g der Trunksucht zeigt mit dem im Sommer veröffentlichten Ent­wurf einige erhebliche Veränderungen. Die Konzessionspflichtigkeit des «Kleinhandels* mit Branntwein, d. h. nach dem damaligen Entwurf des Verkauss von Quantitäten unter 50 Liter, ist fortgefallen. Das Verbot für die Kleinhänd­ler mit Branntwein, solchen in Mengen von weniger als einem halben Liter abzugeben, ist auf Mengen von weniger als einem viertel Liter eingeschränkt. Gestrichen ist die Bestimmung, daß in den Wirthschaften auch andere, als geistige Getränke und Speisen verabreicht werden müssen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

B. H. G.

Erzählung aus dem Leben eines Seemannes von Hans Nagel von Brawe.

(Fortsetzung.)

X.

WMMMMM

Die Bremer BarkElltda", Kapitän Lenz, l hatte Anfang April 1885 mit voller Ladung Chili-Salpeter die Rhede von Valparaiso verlassen.

Das Schiff machte seine erste größere Reise und hatte sich nicht nur als ungemein seetüchtig, sondern auch als vortrefflicher Segler bewährt. Die Bark führte eine Bemannung von 14Händen" außer dem Kapitän und befand sich auf der Fahrt nach Hamburg.

Bei lebhafter Südwestbriese hatte die Ellida am 22. April Dieao-Ramirez (Kap Horn) auf Sicht passirt. Das Schiff lief unter vollen Mars- und Untersegeln mit 9 Knoten Fahrt. (9 See- Meilen in einer Stunde.)

Bereits am 27. früh wurden die Falklandinseln -gesichtet, die Bark steuerte nach Landpetlungen r und nahm dann Kurs auf Montevideo. An diesem : Tage, gegen Mittag räumte der Wind um mehrere AStrich nach Süden und nahm eine solche Heftig- f keit an, daß Kapitän Lenz die Untersegel und die | oberen Marssegel bergen ließ. Immer dichter j ballten sich die schwarzgrauen Wolken zusammen f und endlich zeigte der Himmel jenes graue, streifige

Aussehen, welches schwere Wetter zu verkünden | pflegt. Der Barometer war rasch gesunkeu. Wie | schwarze Schatten begannen bereits die Böen über das Meer heran zu jagen, in immer kürzeren Zwischenräumen und immer hohler ertönte daS Brausen der überstürzenden Seen. Mit rasender Fahrt lief die Elltda vor dem Winde. Der Sturm peitschte die Köpfe der nacheilenden Wellen in dichten Spritzern über das Achterdeck. Von Minuten zu Minuten wurde das Meer wilder, und die Bark schlingerte und stampfte bei der wilden Jagd quer über die Seen derartig, daß Klüverbaum und Bugspriet beim Tauchen in die Fluth zu brechen drohten.

Die Fahrt vor dem Winde mußte aufgegeben werden, die Gefahr war zu groß.

Alle Mann harrten bereits der Befehle auf Deck. Eben waren drei schwere Seen verlaufen*), als des Kapitän Lenz Kommando über das Schiff schallte: «Klar zum Beiltegen,"Braß an!" Ruder hart Steuerbord!"

Augenblicklich gehorchte die Bark und in großem Halbkreise wandle sie den Bug der Windrichtung zu. Zwar spülte eine See voll über daS Deck, aber sofort bekam daS Schiff eine ruhigere Lage, das Schlingern hörte auf und langsam hob es sich über die entgegenrollenden Wellen hinweg. Sturmstagsegel und Sturmbesahn waren eben

*) Auf drei schwere Seen (Wellen) folgt stets eine Reihe von kleinen,

gesetzt und die Marssegel festgemacht, das gute Fahrzeug konnte mit Ruhe den Hereiubrecheudeu Sturm erwarten.

Da meldete der Ausguck:

Drei Strich Steuerbord voraus Schiff in Sicht Dampser Engländer."

«Auf hoher See im Sturme zeigt der die Flagge?* wandte sich der Kapitän an den ersten Steuermann, «waS mag das bedeuten?"

Er richtete sein Doppelglas auf das Schiff, welches nur ab und an zwischen den wilden Seen sichtbar wurde.

«Es steht kein Signal im Vortop und dann scheint der Engländer auch keinen Dampf zu haben wir werden sehen."

«Zwei Strich abfalleu!" «Braß auf!" kommandirte er. Sofort bekam daS Schiff stärkere Fahrt und flog dem Dampfer zu, der noch 6-8 Mill entfernt sein mochte.

«Richtig, Kapitän," sagte der erste Steuermann nach einiger Zeit,er hat ein Signal, vier Stander der internationale obenan!"

Wieder kam eine See über Bord. Wer sich nicht festhielt, wurde umgerissen und wie ein Strom floß dann das Waffer daS Deck entlang, alles mituehmend, was nicht festgepurrt war.

Dann wards für einen Augenblick ruhiger und die Gläser konnten von Neuem angewandt werden.

«Zuoberst weht die Flagge B aus," meldete der Steuermann, die Beobachtung wieder ausnehmend, «dann folgt der Stander H und zu unterst 6!