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Herssel-el SirisHitt

Mit wöchentlicher Kratis-Keilage «Illustrirtes AnterhaltuugsKlatt".__________

Rr. 7. (Erstes Blatt s Sonnabend den 16. Januar 1892.

Amtliches.

Hersfeld, den 2, Januar 1892.

In Gemäßheit des § 25 bezwse. 45 der Deutschen ; Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche

1. in dem Zeitraum vom 1. Januar 1872 bis einschließlich 31. De- zember 1872 geboren sind,

2. dieses Alter bereits überschrit­ten, abersich noch nicht vor einer Ersatz«Behörde zur Musterung bezw. Aushebung gestellt,

3, sich zwar gestellt, aber über ihr Militair - Verhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, sich in der Zeit vom 15. Januar bis ? zum 1. Februar d. J. zur Retrutirungs- : Stammrolle zu meide«, und dabei die über | ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangeue Bestimmungen über ihr Milttairverhältniß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher deS Kreises haben demgemäß im laufenden Monat ; folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen.

»Jeder Milttairpflichtige, welchem über seine Dienstzeit eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat stch in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. J. bei dem Ortsvorstande zur RekrutirungS - Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Milttairpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormün­

der, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die An­meldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermei­dung der im Gesetze angedrohten Nachtheile. Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) aufzu- stellendenRekruttrungs-Stammrolleu pro 1872 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stamm­rolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden RekruttrungS-Stamm- rollen der Jahre 1870 und 1871 hj- spä- testen# zum 5. Februar d. J. unter der Bezeichnung Militaria einzureichen.

Ferner haben die Herren Ortsvorstäude rc. des Kreises die tu ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtigen, welche in das militairpflichttge Alter eintreten resp, eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, voa der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des 8 93 pos. 2 der Wehrordnung vom 22. November 1888 sich bet der Ersatz- Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.

Schließlich spreche ich noch die bestimmte Er­wartung aus, daß die vorbezeichneten Stamm­rollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig aus gefüllt werden; auch muß, wenn zum Beisp. ein Militairpflichtiger Schmied ist, ange­geben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist. Ferner muß bei jedem einzelnen Mtlitairpflich- tigen in der dazu bestimmten Rubrik durch Ein­tragung der Worte: »ja" odernein" angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle ange­meldet hat oder nicht. Ist letzteres der Fall, so

ist ebenfalls anzuzeigen, ob Bestrafung desselben erfolgt ist oder nicht und eventuell weshalb nicht.

J IL 11. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Die Erössnm- des Landtages.

Der Landtag der Monarchie ist am 14. Ja- nuar vom Ministerpräsidenten Grafen v. Laprivi mit folgender Thronrede eröffnet worden:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden

Häusern der Landtags!

Se? Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtages der Monarchie zu beauftragen geruht.

Die Lage der Staatsfinanzen hat sich im Laufe dieses Etat«- jahres weniger günstig gestaltet. Während die Rechnung für 1890/91 noch mit einem ansehnlichen, aus bewilligte Anleihen verrechneten Ueberschusse abschließt, ist er nicht ausgeschlossen, daß in Folge der Steigerung der Ausgaben, namentlich bei den Staatseisenbahnen, sich im lausenden Jahre ein jenen Ueberschuß übersteigender Fehlbetrag herausstellen wird.

Bei Aufstellung der Ihnen unverzüglich zugehenden Etat« hat demgemäß auf allen täeöteten der Staatsverwaltung be­sondere Sparsamkeit geübt werden müssen. Namentlich hat zum Bedauern der Staatsregierung die als nothwendig aner. kannte Aufbesserung der Besoldungen der unmittelbaren Staats­beamten in diesem Jahre noch nicht in der wünschenSwerthen Weise weitergeführt werden können. Nur zu der allseitig für besonders dringlich erachteten Verbesserung der äußeren Lage der Lehrer an den höheren Schulen und Seminarien sind schon jetzt die erforderlichen Beträge in den Etat eingestellt.

Dar System der AufrückenS der Beamten nach Altersstufen ist bei den Unterbeamten bereits in dem diesjährigen Etat zur Ausführung gebracht und soll im nächstjährigen Etat im An­schluß an die Vermehrung der etatSmäßigen Stellen auf weitere Beamtenklassen ausgedehnt werden.

Der Entwurf des in dem Einkommensteuergesetz« vom 24. Juni 1891 vorbehaltenen Gesetze« wegen Gewährung einer Entschädigung für die Aufhebung der den Häuptern und Mit­gliedern der Familien vormals unmittelbarer deutscher Reich«- stände zustchendcn Befreiung von ordentlichen Personalsteuern, sowie der Entwurf eine« Gesetze«, betreffend die Revenüen de« beschlagnahmten Vermögens des vormaligen König« von Hannover, wird Ihrer Beschlußnahme unterbreitet werden.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

B. H. GK

Erzählung aus dem Leben eines Seemannes von Hans Nagel von Brawe.

(Fortsetzung.)

VII.

Es war ein lauer herrlicher Abend; wenige Tage später.

Die letzten Reste des schwindenden MondeS I spiegelten sich in breitem Bogen im kaum ge- s kräuselten Wasser der Außenalster und all die glitzernden Sterne tauchten hinab und hinauf, als baden sie in der Fluth nach so heißem Tage. Wie mächtige Silberfächer erschienen die Wellen, ; von den raschen Dampfern auSeinandergebreitet. I Nur ab und an ließ der Abendhauch aus Westen das Laub der uralten Eichen und Pappeln er­zittern im Parke von Dornbusch.

Kein Lebenszeichen in der Villa und im Garten! Ellona ist bereits zu Bette gebracht, Frau Dorn­busch folate mit ihrem Gemahl einer Einladung. Da öffnet sich die Thür der Veranda, eine schlanke Frauengestalt steigt die Marmorstufen hinab und folgt langsam, vorsichtig dem gewundenen Kieswege bis hinab an daS Ufer. Auf einer Gartenbau! läßt sie sich nieder. Sie hat das Gesicht dem Monde zugewandt. Sind es die schrägen letzten Strahlen, die sie so blaß erscheinen lassen?

Fröstelnd hüllt sie den Kopf in das gehäkelte I weiße Wolltuch, das sie über den Arm trog. | Regungslos sitzt sie da, nur ab und an den Kopf wendend, als horche sie, erwarte Jemanden.

Jetzt fliegt ein Helles Roth über ihre Wangen. Rasche Schritte nahen über den Kies, Männer­schritte. Sie springt auf und schon umfassen sie zwei kräftige Arme, die L'ppen werden ihr im Kusse geschloffen, ehe sie noch auSsprechen kann die Worte, die sie sich seit Tagen selbst vorsagt, wachend und im Traume:,Alfred mein Alfred!

Mein einziger Liebling," antwortet er mit seiner verführerisch melodischen Stimme,meine Jrmgard! Wie grenzenlos glücklich machst Du mich!"

Sie haben sich auf der Bank niedergelassen, er hat ihre Hand ergriffen mit seiner Rechten und will das Mädchen mit der linken an sich ziehen.

Nicht doch, nicht doch," wehrt sie ihm,laß uns den Abend, das Alleinsein, benutzen, unsere Pläne festzustellen, denn steh, Alfred, so schwer es mir auch wird, mich von Dir zu trennen, aber eS geht nicht, ich kann als Deine Braut nicht hier im Hause bleiben. Wirst Du morgen mit Deinem Vater sprechen, Du Lieber, Guter? Bitte thu eS, ich bin so unruhig, als ob es ein Unrecht wäre, daß wir unS lieben ohne den Segen Deiner Eltern. O mein Gott, mir ist so bange und doch bin ich so, so glücklich!"

Sie legt den Kopf sanft an seine Schulter und er küßt sie auf die Stirn.

Der Mond ist jetzt ganz verschwunden hinter den hohen Dächern von St. Georg. Die Dunkel­heit aber verbirgt daS häßliche, spöttische Lächeln auf des jungen Kaufmanns Antlitz, als er mit fast zärtlichem Ausdrucke antwortet:

Es geht nicht, Du Einzige, noch darf ich nicht zu meinem Vater sprechen, es sind zuvor noch geschäftliche Auseinandersetzungen erforderlich. Aber Tag und Nacht habe ich nachgedacht, wie ich bald mein höchstes Glück, Dich, meine Selig- keit, gewinnen kann, und mein Plan doch nicht hier will ich Dir daS erzählen, komm in daS Boot, Liebling, dort auf dem See sind wir unbelauscht."

Er sprang auf und löste die Kette der leichten Jolle, vor ihnen am Ufer liegend, dann führte er das Mädchen durch die Dunkelheit an den Landungssteg und, sie mit beiden Händen um- spannend, hob er sie leicht in daS Fahrzeug. Mit raschen Ruderschlägen glitt daS Boot im dunkelen Schatten des UferS dahin. Dann zog der Kauf- mauu die Riemen ein und setzte sich auf die Ducht*), dem Mädchen dicht gegenüber. Er hatte ihre Hände ergriffen und drückte sie an die Lippen und dann kniete er nieder und schlang die Arme um ihre Knie. Sie wollte wehren, da schwankte daS Boot, sie klammerte sich fest am Bord.

Jrmgard," flüstert er leise,Jrmgard höre mich an. Mit wahnsinniger Kraft habe ich mich

*) Ducht Ruderbank.