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Heissel-er Kreisblitt.

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Rr. 6. Donnerstag den 14. Januar 1892.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 12. Januar. Die heutige (145.) Plenarsitzung des Reichstages, in welcher derselbe seine Arbeiten nach den Ferien wieder aufnahm, eröffnete Präsident von Levetzow gegen ^S Uhr, indem er den Mitgliedern ein fröhliches Neujahr in der Hoffnung wünschte, daß die Arbeiten des Hauses Kaiser und Reich zum Segen gereichen möchten. Nach Erledigung einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten kam dann als erster Gegenstand der Tagesordnung der Etat des Reichstags zur Verhandlung; bei demselben begründete Abg. Dr. Baumbach den Antrag aus Gewährung von Diäten und Reisekosten an die Mitglieder des Reichstags. Er begründete den Antrag mit der 25 jährigen Erfahrung und wies dabei auf die Erfahrungen der neuesten Zeit, auch des heutigen Tages hin. Dem fort­gesetzt schwachen Besuch deS Hauses würde aber die Diätcn- bewilligung abzuhelfen geeignet sein. Die Auffassung, daß die Diätenlosigkeit als eine Korrektur des allgemeinen Wahlrechts nöthig sei, kann er als begründet nicht anerkennen. Das allgemeine Wahlrecht sei heute überhaupt nicht mehr zu be­seitigen; außerdem aber habe die Diätenlosigkeit sich erfahrungS- mäßig niemals als erwiinscht-s Korrektiv erwiesen. Die Socialdemokraten hätten jedenfalls unter der Diätenlosigkeit ihre Mandate nur vermehrt. Die Bedenken, welche gegen eine Verfassungsänderung und deswegen erhoben worden, daß das Ansehen der Abgeordneten durch den Empfang von Diäten gemindert würde, sucht er als unbegründet nachzuweisen. Großen Klassen des Volkes (kleinen bäuerlichen Besitzern, Handwerkern, Volksschullehrern re.) werde gegenwärtig die Uebernahme eines Mandats zum Reichst« ,e unmöglich gemacht. Die Diätenlosigkeit sei nicht eine Korrektur, sondern ein Wider­spruch gegen das allgemeine Stimmrecht. Wenn gesagt werde, durch die Diäten würde die Macht des Parlaments gestärkt und vergrößert, so müsse entgegnet werden, daß dann auch zugleich die nationale Idee und das Deutsche Reich in sich gekräftigt würden. (Während dieser Rede war Reichskanzler Gras v. Caprivi an seinem Platze erschienen.) Gegen 3'/« Uhr nahm Abg. Haberland (Centrum) für den Antrag das Wort.

Iolitische Nachrichten.

^Eidesleistung des Erzbischofs v. S t a b l e w 8 k i.] Dienstag Mittag hat unser Kaiser von dem Erzvischof v. Stablewski, welcher zu diesem Behufe in einer Königlichen Egaiprge

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

B. H. G.

Erzählung aus dem Leben eines Seemannes von Hans Nagel von Brawe.

(Fortsetzung.)

Alfred Dornbusch sah ihr nach. Von dem weichen, schmeichelnden Ausdruck in seiner Stimme, von den achtungsvollen Mienen in seinem nicht unschönen Gesichte war keine Spur geblieben, als er jetzt mit cynisckem Lächeln murmelte:

Das erste Geplänker verlief ja über Erwarten siegreich! Ich habe offenbar den rechten Weg ge­funden. Etwas Liebesgefasel, etwas Kunst - enthusiaSmus, etwas Hinweis auf Gebrauch in der Welt, und mein guter Wille! ,Bet deS ZaubrerS Hirngebein' die Sache kann hübsch werden und lohnend. Sie ist doch ein reizendes Baby, das Mädchen! Aber nun schmieden, so lange die Wärme vorhält."

Mit Selbstgefühl warf er den Kopf mit den dichten, krausen, gelbblonden Haaren zurück und ließ den feinen, noch kaum faßbaren Schnurrbart durch die Finger gleiten. Dann wandte auch er sich der Gesellschaft zu auf einem Umwege.

VI.

Felix Lenz war zum Bootplatz zurück gerudert. Er folgte jetzt dem Ufer der Binnenalster über die Lombardbrücke, und wandte sich dem Glocken­

gießerwalle zu. Vor dem Eckhause der Raboisen- straße blieb er stehen. Im 2. Stocke stahlen sich einzelne Lichtstrahlen zwischen dichten Persiennen hindurch. Zögernd, fast unschlüssig betrat er das Haus und langsam stieg er die breite, teppichbe- legte Treppe hinan.

MrS. Francis Bancroß" stand auf der Karte, neben der er jetzt den Knopf der elektrischen Glocke drückte.

Doch schon wurde vorsichtig durch die in der Thür angebrachte winzige BeobachtungSöffnung gesehen, die Flügel öffneten sich, ein paar zarte kleine Hände zogen ihn hinein und dann wurde der Nachtriegel vorgeschoben.

Felix, wie ich mich freue, daß Du da bist! Wie lange hast Du mich heut warten lassen !*

Eine schöne noch jugendliche Frau ist eS, die ihm daS in englischer Sprache zuflüstert, während sie die Portieren des matt erleuchteten BoudoirS zurückschlägt. Er tritt hinein in den mit üppigstem Luxus ausgestatteten Raum. Schwere persische Teppiche machen den Schritt unhörbar. Kostbare dunkele Vorhänge von Setdendamast uud solche Portieren von vergoldeten Engeln gerafft! Niedere Divans mit orientalischen Decken belegt, der Sophatisch angehäuft von Büchern in Pracht­bänden ! Cousolen mit Elfenbein- und Porz-llan- gegenständen, Oelgemälde in kunstvollen Drapi- ruugen fast vergraben und der berauschende Duft von Sandelholz und Jxora!

Die mächtige Astrallampe, an schweren Ketten

von seiner Berliner Wohnung abgeholt worden, im Kapitel-Saale des Königlichen Schlosses den vorgeschriebenen Eid selbst entgegengenommen. In dem Eide gelobt der Erzbischof insbesondere, daß ich keine Gemeinschaft oder Verbindung, sei es innerhalb oder außerhalb Landes, unter­halten will, welche der öffentlichen Sicherheit ge- jährlich sein könnten, und will, wenn ich erfahren sollte, daß in meinen Diözesen oder anderswo Anschläge gemacht werden, die zum Nachtheil des Staats gereichen könnten, hiervon Seiner König­lichen Majestät Anzeige machen. Ich verspreche, dieses alles um so unverbrüchlicher zu halten, als ich gewiß bin, daß ich mich durch den Eid, welchen ich Seiner Päpstlichen Heiligkeit und der Kirche geleistet habe, zu nichts verpflichte, was dem Eide |ber Treue und Unterthänigkeit gegen Seine Königliche Majestät entgegen fein könne. Alles dieses schwöre ich, so wahr mir Gott helfe und fein heiliges Evangelium. Amen!" Nach der Ableistung des Eides richtete unser Kaiser folgende Worte au den Er^ischof:Ich habe es für angezeigt gehalten, Sie, hochwürdiger Herr, bei Antritt Ihres Amts persönlich zu empfangen und das feierliche Gelöbniß, welches Sie soeben abgelegt und mit Ihrem Eide bekräftigt haben, Selbst entgegenzunehmen. Die Aufgaben, welche Ihrer harren sind schwer. Sie erfordern bei den eigenthümlichen Verhältnissen Ihrer Diözese in besonderem Maße Weisheit und Treue. Wenn Ich Sie, hochwürdiger Herr, Seiner Heiligkeit dem Papste zur Berufung auf den erzbischöflichen Stuhl von Gneseu-Posen tu Vorschlag gebracht und Ihnen nunmehr Meine landesherrliche An­erkennung ertheilt habe, so ist dies in dem Ver­trauen geschehen, daß Sie in Ihrem verant­wortungsvollen Amte allezeit die Grundsätze be­thätigen werden, die Sie als Christ und Unter­than Mir, Ihrem Landesherrn und dem Staat, besten Bürger Sie sind, schulden, Ich erwarte, daß es Ihnen gelingen wird, soweit dies Ihres

Amtes ist, die Gegensätze zu versöhnen, welche bei Kindern eines Landes keine Berechtigung haben, und daß Sie in den Ihrer bischöflichen Obhut anvertrauten Diöcesanen den Geist der Ehrfurcht und Treue gegen Mich und Mein Haus, des Gehorsams gegen die von Gott ge­ordnete Obrigkeit, der Acht"na vor den Gesetzen des Landes sowie der Eintracht unter den Be­wohnern desselben pflegen und nähren werden. Ich hege diese Erwartung mit um so größerer Zuversicht, da Sie diese Grundsätze selbst alS die Ihrigen ohne Scheu verkündet und Mir da- durch die Gewähr geboten haben, daß der Hirten­stab der Erzdiöcese fortan in einer festen, treuen und gerechten Hand ruhen wird. In diesem Sinne heiße ich Sie, hochwürdiger Herr, in Ihrem Amte willkommen und wünsche Ihnen zur Füh­rung desselben den Segen Gottes!"

In Bezug auf das T r u u k s u ch t s g e s e tz, oder wie es richtiger bezeichnet ist,Gesetz be­treffend die Bekämpfung der Trunksucht," finden im Reichsamt des Innern noch Berathungen statt, welche einige in der Plenarsitzung des Bundes­raths in Vorschlag gekommene Abänderungen der Ausschußanträge zum Gegenstände haben. Die Berathungen dürften im Laufe der nächsten Tage beendet werden, so daß der Gesetzentwurf in der am Donnerstag stattfindenden Plenarsitzung des Bundesraths wird erledigt werden und alsbald an den Reichstag gelangen können.

Die Vorarbeiten über die Abänderung der Be­stimmungen, betreffend denUnterstützuugS- Wohnsitz, sind, wie dieBerl. Pol. Nachr." weiter berichten, zwar noch nicht abgeschlossen, doch so weit gefördert, daß ohne Zweifel die Vorlage dem Reichstage noch so zeitig zugehen wird, daß sie, auch wenn die Session zu Ostern geschloffen werden sollte, jedenfalls würde zur Verabschiedung gelangen können.

Der Pariser Korrespondent der Times* kommt zum dritten Male auf die

vom Plafond hängend und mit einem breiten Schirme von blauem AtlaS und Spitze bedeckt, verbreitet ein magisches Halbduukel.

Die Dame führt den Gast unter die Lampe, in den einzigen hell erleuchteten kleinen Kreis. Sie faßt ihn bei beiden Schultern und steht ihn fragend an.

WaS ist Dir, Felix," ruft sie auS,Du er­schrickst mich, waS macht Dich so ernst, so grausig ernst?"

Fast zärtlich klingt ihr Ausruf, ängstlich suchen ihre dunkelen glänzenden Augen nach der Lösung des Räthsels in des Seemannes Zügen. Und ehe er noch antworten kann schlingt sie die Arme, von den weiten geschlitzten Aermeln des schwarzen SammetgewaudeS fast gauz frei gelaffen, um seinen Nacken und er fühlt die vollen heißen Lippen auf den seinen breonen.

Laß mich, FranciS," bittet er uud streicht über ihr schwarzes Haar, offen hinabwallend,habe Nachsicht mit mir, vielleicht wird'S bester, ich habe Kopfschmerzen oder dergleichen."

Wiederum der fragende Blick. Dann eilt sie an den Samowar, der auf einem Servirtischchen von Polisander brodelt und reicht den duftenden Thee.Nimm das, es wird Dir gut thun, Felix!"

Er hat sich auf einen Divan geworfen. Sie setzt sich zu ihm. Ja sie ist schon in ihrer Sorge um ihn berückend schön er fühlt es er fühlt auch, wie er sie kränkt mit seinem starren Ernste, und doch er kaun nicht anders. Kaum