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Herssel-el Kreislillitt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Neilage „Illugrirtes Ilnterhattungsvlatt^.
Nr. 5.
Amtliches. i
HerSfeld, den 2. Januar 1892.
In Gemäßheit deS § 25 bezwse. 45 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
1. in demZeitraum vom 1. Januar 1872 bis einschließlich 31. Dezember 1872 geboren sind,
2. dieses Alter bereits überschritten, abersich noch nicht vor einer Ersatz-Behörde zur Musterung bezw. AuShebung gestellt,
3, sich zwar gestellt, aber über ihr Milttair-Verhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. zur Retruttrungs- Stammrolle zu melden, und dabei die über ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Militairverhältuiß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren OrtSvorstäude der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der GutSvorsteher deS Kreises haben demgemäß im laufenden Monat folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen.
«Jeder Militairpflichtige, welchem über seine Dienstzeit eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar biS 1. Februar d. I. bet dem OrtSvorstäude zur Rekrutirungs - Stammrolle zu melden, bet Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militairpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormün-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
B. H. Gk
Erzählung auS dem Leben einer Seemannes von HanS Nagel von Brawe.
(Fortsetzung.)
Rasch trat er in einer der vielen, am Quai bereit liegenden MiethSboote, zahlte den Obolus und ruderte hinaus, der Außeualster zu. Die Nacht war völlig gesunken und breit spiegelte sich die Mondsichel in den glitzernden Wellen deS SeeS, auch jetzt noch von Booten belebt. Er ruderte dem Westufer zu, den ParkS, deu Villen der Reichen.
Dort lag daS Besttzthum deS Consul Dornbusch, er erkannte den Thurm, am Horizont sich ab- greuzend. Der obere Theil der GartenS war Hell erleuchtet mit Lampion? und Wiudlichtern. Im Lichtglanze strahlte die Villa. Eine bunte Menschenmenge bewegte sich im Garten, — helle Frauen- gewänder, Uniformen. Ueberall Lachen und lebhafte Conversation. Auch unten, im dunkelen Theile, nahe dem Waffer erkennt er jetzt Gestalten — paarweise gehen sie am Ufer entlang. Der Mann im Boote kann die Worte fast verstehen.
Plötzlich spannt er seine Sinne auf dar äußerste an.
«DaS war ihre Stimme, die Stimme meiner kleinen Getgeu-Fee*, sagt er. «Sie ging an der Seite eine? Mannes — doch war kümmert? mich!*
Jetzt erschallt von der breiten berankten Veranda
Die Znserston »gebühren betragen für dm Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren «ntirSgm entsprechender Rabatt.
Dienstag den 12. Januar
der, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die An-1 Meldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Die sodann genau nach der Instruktion deS Herrn Ober - Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) aufm- KellendeuRekrutirungS-Stammrollen pro 1872 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden RekrutirungS-Stamm- rollen der Jahre 1870 uud 1871 bis spätestens zum 5. Februar d. I. unter der Bezeichnung Militaria einzureichen.
Ferner haben die Herren OrtSvorstäude rc. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig • freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtige», welche in daS militairpflichtige Alter eiutreteu resp, eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der AuShebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit deS 8 93 pos. 2 der Wehrorduung vom 22. November 1888 sich bei der Ersatz- Kommission ihres GestellungSorteS schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Schließlich spreche ich noch die bestimmte Erwartung auS, daß die vorbezeichneten Stammrollen sauber aufgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig auSgefüllt werden; auch muß, wenn zum Beisp. ein Mtlitairpflichtiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist. Ferner muß bet jedem einzelnen Milttairpflich- ttgeu in der dazu bestimmten Rubrik durch Ein- traguug der Worte: «ja" oder „nein" angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle angemeldet hat oder nicht. Ist letztere? der Fall, so ist ebenfalls anzuzeigen, ob Bestrafung desselben
her. der dröhnende Schall eine? Tamtam. Alle? eilt dem Hause zu, er wird ganz still im Garten eine verspätete Nachtigall beginnt ihr klagend sehnsuchtsvolle? Lied.
Da Hallen die Accorde eines Flügels durch die Nacht. Die Fenster sind geöffnet. Die vollen Harmonien rauschen hinab bis zur Alster, bis zum Boote, uud dann — der Klaug einer Geige. Die Begleitung tritt mehr zurück uud in wunderbar weichen und doch so vollen Schallwellen — sinnen- berückend und tieftraurtg zugleich — ertönt die Elegie von Ernst.
Voll Bewunderung horcht der junge Seemann da unten. «Ja, daS ist Jrmeugard, ich fühle e8l*
Oben in der Villa folgt ein geräuschvoller Applaus dem Vortrage — dann werden die Fenster geschlossen.
Der Seemann fährt sich mit dem Taschentuche über die Augen.
«Da,lenze/ (pumpe) ich gar Salzwaffer aus der,Bilge' (Ktelraum) hier mitten im Binnensee I" Doch auch die Selbstverspottung dringt nicht durch.
Rasch ergreift er die Riemen. «Francts wird schon Rath wissen gegen die Erinnerungen au? der Kinderzeit,* denkt er lachend und dann — waS war denn dar? Wieder klang ihm fein Lachen so matt — wie die zerborstene Glocke.
V.
Den Musikvorträgen in der Villa Dornbusch war ein glänzendes Büffet gefolgt. Jetzt hatte
1892.
erfolgt ist oder nicht uud eventuell weshalb nicht.
I. II. 11. Der Königliche Laudrath
____________Freiherr von Schletuitz.
HerSfeld, den 7. Januar 1892.
Für den am 19. November 1873 zu Mausbach geborenen Jesaya (genannt Julius) A p p e l da- hier ist um Entlastung auS dem diesseitigen StaatSverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesocht worden.
I. I. Nr. 98. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i u i tz.
Fotitische Nachrichten.
SerltnflL Januar. Am gestrigen Sonntag Vormittag hatten sich die Kaiserlichen Majestäten zum Gottesdienste nach dem Dom begeben, woselbst auch der Prinz Alexander von Preußen und die beiden ältesten Söhne deS Prinzen Albrecht von Preußen anwesend waren. — Am Nachmittage um l‘/4 Uhr waren der Erbgroß- Herzog und die Erbgroßherzogin von Baden nebst Gefolge von den Kaiserlichen Majestäten zur FrühstückStafel nach dem Königlichen Schlöffe geladen worden.
Se. Majestät der K a i s e r hielt am 9. d. im Grunewald eine größere Hofjagd ab, an der auch Prinz Heinrich, der auS Kiel in Berlin eiugr- troffru war, theiluahm.
Der König und die Königin von Württemberg werden, so viel bekannt, am 24. oder 25. zum Besuche am Berliner Hofe etntreffeu uud sich au der Feier deS Geburtstages des Kaisers betheiligen.
Die Btfferung in dem Befinden desPrinzeu Georg von Sachsen schreitet fort. Der Prinz bringt mit Unterbrechung einige Stunden des TageS fitzend außer Bett zu. Appetit und Allgemeinfinden find befriedigend.
sich die zahlreiche Gesellschaft auf die eleganten SalonS vertheilt. Nur ein Theil der Jugend erging sich noch im Garten. Es war plötzlich kühl geworden draußen und Nebel stiegen auf.
Der lieblichen Tochter des HauseS — sie feierte heute den 11. Geburtstag — hatte Herr v. Ranitz im großen Musiksalon ein Pfänderspiel arraugirt, an welchem sich der Rest der Gesellschaft betheiligte. Eben saß der Lieutenant auf dem,Moquirstnble, und auch den Erwachsenen boten die harmlos- neckischen Urtheile offenbar Unterhaltung, umso- mehr, als der Offizier feine Antworten in der allergutmüthigsteu Art, aber mit Schlagfertigkeit zu geben verstand.
Die allgemeine Aufmerksamkeit war momentan gefesselt und die Hausfrau, eine gut aussehende Blondine in den Dreißige», benutzte die Gelegen- Heit, ihren bereits stark ergrauenden Gemahl in eine Fensternische zu winken.
«Nun, Dornbusch?* fragte sie, alS ob er wissen müsse, waS sie fragen wolle.
«WaS denn, mein Kind?*
«Hast Du denu nichts bemerkt?*
«Daß ich nicht wüßte! Wo breuut'S denn?*
«Sieh, da fragst Du gerade richtig! Ja, eS brennt, mich täuscht man nicht. Alfred ist ja den ganzen Abend der Jrmeugard nicht von der Seite gewichen, und ich befürchte — *
«Na, wa? denu? Daß er in sie verliebt ist? Wa? schadet daS? Wird wohl noch öfter Vorkommen.*