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Nr. 1

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erssel-er SrrisbUtt

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt"

Sonnaitnb den 2. Januar

1892.

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Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlicher» «ratts-Bettage

Mustrirtes Unterhattungsblatt" pro 1. Quartal 1892 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 30. Dezember 1891.

Nach einer Entscheidung deSNeichsversicherungS- Amts find die Kosten für die Uebersendung abgegebenerQuittungskarten an die Verstcheruugs- Anstalt des Bezirks (§ 107 des ReichSges. vom 22/6. 1891) von den Ausgabestellen, nicht von den Versicherungsanstalten zu tragen, weil eS sich hierbei um die Erfüllung von Verpflichtungen handelt, welche das Gesetz den Behörden als eigene Obliegenheiten unmittelbar zugewiesen hat. Die Herren Ortsvorstände deS Kreises haben sich dieses zur Nachachtung dienen zu lassen.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Das WirthsHastsjahr 189L

Die ungeheuere Ausbildung der Technik und des Verkehrswesens in unserem Jahrhundert hat die Wellenbewegung im wirthschaftlichen Leben der Völker vermehrt und beschleunigt; die Perioden des Auf- und Niedergangs in Produktion und Handel beschreiben kürzere Linien und kehren da­her häufiger wieder als in früheren Jahrhunderten.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Grlöst.

Novelle von E. Rudorff.

Verfasserin des preisgekrönten Romans:Durch Leid zum Licht."

(Schluß.)

Sechs Jahre hatte Köstlin nicht persönlich mit Norbert verhandelt und sprach den Wunsch aus, ihn für einige Tage in B. zu sehen. Der Brief traf Norbert, als er gerade aus der Residenz eine Einladung erhalten hatte, in einen Verein für koloniale Unternehmungen einen Vortrag zu halten. Norbert beschloß zuerst nach B. zu gehen, wo ihn der Consul mit der größten Herzlichkeit empfing und voll Genugthuung den stattlichen, von der Sonne gebräunten Mann mit den klugen, scharf­blickenden Augen betrachtete. Beide hatten viel mit einander auszutauschen und die Stande des Mittagmahles rückte heran, ehe sie es gewahrten. Nun wurde auch das Personal des Geschäftes begrüßt und manche wohlbekannte Stimme sprach ein freudigesWillkommen" aus. Man ging als­dann zu Tisch, Norbert erhielt den Ehrenplatz an des Consuls rechter Seite, wo sonst Frau Köstlin besessen, Mara saß, wie früher links von dem Vater. Die beiden hatten sich flüchtig mit wenigen Worten begrüßt. Norbert mußte fortdauernd er» zählen, die Zeit eilte dahin wie auf Flügeln ge­tragen. AIS die Drei dann allein an tem Tische blieben, sagte der Consul:Nun, lieber Norbert,

Das abgelaufene Jahr war für die industrielle Thätigkeit kein Jahr des Aufschwungs, wie das Jahr 1889 mit seiner fieberhaften Anspannung aller Kräfte und seinem große» Bergarbetterstrike nebst anderen Lohnkämpfen. Es war ein Jahr der Ruhe und der Sammlung. Schon im Vor­jahr hatte sich die absteigende Periode in mancher­lei Anzeichen angekündigt. Die Errichtung neuer Produkttousstätten und die Umwandlung alter in Aktiengesellschaften stockte, der Geldmarkt hatte einen schweren Stoß durch die politischen Wirren der südamerikanischen Republiken erhalten. Diese Wirren dauerten auch iu dem abgelaufenen Jahr noch fort und beschränkten unseren Waarenabsatz nach Südamerika, während sich für den Waaren-

oder leidlichen Eruteerträgen in eine vergleichs­weise gute Lage versetzte, auf der anderen Seite aber durch Theuerung der Lebensmittel den Haus­halt der ärmeren Klaffen empfindlich belastete. ----------------------------------------------- Die Landwirthschaft in den östlichen Provinzen zum ersten Male die ungünstigen Wirkungen des hatte namentlich unter dem Mangel an Arbeits­kräften und dem fortdauerndem Abzug der Arbeiter

verkehr mit den Vereinigten Staaten Nordamerikas

Mc. Kinley-Bill genannten Sperrgesetzes geltend machten. Dadurch wurde namentlich für unsere Textilindustrie und einzelne Zweige der Eisen­industrie ein empfindlicher Ausfall verursacht.

Trotzdem war erst in der letzten Zeit in ver­schiedenen Fällen von Verkürzungen der Arbeits­zeit wegen Mangels an Aufträgen und von Arbeiterentlassungen zu berichten und sind im Allgemeinen bei sehr beschränktem Gewinn der Unternehmer die arbeitenden Klaffen in auskömm­lichen, auf dem Lande sogar in befriedigenden Verhältniffen geblieben. Lohnkämpfe der Arbeiter verboten sich durch die Geschäftslage. Am 1. Mai, demWeltfetertag", blieb es bei einer platonischen Demonstration zu Gunsten des Achtstundentages, an der sich nur ein verschwindender Bruchtheil der Arbeitermassen betheiligte. Der einzige größere Strike war der zur Zeit noch nicht beendigte Strike der Buchdrucker, zu dem die Veranlassung mit Ablauf des Termins für die geltenden Ab­machungen über den Lohatarif gegeben war.

Große Befürchtungen erregten zu Anfang Sommers die Aussichten auf die Ernte; diese

möchte ich auch von dem berichten, waS ich in­zwischen hier geleistet habe. Mein Recon- valescentenhaus ist unter Dach gebracht und kann im Herbst bezogen werden; die Arbeiter-Wohnungen nehmen ebenfalls einen günstigen Aufschwung und, falls Gott mir noch einige Jahre schenkt, hoffe ich nicht fortzugehen, ohne den guten Willen ge­zeigt zu haben, bessere Zustände herbeizuführen.

Lebrecht trat in das Zimmer und meldete, daß ein Herr den Consul in privater Angelegenheit zu sprechen wünsche.

Führen Sie ihn in die Herrenstube," entgegnete Kösilin, stand auf und Norbert, der sich wie Mara ebenfalls erhoben hatte, wollte sich empfehlen. Bleiben Sie noch," rief ihm der Consul zu, die Sache unten ist wohl schnell erledigt, ich vergaß über etwas in Bezug auf unsere Filiale in H. Sie zu befragen.

Norbert, der tu gefahrvollen Stunden, im Ueber» denken schwieriger Verhältnisse stets den klaren Geist bewahrt hatte, fand es ungemein schwer ein Gesprächsthema zu finden, nun er Mara allein gegenüber stand und sagte endlich:Welch ein herrlicher Mann ist Ihr Vater, Fräulein! Wie glücklich müssen Sie sich fühlen im Zusammen­leben mit ihm!"

Ich liebe und ehre meinen Vater, wie es nur einer Tochter möglich ist; allein glücklich bin ich nicht" -

Sie nicht glücklich ---wenn alles sich ver­eint." In Norberts Augen lag der weiche

Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bewahr­heitet. Allerdings ist die Ernte in den verschie­denen Theilen des Reichs sehr ungleich ausge­fallen und der Ertrag in der Hauptbrodfrucht, Roggen, unter dem Durchschnitt geblieben. Es kam hinzu, daß in den Brodkammern Rußlands der Roggen in seltenem Maße mißrathen war und der Bezug des uns fehlenden Bedarfs von dort gänzlich abgeschnitten wurde. In Folge dessen gingen die Getreidepreise außerordentlich in die Höhe, was zwar die Landwirthe mit reichlichen

nach den großen Städten und Judustriegegendeu zu leiden. Hier Abhilfe,?^ «Lassen und den Gegensatz zwischen Stadt und Land thunlichst e). zumilderu, ist gegenwärtig der Gegenstand beson­derer Sorge,ber preußischen Minister, die zum Theil mit eigenen Augen die wirthschaftlichen Zu­stände in den östlichen Provinzen untersuchten, und der Reichsregieruna, die bereit?;,eine Novelle zum Gesetz über den Uaterstützungswohnsitz mit dem Zwecke, die den Heimathsgemeinden erwach­senden Lasten und Schwierigkeiten zu mildern, angekündigt hat.

Wir wollen hier nicht untersuchen, ob es er­reichbar sei, daß Deutschland selber seinen Bedarf an Brodfrucht ganz decke. Jedenfalls find wir gegenwärtig hierin zum Theil auf das Ausland angewiesen, und so sehr auch die Landwirthschaft eine der Grundsäulen des preußischen Staates ist und bleiben wird, so muß ste doch mit dem weiten Blicke und Horizonte, den nach einem Wort des Kaisers der stete Verkehr in Luft und Licht verleiht, mit der Thatsache rechnen, daß umge-

Glanz, wie an jenem Tage, da Mara gemeint hatte, seine Seele gehöre ihr. Ein Zittern durch­lief die Gestalt des Mädchens, Mara faßte nach der Lehne des Stuhles neben dem sie stand, um es zu verbergen, dann sagte sie mit gewaltsam erzwungener Ruhe:

Nein, ich bin nicht glücklich und wenn Sie mir ihr Wort verpfänden, mich in keiner Weise zu unterbrechen ehe ich zu Eade gesprochen habe, so will ich Ihnen sagen warum ich nicht glücklich sein kann."

Ich gelobe keine Sylbe zu äußern, ehe Sie eS gestatten, Fräulein."

Nun wohl, ein Mann liebte mich und ich er­widerte diese Neigung, anfangs ganz unbewußt, schien doch seit den Tagen der Kindheit xfid-S Wort das ich ihn hatte sprechen hören, ein Echo in meiner Brust zu wecken. Meine Eltern hätten einem Bunde mit ihm kein Hinderniß entgegen­gesetzt, allein er begehrte gar nicht meine Hand. Weshalb ? Weil eine Verirrung in früher Jugend­zeit, welche längst durch die edelste Fürsorge für Andere gesühnt worden war, seine Seele mit düstern Bildern erfüllte. Des Dichters goldnes Wort:Besiegter Fehl ist all deS Menschen Tugend," er mochte nichts von ihm hören. Der stolze Mann fürchtete, daß eine Frau, im Bewußt­sein steten RechtthunS vielleicht in irgend einem unvorhergesehenen Falle sich hätte im Geist über ihn erheben können. Umbegt von treuer Eltern­liebe, im Besitz alles Dessen, was dem Menschen