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Hersseldel IrtisMitt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirles Iluter-aktungsölatt-.
Nr. 153. Donnerstag den 24. Dezember 1891.
Erstes Blatt.
Dmmck-Mckq.
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 19. Dezember 1891.
Ein von dem Postamts 1 in Allenstein für die Bahnpost 33 Thorn-Justerburg im Zuge 67 am 25. November 4 Bm. gefertigtes Geldbund ist auf bis jetzt unerklärliche Weise abhanden gekommen.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Erlöst.
Novelle von E. Rudorff.
Verfasserin des preisgekrönten Romans: „Durch Leid zum Licht."
(Fortsetzung.)
Ehrerbietig hatte Norbert Abschied von Frau Köstlin und Mara genommen; das Mädchen war in große Bewegung, fand jedoch die Kraft, diese vor ihrer Mutter und dem jungen Manne zu verbergen. Sie war dann an das Fenster des Wohnzimmers getreten, um Norbert in den Wagen steigen zu sehen, der ihn nach dem Bahnhof führte und blieb so lange dort, als man das Geräusch des davoneilenden G-fährteS hören konnte. Als ob sie etwas vergessen habe, eilte sie darauf schnell in ihr Zimmer und beide Hände vor die von Thränen überströmenden Augen haltend, rief sie in bitterem Weh: „Mein Jugendtraum ist aus, ich werde Ihn nie, nie mehr Wiedersehen!"
Während der ersten Monate hatte Norbert sehr viel in dem neuen Wirkungskreise zu thun, um Alles in den rechten Gang zu bringen, und er zeigte sich'dabei den Schwierigkeiten seiner Stellung durchaus gewachsen. Ja, er übertraf nach kurzer Zeit die Erwartungen, welche Köstlins weit schauender Blick gehegt.
Der Inhalt des Bundes hat aus folgenden Sendungen bestanden: 1. Geldbrief, aufgeliefert am 24. November 6—7 Nur. von der Firma Orlowskttn Allenstein, mit 858 M. 86 Pf. Werthangabe an Gutsbesitzer F. Hoppe in Waugst bei Lautern (Ostpr.). Inhalt: 8 Banknoten zu 100 M. = 800 M., 1 Kassenschein zu 5 M. — 5 M., 2 Doppelkronen 40 M., 1 Krone 10 M., 1 Zinsschein der Kreisobligationen der Provinzen Ost- und Westpreußen zu 1M. 50 Pf., 23 Briefmarken zu 10 Pf. - 2 M. 30 Pf., 1 Briefmarke zu 5 Pf., 1 Pfennigstück. Zusammen 858 M. 86 Pf. 2. Geldbrief, aufgeliefert am 24. November 6—7 Nm. von der Firma Orlowski in Allenstein, mit 1091 M. 80 Pf. Werthangabe au den Gutsbesitzer und Postagenten Albert Singt in Lichtenau (Ostpr.) Inhalt: 10 Banknoten zu 100 M. = 1000 M., 1 Kassenschein zu50M., 2 Kassenscheine zu 20 M. = 40 M., IZinsscheiuder Kreisobligation der Provinzen Ost- und Westpreußen zu 1 M. 50 Pf., 3 Briefmarken zu 10 Pf. = 30 Pf. Zusammen 1091 M. 80 Pf.
Die Nummern der Banknoten, Kassen- und Zinsscheine können nicht angegeben werden.
Bis jetzt sind alle Nachforschungen nach dem Verbleibe der Briefe erfolglos geblieben. Auf die Wiederherbetschaffung der Briefe bezw. ihres Werthinhalts hatdie Kaiserliche Ober-Postdirection in Königsberg (Pr.) eine Belohnung von 150 M. ausgesetzt.
Das Königliche Landrathsamt wird ergebenst ersucht, auf etwaige zur Aufklärung des Falles dienliche Umstände achten zu lassen und von Verdacht erregenden Wahrnehmungen die Kaiserliche Ober-Postdirection in Königsberg sofort und unter Umständen telegraphisch zu benachrichtigen.
Kaiserliches Postamt. V i g e l i u s. An das Königliche Landrathsamt hier. 1678.
* * *
Hersfeld, den 22. Dezember 1891.
Wird den Ortspölizeiverwaltungen und der
Um die Weihnachtszeit, als in der Abwickelung von Geschäften ein langsameres Tempo eingetreten war, erhielt Köstlin ein Schreiben von Norbert, es war kein Geschäftsbrief und die Ueberschrift der Blätter lautete: „Aus meinem Leben". Am ersten Feiertage las Köstlin in der Herrenstube die für ihn so bedeutungsvollen Bekenntnisse.
„Mein Vater war ein braver Subaltern-Be- amter in dem Städtchen M-, und es gelang ihm, was nur wenige in seinem Staude erreichen, einen geringen Sparpfennig für unvorhergesehene Fälle zu sammeln. Vor Allem verdankte er dies dem Fleiß und der wirthschaftlichen Tüchtigkeit meiner Mutter, von welcher ich sagen kann, daß ich sie niemals einen Augenblick müßig gesehen- Ihre Erholung bestand nur darin, daß sie Abwechselung in die Menge ihrer Arbeiten brächte. War der Rücken müde vom Scheuern und Waschen, so lehnte sie, das Strickzeug in der Hand, im Stuhle, und plauderte mit dem Vater oder mir. Ausbesserungen, Nähtereien wurden für den Abend zurückr,e!egt, wenn wir um die Lampe unsere Plätze einnahmen, und der Vater aus einem von dem Herrn Pfarrer oder dem Bürgermeister entliehenen Buche uns vorlas. Gewöhnlich waren es Reisebeschreibungen oder Werke geschichtlichen Inhalts, auch einige Romane von Walter Scott lernte ich damals kennen. Vater und Mutter
Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Recher- chtrung nach den Geldbriefen hierdurch mitgetheilt.
12626. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 19. Dezember 1891.
Am 10. Dezember zwischen 5 und 6 Uhr N. ist in Call während der Beförderung der Postladung vom Postamts zum Bahnhöfe oder auf dem Bahnhöfe selbst eine Kiste mit 5700 Mk. Werth - angabe, 51Kilogr. schwer, nach Frankfurt (Main) in Verlust gerathen.
Der Inhalt der Kiste bestand nach Angabe des Absenders aus Rohsilber und zwar vermuthlich aus einer größeren etwa 35—40 Ktlogr. schweren Platte, welche ungefähr 40 Centim. breit, 50 Centim. lang und 3 Centim. stark war und aus einem kleinen Stück.
Die zur Verpackung des Silbers verwendete Kiste ist am 11. Dezember in Call wieder aufge- funden worden; die nach dem Verbleibe des Werthinhalts eingestellten Ermittelungen sind bisher erfolglos gefeiteren.
Auf die Ergreifung des Thäters und die Wiedererlangung der abhanden gekommenen Silberwaaren ist von der Kaiserlichen Ober-Postdirection in Aachen eine Belohnung von „300 M." ausgesetzt.
Das Königliche Landrathsamt wird hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß gesetzt, gefällig auf etwaige verdächtige Umstände in Beziehung auf das Vorkommniß achten und der That Verdächtige festnehmen zu lassen.
Kaiserliches Postamt. Vigelius.
An das Königliche Landrathsamt hier. 1679.
* * *
Hersfeld, den 22. Dezember 1891.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie zur Recherchirung nach den verlorenen Werthgegenständeu mitgetheilt.
12623. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e t n i tz.
waren von der höchsten Redlichkeit, eine gedeihliche sittliche Atmosphäre umgab mich. Mein guter Vater starb als ich zwölf Jahre zählte. Die Mutter erhielt eine geringe Pension, man konnte sie nur ein Armengeld nennen, und wir bezogen eine billigere Wohnung, ein Stübchen im Dachgeschoß mit einer daran stoßenden Dachseiten- kammer. Meine Mutter arbeitete — falls dieses möglich gewesen wäre — noch emsiger; niemals hörte ich sie klagen, obschon unser Tisch recht schmal bestellt war, und mit dem Heizen unserer Stube, welche sehr frei lag, erst spät im Jahre begonnen wurde. Mir, welcher schnell wuchs, legte die gütige Mutter stets die größesten Stücke Fletsch oder Speck bei der Mahlzeit vor. Sie sagte zur Erklärung, daß sie schon zum Frühstück, während ich in der Schule war, mehr als nöthig gegessen habe, und nun der rechte Appetit ihr fehle. Eine edle Lüge, welche ich erst später er- kannte. So vergingen noch drei Jahre und ich wurde confirmirt.
Herr Commerzienrath Scheelborn, welchem das Häuschen gehörte, in welchem wir wohnten, und der durch seine große chemische Fabrik mit B. in Verbindung stand, hatte die Güte mir dort eine Stelle als Lehrling in einem Exporthause zu verschaffen. Stets war eS ein heißer Wunsch von mir gewesen, das Meer, die Menschen, welche auf den großen Schiffen aus fernen Weltteilen kamen, zu sehen, und eS schwebten nur freudige