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Herssel-er Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Auterhaltungsölatt-.

Nr. 141. Donnerstag den 26. November 1891.

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Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage JllnstrirtesUntcrhaltungs-Blatt" pro Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Ex­pedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 23. November 1991.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Einreichung der Gemeinde-Rechnung für 1890/91 noch im Rückstände sind, werden hieran mit einer letzten Frist bis zum 1. Dezember d. J. erinnert.

J. A. 1237. Der Königliche Landrath.

V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Bekanntmachung.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rind­vieh in hiesiger Stadt ist erloschen. Hersfeld, am 24. November 1891.

Der Bürgermeister

Braun.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rind­vieh in hiesiger Gemeinde ist erloschen. Kohlhausen, den 24. November 1891.

Der Bürgermeister

G l e b

Aus dem Reichstag.

Am Montag erledigte der R e i ch 8 t a g von der Krankenkassennovelle die Restbestimmungen über die Gemeindekrankenversicherung durch unver­änderte Annahme der bezüglichen Paragraphen der Kommissionsfassung und ging darauf zu den Festsetzungen über die Ortskrankenkaffen über, von denen die ersten Paragraphen gleichfalls unver­ändert angenommen wurden. Zu einer ein­gehenderen Debatte gaben nur die Bestimmungen über die Krankenunterstützung der Wöchnerinnen Veranlassung. Das Centrum und ein kleiner Theil der Konservativen erhob Einspruch gegen die von der Kommission an der Vorlage vorgenom­menen Aenderungen, daß auch unehelichen Wöch­nerinnen Krankenunterstützung zu gewähren ist. Die große Majorität aber stellte sich in der Er­wägung, daß die moralischen Rücksichten nicht die Unterstützung hindern dürften, auf den Stand­punkt der Kommission.

Wolilischt Nachrichten.

Se. Majestät der K a i s e r kam am Dienstag Vormittag nach 9 Uhr nach Berlin und begab sich vom Bahnhöfe aus sofort ins königliche Schloß. Dort hatte um 10*/.2 Uhr der kaiserlich russische Minister des Aeußeren, von Giers, die Ehre, vom Kaiser empfangen zu werden. Später begab sich Se. Majestät nach dem Exercterhause in der Karlstraße, woselbst die Vereidigung der neu ein­gestellten Rekruten der Garnisonen Berlin, Span- dau und Lichterfelde stattfand. Im Anschluß hieran nahm der Kaiser einige militärische Mel­dungen entgegen und entsprach hierauf einer Ein­ladung des Offizierkorps des 2. Garde-Regiments z. F. Am späteren Nachmittag gedachte Se. Majestät die Ruhmeshalle zu besuchen und dem­nächst im königlichen Schlosse zu Berlin auch den

Vortrag des Chefs des Militär-Kabinets entgegen- zunehmen. Um 5 Uhr sollte die Rückfahrt nach dem Neuen Palais angetreten werden.

Se. Majestät der Kaiser wird heute, Mitt­woch, gegen ld/4 Uhr Nachmittags mittels Sonder- zuges in Torgau eintreffen und daselbst der 150- jährigen Jubelfeier des dort garnisonirenden Pionierbataillons von Rauch (Brandenburgisches) Nr. 3, beiwohnen.

Zwischen den Regierungen Deutschlands und den Vereinigten Staaten von Nordamerika haben, wie der »Nat.-Ztg. berichtet wird, Verhandlungen wegen Ausdehnung des jetzt bestehenden Aus­lieferungsvertrages namentlich auf die­jenigen Eigenthumsvergeheu begonnen, welche bisher nur dann unter den Auslieferungsvertrag fielen, wenn durch sie Behörden geschädigt waren. Es wird beabsichtigt, künftig Flüchtlinge auch dann auszuliefern, wenn durch ihre Strafthat Private geschädigt worden sind. In den Grund- zügen ist eine Verständigung bereits erzielt worden. ES wird sich nur darum handeln, daß die Union Fürsorge für die Deckung der daselbst bei Aus- lieferungsverhandluugen entstehenden Kosten trifft, was bisher nicht der Fall war, während in Deutschland Kosten bei der Auslieferung flüch­tiger Amerikaner nicht berechnet wurden.

Der Militäretat für 1892/93 enthält im Ordi- narium einen Mehrbedarf für fortlaufende Aus­gaben in Höhe von 14,3 Millionen Mark. Diese Mehrausgabe ist zum großen Theil durch die Steigerung der Preise für die Naturaltenver- Pflegung der Truppen veranlaßt. Allein für das preußische Contingent vertheuert sich der Posten Brod- und Fourageverpflegung um 4,8 Millionen Mark. Die Berechnung geschieht so, daß für den Bedarf von April bis 1. Oktober 1892 die im Oktober 1891 wirklich gezahlten Preise angesetzt und für die zweite Hälfte des Jahresbedarfs, für den die künftige Ernte (1892) mit maßgebend

(Unbefugt« Nachdruck verboten.)

Klaub!

Roman aus der Gegenwart von Zos von Reuß.

(Fortsetzung.)

»Wann wird es sein müssen? O, mein Gott!" frug Clara angstvoll.

»Sie müssen sich erst vollständig erholen. Und in die Blumenfabrik dürfen Sie noch lange nicht gehen. Vielleicht können Sie ihrer Schwester daheim bei ihrer Arbeit helfen?"

»O, ja!"

Ich werde Sorge tragen, daß Sie sich nicht anstrengen müssen. Darf ich Ihnen diese Bilder­bücher einmal zum Zeitvertreib reichen? Miß Dawson beklagte sich gestern über Vernachlässigung nein, sie darf nicht darunter leiden--*

Clara empfing die Bilderbücher ziemlich theil- nahmlos, immerhin gewann Adelatde Zeit, sich auch um ihre ältern Pflichten zu kümmern. Selbst am Theettsch nahm sie bald ihren Platz als Wirthin wieder ein, da Clara in die schöne Zeit einzutreten begann, wo ein frühzeitiger, wohlthätiger Genesungsschlaf die verlorenen Kräfte sammeln hilft. Auch Axel von Horsten nebst der kleinen LIlli Veiten befanden sich zuweilen unter den Gästen. Und weil der junge Offizier seit seiner Rückkehr von Horsten und seinem Wieder­eintritt in die Gesellschaft sich einer vorzüglichen

Stimmung erfreute, trotz der unbeglichenen 1 Schulden, vergaß er Paulas Warnung und machte | »zur Abwechslung" einmal wieder dem »Gänschen von Buchenau" auf Tod und Leben die Cour.

Drei Wochen, nachdem Adelatde von Flechsen Clara Winkler auf Willibald Fresenius Grabe ausgefunden hatte, holte Frau Winkler die Tochter aus Frau von FlechsenS Villa in der Marien- straße in das Haus in der Vorstadt ab. Während Frau Winkler eine wohleinstudierte, daheim von Lenchrn ein paar mal abgehörte Dankesrede hielt, in welcher sie auch nur zweimal stecken blieb, er­starb Claras Dank in heißen, selbst von Adelaide unverstandenen Thränen.

Während der folgenden Tage fand Werner Flittner, daß eS in der Wohnung seiner Wirthin ganz besonders ruhig sei. Kein Gesang und kein Lachen wie früher, allerdings auch kein Schelten und kein Keifen der ordnungsliebenden Mutter. Auch Kindergeschrei gab es nicht mehr, da das »Wurm" von der gutmüthigen Stiefmutter nun selbst in Pflege genommen war und ein stattlicher kleiner Kerl zu werden begann, den der Maschiueu- dreher Friedrich Schmidt mit Vaterstolz ansah. Es war eigentlich todtenstill drüben .... Um so mehr erschrak der Miether, als er eines Tages erfuhr, daß Clara spurlos verschwunden sei.

XXIII.

Achtzehn Monate waren verstrichen. Ohne große Ereignisse hatte sich der Zeitraum abge­

sponnen, Schatten und Licht hatten wie immer abwechselnd die Pfade der Sterblichen getroffen. Manch Leid hatte die Zeit gebracht, aber in ihrem unentwegten Fortschreiten dafür auch manch heilenden Balsam auf die offenen Wunden gelegt.

Adelatde von Flechsen hatte allmählich das dreißigste Lebensjahr erreicht, ohne eine neue Wahl des Gatten getroffen zu haben. Dafür hatte sie aber verschiedene Körbe auSgetheilt, unter denen sich auch Herr von Falken befand. Der abgewtesene Freier schien hoch verwundert, daß die Dame bei ihrer anerkannten Befähigung die Vortheile einer Verbindung mit einem Diplo­maten nicht höher auschlug und war bald darauf inS Ausland gegangen, um seinem Streberthum leider ohne Adelaide einen größeren Spiel­raum zu geben.

Frau von Flechsen lebte das Leben unbekümmert weiter. Zu ihrer angeborenen großmüthigen Ge- sinnung hatte sich im Laufe der Zeit und Haupt- sächlich im Verkehr mit dem Freunde noch eine größere innere Befriedigung gesellt, welche ihren Weg j derzeit frei und rein erhielt. Der Freund selbst kam in unbestimmten Zwischenräumen. Er hatte neuerdings seinen Doktor med. gemacht und ward nun wieder »Herr Doktor" genannt, wie zehn Jahre früher von den Schülern der Tertia. Auch Axel von Horsten, der neugebackene Hauptmann, war ein ziemlich häufiger Besucher in Adelatdes Villa geblieben. Zeit und Ersah- rung hatten angefangen ihn ernster zu stimmen.