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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Htlssel-tl SreiüHatt

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllukrirtes Nntrrhaltungsölatt".

Nr. 137. Dienstag den 17. November 1891.

Amtliches.

Hersfeld, den 11. November 1891.

Infolge Ablebens einer der fünf für die Ge­meinde Niederaula verpflichteten Sachverständigen zur Untersuchung des Schweinefleisches auf das Vorhandensein von Trichinen werden die nach meiner Verfügung vom 20. Juni 1878 Nr. 6019 Kreisblatt Nr. 50 von 1878 bestimmten Schaubezirke in Niederaula wie folgt abgeävdert: I. Schaubezirk: Apotheker Richter von Haus Nr. 1 bis 60.

II. Schaubezirk: Kaufmann L. Schuchhardt von Hans Nr. 61 bis 70 und 101 bis 141. III. Schaubezirk: Bürgermeister Nuhn von Haus Nr. 71 bis 87.

IV. Schaubezirk: Küfer Wilhelm Bickhardt von Haus Nr. 88 bis 100/+ und 142 bis 167*/,. 11067. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 14. November 1891.

Zur Erledigung verschiedener Anfragen werden die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher hier­durch darauf aufmerksam gemacht, daß der zweite Theil der Ausführungs-Anweisung vom 5. August 1891 zum Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1891 (als Extra-Beilage) im Regterungs-Amts- blatt vom 7. Oktober d. J. (Nr. 43) vollständig veröffentlicht ist.

11458. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

# Moltke überBolkshccre."

Die socialdemokratische Partei ist bekanntlich eine Gegnerin der stehenden Heere. Sie will ein Volksheer," d. h. die Milizen, die nach kurzer Ausbildung wieder entlassen werden und erst zur Abwehr feindlicher Angriffe unter die Waffen treten. Auch das neue (Erfurter) Programm

enthält diese Forderung. Was ein solches Volks­heer bedeutet, hat man im französischen Kriege gesehen; die Nationalgarden und Freischaareu waren ein Unglück nicht sowohl für das deutsche Heer, als für ihr eigenes Vaterland. In den an klaren, treffenden Aussprüchen so reichen Briefen unseres Moltke findet sich auch eine Stelle, wo sich der große Kriegskenner über die Idee eines Volksheeres ausspricht. In einem Briefe an seinen Bruder Adolf aus Versailles heißt es:

Mau könnte von einem allgemeinen humanitären Standpunkt wünschen, den Beweis geführt zu sehen, daß der feste Entschluß eines ganzen Volkes dessen Bezwingung unmöglich macht, daß ein Volksheer", wie es von unseren Liberalen ge­fordert wird, genügt, um ein Land zu schützen. Der vaterländische Standpunkt ist freilich ein anderer, und wir hoffen zu zeigen, daß die Er­hebung selbst einer Nation mit solchen unerschöpf­lichen Mitteln und von solchem Patriotismus, wie die französische, nicht Stand halten kann gegen ein geschultes und tapferes Heer, und in einem ruchlos provocirten Angriffskrieg mag sich auch der Kosmopolit und Philanthrop darüber trösten. Jetzt haben wir unsere Streitkräfte heran und nehmen die Herausforderung an; größere Entscheidungen werden, wenn Du diesen Brief erhältst voraussichtlich fallen. Aber nur erbarmungslose Strenge kann zum Ziele führen. Fouquä erzählt von einem Ritter, der überall helfend und rettend auftritt, aber Alles flieht, wo er erscheint, weil dort stets große Unglücks­fälle eintreten. So geht es hier den Städten mit ihren Beschützern, den Nationalgarden und Freischaaren. Die Bewohner einer Festung dürfen sich nicht beklagen, aber wenn eine Stadt wie Chäieaudun u. a. in dem vergeblichen Versuch der Beschützer, sich darin zu behaupten, fast ver- uichtet wird, so ist das eine Grausamkeit der Vertheidiger. Die Städte, welche das Glück ge«

habt haben, deren nicht zu fiadeu, befinden sich sehr wohl."

Moltke schildert dann, wie in der Umgebung der deutschen Truppen der Kaufmann seinen Laden offen hält, der Landmann pflügt und jeder Bürger seiner friedlichen Beschäftigung nachgeht, während jenseits der deutschen Vorposten eine selbstgeschaffene Wüste von verlassenen Häusern, zerstörten Villen, in Brand geschossenen Palästen und umgehauenen Wäldern liegt. Eine be­waffnete Menschenmenge sei noch lange keine Armee und eS sei eine Barbarei, mit ihnen einen Krieg führen zu wollen.

Diese Worte eines so weisen und humanen Mannes sollte dir Gefolgschaft jener Apostel be­herzigen, welche die Geschicke deS Vaterlandes nicht einem militärisch durch und durch geschulten Volke in Waffen, soudern einem ungeübten MVolksheere" anvertrauen möchten.

Iotitische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser, welcher am Sonnabend Abend von den Hofjagden in der Eolbitz-Letzlinger Halbe wohlbehalten nach dem Neuen Palais zurückgekehrt ist, arbeitete am Sonntag Morgen zunächst einige Zeit allein. Gegen 10 Uhr begab der Kaiser sich gemeinsam mit der Kaiserin zu Wagen nach Potsdam, wo­selbst beide Majestäten dem Gottesdienste in der Friedenskirche betwohnten. Nach Beendigung des­selben kehrte das Kaiserpaar nach dem Neuen Palais zurück und sah später bet der Frühstücks- tafel einige Fürstlichkeiten und andere hochgestellte Persönlichkeiten bet sich als Gäste.

S e. M a j e st ä t derKatser wird im Laufe dieser Woche einige Tage in Hannover verweilen. Es steht für die genannte Zeit eine Hofjagd in Springe in Aussicht.

Im Reichstagsgebäude findet auf Einladung

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Roman aus der Gegenwart von Zoö von Reuß.

(Fortsetzung.)

Baron von Horsten war wenig erbaut, abeb er i fügte sich wie gewöhnlich. Er kannte Paula sehr genau und wußte, daß ihrem ausgesprochenen Willen gegenüber jeder Einspruch vergeblich sein werde. Es war ja auch ihr Recht, den Tag ihrer Verlobung selbst festzusetzen. Er würde Wind- [ heim seine väterliche Einwilligung zugehen lassen M über das Resultat seiner Unterredung mit I Vaula berichten. Den eigentlichen Verlobungstag nstzusetzen behalte sie sich noch vor, durfte der Brief ungefähr schließen, doch würde die Einla- | nach Horsten schon in den nächsten Tagen | Kommen. So war die Sache im Schick es I war am besten, wenn der Bote die briefliche Ant- I R1^^ mit sich nähme.Willst Du den Brief E Ast lesen?" schloß er aufstehend. Aber Paula I muttelte den Kopf, mehr traurig als mißmüthtg J wie gewöhnlich.

i , "^f & wohl, Kind, der Jnspector wird jedenfalls I tu meiner Stube warten. Weiß Gott, ich bin | ° ^rgnügt und möchte wirklich einmal wieder NM", mit ihm ins Feld zu retten. Der | hat mir heute Morgen die Sporensttefel

zum Anziehen hingestellt, fast als ob er es gewußt Hütte. Zuerst aber will ich zu Mama!"

Damit war der Baron hinaus. Als er die Thür der Veranda hinter sich zugezogen hatte, brach ein einziger Schmerzenslaut aus Paulas Munde, dann griff sie mechanisch nach der Arbeit, welche ihr auf den Schooß gesunken war, wie um wieder anzuknüpfen an die hier verträumte Stunde, aus welcher der Vater sie aufgestört hatte. Aber es gelang nicht. Wieder richteten sich sinnend die Blöcke in den Garten hinaus bis zu der Stelle, wo der See mit der Schwaneninsel erglänzte. Wie ein goldner Schuppenpanzer lag er im Früh- sonuenlicht, inmitten des herbstlich gefärbten Grüns, jede seiner Wellen wußte geschickt einen Sonnenstrahl aufzufangen, um ihn grüngoldtg schillernd zurück zu werfen. Mit Schmerz und Entzücken zugleich gedachte Paula jenes Abends, an w-lchem Willibald Fresentus sie nach der Schwaneninsel hinübergerudert hatte. Es war wie gestern, und doch trennten sie plötzlich unüber­windliche Mächte von dieser schönen Zeit! Paula fühlte mit Sicherheit, daß sie nicht anders und nicht besser lieben könne, als sie den Maler ge­liebt hatte, und daß hinter der Koketterie der Weltdame, mit welcher sie ihn angezogen hatte, auch das schwache sehnende Herz des Weibes versteckt gewesen sei, das nach der Nähe des Ge­liebten verlangt und ihn ewig festzuhalten wünscht!

Nur durch mich soll er es erfahren!" sagte sie leise,nur durch mich selbst! Darum der Aufschub! Erst will ich ein Verhältniß lösen, das nicht zu lösen ist, bevor es Uebersättigung tödiet!" setzte sie noch leiser hinzu.Mir ists, als ob sie mir ein weites ebenes Bett graben für den Strom meiner Lebenslage, der doch nur ein Bach ist." Und indem sie unwillkürlich ein welkes Blatt auffing, das der nächste Lindenbaum wind- bewegt abgeschüttelt halte, drängten sich Lenaus Verse auf ihre Lippen:

Der Herbstwind hat ein welkes Blatt

Von fern mir zugetrieben,

Dies feine, öffne Brieflein hat Der Tod an mich geschrieben!"

XIX.

Am Ausgang des Parkes, dort, woselbst sich -der wohlgepflegte Schloßpark in den schönen Naturpark des Buchenwaldes verlor, zweigte sich ein Weg ab, der zu einem Mooshäuschen hinauf- führte, Eremitage genannt, welches das häufige Ziel der einsamen Wanderungen der jungen Baronesse war. Indem sie es mit Glasmalereien versah und mit Hirschhornmöbeln ausstattete, hatte sie ihm eine hübsche und paffende Einrich­tung gegeben, welche die Besucher entzückte. Dennoch verstand sie es für sich allein zu wahren, und die Gäste des Hauses mußten schon weit vorgeschritten sein in Paula von Horstens Gunst,