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Hersseliier Kreistillltt.

Mit wöcheutticher Hratis-AeilageIllustrirtes MuterhaltungsSlatt".

Nr. 136.

Sonnabend den 14. November

1891.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. November 1891.

Da bei dem bevorstehenden Jahresschlüsse wegen Umtausches und der Erneuerung der Quittuugs- kalten Nr. 1 die Ausgabestellen des hiesigen Kreises sämmtlich mit weiteren Quittungskartenformu- laren versehen werden müssen, so haben mir die Herren Ortsvorstände des Kreises, um den Be­darf bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs­anstalt rechtzeitig anmelden zu können, bis zum 20. d. Mts. berichtlich anzuzeigen, wieviel weitere Quittungskarten und wieviel Formularpapier zum Verzeichniß über ausgestellte Quittungskarten, nach Titel« und Einlagebogen getrennt, für das nächste Jahrvoraussichtlich erforderlich sein werden. 11277. Der Königliche Landrath

Freiherr von SÄleiuitz.

Berlin, den 30. Oktober 1891.

Bekanntmachung

wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe II zu den Schuldverschreibungen der Preußischen fonfo» lidirten 4pcozentigen Staatsanleihe von 1882.

Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschretdunaeu der Preußischen konsolidir- ten 4prozentigen Staatsanleihe von 1882 über die Zinjen für deZeit vom I.Jinuar 1892 bis 31. Dezember 1901 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 1. Dezember 1891 ob von der Kontrolle der Staats Pap'ere hierselbst, Orallieustroße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Aus­nahme der Sonn- und Festtage und der letzten

drei Geschäftstage jeden Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs- Hauptkaffen, sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfang­nahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat der­selben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein­reicher eine nummerirte Marke als Empfangs- Bescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle er­halten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zu­rück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.

In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staats­papiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinan- weisungen nicht einlassen.

Wer die Zinsscheiue durch eine der oben ge­nannten Provinzialkassen beziehen will, hat der­selben die Anweisungen mit einem doppelten Ver­zeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Pro­vinzialkassen und den von den Königlichen Re­gierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.

Der Einreichung der Schuldverschreibungen be­darf es zur Erlangung der neuen Zinsschetne nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden g-kommen sind, in diesem Falle sind die Schuld­

verschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen. Königliche Hauptverwaltung der Staatsschulden.

I. 2754. gez. S y d o W.

Wolitifche Nachrichten.

Ihre Majestäten der K a i s er und die K a i s e r i n wohnten am Mittwoch Vormittag dem für die Mitglieder der Generalsynode im Dom veran- (falteten Gottesdienst bei. Die Generalsynode beschloß einstimmig eine Adresse an Se. Majestät den Kaiser, in welcher der Dank für den zuge- sagten künftigen Schutz der Landeskirche ausge­sprochen und das Bestreben der Generalsynode betont wird, das Regiment der Kirche in unent­wegter Treue und Ergebenheit zu stärken zu dem Ziele: Das evangelische Leben des Volkes allent­halben neu zu erwecken, die Gemeinden zu Brenu- Punkten dieses Lebens zu machen, den Wegen Gottes in der Erziehung zur Gotteskindschaft Raum zu schaffen, die Kräfte des Glaubens und die Gedanken des Evangeliums in den socialen Kämpfen der Zeit zur Geltung zu bringen und so die Feinde des Reiches Gottes zu überwinden.

Se. Majestät der K a i s e r hat sich am Donners­tag zur Jagd nach Letzlingen begeben.

Die Uebersicht der Reichsansaaben und -Ein­nahmen für das Etatsjahr 1890/91 ist dem Bundesrathe vorgelegt worden. Nach derselben beziffert sich die etatsmäßige Soll-Einnahme im ordentlichen Etat auf 1105 462 991,67 Mk., im außerordentlichen Etat auf 527 046 295,38 Mk., zusammen auf 1632 509 287,05 Mk; die Soll- Ausgaben im ordentlichen Etat auf 1090 314 790,24 Mk., im außerordentlichen auf 527 046 295,38 Mk., zusammen auf 1617 361085,62 Mk., so daß sich ein Ueberschuß vor 15148201,43 Mk. ergeben hat

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Stand!

Roman aus der Gegenwart

von Zo8 von Reuß.

(Fortsetzung.)

Das Elternpaar empfand eine Erleichterung, auch Axel fühlte etwas ähnliches. Als der Wagen mit dem abreisenden Gaste nach der vierzig Minuten entfernten Eisenbahnstation davongerollt war, rieb er wie im Vergnügen die Hände und sagte lachend zu der Baronin:

"Gieb acht, Mama, in den nächsten acht Tagen platzt Windheim los! Schon vorgestern war er wir eine schlecht gekorkte Flasche. Nachgerade wirds aber auch Zeit, wenn mein schönes Schwesterlein nicht noch alles hier im Hause in Verwirrung bringen soll. Mit Laporte hals nicht viel auf sich für ihn möchte ich allenfalls ^Garantie übernehmen. Aber der Maler! Ich ahne, Paula hat ein stilles tendre für den Farbenkleckser!"

| «Denkst Du wirklich im Ernst daran, Axel?" frug die Baronin erschrocken und ließ die mit Pünktlichkeit selbst geführten Milchverkaufs' rechnungsbücher unwillkürlich in Erregung zur Erde gleiten.Unmöglich! Aber wir kennen alle als unberechenbar . . ,

^"A^uhice Dich nicht, Mama, es war nicht Wn Ernst gesprochen," tröstete Axel gutmüthig.

iPaula ist klug und kennt die Lage der Sache | ganz genau!"

Dennoch*

Auch ich wünsche dringend ein baldiges, gutes Ende, vermuthlich scheint sich die Sache durch das Weggehen des Malers zu vereinfachen- Darum ists! ... Ich kann den Gedanken nicht von mir weisen, daß der Teufel durch den verflixten Maler sein Spiel mit uns treibt! . . . Darf ich Dich zum Obstaufsammeln in den Garten begleiten, Mama?"

XVIII.

Traumhaft und eindruckslos zogen die nach­folgenden Tage an Paula von Horsten vorüber und wurden zu Wochen. Mit einem neuen Bande von Zola oder Tolstoi) lag sie stundenlang in ihrer Hängematte, die ihr Laporte an einem Der« (triften Orte, tief im Grünen aufgehängt hatte.

Kurz nach der Abreise hatte Maler Fresenius geschrieben und über die Ursache seiner schleunigen Abreise ziemlich umständlich berichtet. Stolz hatte er hinzugefügt, daß seine Rache gegen die neidischen Kollegen bereits eingeleitet seiTitanta", für deren Nachsendung er danke, werde das übrige thun. Die Kunsthändler seien davon entzückt, besonders weil es so modern-realistisch gehalten sei, daß es sicher die Menge blenden werde, ohne der Fachkritik besondere Angriffspunkte zu geben. DieFehler" seien Eigenschaften der neuen Schule und würden von einem großen Theil des Publikums

süc Vorzüge angesehen .... Allmählich ver­stummten die Thatsachen in den Briefen des Malers ganz, nur der Sprache der leidenschaft­lichsten Liebe und den abenteuerlichsten Zukunfts- Plänen ward noch Raum gegeben, ähnlich wie bei dem mündlichen Verkehr.

Die heißliebenden Briefe des Malers blieben mit ihrem fascinirendeu Glänze die einzige An- regung für Paulas nachEmotion" dürstende Seele. Dennoch empfing sie dieselben in halb refignirter Stimmung. Die Verhältnisse hier drängten sie immer stärker zur Entscheidung, so gern sie dieselbe gerade im jetzigen Augenblicke noch hinausgeschoben hätte. Wenn Windheim redete, was sollte sie antworten? Und wenn er nicht redete? Sie wußte sehr genau, welche Hoffnungen st- damit innerhalb ihrer Familie zerstörte und hatte sich auch gewöhnt, in Wiudheim den künftigen Gatten zu sehen. Der Aufschub war ihr bis jetzt willkommen gewesen zu einem uneiirgeschränkten Lebensgenuß in ihrem Sinne, den Windheim niemals gestattet haben würde. Aber sie war bei ihrer Art, das Leben zu ge- uteßen, müde geworden, sehr müde .... Dazu war in Paula von Horsten trotz ihres Egoismus viel von jener Fam lteultebe zu finden, die sich selbst nur als einen Bruchtheil des Ganzen, der Family ansieht und die eigenen Interessen klug und vorirchtig zuruckstellt, oft bis zur Aufopferung, um der Gesammtheit nicht zu schaden. Sie hatte viel, unendlich viel Liebe, Nachsicht und