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Herssel-et Irrishlntt

Wil wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes Auterhaltungsblatt".

Nr. 134. .

Dienstag den 10. November

189L

Amtliches.

Hersfeld, den 6. November 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 23. Sep- tember c. Nr. 9828 (Kreisblatt 119) die Neu­wahlen der SLiedsmäuner und deren Stellvertreter betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Metdung von 3 Mk. Strafe erinnert.

9828. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 6. November 1891.

Die Herren OrtSvorstände, welche mit der Er­ledigung meiner Verfügung vom 1. Oktober 1880 Nr. 11469 im Kreisblatt Nr. 79, die den Ge- meindekassen im Jahre 1891 zugefloffenen Beträge für verkauftes Obst betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 15. -. M- bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

11262. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 4 November 1891.

Der bei dem Postamte in Lüneburg im Land- briefträgerdienst beschäftigt gewesene ständige Posthülfsbote Johann Jürgen Heinrich Hoher ist nach Unterschlagung von Postanweisungsgeldern in Höhe von vorläufig 277 M., von gewöhnlichen Packeten und Unterdrückung von gewöhnlichen Briefen seit 28. Oktober Abends flüchtig. Hoher bat sich wahrscheinlich mit einem der Abendzüge, 84S oder 945 Nm., nach Hamburg begeben

Das Königliche Landrathsamt wird hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß gesetzt, gefälligst Seitens der untergebenen Polizeiorgane auf den Flüchtigen fahnden, ihn im Betretungs- falle verhaften zu lassen und vom Geschehenen der Kaiserlichen Ober Postdirektion in Hamburg Mit­theilung zu machen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Klaub!

Roman aus der Gegenwart von Zoö von Reuß.

(Fortsetzung.)

XVI.

Seit zwei Tagen weilte Axel von Horsten im Elternhause. Mt dem Freunve und Kameraden, Lieutenant Laporte, den er sich mitgebracht hatte, nebst Herrn von Windheim, hatte mau sich vor­genommen tüchtig zu jagen. Auch der Maler nahm den ersten Tag theil und brächte der Baronin ein paar Feldhühner mit. Dann zog er sich wieder zu seiner Beschäftigung zurück, trotz wiederholter Aufforderung, besonders Herrn von Windheims, der plötzlich den Mäcen zu spielen versuchte, und den Maler in besondere Afffktion nahm. Mit Lieutenant Laporte stellte sich das Verhältniß weniger gut, Wtudheim schien nicht ohne Eifersucht auf Axels Freund, der ein früherer Bekannter und Tänzer von Paula war, und der

'o?0^ plötzlich von geheimem Mißtrauen S^n Lieutenant Laporte beseelt, da dieser erklärte, zu kenneiE 8U bcr Hauptfigur in „sub rosa“ w®ag ganze Regiment schwärmt für die schöne Blumenmacherin," versicherte er Willibald Frese-

Personal-Beschreibung:

Name: Johann Jürgen Heinrich Hoher. Stand: ständiger Posthülfsbote. Wohnung: Lüneburg. Geburtsort: Edendorf, Kreis Uelzen. Religion: lutherisch. Alter: 24 Jahre (geb. 4. November 1867). Statur: untersetzt. Größe: 1m 66 em. Haare: blond. Bart: kleiner, blonder Schnurr- bart. Gesichtsfarbe: frisch- Zähne: gut, voll­ständig. Bekleidung: wahrscheinlich dunkelbraun karrtrtes Jaquet, dunkele Beinkleider, Zugstiefel, dunkelbrauucr steifer Filzbut.

Besondere Kennzeichen: krumme Beine (früherer Dragoner), stilles, freundliches Wesen.

Kaiserliches Postamt. V i g e l i u 8. An das Königliche Landrathsamt hier. Nr. 1487.

* * *

Hersfeld, den 7. November 1891.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Recher- chtrung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.

11223. Der Königliche Landrath ___ Freiherr: o^n Schleinitz.

HerSfeld, den 5. November 1891.

Der Posthülfsbote Jsidor Dillenschneider in Pfalzburg ist nach Unterschlagung von 2746 M. flüchtig. Er hat zwei ihm am 25. Oktober Vor­mittag zur Bestellung übergebene Geldbriefe, 1904 M. auS Stroßburg (Elsaß) I an Wittmann in Pfalzburg und 160 M. aus Clermout Ferrand au Caroline Lffung in Pfalzburg sowie 682 M. 39 Pf. Postanweisungsgelder mitgenommen.

D.r Geldbrief aus Straßburg (Elsaß) hat 19 Reichsbanknoteu zu 100 M. und 4 M. baares Geld enthalten. Die Nummern und etwaigen besonderen Kennzeichen der Banknoten vermag der Absender nicht anzugeben. In dem Briefe aus Frankreich sollen 2 Banknoten zu 100 Frcs. ent­halten gewesen sein. Die Nummern derselben sind nicht bekannt; Mitschuldige sind nicht vor­handen.

Das Königliche Landrathsamt wird ergebenst

nius, „als sie am dritten Tage ihre Cigarre auf der Veranda zusammen rauchten, selbst die Fähn­riche siud voa dem Mädel paff, geradezu paff, sage ich Ihnen. Uebrigens haben Sie sich in der Maske dis Gärtners samos selbstportraitirt — ganz famos."

„Sind Sie heute genügend zum Schuß ge­kommen?" wich der Maler aus.

„Passable. Uebrigens famoses Plaisir. Ueber- Haupt begreife ich Axels Schwärmerei für sei« Stammgut. besonders die Buchenwälder sind sehr schön. Freilich wird er eine reiche Frau heirathen müssen, wenn er seiner Schwester heranszahlen muß . . . ."

Willibald Fresenius schwieg gedankenvoll, indem er überlegte, ob Windheim Recht haben könne mit seiner Eifersucht gegen Laporte. War er neben dem Jagdvergnügen auch als Nebenbuhler gekommen? Er war ein schöner Mann und schneidiger Offizier, und Paula zeigte sich auch jederzeit freundlich und zuvorkommend gegen den Gast, was durchaus nicht immer der Fall war.

„Windheim hat Mammon genug, aber ich glaube, er läßt sich deshalb doch die Butter vom Brode nicht nehmen," zerstreute der Lieutenant die heimlichen Besorgnisse des Malers wieder. „Glauben Sie, daß es bald zur Verlobung kommt? Axel ließ neulich ein piar Andeutungen über WindheimS Blödigkeit fallen, mir selbst scheint er aber nicht ohne Courage."

ersucht, gefl. durch die Gendarmen und OrtSpolizei- behörden auf den Dillenschneider fahnden, den­selben im Betretungsfalle verhaften zu lassen und vom Geschehenen der Kaiserlichen Oberpostdirectiou in Metz, sowie der Staatsanwaltschaft in Zabern sogleich Mittheilung zu machen.

Person-Beschreibung.

Name: Jsidor Dillenschneider; Konfession: katholisch; Alter: 26i/a Jahr (geboren am 15. April 1865); Geburtsort: DagSburg; Größe: 1,65 m; Gestalt: schlank; Gesicht: mager, blaß; Haare: blond; Bart: dünner, blonder Schnurr- bart, die Spitzen nach aufwärts gedreht; Augen: grau und groß; Nase: schmal und etwas gebogen; Ohren: klein; Kleidung: dunkler TuLaozug, brauner Ueberzieher, brauner, steifer Filzhut, Stehkragen. Besondere Kennzeichen: Dillevschnei- der hat eine Narbe an der Handwurzel. Spricht nur die deutsche Sprache.

Auf die Ergreifung deS Thäters und die Her- beischüffung des Geldes sind 150 M. Belohnung auSgesetzt. >

Kaiserliches Postamt. Bigelius. An Königliches Landratbsamt hier.

* * *

HerSfeld, den 6. November 1891.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Recher- Äirung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.

11224. Der Königliche Landrath ___ Freiherr von Schleinitz.

Zugelaufen: ein Hund (weißer Spitz), männ­lichen Geschlechts. Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Friedewald.

Uolitische Nachrichten.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin begaben sich am Sonntag Vormittag gemeinsam zu Wagen nach PotSdam, um daselbst

Der Maler antwortete nicht, die Kehle war ihm wie zugeschnürt, um so mehr, als er Paulas sylphidenhafre Gestalt zwischen dem Gesträuch bemerkte, das den ersten Broncetou des Herbstes trug und vom Vergehen sprach. Nein, die Leiden­schaft, die er neuerdings fühlte, war unvergänglich. Die heiße begehrende Liebe deS Mannes und die Liebe des Künstlers hatten in Paula von Horsten ein und dasselbe Ziel gefunden, und sahen ihre Sehnsucht in einem einzigen Gegenstände verkörpert!

Zehn Minuten später ging er wieder an ihrer Seite. Sie schien unruhig und von schweren Gedanken bedrückt. Er ahnte, daß sie sich vor der nächsten Zukunft fürchte, die Anwesenheit des Bruders konnte leicht die Angelegenheit in Fluß bringen. Daß Paula Windheim nicht liebte, war ihm läagst klar geworden, ebenso daß sie gedrängt werde, ihn zu heirathen, von den Eltern und vielleicht auch von dem Bruder, dem ein reicher Schwager bei seiner ewigen Geldverlegenheit sicherlich äußerst willkommen war. Ob sie ihn, Willibald, liebte? Noch hatte er das Räthsel nicht ergründet, aber er fühlte, daß die Lösung nahe sei.

"Darf ich Sie etwas auf den See hinaus- rudern, Paula?• frug er leidenschaftlich, indem er absichtlich jede gesellschaftliche Form bei Seite schob.

Sie nickte stumm.

Triumph, er durfte das Boot lösen. Zwei