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Herssel-el Kleisdilltt.

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Rr. 133.

Sonnabend den 7. November

1891.

Zweites Blatt

auszuübeu, da die Preissteigerung durch günstigere ErwerbSverhältniffe ausgeglichen werden kann.*

Durch neuere Vorgänge ist die Aufmerksamkeit besonders auf zwei Verbrechen gelenkt worden, auf die Kuppelei und auf die Morde in den Großstädten. Im Jahre 1889 wurden 1794 Per­sonen wegen Kuppelei verurtheilt gegen 1952 im Vorjahre; auf 100 000 Strafmündige kamen 1889 5,3 verurtheilte Kuppeler; diese relative Zahl ist noch etwas höher als der Durchschnitt für 1882/88 (mit 5,2). Bei Mord ist für 1889 die absolute Zahl 107, die relative 0,32 (gegen 0,41 im Durch­schnitt von 1882/88). Die Berliner Mordthaten, die in der letzten Zeit so viel Aufsehen erregten, könnten den Glauben erwecken, als sei die Krimi­nalität für Mord in den Großstädten besonders ungünstig, etwa wegen größerer Entartung des Lebens oder wegen der Zusammendrängung zweifelhafter Existenzen in einzelnen Häusern, Straßen und Stadttheilen. Besondere Aufnah- wen für die Großstädte sind in der deutschen Kriminalstattstik so viel wir wissen nicht gemacht, und so liegt uns auch feine Mordstatistik der Großstädte vor. Nar für Berlin, das in der Statistik als Regierungsbezirk zählt, und für den Staat Hamburg, der im Wesentlichen aus einer Großstadt besteht, liefert uns die offtctelle Sta­tistik das nöthige Material, um zu beurtheilen, ob etwa die Großstädte tu Bezug auf Mordthaten besonders ungünstig gestellt sind. Es kamen auf 100000 Strafmündige Verurtheilte: wegen Ver­gehen gegen die Person im Reiche 41.6, in Preußen 42,3, in Bayern 60,8 (hier fallen na­mentlich die zahlreichen Körperverletzungen un­günstig in dir Wagschale), in Berlin 43, in Hamburg 31,4; wegen Mordes und Todtschlags im Reiche 0,08, in Preußen 0,06, in Bayern 0,13, in Berlin 0,03, in Hamburg 0,10. Für das Jahr vorher waren die Verhältnißzahlen bet Mord und Todtschlag in Preußen 0,06, in Bayern 0,09. in Berlin 0,04, in Hamburg 0,00. Berlin nimmt also in Bezug auf die schwersten Verbrechen wider die Person eine vergleichsweise günstige Stellung ein. Hamburg stand in Bezug auf Mord und Todtschlag 1889 etwas ungünstiger als der Durch­schnitt deS Reichs, im Jahre vorher war dieselbe Rubrik ganz leer geblieben. Je seltener ein Ver­brechen überhaupt vorkommt und Mord und Todtschlag gehören glücklicherweise zu den seltensten , um so weniger sind Z ahlen, die nur für kurze Zeiträume und kleinere Bezirke gelten, zu Ver­gleichen und Schlußfolgerungen geeignet.

# Kriminalstatistische Betrachtungen.

Nachdem die vorläufigenErgebniffe der Kriminal- statistik für 1889 schon vor Jahresfrist Mitge­theilt waren, ist kürzlich die ausführliche Bearbei­tung erschienen und ihr sind wieder in den Statistischen Monatsheften die vorläufigen Er­gebnisse für 1890 gefolgt.

Eine Kriminalstotistik für das Reich giebt eS erst seit dem Jahre 1882. Daß seitdem die Zahl der Verurtheilungen gestiegen ist, kann bet dem Wachsthum der Bevölkerung nicht weiter auffallen. Allein auch die Kriminalität ist gestiegen, d. h. die Zahl der verurtheilten Personen hat in höhe­rem Grade zugenommen, als die Bevölkerung. Während nämlich 1882 noch auf 100 000 straf- mündige d. h. über 12 Jahre alte Personen, das aktive Militär ungerechnet, 1043 verurtheilte Personen kamen, berechnete sich 1889 dies Ver­hältniß auf 1102 Personen und für 1890 ist eS weiter auf 1125 gestiegen. Von 1882 bis 1890 hat sich die Bevölkerung um 7,11 pCt., die Zahl der verurtheilten Personen um 15,60 pCt. ver­mehrt; die Vermehrung biS 1889 betrug 5,99 PCt. und 12,02 PCt. Für die Gesammtzabl der Verurtheilungen (1890 : 381441 gegen 329968 in 1882) haben die Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen und tu dieser Gruppe wieder Diebstahl, Betrug und Unterschlagung wegen ihrer Häufigkeit die meiste Wichtigkeit. Beim einfachen Diebstahl waren die absoluten Zahlen von 1882 bis 1888 von 79116 verurtheilten Personen auf 65060, die relativen (d. h. das Verhältniß der Verurtheilten zu 100000 Strafmündigen) von 250 auf 196 stetig zurückgegangen. Im Jahre 1889 ist die absolute Zahl auf 71881, die rela­tive auf 214 emporgrschnellt. Bei der Unter­schlagung stieg die relative Zahl von 46 auf 47; bei Betrug von 35 auf 45,

Zwischen dem Steigen und Fallen der Ver- mögensvergetzen und der wirthschaftlichen Lage des Volkes muß ein gewisser Zusammenhang be­stehen. ES bedarf keines Bew-ises, daß mit der Leichtigkeit oder Schwierigkeit, den nothwendigen Lebensunterhalt zu erwerben, auch der Anreiz, sich widerrechtliche Vermögensvortheile zu ver­schaffen, obnimmt oder sich verstärkt. DaS kaiser­liche Statistische Amt gibt im Anschluß au die Darstellung dieser Kriminalität die Durchschnitts- Lebensmitielpreise für die Königreiche Preußen, Bayern und Württemberg sowie die Großherzog- thümer Baden und Heffen. Vergleicht man die Preisbewegung mit der KriminalitätSentwickelung der VermögeuSdelikte in der Weise, daß man die Preise der Jahre 1888 und 1889 mit den DeliktS- zahlen des JatzreS 1889 in Beziehung setzt, weil nämlich die 1889 abgeurtheilten Delikte zum großen Theil 1888 begangen wurden, daher auch nur von den damaligen Verhältnissen beeinflußt werden konnten, so ergiebt sich in der That, ebenso wie eine Steigerung der KriminaUtätSziffern, M Steigerung der LebenSmittelpreise gegenüber den Vorjahren »Allerdings - so wird hinzu- ~ find weder für 1888 noch für 1889 im MAn^o l °^n aufgeführten Vorjahren die yochsten LebenSmittelpreise zu verzeichnen, so daß mhtAfwuR beträchtlichen Umschwung in der Kri- Kux 8to^^^ deS BerichtSjahreS noch Vieles unerklärt bleibt. Auch braucht die Zu-

Am 4.

nabme der LebenSmittelpreise überhaupt keine er- Ration Colbergermünde telegraphirt: kennbare ungünstige Wirkung auf die Kriminalität r ' "

Nov. von der hier gestrandeten deutschen GaleaS

»Johann Carl*, Kapitän Piper, mit Kohlen von Swiuemüude nach Königsberg bestimmt, die auS vier Personen bestehende Besatzung durch den Raketenapparat gerettet.*

Myslowitz, 3. Novbr. In Jombrowa Gornicza, Russisch-Polen, ist auf der Kohlengrube PariS ein Schacht eingestürzt. Fünf Bergleute wurden verschüttet und getödtet.

Der inQuenStowu am4. d.angekom- meue Cunard- DampferSerbin* meldet, daß der britische DampferOcean Prince* in furcht­bar zerschlagenem Zustande von Gibraltar nach einundzwanzigtägiger Reise in New-Aork einge- troffen ist. DerOcean Prince" hatte am 19. Oktober einen entsetzlichen Orkan zu bestehen. In der Kajüte stand das Waffer 6 Faß hoch. Die Bollwerke wurden von den Wellen eiugesLla- gen, die Kajütenthüren auS den Angeln gerissen, die Oberlichtfenster zertrümmert und die Dampf- röhren zerbrochen. 30 Stunden lang hatte die Besatzung nichts zu essen. Kapitän Brown sagt, daß während des Sturmes ein britischer Dampfer mit gelbem Schornstein vor seinen Augen unter­gegangen sei.

Aus B u t h a City (Montana) wird der folgende Unglücksfall gemeldet. In der Anacouda-Mtue stürzte ein Förderkorb, in welchem sich neunzehn Arbeiter befanden, in Folge Bruchs eines Taues in die Tiefe. Der Kord fiel mit fürchterlicher Gewalt auf die unten im Schacht zur Hinaufbeförderung wartende Ar­beiter. Siebzehn derselben wurden zu einer un­kenntlichen Masse zerquetscht; zwei wurden lebend herausgezogen; doch sind sie so übel zugerichtet, daß ihr Wiederaufkommen als ausgeschlossen betrachtet werden muß.

Ueber die jüngsten Empfang « vorberei- tungen für die Zaren-Familie läng« den russischen Bahnen geht derKönigSb. Hart. Ztg." von der preußisch-russischen Grenze folgendes Schreiben zu: Wie ein schwerer Baun lag es seit länger denn acht Tagen auf einem großen Theile der Bewohnerschaft des Nachbar­landes. Wurden doch für die Rückkehr de« Kaiser« Vorsicht«- maßregeln in einem Umfange wie noch nie getroffen. Von der Grenze an bi« wohl auf die letzte Endstation waren beide Seiten der Bahn dicht, häufiger in Abständen von kaum zehn Metern, mit Soldaten besetzt, die zum Theil au« recht ent­fernten Regimentern auSgewählt und hierher gesandt waren. Für Bewachung der Brücken, Durchlässe, Uebergänge und Waldstrecken war außerdem noch ganz besondere Vorsorge

F^ ^ Bahnstrecke gelegenen Ortschaften und Gehöfte mußten während der Nacht erleuchtet sein und in den merundzwanzig Stunden durfte dieselben niemand ohne Erlaubnis verlassen oder betreten, noch viel weniger durften Unbefugte sich in die Nähe der Bahnstrecke begeben, se, es auch zu etwaigen landwirthschaftlichen Arbeiten auf eigenem Grund und Boden; sofortige Verhaftung war hierbei bcit ^ stehenden Posten und fortwährend bedächtig hin und her ziehenden Patrouillen eilten aus und ab höhere und niedere Offiziere, um sich vom rechten Stand der angeordneten SicherheitSmaßregeln zu überzeugen, dazwischen die Gestalten der Geheimpolizisten. In Wahrheit konnte hier kaum eine Stecknadel ungesehen zur Erde fallen. R ^ ^ k-r Durchfahrt waren alle diese S ^berhaster Thätigkeit. Still und ruhig

°^b-n die Bewohner m ihren Hütten, und mancher wagte thatsächlich kaum, vor die Thur zu treten. Der Wachtposten- d enst war ein äußerst angestrengter. In Sturm und Regen ^ derselben Stelle stehen, nur vorwärt« und die kurze Strecke recht« oder links blicken, ohne zu essen, zu trinken oder sonst einen, auch den unschuldigsten Zeitvertreib, l° Est^" die Posten sechs bis 10 Stunden aushalten; denn ^ Ablösungen sollten so selten al« möglich vorgenommen werd n. Erst nach Vorüberfahrt des Zuge«, und nachdem derselbe einige Kilometer entfernt war, erfolgte die Ablösung. Uwe ab"^* ""?**" die Soldaten in die nächsten Quar-

Verwischtes.

GoSlar, 4. November. Im Gran- tz ö f e r Holze fand man die von Füchsen total abgenagte Leiche eines seit August vorigen JahreS vermißten Soldaten vo m 82. R e - g i m e n t und daneben dessen Gewehr. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet.

Berlin, 4 November. Das hiesige Bankhaus H t r s ch fe l d u. W o l f f ist insolvent geworden. Die Höhe der Passiven wird bis auf sieben Millionen Mark angegeben.

L 8 a r a , 3. November. Gestern Nachmittag stürzte in Folge heftiger Bora eine Barke mit Wäscherinnen unweit Oltre um. 16 Wäsche­rinnen ertranken; neun Leichen wurden gefunden. Die Bemannung der Barke rettete sich.

B r e m e n , 4. November. Die Rettungs-